…vom Glück reden; oder auch Ich-Glücklich sein, 27. Jan. 2015

Ich telefonierte gestern mit Kora. Irgendwann meinte sie, dass es nicht gut sei, wenn sie mich mit ihren Problemen belastet, denn davon geht sie aus.
Ich sagte, sie solle sich da auf keinen Fall Gedanken machen; es würde mich nicht belasten. Und das ist auch die Wahrheit. Mich belastet das nicht. All das ist ganz allein ihr Päckchen. Ich kann nur versuchen ihre Hand zu halten und sie zu stützen. Sie sagte: „Aber du sagtest mir, du weinst, wenn du mir zuhörst“, sie lachte emotionslos, „Und das hört sich für mich definitiv belastend an.“
Nein. Das stimmt so nicht. Ja, ich habe geweint, als sie mir von ihrer Vergangenheit erzählte, und ich habe auch geweint, als sie mir letztens sagte, dass sie sich endlich, nach zwanzig Jahren, überwinden kann, zu diesem See zu fahren, wo es passierte. Und sie bat mich, sie zu begleiten (oder bot ich mich an? – i even don’t know) Aber ja, ich weinte. Und das, weil ich weiß, was sie da durchleben könnte. Weil ich weiß, was für schreckliche Bilder sie sehen wird und ich weiß, dass sie zusammenbrechen könnte. Das ist der Grund. Nicht etwa, weil es mich belasten würde, sondern … Puh, das ist schwer zu erklären. Ich kenne das eigentlich nicht von mir. Das muss irgendwie eine neue Eigenschaft sein, die ich mir angeeignet habe. Weil ich kann mich nicht daran erinnern, dass das jemals so war. Aber momentan kann ich irgendwie so wahnsinnig detailliert nachempfinden, was jemand gerade durchmacht oder selber fühlt. Vor allem bei Kora. Wenn sie mir von ihrer Zeit erzählt, in der all die schrecklichen Dinge passiert sind… Ich kann das Maisfeld sehen…. Die Kolben… Ich kann den See sehen… Ich sehe, wie alles total harmlos aussieht und dann dieser Mann kommt….. Ich sehe das Gesicht eines Kindes, das sofort weiß, dass irgendwas Schlimmes passieren wird. Ich fühle, wie sich in diesem Kind in dem Moment alle Empfindungen abstellen. Ich merke, wie sich mir der Ekel bis ins Mark frisst, mir aber die Angst die Kehle zuschnürt, weil ich weiß, wenn ich es nicht zulasse, alles nur schlimmer wird. Mein einziger Gedanke ist in dem Moment nur, dass ich meine Schwester beschützen will. Ich mache alles, was er will. Aber er soll seine Finger von meiner kleinen Schwester lassen! Ich fühle, wie ich danach nicht mehr weiß, was „leben“ bedeutet … Beziehungsweise wie sich auf einmal ihre Definition vollkommen verändert. Ich spüre meine Haut an mir, merke, wie mir das Atmen schwer fällt, wie mir die Tränen Nacht auf Nacht und Tag für Tag nach diesem Geschehen das Lächeln rauben. Ich will diesen Ekel abwaschen. Ich will an meiner Haut schrubben, will es so sauber und gründlich schrubben, bis ich das Fleisch sehe. Ich will meine Haut abreißen! Ich will nicht, dass das meine Haut ist. Ich will raus aus diesem Körper. Ich will raus hier, aus diesem Kostüm, welches von den Händen des maskierten Bastards gespeinigt wurde. Ich will vergessen. Alles vergessen….

……

Wenn ich all die Empfindungen fühle, ja, dann kommen mir die Tränen. Ich weine. Ich weine fürchterlich, wenn sie nicht da ist und mich nicht sieht. Weil ich es so ungerecht finde! Weil es so wahnsinnig, schrecklich ungerecht ist, dass das Leben den Kummer so ungleichmäßig verteilt. Ich weine, weil ich weiß, dass sie anders mit dieser Situation umgeht, als ich. Ich weine, weil ich stärker war als sie, weil ich abschließen konnte, nachdem ich beinahe 4x missbraucht wurde… Weine, weil ich glücklich sein kann, weil ich verziehen habe, weil ich vergeben habe. Mir und den anderen. Ich weine, weil ich das Glück gefunden habe, weil ich das Schöne im Leben wieder in die Arme nehmen konnte. Mit einem Sonnenlachen im Gesicht. Ich weine, weil sie das alles nicht kann. Weil sie das alles nicht wieder gefunden hat. Ich weine, weil ich ihre Vergangenheit fühle. Ich weine, weil ich ihre Träume sehe, von denen sie mir erzählt, wenn sie nachts aufwacht, weil wieder der Mann vom See in ihrem Kopf sie terrorisiert. Ich weine, und kann nicht aufhören. Ich weine, weil sie nicht weint. Ich weine, weil ich alles dafür tun würde, um ihr das Glück dieser Welt zu zeigen. Ich weine, weil ich glücklich bin, dass sie mich kennen gelernt hat; weine, weil ich weiß, dass ich kein Zufall in ihrem Leben bin, weil ich weiß, dass ich ihre Hand halten und sie begleiten kann und ihr neue Wege öffnen kann… Und ich weine, weil ich mir von tiefstem Herzen sicher bin, dass sie eines Tages einfach ins Bett fällt und sagt: „Dieser Tag war schön“ – Dieser Tag war schön, und es gab absolut nichts, rein gar nichts, was mich traurig gemacht hat. Nichts, was ich bereue. Dieser Tag war ein Tag des Glücklichseins. Bedingungslos. Ich weiß, dieser Tag wird kommen. Ob es in fünf Jahren ist… Oder in zehn oder in zwanzig. Aber ich weiß, dass er kommen wird!

