…nachgedacht?- Oder auch: wie alles begann, 17. Jan, 2015

…JA. SCHON. ABER DIE ENTSCHEIDUNG FIEL LETZTEN ENDES DOCH ANDERS AUS. Wie immer. Ich zerbreche mir so häufig den Kopf. So unglaublich oft. Ich denke nach über Gott und die Welt. Ich sehe etwas, und muss es analysieren. Will es verstehen. Ich sehe zum Beispiel, wie mich jemand ansieht, mich sehr langsam anblinzelt, und immer noch nicht weg sieht. Sehe die versteckte Müdigkeit hinter den Augen. Und ich will wissen: was bedeutet dieser Blick?

Ich sitze im Bus. Eine Frau beobachtet ihre Hände, streicht immer wieder und immer wieder – vor und zurück – ihren Ringfinger. Sehr in Gedanken versunken, nicht in der Welt, in der ich gerade bin. Sie dreht ihren Finger beobachtet ihn, als sei da etwas, was nur sie sehen kann.
War sie vor kurzem noch verlobt? Verheiratet?
Oder ist es das, was sie sich wünscht?

Ich sehe ein kleines Kind mit dunklen Engelslocken. Ihre Augen groß und aufnahmefähig. Ihre Stirn an das Fenster gelehnt und ihre Augen durch die Dunkelheit draußen wandernd. Sie beobachtet alles mit Faszination. Ihre Augen glitzern. Sie beobachtet eine Schaukel.
Sieht sie gerade diese Schaukel im warmen Sommer zur Abenddämmerung? Sitzt sie auf dieser Schaukel, lacht und wird von ihrem Papa angeschubst? Erinnert sie sich, wie sie von der Schaukel gefallen ist, weil sie nicht hören wollte, sie solle nicht schaukeln, wenn sie Eis isst? Oder wie sie sich mit Freunden um diesen fliegenden Stuhl stritten?

Es gibt so viel, was Menschen sehen, aber kein anderer sehen kann. Vielleicht sehe ich einen Schmetterling und freue mich, wenn sich ihm ein zweiter gesellt und mit ihm spielend im Licht der Sonne verschwindet.
Ein anderer nimmt diese Flatterflügel gar nicht wahr.

Gestern dachte ich auch nach. Sehr viel…. insgesamt denke ich momentan viel nach. Aber das liegt alles an der verzwickten Situation zwischen *Paye und *Kora (und mir).
Das Problem ist ….. ach, es ist so furchtbar kompliziert…
Paye lernte ich Mitte/gegen Ende Oktober kennen. Sie ist eine großartige Frau…. aber ich habe keine Lust das alles nochmal zu schreiben. Zumal dieser Blog ehwieso nur entstand, weil mein anderer jemand liest, der mich kennt und das ist eigentlich nicht der gewollte Effekt von meinem Online-Schreiben. Ich wollte anonym bleiben. So kann ich schreiben, ohne mir vorher Gedanken darüber zu machen, was ich schreiben darf. Das verfehlt völlig den Sinn und Zweck der Sache. Ich will hier meine Seele ausbreiten können, meine Seele zu Wort lassen kommen können. Das geht nicht, wenn ich darauf achten muss, so zu schreiben, dass ich niemanden verletze. Und das war bei meinem letzten Blog leider so. Ich konnte nicht mehr hemmungslos schreiben. Weil ich weiß, das mit allem, was ich schreibe, es dazu führen könnte, dass ich sie verletze……. und ich glaube das ist auch schon längst passiert.. ach…
Jedenfalls schrieb ich hier über Paye (Paye ist „A.“): -25.Dez.2014

