…Was sich dreht, kommt immer an, 20. Jan. 2015

ES IST EINFACH SO ABSURD. So unglaublich! Vor fast einem Jahr (sogar länger!) lernte ich im Internet *Sevin kennen. Das war irgendwann im November. Bevor ich sie kennen lernte, hate ich einen Schutzmechanismus angeeignet. Bzw. sowas in der Art, weil *Lella von heute auf morgen aus meinem Leben verschwand.


Lella’s Geschichte

Lella lernte ich am 14.07.2011 im Internet kennen. Ich war vierzehn. Damals war ich noch jemand anderes. Ich war unselbstbewusst. Ein graues Mäuschen, eine Mitläuferin. Ich wurde nie gemobbt, aber ich war auch alles andere als ‚beliebt‘. Ich hatte meine zwei Freunde (von denen sich die eine als hinterhältigste Person der Welt entpuppte und die andere, *Sarah, heute meine beste Freundin ist). Ich war aber nie gerne unter Menschen. und schon gar nicht unter Jugendlichen. Für mich waren es Monster, Insekten, Bazillen. Ich ging meistens schon eineinhalb Stunden früher in die Schule los, um so wenig Menschen und vor allem Jugendlichen über den Weg zu laufen. Ich habe mich nicht getraut alleine unter Menschen zu gehen. Bin nie mit dem Bus, geschweige denn mit S- oder U-Bahn gefahren. Eigentlich irrelevante Sachen. Relevant wohl eher, dass ich mich umbringen wollte. Spekulationen dürften nun auftreten: Wieso, weshalb, warum? Lasse ich aber so im Raum stehen. Fakt ist, ist wollte mich umbringen. Und es war nicht nur so ein Gedanke aus Hoffnungslosigkeit heraus. Ich hatte alles geplant, und bei Gott, der Plan war perfekt.
Irgendjemand muss allerdings meine Veränderungen wahrgenommen haben. Und kannte mich wohl gut genug, um sicher zu sein und zu sehen, dass mein Lebenswille adé war. Ich weiß bis heute nicht, wer den Brief an meine Therapeutin, Fr. *Nils geschickt hat. Meine Therapeutin suchte ich mir mit Ende Dreizehn, Anfang Vierzehn, ohne des Wissens meiner Eltern (gut, im Nachhinein musste ich meinen Schweinehund überwinden, immerhin war ich noch minderjährig).
Jedenfalls, als Fr. Nils den Brief erhielt, in dem stand, dass sich jemand Sorgen mache, weil er die ganz starke Befürchtung hat, ich würde mir was antun, sprach sie mich darauf an und konfrontierte mich mit einer Klinik – einer Psychiatrie. Mir blieb die Wahl, ob ich freiwillig gehe, und in eine offene Station eingewiesen werde, oder sie mich wohl oder übel in eine geschlossene einweisen muss, da sie mit dem Wissen nun quasi mit einem Bein im Gefängnis steht (Also auf den Punkt gebracht: ich hatte eigentlich keine Wahl!). Ich sagte, ich denke darüber nach, aber alles, was für mich feststand war nur: Du musst dich früher umbringen, als geplant. Und das setzte mich unter Druck. Ich konnte mich noch nicht von allen verabschieden. Ich wollte noch nach Ungarn, meine Familie ein letztes Mal sehen. Aber die Tatsache, dass ich (so oder so) in eine Klinik muss – unter Jugendliche! – machte mir Panik.
