Lejla – Sie ist mein Zuhause, 25. Feb. 2015 (Teil 1)

kennt ihr das?

…. ihr fühlt euch einfach unwohl? Einfach so ohne Grund? Also, beziehungsweise, nicht einmal wirklich unwohl… es ist einfach so ein seltsames Gleichgültigkeits-Gefühl. Langweile, Unzufriedenheit, aber nicht direkt schlecht. Schwer zu beschreiben. Aber ja, so fühle ich mich heute irgendwie. Ich habe keinen Redebedarf, sondern wünsche mir gerade einfach nur nichts sehnlicher, als von jemandem in den Arm genommen zu werden. Ich fühle mich gerade klein und zerbrechlich. Wie ein kleines Kind, das in Geborgenheit gewogen werden muss. Und ich habe absolut keine Ahnung, woher dieses Gefühl kommt. Einfach so vom Himmel gefallen. Heute früh durch unser Dach in mein Bett. Ärgerlich.

Ich habe hier glaube ich noch nie so ausführlich über *Lejla geschrieben. Oder habe ich sie überhaupt schon einmal erwähnt? Nun, Lejla ist jedenfalls eine Frau (Schrägstrich Phantom), die ich vor vier Jahren im Internet (Gruppenchat) kennen gelernt habe. Das war zu der Zeit, in der ich schon ganz sicher war, in diesem Jahr Abschied zu nehmen. Ich hatte schon Briefe geschrieben, adressiert, und zusammengelegt, um sie bald zur Post zu bringen. Es waren, glaube ich, wenn ich mich richtig erinnere, zehn Briefe. Darunter meine Mama, mein Papa und meine Oma. Die „Kleinen“ (die inzwischen schon elf und zwölf Jahre alt sind, und die ich kenne, seit sie in den Windeln stecken), die mir die schweren Zeiten um so vieles erleichterten. Sie hatten mir immer wieder zeigen können, dass es Menschen gibt (außer der Familie), die mich so lieben und akzeptieren, wie ich bin. Und die letzten an meine drei wichtigsten (und ehrlichgesagt auch einzigsten) Freunde. Denn ich nehme dieses Wort nicht ohne Bedeutung in den Mund. Freundschaft ist für mich Vertrauen. Vertrauen ist für mich bedingungslos.

Diese Briefe habe ich alle verbrannt, nachdem ich das zweite Mal aus der Psychiatrie entlassen wurde. Und es war nicht die Psychiatrie, die mir in der schweren Zeit geholfen hat (mal ganz nebenbei, dass dieser Aberglaube, dass man nur von anderen Hilfe braucht, völlig falsch ist – man kann sich nur selber helfen! Die anderen / alles andere ist nur ein Ansporn für die ersten Schritte in Richtung „Licht“).
Und Lejla war eben mein Ansporn. Mein Ansporn, und dadurch auch meine Lebensrettung.
Lejla fiel mir damals schon sehr früh in dem Chat auf. Einfach ihre Schreib- und Denkweise. Zum Beispiel ihr berühmtes „abwesend“ (sah so aus: ab.wesen.d). Oder ihr(e) Nickname(n) (je nachdem ob sie als Gast oder als registrierter User online war). Ich weiß nicht mehr, wie ich auf den Chat gestoßen bin. Aber das erste Mal war ich dort, als ich dreizehn war. Lejla sah ich dort erst ein Jahr später… Und irgendwie, ich weiß nicht warum, wollte ich unbedingt mit ihr schreiben, mich austauschen. Schon damals liebte ich geistigen Austausch. Ich war mir sicher, zu hundert Prozent, dass in dieser Frau ein Geheimnis steckte. Dass sie ein Geheimnis ist (und bis heute blieb). Jedenfalls versuchte ich seit dem Tag an Kontakt zu ihr aufzunehmen, aber sie ignorierte mich. Unbeschwert. Sie überlas mich einfach. Trotzdem gab ich nicht auf – immer und immer wieder schrieb ich sie an, flüsterte sie an (schrieb sie privat an) – keine Reaktion. Bis irgendwann, sie tatsächlich zurück schrieb. Anfänglich war es ein normaler Smalltalk, irgendwann ging es etwas in die Tiefe (nicht zu tief – darauf gab sie sehr genau Acht) allerdings schrieb ich irgendwann etwas, das sie an meiner „Person“ zweifeln ließ. Sie meinte, irgendwie so etwas wie, sie glaube nicht, dass sich hier ein 14-jähriges Mädchen im Chat herumtreibt und deshalb kein Interesse hat, weiterhin auf meine Flüstereien einzugehen, und solle es doch bitte unterlassen, sie ständig anzuschreiben. (Irgendwie so in der Art). Ich konnte nicht glauben, was ich da las. Sie glaubte mir tatsächlich nicht, dass ich – nun ja … ICH bin. Und dann fing die Ignoriererei wieder von vorne an.   Aber ich wollte das nicht einfach so auf mir sitzen lassen. Ich schrieb einen anderen Admin an, der schon lange, lange da im Chat unterwegs ist. Von den Bildern her sah er aus wie ein 35-40 jähriger, sehr sympathischer Mann und auch vom Schreiben her las er sich immer sehr vernünftig. Also schrieb ich ihn an, in blinder „Verzweiflung“ und gab ihm meine Handynummer mit der Bitte, er solle mich doch anrufen und dann Lejla bestätigen, dass ich WIRKLICH ein 14-jähriges Mädchen bin.