Nun …. ist ja auch egal.
Denn selbst ich konnte Weihnachten endlich mal so verbringen, dass ich Freude dran habe.
Ich traf mich ganz spontan mit A. Es stand wirklich nicht fest. Im Gegenteil. Ich war mich nicht einmal sicher, ob ich sie jemals wieder sehe.
Als ich sie vor ca. zwei Monaten im Internet kennen lernte, hätte ich im Leben nie gedacht, dass ich sie ein drittes Mal sehe. Nicht einmal mit einem zweiten Treffen hatte ich gerechnet! Im Prinzip hatte ich damals nur in die Runde gefragt, ob jemand spontan Lust hat noch auszugehen. Einfach um den Abend irgendwie ausklingen zu lassen, weil mir so furchtbar langweilig war und meine Freunde kurzfristig abgesprungen sind.
Unter anderen hatte sich A. eben gemeldet und meinte, dass sie das ein anderes Mal gerne machen würde.
Aus diesem einen Treffen wurde ein Zweites. Und aus dem Zweiten ein Drittes.
Komischerweise fasziniert sie mich nach jedem Treffen aufs Neue. Ich finde sie unheimlich anziehend.
Sie ist eine atemberaubend schöne Frau. Eine, die beobachtet und berührt … außerdem habe ich das Gefühl, in ihr steckt viel mehr, als wie sie zugibt.
Sie wirkt so tief . Es sind so kleine Botschaften. Wirklich Sätze oder Wörter, wie sie jeder spricht, aber sie verleiht ihnen so einen Nachgeschmack…
Ich weiß nicht wie sie das macht. Als würden die Wörter ihrer Stimme eine Aura hinterher ziehen. Einfach irre… ich kann es wirklich nicht erklären.
Man müsste es selbst erleben – selber spüren.
Nun… als ich am 23. Dez. meinen Geburtstag feierte, war ich mit meinen Besten erst einmal auf dem Pink-Christmas. Daraufhin setzten wir uns in eine Bar und ließen den Abend für uns ruhig-lustig ausklingen. Wir waren nur zu fünft. Aber genauso hatte ich es mir gewünscht. Ich bin niemand der gerne mit 180 Leuten feiert.

Als wir dann auf dem Heimweg waren, musste ich an A. denken und hatte auf einmal … na, Sehnsucht ist übertrieben … aber jedenfalls hatte ich den starken Wunsch, sie wieder zu sehen. Mich nervte es, dass wir immer nur über Whatsapp schrieben. Und was mich am meisten an der Sache stört ist die, dass ich das Gefühl habe, dass wir vielmehr aneinander vorbei, als miteinander schreiben. Genauso schrieb ich ihr das dann an dem Abend auch. Ich sagte klipp und klar, dass ich sie wieder sehen wolle. Ich würde ihr ab dem Zeitpunkt an nicht mehr schreiben. Es strengt mich einfach so unglaublich an. Ich bin sowieso nicht so der Tipper. Ich hasse es, Freunden in Whatsapp oder SMS zu antworten. Keine Ahnung warum.
A. schrieb ich allerdings gerne. Aber …. gerade DAS strengte mich an. Ach, keine Ahnung. Ist doch auch egal. Jedenfalls haben wir dann abgemacht, dass wir uns am nächsten Tag – also gestern – einfach kurzfristig treffen.