In dieser Woche war ich viel in meinem ‚Stammchat‘ unterwegs. Mich beruhigte es, so vielen verschiedenen Phantomen beim Gedankenaustauschen zu verfolgen. Und in dieser Woche, am 14.07.2011, lernte ich Lella kennen. Bzw. war sie mir im Chat schon immer aufgefallen: ihre außergewöhnliche Schreibweise, ihre Gedanken. Dieses Unsichtbare im Sichtbaren und die verborgenen Botschaften die sie eigentlich öffentlich an jedes Phantom richtete, aber niemand wirklich zu begreifen schien.
Sie ist nie auf mich eingegangen, wenn ich versucht hatte Kontakt zu ihr aufzunehmen.
Nicht so an diesem Tag.
Und der veränderte mein Leben – SIE veränderte mein leben. Es gab nie einen Menschen, bei dem ich mich so geborgen, so behütet und wohl gefühlt habe, wie bei ihr. Ihre Stimme streichelte meine Seele, gab mir Zuversicht. Und vor allem schenkte sie mir etwas, was mir niemand hatte und hätte mehr schenken können. Nämlich eine kleine, aber bedeutende Hoffnung am Leben.
Denn ich setzte mir ein Ziel, hatte einen Wunsch: ich wollte sie kennen lernen. Ich wollte diese Frau sehen. ich wollte nicht,d ass sie ein Phantom bleibt in meinem Leben. Das wäre gar nicht so unrealistisch gewesen, denn sie wohnte immerhin nur zwei Stunden von mir entfernt.
Und ein Mensch, der wirklich sterben will, hat keine Wünsche, keine Hoffnungen. Der gibt alles auf – alles!
Aber es war Lella. Lella war in mein Leben getreten und sie war indirekt der Grund, dass ich in die Klinik ging. Sie war der Grund, dass ich es wenigstens versuchte, dass ich mir helfen ließ. Sie redete auf mich ein, sie versprach mir Dinge, die mich mit Motivation anhauchten und mir den kleinen Schubs gaben. Den kleinen aber entscheidenden Schubs.
Lella wurde in den Jahren darauf zu meinem Verstand. Zu einem Teil meiner Seele. Ich erzählte ihr alles, fragte sie immer um Rat. Sie wusste, wenn es mir nicht gut ging und rief an, ohne dass ich irgendwelche Andeutungen machte. Sie rief an und sagte: >>Ich hatte im Gefühl, dass du mich jetzt brauchst.<< Und sie hatte immer Recht. Manchmal sagte sie nicht mal viel, aber alles was sie sagte, sog sich in die Tiefe meiner Seele, meines Bewusstseins und das machte meine Handlungen, meine Gefühle; einfach alles aus!
Sie war wie meine zweite Hälfte. Ich entwickelte eine Liebe zu ihr, die so vieles übertraf. Die grenzwertig über die Liebe meiner Familie gegenüber hinausgegangen wäre. Ich war fast sowas wie besessen von ihr.
Und diese Frau verschwand von heute auf morgen aus meinem Leben. An einem 23. Oktober.
Auf den Tag genau zwei Jahre, nachdem ich in die Klinik eingewiesen wurde. Am 23.10.2011.