Ich hatte nicht darauf verhofft, dass er es wirklich tut, er antwortete mir auch nicht. Aber nach fünf Minuten klingelte mein Handy mit unterdrückter Nummer und es war Tatsächlich … „WalkingThePlanet“ (oder wie der auch hieß). Er hörte sich freundlich an, wenngleich er meinte mir eine Predigt halten zu müssen, wie stumpfsinnig es doch sei, die Handynummer irgendeinem wildfremden Menschen zu geben. Aber er tat es. Er tat es wirklich. Er schrieb ihr, und kurz darauf schrieb sie mich an. Das war am 14.07.2011. Dieses Datum habe ich noch so gut in meinem Kopf, wie meinen Geburtstag.
Ihre Nachricht war eine kleine Predigt nach dem Motto, ich sei ja so naiv und dumm (wo sie ja teilweise auch recht hat), einfach meine Handynummer in einem CHAT an wildfremde Leute zu vergeben.
Lejla schrieb immer mit viiieeeel, viel Punktpunktpunktpunktpunkt (oder wenn sie daneben tippte eben: Kommakommakommakomma) …..

Ja, das war Lejla. Und so kamen wir eben in Kontakt. Immer häufiger, immer intensiver. Ich merkte, dass es eigentlich gar nicht so viele Leute gab, mit denen sie chattete. Ich zähle so fünf. Maximal (Plus ich). Und unter allen war ich die einzige weibliche Person.

Ich lernte Lejla also immer besser kennen (ohne sie jemals kennen gelernt zu haben). Irgendwann fingen wir sogar an zu telefonieren und ich merkte, dass SIE die Person war, die ich immer an meine Seite gewünscht hatte. Sie ist etwas Besonderes. Wird es immer bleiben. Bis heute könnte ich niemals Lejla in eine Beschreibung zusammenfassen. Wenn ich sie kurz und knapp beschreiben müsste, würde ich sagen: geheimnisvoll, sehr feinsinnig, …. ich glaube, ja, das könnte man so sagen… sie hatte etwas Dunkles an sich. Als würde eine dunkle Aura um sie wabern. Manchmal hörte sie sich an, wie eine böse Königin, die Hexe aus Kindermärchen. Manchmal wie die gute Fee, der Engel. Vergleichsweise finde ich Frau Holle irgendwie am passendsten. Ich weiß nicht warum. Keine Ahnung, wirklich nicht.
Wenn ich sage, Lejla war die gütigste und herzlichste Person, die ich je kennengelernt habe, würde ich lügen. Sie war nicht perfekt. Alles andere als das. Aber sie war einfach…………………………….. hm…. naja, Lejla halt. Sie war direkt, ehrlich. Vertrauenswürdig und ich würde sagen auf gewisse Weise sogar zuverlässig (wenn die Zuverlässigkeit von ihr aus kam, und nicht aufgedrängt wurde).