Ich war überrascht. Denn nachdem wir uns nun knapp einen Monat nicht mehr gesehen hatte, war meine Faszination schon fast wieder verschwunden. Ich mochte sie, fand sie interessant – nach wie vor – aber es war einfach nicht mehr dieses leidenschaftliche Gefühl da, welches ich für sie empfand.
Und als ich gestern da auf der Bank saß und in meinem Buch las, als sie dann auf mich zukam, war ich wieder hin und weg wie bei unserer ersten Begegnung. Als würde ich vergessen, wie schön sie ist. Diese Augen, dieses Lächeln…. diese unglaublich sinnlichen Lippen. Und wieder … ihre Stimme …. dieses Magische, was sie hat, wenn sie spricht. Dieser Nachgeschmack von seidener Wärme, die mich tief im inneren berührt. Es ist wirklich …. faszinierend.
Und das hatte mir gefehlt.
Es ist fast so, als wäre diese Faszination, wenn wir uns sehen, zu 100% da. Vielleicht sogar zu 101%.
Und sobald wird uns wieder längere Zeit nicht sehen, sinkt es… weil ich es vergesse? Weil ich es verdränge? Ich habe doch selbst keine Ahnung.
Es ist so, als seien diese 100% nach 7 Tagen nur noch bei 50% … nach weiteren 7 Tagen vielleicht bei 20% …. bis es fast in sowas wie eine Gleichgültigkeit fällt.
Mega kompliziert diese blöde Situation.
Als ich gestern mit ihr in den letzten Minuten noch im Auto saß, spielten meine Hormone wieder total verrückt.
Nach unserem ersten Treffen sagte sie, sie wäre sehr in der Versuchung gewesen, mich zu küssen.
Mich hatte das tierisch geärgert, immerhin hätte ich es beinahe getan. Aber es war zwecklos. Wir waren bei unserem ersten Treffen bei ihren “Partymädels” zum Vorglühen verabredet. Wären wir an jenem Abend alleine gewesen, hätte ich für nichts garantieren können. Gab es einen Moment, an dem ich nicht wünschte, ihren Hals zu liebkosen, sogen mich ihre sinnlichen Lippen in Bann….
Aber ich tat es nicht. Ich küsste sie nicht. Warum auch immer.
Bei unserem zweiten Treffen bat sie mich um einen Gefallen. Ich fragte, welcher dieser wäre.
“Solltest du vorgehabt haben, mich zu küssen ……… dann bitte ich dich, das nicht zu tun.”
Ich war teilweise überrascht und amüsiert… ich fragte, weshalb sie das nicht wolle.
Darauf antwortete sie, dass es nicht direkt ums Nicht-Wollen ginge…. sie meinte, sie könnte nicht widerstehen, und das fände sie schade.
Sie würde es einfach jetzt in dem Moment noch nicht wollen …. und dass es schon richtig sein würde.

Und um diesen Gefallen bat sie mich indirekt gestern auch. Und ich tat es nicht. Vielleicht hätte ich es einfach tun sollen? Nein…
Mich macht zwar dieses Verlangen nach der ersten Berührung ihrer Lippen wahnsinnig, aber ich tat es nicht. Und ich werde mir niemals erklären können, warum.
Vielleicht ist es auch nicht wichtig.
Ich weiß nicht, was momentan wichtig ist, und was nicht…

Ich weiß nur, dass ich nichts weiß.

Sie hat mich irgendwie berührt. Ich weiß nicht, wie sie das gemacht hat. Aber ich weiß, dass ich mich bedingungslos in sie verliebt habe. Ich hatte sowieso immer ein komisches Gefühl bei der ganzen Sache. Und für einen kurzen Moment hatte ich sogar mal in Erwägung gezogen, dass es doch sein könnte, dass sie noch eine andere neben mir hat. Aber ich habe den Gedanken nicht ertragen – ich konnte nicht glauben, dass das wirklich der Fall ist. Niemals. Nicht Paye. Sie hätte mir das von Anfang an gesagt…

Denkste…: -26.Dez.2014

Ich bin ja so ein Volltrottel. Es lag auf der Hand. Es war so offensichtlich. Aber das hellste Licht macht einen Blind.
Warum sie nicht wollte, dass ich sie küsse, weil sie nicht widerstehen könnte? Ich habe mir fast täglich den Kopf darüber zerbrochen.
Sie will keine Beziehung.
Sie findet mich extrem anziehend.
Aber sie will nicht, dass ich sie küsse, weil sie nicht widerstehen könnte und das wolle sie nicht.
Where´s the fucking logic????!!!!
Ich habe es wirklich nicht verstanden…
Nach zwei Monaten sagt sie es… tatsächlich: Da ist eine andere…
AH WAAA!!!

Super. Ich bin ein Vollidiot. Erst leugne ich mir mit allen Mitteln, dass ich mich durch und durch in diese Frau verknallt habe.
Wider den Gefühlen und allem, was mit ihnen spielt. Aber partout: nein, ich habe mich nicht verliebt. Ich finde sie nur anziehend.
Jaja….

Das Schlimme an der Sache ist, dass sie sagte, dass sie mich trotzdem immer noch sehen will… Ihre Worte waren, sie fände es schade, dass sie sich nicht in mich verliebt hat. Es würde absurd klingen – ohja, das tut es – aber so sei es.
Das Schlimmere daran: ich will sie auch weiterhin sehen.