Durch diesen Verlust, diesen Schmerz… diesen Seelenbruch… habe ich mir angeeignet, alle Menschen zu hassen. Ich habe sie einfach nur noch abgrundtief gehasst. Sie waren Monster. Ungeheuer. Ich schwor mir, dass ich nie wieder einen Menschen als etwas Gutes empfinden werde. Menschen würden für mich nur noch das ‚Böse‘ das ‚Schlechte‘, die Vernichtung allen seins symbolisieren. Und diese Einstellung fraß sich in mich hinein. Ich versuchte meine Bedürfnisse über die aller anderen zu stellen. Ging mit einer „Scheißegal-Einstellung“ durch das Leben und ließ mich durch nichts erschüttern. Mein Leben bestand eigentlich nur noch aus Hass gegenüber der Menschheit. Alles was mich befreite oder zeigte, dass Liebe existiert, war meine Familie und Tiere.
Bis ich eben Sevin kennen lernte.

Es war im November. Das weiß ich noch genau. Wir lernten uns auf einer lesbischen Plattform kennen. Unterhielten uns, schrieben und mich faszinierte ihre Denkweise. Sie schrieb Dinge, die ich fühlte, aber nicht greifen konnte. Mein Herz bejate alles, was sie schrieb. Gab ihr bedingungslos recht. Aber mein Verstand blockte bei jeder kleinsten Versuchung, diese Informationen, diese Konversationen, in mein Innerstes gelangen zu lassen.
Ich schrieb ihr. Und wenn ich schreibe, ist das meistens so, dass nicht mein Verstand tippt, sondern…. ich weiß nicht, was das ist… aber manchmal lese ich es mir wieder durch und denke mir: „Wann habe ich das geschrieben? Daran erinnere ich mich nicht.“ .. als würde mein Unterbewusstsein durch das Schreiben unbemerkt an die Oberfläche gelangen und sich so bemerkbar machen wollen. Als wäre es gefangen und würde nur dauernd schreien: >>Hier bin ich! Jasmin, ich bin hier! Bitte hör mich doch!<< Ich weiß, es klingt absurd, aber genauso fühlt sich das an…..
Und ja…. Sevin und ich waren uns einig: wir wollen uns unbedingt mal treffen. Das war nicht besonders einfach, da sie gute vier Stunden mit dem Zug (und da das zu teuer – 5,5 Stunden mit dem Bus) von mir entfernt wohnte. Aber das war mir egal. Mir war alles egal. Ich wollte sie persönlich kennen lernen. Uns war auch der Altersunterschied unwichtig. Meine Eltern sind zum Glück sehr tolerant (gewesen – schon immer). Was vermutlich daran liegt, dass ich das einzige, noch lebende Kind von 3 bin. (Ich bin 12 Jahre nach meinem letzten Geschwisterteil auf die Welt gekommen) – aber das ist alles eine andere und hier nicht wichtige Geschichte. Jedenfalls muss das wohl der Grund sein, dass meine Eltern mich so umgarnen und alles tun würden, damit ich glücklich bin. Und sie wissen genau, ich kann gut einschätzen, was mir gut tut und was nicht.

Also fuhr ich am 03.01.2014 bis zum 05.01.2014 (also ein Wochenende) zu Sevin nach ***.  Sie war wirklich eine wunderschöne Frau. Und irgendwie merkten wir sofort, dass zwischen uns eine immense Anziehungskraft herrscht. Wir haben fast ununterbrochen miteinander geschlafen, wenn wir mal nicht gegessen haben. Natürlich haben wir uns auch unterhalten und wir hatten Spaß – wir waren einfach auf einer Wellenlänge. Und unsere Gesprächsthemen waren die, die mir mein Herz öffneten.
Es waren Themen, mit denen ich in meinem Leben noch nie mit jemandem habe reden können, obwohl ich sie so wahnsinnig interessant finde. Obwohl sie mich fesseln und obwohl ich das Gefühl habe, dass dieses Thema Teil von meinem Leben ist:

Die Liebe.