Zum Beispiel fragte ich mal am Telefon: „Würdest du eigentlich weinen, wenn ich sterben würde?“
Sie sagte: „Ich habe auch geweint, als mein Goldfisch gestorben ist.“

Und das meine ich: Lejla ist einfach Lejla. Sie sagt was sie denkt. Ihr ist tatsächlich scheißegal, was andere über sie denken oder sagen. Ich meine, viele Menschen behaupten, ihnen wäre es egal. Aber sie gibt da wirklich keinen Wert drauf. Und ich habe Lejla geliebt. Ich liebe sie immer noch. Mir war der Altersunterschied nie von Wert gewesen. Ich war damals 14, sie 43. Trotzdem war sie alles für mich.

Ich fragte: „Was würdest du tun, wenn ich aus dem Fenster springen würde?“
Sie sagte: „Ich würde unten stehen und dich auffangen.“

Ich weinte.
Sie sagte: „Könnte ich, würde ich dich in die Arme nehmen, dich wiegen – dich geborgen fühlen lassen.“

Es waren bloße Worte. Aber zu der Zeit bedeuteten sie die Welt für mich.

(…Fortsetzung)

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….Überraschung meines Lebens, 11. Feb. 2015

Mir fällt irgendwie auf, dass wenn es mir gut geht, ich meistens nichts zu schreiben weiß. Irgendwie traurig. Denn sind nicht gerade solche Dinge, die an Wert besitzen, um festgehalten zu werden? Ich kann eigentlich nur sagen, dass momentan alles genauso ist, wie es sein sollte. Gut, unter der Woche sehen Kora und ich uns nie, aber dafür jedes Wochenende und das sind dann gleich doppelt so schöne Augenblicke, wenn die Sehnsucht befriedigt werden kann. Wenn sie aus dem Auto steigt und ich ihr schönes Gesicht sehe. Diese unglaublichen Augen. Blau, wie tiefer, verschlingender Ozean. Der Mut, in das ungewisse Wasser zu springen, nicht wissend, was einen am Grund erwartet. So ist es. Dieses Gefühl, in ihre Augen zu sehen. In diese großen, nachdenklichen Augen. Es ist ein unglaubliches Gefühl jemandem in die Augen zu sehen, den man liebt.
Ich meine… es ist wie ein Hochgefühl. Jedes Mal. Jeder Blick, jede Berührung, jedes Wort. Flüstern mit „Ich liebe dich“.
Nachts in ihren Armen einschlafen.
Morgens in ihren Armen aufwachen.
Es gibt nichts, was ich momentan mehr genieße, als ihre Haut zu spüren. Den Moment, wenn sich unsere Lippen berühren, oder ihren Atem an meinem Nacken. Ich liebe es, wie sie duftet, wie sie mir durchs Haar fährt, wenn ich schlafe, mich streichelt, warm hält, innerlich, wie äußerlich. Ich liebe es, wenn sie morgens, nachdem sie mit Balou kurz gassi gegangen war, wieder mit ihrem kalten Pulli zu mir ins Bett steigt. Atme den Geruch ihres persönlichen Körperduftes mit einer Note Winter ein, kralle mich an ihr fest, lächle glückselig, während sie mir einen sanften Kuss auf die Stirn haucht.
Und neben all den Sachen, all der körperlichen Nähe, liebe ich es genauso, mit ihr und Balou einfach nur draußen spazieren zu gehen, ihre Hand zu halten, der Welt zu zeigen, dass diese Frau zu mir gehört, ich lache, wenn ihr ein kalter Wassertropfen aus schmelzendem Eis von einem Baum in den Nacken fällt, stolpere über Balous tapsigen Fötchen, wenn er sich zwischen uns drängelt. Auch liebe ich es, wenn ich auf ihrer Couch liege und für die Schule lerne, während sie darauf besteht, für uns Mittagessen zu machen. Mich beruhigt es, wie sie aus der offenen Küche zum Esstisch läuft, die Teller und das Besteck aufdeckt, sich unsere Blicke kreuzen und wir uns anlächeln. Es ist jeden Morgen, jeden Mittag, jeden Abend etwas Besonderes, mit ihr gemeinsam zu essen. Und das trotz meiner nervigen Essstörung (dazu ausführlicher in anderem Beitrag – maybee). Ich sehe ihr gerne dabei zu, wie sie meinen Kaiserschmarrn isst, während sie sich darüber freut, dass mich auch ihre einfachen Nudeln mit Tomatensose zufrieden stellen, und mir auch noch schmeckt. Wir sind beide sehr einfach, was Essen angeht – außer Oliven! Bloß Oliven dürfen’s nicht sein!