Aber wieso? Bin ich masochistisch? Nein … dann würde ich ja leiden. Aber das tu ich nicht.
Es stört mich bloß so… habe ich die letzten zwei Monate fast täglich gewünscht, endlich ihre sinnlichen Lippen zu berühren, ihr Nahe zu sein, ihre Hände an meinem Körper zu spüren… das ist auf einmal alles weg…. der Wunsch, die Sehnsucht danach ist zwar noch da… aber sobald ich mir das vorstelle…. sehe ich immer, wie sie diese andere Frau küsst. Wie sie diese andere Frau berührt…. und das gefällt mir nicht… das gefällt mir absolut, 0,00 – NICHT. Verdammt….

Und ausgerechnet jetzt gestehe ich mir ein, dass ich mich verliebt habe? Wieso?
Wieso, wieso, wieso?
Wieso jetzt, nachdem sie mir sagt, dass sie seit fast zwei Monaten mit einer anderen was am Laufen hat und die beiden verliebt sind?
Warum ausgerechnet jetzt?
Ich könnte im Kanon kotzen.

Und mir dafür einen Kopfschuss verpassen, dass ich so maßlos blind und blöd war …

Aber ich kann ihr nicht einmal wütend sein. Denn sie ist so ehrlich und rein……
Traurig bin ich allerdings auch nicht.
Ich weiß nicht, was ich bin.

Verärgert.
Ohja. Verärgert über mich.
Nachdenklich.
Total durcheinander….
>>Gefühlschaos<<

Trottel oder Volltrottel? Es war doch offensichtlich, oder? Vermutlich hätte es jeder vor mir gesehen. Jeder. Nur ich nicht. Wieder mal. Ja, gottverdammt. Das hat mir den Schlag ins Gesicht gegeben. Aber Das war nicht das „Schlimme“ an der Sache. Das Schlimme daran war, dass ich trotzdem nicht von ihr abließ. Und warum? Ja. Da ist es. Dieses bescheuerte Warum! Ich habe nämlich keinen blassen Schimmer. Warum laufe ich ihr noch hinterher? Warum hege ich weiterhin Hoffnung, wenn sie doch sowieso sagt, sie will keine Beziehung? Wenn ich doch sowieso weiß, dass sie nebenbei mit einer anderen vögelt und auch noch verknallt ist? Warum schieße ich sie nicht einfach ab. Streich sie aus meinem Leben. W.A.R.U.M?
Vermutlich ist das so typisch bei Frauen. Ob ich ihr knallhart einen Laufpass gegeben hätte, wenn ich ein Mann gewesen wäre? Keine Ahnung.

Ich dachte nach… schlief zwei Nächte darüber, weil ich meinte, ich muss mir nochmal durch den Kopf gehen lassen, wie das von meiner Seite aus weitergehen soll.. und ich entschied mich. Ich entschied mich, dass ich sie weiterhin eine Rolle in meinem Leben spielen soll… Pustekuchen.

Am 03.01.2015. Ein Samstag.
Ich war auf She* (lesbischer Club) … und ab dem Zeitpunkt an, war alles anders. Paye schrieb mir nämlich ein Tag davor, dass sie auf She* sein wird…. und ich wurde ganz spontan, nur wenige Stunden vorher eingeladen. Ich war unschlüssig, dachte mir dann aber: „Egal, habe einfach Spaß, schalte ab.“ …also schrieb ich Paye, dass es ein kann, dass wir uns am Abend sehen. Sie schrieb: „Ist doch toll! :-)“ …. ich: „Ich bin mir nicht so sicher, ob das eine gute Idee ist.“…Sie: „Warum?“ … Ich: „Stimmt. Warum eigentlich? Gibt ja keinen Grund…“
Ich ging hin. Einerseits der tollste Abend meines Lebens. Andererseits der Schlimmste. Mal abgesehen davon, dass es die absolute Wahrheit ist, dass Szenen-Partys etc. einfach nur die reinste Freakshow sind. Ich war das erste Mal in der Szene unterwegs. Und She* ist gar nicht mein Fall. Es ist einfach keine normale Welt, keine normalen Umstände. Teilweise fast schon angsteinflößend. Und dann sah ich Paye.
Was ja nicht überraschend war. Was mir aber den Abend durchgehend ruinierte war, als ich sah, wie sie mit einer Frau flirtete, und schließlich die Nummern tauschte….