Sevin – ich lernte in ihr einen Menschen kennen, von dem ich dachte, dass die Liebe höchstpersönlich vor mir sitzt. Sie lehrte mir, dass Liebe nicht ist, weil, punktpunktpunkt Sondern Liebe IST, Ausrufezeichen. Liebe ist nichts, was einen Grund hat. Liebe ist einfach. Liebe passiert. Liebe entfacht keine Fragen. Liebe stellt kein Warum dar und auch kein „Warum nicht“. Liebe ist nichts, was von außen kommt. Liebe ist innen. Alles ist Ich. Und … manchmal war ich so überwältigt von diesen Dialogen, die wir wechselten, von diesen Gedankentiefen, die wir austauschten, dass ich fast das atmen verlor, dass ich mir manchmal nicht sicher war: ist Sevin wirklich ein Mensch? (ich weiß, das klingt unglaublich spirituell und abgedreht, aber so fühlte ich mich in dieser Phase auch – völlig abgedreht, abgelöst, schwerelos. Irgendwo in Gedanken schwebend, aber nicht in dem Jetzt.) Aus dieser Zeit mit ihr lernte ich, dass man Liebe nicht geschenkt bekommt – oder, oder. Sondern Liebe passiert von einem selbst aus. Man kann nicht lieben, wenn man sich selbst nicht liebt – jedenfalls nicht ehrlich. Nicht vollkommen. Das ist schwer, das zu beschreiben, weil das Thema so unglaublich komplex ist und außerdem ein riesengroßer ‚Mindfuck‘. Jeder Mensch lebt anders, jeder Mensch denkt anders. Und ich dachte auch, Sevin sei die einzige, die so denkt, die so sieht, die so fühlt. Und dass sie mir nur ihre Sichtweise näher bringen will. Aber ich bejate. Wie gesagt. Mein Herz bejate. Und ich war schon immer ein Herzmensch. Mein Kopf spielt in so wenigen Dingen eine Rolle. Klar, zersetze ich viele, wirklich sehr viele Geschehnisse in meinem Kopf, versuche zu analysieren. Aber im Endeffekt war es immer mein Herz, das die Entscheidungen traf, und das völlig unabhängig von dem, was mein Verstand arbeitete.
Sevin überzeugte mich davon, dass Liebe ersättlich ist. Komplett ersättlich. Wenn man vollkommen, wirklich ehrlich liebt, dann kann man geben, ohne nehmen zu müssen/wollen. Wenn man diesen Weg, diesen Ursprung der Liebe in einem selbst gefunden hat, wenn man aufhört alles, gottverdammt nochmal, wirklich jeden Mist, jede Kleinigkeit zu zersetzen, zu analysieren und einfach alles passieren lässt, ohne darüber nachzudenken… wenn man einfach mal darauf vertraut, dass alles, wirklich alles seinen Grund hat – bedingungslos, ausnahmslos – dann ist man vielleicht schon auf dem richtigen Weg.
Aber es ist so schwer. Es ist wirklich schwer. Denn dieser innere Ursprung wird von Geburt an beeinflusst. Man ist nicht, wie man ist. Man ist nicht mehr der Ursprung seines selbst. Wenn ein Baby auf die Erzeuger angewiesen ist, zu überleben, und schreit, weil es nicht anders mitteilen kann, und mitbekommt – denn Babys fühlen sowas! – dass die Mutter völlig gestresst, entnervt fragt, was nun schon wieder los sei, dann fängt diese Manipulation schon an. Und sie wird immer fortgesetzt. Uns wird das Sprechen beigebracht. Uns werden Wörter eingetrichtert, wie sie die anderen sagen, die wir in unser Wortschatz aufnehmen, der vom Ursprung her vielleicht ganz anders wäre. Wir übernehmen Gewohnheiten, weil sie uns vorgelebt werden. Von.Anfang.An. Und wir machen es einfach nach – weil wir es nicht anders kennen. Wir Menschen sind alle nur noch Kopien. Wir sind alle Imitationen eines anderen. Ein Höllenkreislauf, der nicht aufhört. Wer, verflucht nochmal, hat zum Beispiel festgelegt, dass dicke Frauen keine Miniröcke tragen dürfen? Wer sagt, dass eine Frau, die 150 Kilo wiegt, nicht schön ist? Wer sagt das? Wer hat angegeben, was ’schön‘ ist? Das gibt es nicht. Es gibt kein ’schön‘ und kein ‚hässlich‘. Das sind alles ekelhafte Idealismen, die irgendein Mensch erfand und nach denen wir nun leben. Wer, wo, wann dieser Kreislauf begonnen hat …. Woher weiß ich das? Ich meine, prinzipiell weiß ich gar nichts! Aber mir reicht zu wissen, dass ich nichts weiß. Das alles was ich hier schreibe, sind ja auch nur meine Weltansichten, meine Beobachtungen, meine eigenen Wahrheiten! Ich will auch niemanden von irgendwas überzeugen oder oder oder. Das ist einfach alles, was ich denke, was ich fühle. Wovon ich überzeugt bin.
Menschen leben nur noch nach Gehorsam.
Wer sagt, dass das, was Politiker, der Staat, Päpste, wasauchimmer, sagen, richtig ist? Warum werden solchen Leuten ohne manchmal genauer darüber nachzudenken, geglaubt?
Hitler… Hitler war EIN Mann. Ein einziger Mann, der seine Meinung durchsetzte, der sein Glauben durchsetzte. Und Millionen haben sich seinem Denken angeschlossen, seinem Handeln, ohne auch nur das Geringste daran zu hinterfragen. Aber hier schließt sich wieder der Kreislauf: denn wer hat Hitler erschaffen?
Das waren wir: die Menschen. Denn von nichts kommt nichts.
Ein Teufelskreis…

Jedenfalls … war Sevin der Auslöser für jene Gedankengänge. Natürlich schlummerten sie schon immer in mir, aber ausgelöst hat Sevin sie. Seitdem versuchte ich die Welt mit Liebe zu begegnen. Alles, was mir widerfährt, dankend anzunehmen, egal wie schmerzhaft das ist.

Sevin und ich verloren uns aber aus den Augen (auch lange Geschichte und keine Lust sie auszubreiten)…. ich hielt lange an diesem Glauben fest, versuchte diese Entdeckung festzuhalten und sie umzusetzen. Zu lieben, die eigene, vollkommene Liebe zu finden. Aber irgendwie verlor sich das….