Und gestern auf die Nacht passierte etwas, was mir ihre bedingungslose Liebe mir gegenüber bestätigte…. Ich habe nie nach einer Bestätigung gesucht – nur um das mal festzuhalten! Aber ich habe sie einfach so bekommen.
Sie fehlt mir jeden Tag. Das sowieso. Aber auf gesunde Art. So wie man Menschen eben vermisst, die einem viel bedeuten. Aber gestern Abend war es eine seltsame Sehnsucht. Ich hatte keinen guten Tag. Ich weiß auch nicht warum, war eben so. Das kommt schon mal vor, dass man aufwacht, und einfach keinen guten Tag hat. Und vielleicht war das der auslösende Faktor, dass ich an jenem Abend noch mehr Sehnsucht nach Kora hatte, als sonst. Der unbezwingliche Wunsch, sie in den Arm zu nehmen, sie zu küssen, mit ihr einzuschlafen, zu kuscheln…

Gegen 23:00 Uhr gehen bei uns die Betreuer aus dem Dienst (Warum Betreuer? Dazu auch mehr im weiteren Beitrag: „Mein Leben: Wieso, weshalb, warum“).
Kora und ich telefonierten schon seit ca einer Stunde mit immer wieder Unterbrechungen drinnen, weil sie sagte, sie sitzt im Auto (was ich gehört habe), weil ein guter Freund von ihr stockbetrunken ist und nach Hause gefahren werden muss. Er wollte zu seiner Freundin und sie hatte ihn abgeholt. Das Verblüffende war, dass es schon 22:30 Uhr war und Kora eine dreiviertelstündige Fahrt auf sich nahm, nur um ihrem Freund zu helfen. Vor allem war das nicht so weit von mir entfernt, aber ich dachte mir nichts dabei.
Irgendwann um kurz vor 23:00 Uhr sagte Kora: „Wenn Deine Betreuer aus dem Dienst sind, dann geh runter auf euren Parkplatz, wo ich letztens stand. Ich habe da etwas gesehen. Ich möchte dir zeigen, dass wir gar nicht so weit voneinander entfernt sind, wie wir glauben.“
Ich lag schon im Fußballshirt und kurzen Hosen im Bett und fror wie als wäre es in meinem Zimmer Null Grad. Aber ich bin von Natur aus ein ungeheuer neugieriger Mensch. Ich könnte platzen vor Neugier. Also zog ich mir nur schnell eine Jogginghose an, sah zerknautscht aus, ungeschminkt einfach total müde und zerzaust. Leise bin ich die Treppen runter geschlichen, damit unser innenwohnender Betreuer (der mietet eine Wohnung direkt über unserer WG, damit die Betreuer, die z.B. jetzt 30 Min. entfernt wohnen, nicht für eine Nachtbereitschaft hier schlafen müssen – ich glaube, deshalb gibt es diese Betreuerwohnung direkt über uns. ICH würde niemals freiwillig mit sechs Jugendlichen unter einem Dach wohnen wollen. Aber who cares? Jedem das Seine) …nun, damit unser innenwohnender Betreuer mich nicht hört.
Ich machte das Fenster auf (die Tür war abgeschlossen)… und … ich dachte, mir fällt das Handy aus der Hand. Ich wusste nicht, ob ich träume, ob ich schon eingeschlafen bin, und das wirklich nur ein Traum ist. Denn da stand sie: Kora. Lächelnd mit dem Handy in der Hand, mich noch an der anderen Leitung gegenüberstehend, an der Säule gelehnt auf unserer Veranda. Mir wurde heiß ums Herz, mein Kopf drehte sich. Ich wusste für einen Moment nicht mehr, wie man atmet. Ich kniete mich auf das Fensterbrett, streckte mich aus, musste ungläubig lachen und drückte mich sofort die Hand auf den Mund, um niemanden zu wecken. Sie kam auf mich zu, schlang ihre feingliedrigen Hände um meinen Hals und küsste mich. Sie küsste mich, und immer noch wusste ich nicht, ob ich träume, konnte nicht reden, stotterte nur blödsinnig. Und das Erste, was ich nach unserem leidenschaftlichen Kuss herausbrachte, war völlig, überglücklich und immer noch ungläubig: „Du bist verrückt!“ Sie lachte ihr schönes Lachen. Leise.
Sie streichelte meine Wange, küsste mich wieder.
„Ich habe dir gesagt, wir sind nicht so weit voneinander entfernt, wie wir immer glauben.“ Ich konnte immer noch nichts sagen, weil ich einfach nicht fassen konnte, dass es echt ist. Ich fühlte mich immer noch wie im Traum und war sogar teilweise fest davon überzeugt, dass das ein Traum ist. Trotzdem fragte ich: „Du warst also gar nicht deinen Freund abholen.“
Sie hob entwaffnend die Hände, zog die Brauen entschuldigend in die Höhe und lachte leise: „Das war eine Notlüge. Du hättest mir nie erlaubt, herzufahren.“
„So ist es.“
Ich küsste sie wieder. Wir küssten uns minutenlang.
Nur dafür war sie eine Stunde hergefahren. Eine ganze, gottverdammte Stunde. Um 23:00 Uhr. Nur, um mich zu küssen, mir nahe zu sein. Zwei Stunden Fahrt für 5 Minuten.
Ich hätte sie so gerne einfach durch das Fenster gezogen, sie mit auf mein Zimmer geschleppt um neben ihr einzuschlafen. Oder noch besser: einfach aus dem Fenster steigen. So wie ich bin, ohne alles – in ihr Auto steigen und mit ihr nach Hause fahren.
Als ich dann ihrem Auto hinterhersah, wie sie von unserem Hof fuhr; die lange Straße; das Auto immer kleiner wurde, stiegen mir Tränen in die Augen. Tränen, weil in meinen ganzen 18 Jahren, die ich lebe, noch nie so eine schöne Überraschung erleben durfte. Weil noch nie ein Mensch jemals Vergleichliches für mich getan hatte und hätte.