Sie ist ein freier Mensch. Eine Freigeistin. Sie darf tun und lassen, was sie will. Sie darf vögeln und lieben und flirten mit wem sie will/wen sie will. Aber dann soll sie mir nie wieder – gottverdammt – NIE wieder solche Sachen sagen. Sie ist eine Lügnerin. In gewisser Weise jedenfalls. Mich verletzte es. Es tat mir so weh, dass sie mir sagte, sie würde mich nicht küssen wollen, weil da eine andere ist, die sie nicht verletzen will. Aber dennoch mit einer „Neuen“ im Club flirtet und Nummern austauscht. Das war einfach zu hoch für mich. Ging über meinen Verstand hinaus. ich hatte keine Lust mehr. Packte meine Sachen und ging.

Die U-Bahn kam erst um halb 5. Also musste ich 30 Minuten warten. Dort unten konnte ich es mir nicht mehr zurückhalten. Ich weinte. Es tat mir einfach weh. Sie verletzte mich. Zumal sie mich an dem Abend durchgehend abgewimmelt hat. Und irgendwo dachte ich mir: „Die verarscht mich doch. Die kann das nicht ernst meinen.“
Und an jenem Abend fing an sich mein Leben auf den Kopf zu stellen.
In der Bahn setzte sich mir eine Frau gegenüber. Ich hatte ihr gleich angesehen, dass sie auch auf She* gewesen sein muss… sie reichte mir ein Kaugummi und fragte, warum ich so traurig sei…. Ich war so gerührt von dieser süßen Geste, dass ich fast wieder hätte weinen müssen. Ich wollte nicht ausführlich über die ganze blöde Situation erzählen, deshalb blieb ich bei der Kurzversion. Ich hätte jemanden kennen gelernt, die keine Beziehung will, mich aber anziehend findet, dennoch nicht küssen will, weil es nicht „richtig“ wäre. Eine, die mir nach 2 Monaten sagt, dass sie neben mir noch eine andere am Start hat, die sie nicht verletzen will. Aber heute mit einer anderen She* geflirtet hat und mir durchgehend Abfuhren erteilte.
Sie hörte wirklich zu. Ihre meerblauen Augen erkundeten mein Gesicht, als wollten sie hören, was mein Kopf denkt, nicht nur was mein Mund spricht. Und auf alles, was ich ihr erzählte, sagte sie nur einen Satz. Einen Satz, der mir die Augen öffnete. „Niemand sollte nur die zweite Wahl sein.“ Und darauf konnte ich erstmal nichts sagen… sie hatte recht. Sie HAT recht. Niemand sollte die zweite Wahl sein. Und ich glaube das war der Punkt, an dem ich versuchte, mich von Paye abzulösen.
Jedenfalls fuhr die Frau mit mir zusammen bis zur Endstation, wo ich dann in den Bus steigen musste, um nach Hause zu fahren (der mich praktisch direkt vor die Haustür fährt). Ich erfuhr, dass sie gleich da in der Nähe von der Endstation der U-Bahn wohnte. Mein Bus kam erst in einer halben Stunde. Sie setzte sich mit mir zusammen an die Haltestelle und wartete. Sie war so geduldig.
Wir redeten. Über die Szene. Dass wir sie zum Kotzen finden (obwohl ich sie erst seit sechs Stunden kenne). Dass es eigentlich nicht unsere Welt ist, aber zum Abschalten perfekt ist. Wir regten uns über Menschen auf, die nicht wissen, was Rechtschreibung, Grammatik oder Zeichensetzung ist und aus denen geistig nicht viel herauszuholen war. Ich mochte sie. Ich fand sie wirklich sympathisch. Und sie war sehr attraktiv. Diese stechend blauen Augen, bei denen man denkt, sich in tiefes Wasser zu stürzen, wenn man ihr in die Augen blickt, die dunklen, kurzen Haare. Aber was mich am meisten an ihr faszinierte waren ihre Blicke. Sie lächelte, beobachtete, aber egal was sie tat… in ihrem Blick lag immer so eine tiefe Traurigkeit. Fast sowas wie Hoffnungslosigkeit. Ich weiß, dass ich manchmal mehr sehe, als andere Menschen. Ich weiß auch, dass ich außergewöhnlich feine Antennen habe. Deshalb weiß ich nicht, ob die Traurigkeit in ihren Augen nur mir aufgefallen wäre, oder auch anderen. Jedenfalls sieht man sie. Wenn man wirklich beobachtet – und das kann jeder – würde es jeder sehen! Aber mich faszinierte es. Es machte sie schön… irgendwie melancholisch… ungreifbar. Verletzlich. Und trotzdem furchtbar stark.
Wir tauschten unsere Nummern, als der Bus kam und blieben in Kontakt.
Zwei Tage später lud sie mich nach Hause zum Vorglühen ein. Sie und zwei gute Freundinnen von ihr, *Bea und *Melly, wollten am Abend noch in den CC* (lesbischer Club). Eigentlich hatte ich nicht vor mitzukommen, zumal ich nur noch 15€ stecken hatte und genauso viel der Eintritt kostete. Dort beim Vorglühen lernte ich Bea und Melly besser kennen. Die beiden sind seit 3 Jahren in einer Beziehung und ich habe sie wahnsinnig ins Herz geschlossen. Bea nimmt wirklich kein Blatt vor den Mund. Sie ist sowas von direkt und zugleich unglaublich lustig. Ich liebe das an Menschen! Manu ist etwas ruhiger, lacht aber viel und ist irgendwie trotz ihrer Ruhe immer voll präsent.
Jedenfalls wollten die beiden nochmal wissen, wie Karo und ich uns kennen gelernt hatten und wir erzählten ihnen die zufällige Begegnung in der U-Bahn. Kora sagte auch, dass sie sich erst gar nicht sicher war, ob sie mich hätte ansprechen sollen (übrigens: Kora ist 30, Bea 23, Melly 20). Nach der Geschichte wollte Bea natürlich wissen, warum ich geweint habe und ich erzählte wieder die Kurzversion, nur dass ich diesmal auch Payes Namen erwähnte.
Alle drei brachen und ungläubiges, fast hysterisches Gelächter aus und brauchten lange, bis sie sich wieder eingekriegt hatten.