Vor vier Wochen war ich in einem Club mit einem Mädel. Es war ein unglaublich lustiger Abend. Ich hatte unendlich viel Spaß, und das, obwohl ich kurz davor erfuhr, dass Paye da eben noch eine andere hat. Aber ich fühlte mich einfach frei. Ein junger Mann bat um meine Hand und tanzte mit mir. Ich tanze, lachte, flog und fühlte mich schwerelos. Und an diesem Abend lernte ich eine Frau kennen. Bzw. war das eigentlich nur ein flüchtiger Wortwechsel. Wir tanzten uns immer wieder mal über den Weg und tauschten schließlich Nummern, obwohl wirklich nicht großartig eine Unterhaltung entstand aber wir fanden uns irgendwie sympathisch. *Deria gab mir also ihre Nummer und schlug vor, dass sie mich mal zum Abendessen oder so einlädt. Ich sagte, dass sich das fantastisch anhört (ohne irgendwelche Hintergedanken!). Aber wir hielten keinen Kontakt.
Bis gestern.
Ich bekam einen Anruf und als ich den Namen Deria auf meinem Display sah, war ich erst völlig verblüfft, gleichzeitig aber auch erfreut und hob ab.
Deria entschuldigte sich, dass sie sich so lange nicht gemeldet habe. Ich hatte ihr das zu keiner Sekunde übel genommen! Im Gegenteil, ich dachte mir schon, dass das seinen Grund haben wird. Sie sagte, die Einladung zum Essen würde immer noch stehen. Und sie redete so impulsiv, so enthusiastisch und fast euphorisch. Sie sagte, sie hätte einfach sowas wie eine Umbruchsphase in ihrem Leben. Dass das der Grund ist, warum sie momentan fast nichts macht, sich nicht bei Freunden meldet. Sie sagte irgendwas von: Sie habe etwas außergewöhnliches entdeckt, was sie fasziniert und was ihr einfach gut tut. Sie will dieses Gefühl genießen, wolle es verinnerlichen und deshalb einfach Zeit – ganz alleine für sich – verbringen. Schließlich kamen wir auf das Thema, was sie so beschäftigte. Und dieses Thema haute mich so aus den Socken, dass ich eigentlich so gut wie gar nicht dazu fähig war, einen vollständigen Satz zustande zu bringen. Es war exakt das Thema, was Sevin und ich vor einem Jahr aufgegriffen hatten. EXAKT dieses Thema.
Ich erzählte ihr davon, von Sevin – obwohl ich schon seit langer Zeit nicht mehr über Sevin nachdachte – und erzählte ihr, wie identisch ihre Gedankengänge sind. Nicht in der Wortwahl und im Empfinden oder Erleben. Aber vom Sinn her war es genau dasselbe. Ich erzählte ihr, dass ich von dieser These abgelassen hätte, nachdem mir mein Hund genommen wurde. Ich sagte ihr: >>ich habe lange versucht diese Erfahrung zu verinnerlichen und umzusetzen. Habe mich gebremst, wenn ich anfing zu analysieren. Ich dachte, ich bin auf dem richtigen Weg. Aber als mir mein Hund genommen wurde, fragte ich mich, ob ich mir das nicht nur eingebildet hatte. Denn, wenn ich wirklich so weit gewesen wäre, wie ich es geglaubt hatte, warum warf es mich dann so immens aus der Bahn, dass mein Hund weg war? Warum tat mir das so unbeschreiblich weh? Weshalb hatte ich das Gefühl, an seelischem Schmerz zu ersticken?<<
– >>Ich kann dir sagen, warum. Du hast es selbst gesagt, in dem Moment, in dem du sagtest „ich dachte…“ Du hast das Verfahren in Frage gestellt, hast nicht darauf vertraut, du hast das Schicksal, oder das, was eben passiert ist – whatever – herausgefordert. Du hast diese Energie herausgefordert, dich zu testen. Und in dem Fall war das der Verlust deines Hundes.<<
Und mir wurde von einer Sekunde auf die andere schlagartig klar: sie hatte recht.
Deria sagte mir, dass sie an irgendwas glaubt. Sie wüsste nicht an was, aber irgendwas sei da. Nicht Gott oder das ganze eingetrichterte Tralala, sondern irgendeine Energie, Atmosphäre, wasauchimmer. Und genauso empfinde ich auch. Ich WEIß, dass da etwas ist, ohne es benennen zu können. Genau das sagte Sevin auch immer. Bzw… sie meinte, sie glaube an das, an was die Menschen glauben: an Gott. Nur dass sie diese „Gottheit“ nicht als das sieht, wie sie die Menschen sehen und dass diese Gottheit nicht „Gott“ ist, sondern ganz einfach die Liebe, die sich als Atmosphäre bemerkbar macht. Etwas, was jeder besitzt, aber niemand wirklich findet. So ähnlich sagte ich das Deria. Dass Sevin meinte, dass es eine Atmosphäre gibt…. und diese Atmosphäre – ganz einfach – die Liebe ist. Und Deria schrie fast auf: >>JA GENAU!. Genau das meine ich!<<