Heute in der Früh, als ich aufwachte, sah ich als aller erstes auf mein Handy. Ich musste unsere Nachrichtenverläufe erst lesen, um sicher zu sein, dass ich nicht wirklich nur geträumt habe. Und das habe ich nicht. Da stand ihre Nachricht: „Nein, kein Traum … aber genauso schön ;-)“

Es sind mittlerweile Stunden vergangen, Stunden, und unzählige Nachrichten, in denen ich herauslese, dass ich nicht geträumt habe. Und trotzdem kann ich es nicht fassen.

DAS war eines der schönsten Überraschungen meines Lebens.

…Sinn und Sein, 03. Feb. 2015

…. Feb. 2015

Manchmal habe ich das Gefühl, die ganze Welt atmet. Komisch zu beschreiben. Manchmal trete ich aus der Tür, wie heute, trete ich aus der Tür und sehe den Zauber. Ich meine wirklich den Zauber. Es sieht so unwirklich aus. Dieses vollkommene Weiß, so unberührt, zart. Wenn ich diesen hohen Traumboden sehe, wünsche ich mir nichts mehr, als Eins mit ihm zu werden. Aber wie? Manchmal stehe ich davor, schaue. Das ist alles. Ich stehe und schaue. Und wünsche mir nichts sehnlicher, als auch eine Schneeflocke zu sein. Ich würde mich so gerne in das Puderweiß werfen, aber diese Augenblicke der Faszination würden erloschen, durch die Kälte und alsbald durch den bitterlichen Schmerz, der sich durch die Haut, bis ins Innerste des Körpers zieht.
Helen ging es mal so.
…Helen….
Wow. Ist das wahr, kann das sein, dass einem ein Charakter aus einem Buch fehlt, aus einer Geschichte? Das merke ich jetzt erst, Helen hat mich seit Okt. 2013 begleitet. Wann habe ich aufgehört, meine Geschichte zu schreiben? Ich weiß es nicht. Im November 2014? Sie wurde irgendwie ein Teil von mir. Ich schrieb jeden Tag über sie, fühlte wie sie, dachte, sah wie sie. Ich meine, irgendwo war ich sie. Genauso wie ich Gwen war oder der Blinde der Helen das Leben rettete. Irgendwie war ich in der Zeit so viele. Ich hatte oft das Gefühl, nie wirklich alleine zu sein. Meine Buchcharaktere waren irgendwie ein Teil von meinem Leben. Ich habe sie über diese 12 Monate verinnerlicht. Und jetzt, auf einmal, wo ich wieder darüber nachdachte, fehlt mir Helen. Mir fehlen ihre Abenteuer, die ICH für sie erfand. Mir fehlen ihre Empfindungen, ihr Denken, ihre Freunde, ihre Liebe, ihr Schmerz. Irgendwie alles….