Die Geschichte war die: Koras beste Freundin, (die nebenbei genauso heißt wie ich *Jasmin) war in einer Beziehung mit einer *Chiara. Sie sollen sehr glücklich gewesen sein. Das Problem bei der ganzen Sache war nur, dass Chiara Paye vor langer Zeit mal bei einer Mitfahrgelegenheit kennen gelernt hatte und sie irgendwas miteinander hatten. Aber schon da hatte Paye Chiara gesagt, sie würde keine Beziehung wollen (kenne ich irgendwoher). Jedenfalls scheint Paye ganz genau gewusst zu haben, dass Chiara dann in einer Beziehung war, hatte sie aber nie in Ruhe gelassen. Sie hätte ihr immer geschrieben, fing immer wieder was mit ihr an und Chiara ging darauf ein. Sie konnte nie wirklich mit Paye abschließen. Sie lief ihr immer hinterher. Und das brach Jasmin das Herz. Sie wohnen heute noch zusammen, aber für beide ist das eine furchtbar quälende Situation und ganz nebenbei: Chiara hat immer noch nicht von Paye abgelassen.
Kora, Melly und Bea erzählten mir, dass man sich über Paye sagen würde, sie würde sich die Frauen nur warm halten und es sei nichts außergewöhnliches, dass sie mal 4 Frauen am Start hat. Ich war so überfordert mir diesen Informationen, dass ich gar nicht wusste, was ich dazu sagen soll. Ich meine, ich hatte Paye menschlich kennen lernen können…. ich erinnere mich an unsere Begegnungen, von denen die zweite die unvergessliche bleiben wird:


13.Dez.2014

Ich besuchte Paye bei der Arbeit. Es gab einen Bücherflohmarkt, was hieß, dass ich um 13:00 Uhr bei ihr ankam und bis 18:00 neben ihr saß. Wir redeten nicht viel. Wir lasen nur. Ich weiß, wie ich ankam und sie gerade vor der Kasse saß und ein sehr gesund aussehendes Sandwich aß. Sie stand auf, umarmte mich. Sie trug eine ausgeblichene Jeans, knallige Turnschuhe (ich glaube orange und grün. Orange auf jeden Fall!), einen dunkelblauen (oder war es marine?) Pulli und eine farblich dazu passende „Mütze“. (Die mich an diese Dinger erinnern, die Französinnen immer tragen). Ich war wieder mal begeistert, wie unglaublich schön sie war. Und ich fühlte mich in den ganzen fünf Stunden wie in einer Nebelwelt neben ihr. Wir lasen ein Buch „LOVE – The world book of love“… analysierten, spekulierten, zogen es ins Lächerliche, aber vor allem dachten wir gemeinsam nach und interessierten uns. Ich beobachtete sie beim Vorlesen. Ich beobachtete, wie ihre Lippen sich bewegten, musterte die kleinste Bewegung ihrer Muskeln am Hals. Ihre Nasenspitze. Ich wusste, dass sie merkte, dass ich sie anstarrte. Dass ich sie anschmachtete und dass ich nichts lieber getan hätte, als sie zu küssen. Hier und jetzt. Einfach ohne nachzudenken. Ich fühlte, wie mir mein Herz Wunden an den Brustkorb schlug, und das nur, weil ich ganze 5 Stunden dasaß und ihr beim Lesen zusah, ihrer Stimme lauschte, die sich für mich (bis heute) wie Musik in den Ohren anhörte. Ich beobachtete sie im Umgang mit den wenigen Kunden, diese raffinierte Art sich mit ihnen zu verständigen, auf sie einzugehen, auch wenn sie komplett verschieden wie sie waren. Ich weiß nicht, ob sie das deshalb so gut kann, weil sie Kommunikationswissenschaft studiert hat und weil sie Psychologin ist. Keine Ahnung. Wirklich nicht. Auf jeden Fall kann sie es. Und allein das fand ich unglaublich faszinierend. Ich glaube sie spielte auch ein bisschen mit mir. Immer wieder gab es Situationen, in denen sie mich mal nicht beachtete… so tat als wäre ich nicht da… aber trotzdem fühlte ich mich nicht ignoriert. Ich wusste, sie weiß dass ich da bin. Und dass dieses Nicht-Beachten eher einen zuneiglichen Hintergrund hatte, als einen verletzenden.
Um 18:00 Uhr stiegen wir in ihr Auto und sie nahm mich mit bis zum *Tor, damit ich dort zur S-Bahn kann. Im Auto sagte sie dann „Darf ich dich um einen Gefallen bitten?“ Ich nickte.
Sie „Wenn du vorgehabt hattest ……… mich zu küssen….. dann bitte ich dich darum, es nicht zu tun.“
Ich *dezent amüsiert* „Warum?“
Sie „Das wäre nicht richtig…“
Ich „Wieso nicht?“
Sie „… ich weiß es nicht……… es wird schon seinen Grund haben…. ich könnte nicht widerstehen. Und das wäre nicht gut..“
Ich „Wieso nicht?“
Sie „…das wird schon seine Richtigkeit haben, glaub mir.“
….. ich tat es nicht.