Sie versteht meine Ansichten noch nicht so ganz.
Ich bin fest von der Überzeugung, dass alles einen Grund hat. Wirklich alles. Sie argumentierte damit nur, dass sie nicht versteht, nicht begreifen kann, wie es einen Grund dafür geben kann, einem Menschen sowas an zu tun (uns zu vergewaltigen, missbrauchen, tyrannisieren). Sie sieht den Hintergrund dieser Geschehnisse nicht. Aber ich weiß, dass alles einen Grund hat! Und ich bin dankbar. Für alles! Ich konnte verzeihen, dass ich mit 10 Jahren im Keller unseres Nachbarsblockes vergewaltigt wurde; ich konnte verzeihen, dass derselbe es wenige Wochen danach wieder versuchte. Und auch, dass ich mit zwölf Jahren erpresst und tyrannisiert und kurz darauf wieder missbraucht wurde. Ich bin dankbar, dass mir mein Hund entrissen wurde, dankbar, dass Menschen gegangen sind, dass Menschen mich verletzten. Ich bin dankbar für vieles Leid, genauso wie ich es für jedes Glück bin (wenngleich ich nicht alles verstehen kann). Denn nur dadurch bin ich zu dem geworden, der ich bin. Nur deshalb, kann ich so denken, kann ich so fühlen, kann ich so sehen. Nur deshalb.

Und das kann sie auch. Sie muss lernen das zu sehen. Ich weiß, dass es ein schwerer und harter Weg wird. Sie wird nicht von heute auf morgen einfach glücklich sein können. Sie sagte dann verzweifelt, fast wütend zu mir: „Ich bin froh, dass ich überhaupt glücklich sein kann, weil ich dich habe. Und jetzt soll das nicht reichen?“ Ich habe Tränen in ihrer Stimme gehört, aber sie weinte nicht äußerlich. Nur ihre Seele schrie. Ich konnte es durch das Telefon spüren. Ich konne ihre Seele förmlich kreischen hören aus Verzweiflung. Konnte hören, wie bitterlich sie weinte, mich am liebsten geschüttelt hätte und das Geheimnis meines Glücklichwerdens vom Boden geleckt hätte, wie ein verhungerndes Kind das Korn im Sand. Ich habe versucht ihr zu erklären, dass es schön ist, dass ich sie glücklich mache – das will ich auch und werde es weiterhin wollen. Aber das Glücklichsein kann einem keiner geben.
Wir Menschen wir sind alle Kopien. Das habe ich ja schon mal erwähnt. Wir wachsen auf und eignen uns Dinge an, die uns die Welt beibringt. Wir sind einfach nicht mehr „Ich“. Nichts, was wir heute sind, ist noch ein reiner Ursprung.

Aber ich weiß, davon bin ich felsenfest überzeugt, dass wir als Babys, genau in dem Momeht, in dem wir das Licht der Welt erblicken, mit einem Ursprung auf die Welt kommen, Wir werden geboren und in uns unser Ursprung. Der Grund, wofür wir geboren wurden. Wir sind ein Ursprung, aber der seelische Ursprung ist in uns drinnen, denn die Seele wird uns mit der Geburt mit gegeben. Sie kommt nicht nur danach. Deshalb: Egal wie undurchsichtige Kopien wir sind, egal wie gleich und wie viele wir sind. Jeder einzelne von uns hat noch seinen Ursprung tief in sich drinnen. Aber durch all den Gehorsam, all die Autorität, all dem Lern-Glauben verlieren wir den klaren Blick für das Fühlen unseres eigentlichen, angeborenen Ursprungs. Und ich glaube, wenn man diesen Ursprung wieder findet, wieder fühlt – dann kann man glücklich sein. Dann weiß man, wer man ist! Und wenn man glücklich ist, wenn man vollkommen liebt – wirklich ECHT liebt, dann braucht man nichts mehr. Es hört sich so abgedreht an, aber …. Es ist doch so, oder? Ich meine…. Ein Mensch lächzt doch sein Leben lang nur nach Liebe. Das ist alles, was jeder will. Jeder! Aber alle suchen diese Liebe, dieses ‚Glück‘ in anderen Menschen. Definieren es mit einem Lebenspartner, der Familie. Aber kommt auch nur einer auf die Idee, dass diese Liebe, diese vollkommene Liebe, nach der wir eigentlich alle suchen, in UNS drinnen ist? Mitten im Ursprung unserer Seins.

Und ich versuche ihr zu zeigen, dass sie auch mit einem Ursprung auf die Welt kam. Mit einem Seelenursrpung. Ich will ihr zeigen, dass jeder Mensch glücklich sein kann, will ihr zeigen, dass das Leben wirklich schön ist! Auch schwarz kann eine Farbe sein. Wirklich! Seht ins Licht… Seht in das Licht – den direkten Feind der Dunkelheit und schließt eure Augen. Was seht ihr? Springen da nicht Farben wir Energiepunkte, wie irgendwas Unbegreifliches vor euren geschlossenen Augen? …. Und auf einmal ist Schwarz bunt.

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