Heute dachte ich übrigens nach. Ich dachte so viel nach… Ich meine…. Die Welt ist so schön. Alles ist so schön. Mein Herz weint vor Freudesträumen. Alles ist schön. Ein Fels am Bach, das Wasser in tobendem Gesang des Windes Lieder, das Moos, die Haut der Bäume, die Wärme der Sonne, die Kälte des Schattens. Alles ist so voller Leben. Alles so voller Sinn. Oder nicht? Manchmal träume ich davon, einfach einen Rucksack mit dem Nötigsten zu packen und weg zu gehen. Weg aus dieser Welt und irgendwohin, der Nase nach. Ich will nicht gesättigt sein von Lehresgut, von Nahrung – Kapitalverbrechen. Ich will gesättigt sein von mir. Einfach nur von mir allein. Ich will sein, wer ich bin, wie ich gebar und nicht, wer ich ward. Ich will auch Sinn und Sein leben, so wie Baum, Stein und Wasser. So wie die Sonnenstrahlen, die die Haut in wärmende Hülle decken, wie ein wabernder Schleier aus Trost und Geborgenheit. Ich will Nahrung aus der Natur schöpfen. Ich will einfach nur wandern. Schritt für Schritt, Schritt um Schritt. Ich will nichts hören. Ich will nicht belehrt werden. Denn: wie soll man Ich werden, wenn man nach einer Lehre lebt? Nach einem studierten Wissen. Nach einem gehörten Wissen. Wie soll man das sein, was man ist, wenn man das Glauben anderer nachlebt? Ich will Glauben, was ich fühle. Ich will nicht dem nachgehen, was ich höre, was ich lerne. Was mir Menschen zu schreien. Ich will auf das irgendwas in mir hören. Ich habe keine Ahnung was das ist, wirklich keine Ahnung. Aber wer braucht die schon? Wer braucht schon eine Ahnung? Wer braucht schon irgendwas zu wissen? Reicht es nicht zu wissen, dass man nicht weiß? Lernt der Kluge nicht aus allem? Aber wer ist klug? Was ist klug? Ist Klug ein IQ von 130? Ist Klug ein Name? Ist Klug Mathemathik, ist Klug Physik? Ist Klug Psychologie oder Nachrichten oder Biologie? Ist Klug lesen ist Klug schreiben? Ist Klug reden, weinen, lachen, schreien? Was. Ist. Klug?!

Manchmal glaube ich wirklich, dass Menschen einem das Ichsein erschweren. Weil alle ihr Gehorsam Jünglingen aufbinden wollen. Sie lehren wollen, überzeugen wollen, manipulieren wollen. Oder vielleicht wollen sie es nicht, sie tun es einfach. Sogar ohne Bewusstsein.

Ich bräuchte Abstand von dem Leben im Dies der Menschen Augen. Ich bräuchte ein Leben im Dies der Natur Augen. Im Dies des „Echt“. Zwischen Sein und Sinn. Aber ist Sein und Sinn nicht überall?
Ist Sein und Sinn nicht auch eine Straße?
Eine einfache Straße.
Eine Straße mit weißen Strichen.
Eine bepinselte Straße.

Ich brauche Abstand.
Ich will sein wie Baum. Stein, Wasser, Sonne. Will sein wie die Haut des Baumes, das Fell des Bodens. Das Grün des Grases, die Wurzeln, die das Wasser ziehen, die das Leben ziehen. Sein und Sinn.