Dieser Tag. Dieser eine, verfluchte Tag. Diese wenigen 6 Stunden machen es mir so schwer, sie los zu lassen. Ich habe das Gefühl, dass sich da menschlich irgendwas zwischen uns entwickelt hat (jedenfalls meinerseits. Ihrerseits ja wohl scheinbar nicht)… Und ich rede nicht von dieser absurden „Bitte-Küss-Mich-Nicht-Situation“.. sondern von den Stunden davor, in denen ich ihr lauschte und sie beobachtete. Es ist, als hätte sich mein Herz in ihre Seele gebohrt und sich verhakt. Ein Haken mit ganz vielen kleinen Widerhaken, die sich ohne Schmerzen nicht mehr lösen werden.

Ich wusste also nicht, was ich davon halten soll, was ich von ihr da gerade beim Vorglühen erfuhr. Das war einfach etwas so komplett anderes – wie eine völlig andere Person.
…. Und ich war wie vor den Kopf gestoßen. Wen hatte ich da kennen gelernt? Wer war Paye wirklich? Auf was sollte ich mich verlassen? Auf meinen Kopf, mein Bauch, mein Herz? Auf die vielen Menschen, die mich vor ihr warnen? Auf mein Herz, das sagt, dass ich sie besser kenne als die anderen? Auf mein Bauch, der ein ungutes Grummeln bei der Sache hat, aber prinzipiell eher meinem Herz recht gibt, obwohl das manchmal echt schmerzhaft enden kann? Oder meinem Kopf, der mich ununterbrochen beschimpft, verflucht und anschreit, dass ich dumm und dämlich bin, dass ich meine Augen aufmachen soll und endlich einen Haken hinter die Sache setzen soll?
Der Kreislauf hat bereits angefangen.
Und mit ihm die Intrigen, der Schmerz, die Verzweiflung und die Treuelosigkeit.
Einer wird leiden.
Die Frage ist nur: Wer?

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2 thoughts on “…nachgedacht?- Oder auch: wie alles begann, 17. Jan, 2015

  1. diese paye ist mir irgendwie unheimlich. es liest sich fast so, als würde sie ganz bewusst mit dir spielen, nur du merkst es nicht einmal. hast du schonmal probiert das alles objektiv zu betrachten? wie die ganze sache aussehen würde, wenn du mal alle gefühle kurz beiseite schiebst? an deiner stelle würde ich mich an karo halten.. verletze jemanden, der dir so viel gibt auf keinen fall für einen menschen, der DICH verletzt.

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  2. @Anja
    Es ist schwer über Menschen zu urteilen, die man nicht kennt. Aber dein Vorschlag mit „einer objektiven Sicht“ ist gar nicht so verkehrt. Ich würde niemals sagen, dass Paye eine „schlechte“ Person ist oder gar „bösartige“ Absichten hat. Vermutlich weiß sie selber nicht, wo ihr der Kopf steht. Es gibt oft mehrere Personen im Leben zur selben Zeit, zu denen man sehr starke, zuneigliche Gefühle entwickelt. Ich verstehe nicht, weshalb man da dann anfangen muss, zu unterscheiden? Kann man nicht Person A anziehend finden, wähernd man Person B anziehend findet, und in Person C vielleicht sogar verliebt ist?
    Menschen sind unglaubliche Individuen (trotz deiner Einstellung á la „Wir sind nur noch Kopien“ – da gebe ich dir in gewisser Weise sogar Recht).

    Ich versuche es mal so zu sagen.
    Wenn Paye dir sagt, sie empfindet das und jenes für dich (positiv), ABER nebenher noch eine andere Person in ihrem Leben ist, für den sie auch das und jenes empfindet, dann heißt das nicht, dass die Empfindungen für dich nun minderwertig oder gar unbedeutend werden. Verstehst du, was ich meine, liebe Abeo? Könntest du sagen, dass du z.B deinen Vater weniger liebst, nur weil du auch deine Mutter liebst? ….

    Aber in der Sache hat Anja recht: „verletzte jemanden, der dir so viel gibt auf keinen Fall für einen Menschen, der DICH verletzt“… auch wenn – und ich muss das nicht weiter ausführen, ich bin mir SICHER, du verstehst meine Botschaft – auch wenn das „Verletztsein“ nicht von außen entsteht … 😉

    Herzliche Grüße,
    Silke

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