… nach dem Gespräch mit Deria war ich eigentlich einfach nur platt und überwältigt!

Kennt ihr das, wenn ihr manchmal das Gefühl habt, das kann nicht real sein? Das ist wie im Film?

Und heute kam das, was mir völlig die Sprache verschlug.
Nach einem Jahr. Nach Punkt genau einem Jahr – HEUTE – schrieb mir Sevin eine Nachricht. Eine ganz einfache Nachricht: >>Hoffe, du hast einen schönen Jahresbeginn 😉 … lg,Sev<<… Ein Jahr habe ich absolut nichts von ihr gehört – gar nichts. Und heute – ein Tag nachdem Deria anrief und dieses… Thema entfachte, dieses… etwas, was ich nicht benennen kann, was so besonders und außergewöhnlich wirkt … nach diesem einen Tag meldet sich Sevin.

Statische Zufälle?
Schicksal?
Karma?
Numerologie?

I don’t know.

Aber ich finde es unglaublich…. bewegend, faszinierend……

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2 thoughts on “…Was sich dreht, kommt immer an, 20. Jan. 2015

  1. O-ha! Wenn ich mich recht entsinne (und meinen Rechnungen zufolge), bist du gerade mal 18 Jahre jung, kann das sein?! Vielleicht täusche ich mich auch – das fände ich mehr als nur „gut möglich“… Denn ich lernte in meinen ganzen vielen Jahrzehnten noch nie einen Menschen kennen, der in so jungen Jahren, sich um solche Dinge Gedanken macht. Ich frage mich: wo kommt das her? Woraus schöpfst du das? Was hast du in diesen wenigen, rund 20 Jahren erlebt, dass du dir über solche Gedanken so abgrundtief feinsinnig schreiben kannst? Wie groß und weit eine Seele sein muss, denke ich mir bloß. Ich bin absolut nicht spirituell. Glaube weder an Gott, noch an Geister, oder, oder, oder. Ich glaube an den Ursprung (Affen)… aber über den innerliche, seelischen Ursprung, habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.
    Du bist 18, und hast vermutlich schon vor ein paar Jahren damit angefangen….. das ist außergewöhnlich. Definitiv außergewöhnlich!
    Du scheinst mir eine sehr intelligente, tiefgreifende Person zu sein…. und wenn das mit so jungen Jahren, so intensiv und komplex schon anfängt, dann hat das nichts mehr mit „geistiger Reife“ zu tun…. es ist, wie wenn jemandem das Talent zur Musik oder zur Kunst in die Wiege gelegt wird…
    So würde ich das, was dir geschenkt ward, auch als Talent oder Gabe bezeichnen.
    Du bist so weit mit deinen jungen Jahren (und selbst wenn du nicht mehr 18 bist, und ich mit meinen Rechnungen völlig daneben lag) – wie es viele Menschen nicht einmal bis zum letzten ihrer Tage sind…

    Weiter so!

    Grüße
    Mulan

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  2. Du bist nicht nur „…glücklich geboren…“ (Abeo – Du wirst wohl wissen, welche Bedeutung dieser Name hat!), sondern hast das Glück mit sich inbegriffen erkannt und verstanden.
    Alter hin oder her – Du hast ein Auge für Unsichtbares.
    Hut ab.

    Gruß,
    Andreas

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