…Sinn und Sein, 03. Feb. 2015

…. Feb. 2015

Manchmal habe ich das Gefühl, die ganze Welt atmet. Komisch zu beschreiben. Manchmal trete ich aus der Tür, wie heute, trete ich aus der Tür und sehe den Zauber. Ich meine wirklich den Zauber. Es sieht so unwirklich aus. Dieses vollkommene Weiß, so unberührt, zart. Wenn ich diesen hohen Traumboden sehe, wünsche ich mir nichts mehr, als Eins mit ihm zu werden. Aber wie? Manchmal stehe ich davor, schaue. Das ist alles. Ich stehe und schaue. Und wünsche mir nichts sehnlicher, als auch eine Schneeflocke zu sein. Ich würde mich so gerne in das Puderweiß werfen, aber diese Augenblicke der Faszination würden erloschen, durch die Kälte und alsbald durch den bitterlichen Schmerz, der sich durch die Haut, bis ins Innerste des Körpers zieht.
Helen ging es mal so.
…Helen….
Wow. Ist das wahr, kann das sein, dass einem ein Charakter aus einem Buch fehlt, aus einer Geschichte? Das merke ich jetzt erst, Helen hat mich seit Okt. 2013 begleitet. Wann habe ich aufgehört, meine Geschichte zu schreiben? Ich weiß es nicht. Im November 2014? Sie wurde irgendwie ein Teil von mir. Ich schrieb jeden Tag über sie, fühlte wie sie, dachte, sah wie sie. Ich meine, irgendwo war ich sie. Genauso wie ich Gwen war oder der Blinde der Helen das Leben rettete. Irgendwie war ich in der Zeit so viele. Ich hatte oft das Gefühl, nie wirklich alleine zu sein. Meine Buchcharaktere waren irgendwie ein Teil von meinem Leben. Ich habe sie über diese 12 Monate verinnerlicht. Und jetzt, auf einmal, wo ich wieder darüber nachdachte, fehlt mir Helen. Mir fehlen ihre Abenteuer, die ICH für sie erfand. Mir fehlen ihre Empfindungen, ihr Denken, ihre Freunde, ihre Liebe, ihr Schmerz. Irgendwie alles….

Heute dachte ich übrigens nach. Ich dachte so viel nach… Ich meine…. Die Welt ist so schön. Alles ist so schön. Mein Herz weint vor Freudesträumen. Alles ist schön. Ein Fels am Bach, das Wasser in tobendem Gesang des Windes Lieder, das Moos, die Haut der Bäume, die Wärme der Sonne, die Kälte des Schattens. Alles ist so voller Leben. Alles so voller Sinn. Oder nicht? Manchmal träume ich davon, einfach einen Rucksack mit dem Nötigsten zu packen und weg zu gehen. Weg aus dieser Welt und irgendwohin, der Nase nach. Ich will nicht gesättigt sein von Lehresgut, von Nahrung – Kapitalverbrechen. Ich will gesättigt sein von mir. Einfach nur von mir allein. Ich will sein, wer ich bin, wie ich gebar und nicht, wer ich ward. Ich will auch Sinn und Sein leben, so wie Baum, Stein und Wasser. So wie die Sonnenstrahlen, die die Haut in wärmende Hülle decken, wie ein wabernder Schleier aus Trost und Geborgenheit. Ich will Nahrung aus der Natur schöpfen. Ich will einfach nur wandern. Schritt für Schritt, Schritt um Schritt. Ich will nichts hören. Ich will nicht belehrt werden. Denn: wie soll man Ich werden, wenn man nach einer Lehre lebt? Nach einem studierten Wissen. Nach einem gehörten Wissen. Wie soll man das sein, was man ist, wenn man das Glauben anderer nachlebt? Ich will Glauben, was ich fühle. Ich will nicht dem nachgehen, was ich höre, was ich lerne. Was mir Menschen zu schreien. Ich will auf das irgendwas in mir hören. Ich habe keine Ahnung was das ist, wirklich keine Ahnung. Aber wer braucht die schon? Wer braucht schon eine Ahnung? Wer braucht schon irgendwas zu wissen? Reicht es nicht zu wissen, dass man nicht weiß? Lernt der Kluge nicht aus allem? Aber wer ist klug? Was ist klug? Ist Klug ein IQ von 130? Ist Klug ein Name? Ist Klug Mathemathik, ist Klug Physik? Ist Klug Psychologie oder Nachrichten oder Biologie? Ist Klug lesen ist Klug schreiben? Ist Klug reden, weinen, lachen, schreien? Was. Ist. Klug?!

Manchmal glaube ich wirklich, dass Menschen einem das Ichsein erschweren. Weil alle ihr Gehorsam Jünglingen aufbinden wollen. Sie lehren wollen, überzeugen wollen, manipulieren wollen. Oder vielleicht wollen sie es nicht, sie tun es einfach. Sogar ohne Bewusstsein.

Ich bräuchte Abstand von dem Leben im Dies der Menschen Augen. Ich bräuchte ein Leben im Dies der Natur Augen. Im Dies des „Echt“. Zwischen Sein und Sinn. Aber ist Sein und Sinn nicht überall?
Ist Sein und Sinn nicht auch eine Straße?
Eine einfache Straße.
Eine Straße mit weißen Strichen.
Eine bepinselte Straße.

Ich brauche Abstand.
Ich will sein wie Baum. Stein, Wasser, Sonne. Will sein wie die Haut des Baumes, das Fell des Bodens. Das Grün des Grases, die Wurzeln, die das Wasser ziehen, die das Leben ziehen. Sein und Sinn.

Advertisements

2 thoughts on “…Sinn und Sein, 03. Feb. 2015

  1. Hast Du das Buch von Hermann Hesse „Siddartha“ schon mal gelesen?
    Falls ja, verstehe ich deine Gedankengänge.
    Falls nein, lege ich es dir ans Herz. Du hast Ansichten, exakt wie Siddartha. Und sollte das, was du hier textest, wirklich von Dir aus kommen (ungelesen, ungelehrt)… dann bist du sowas wie ein kleines Wunder.
    Dem inneren Frieden so nah. Und so jung.

    Respekt

    Gefällt mir

  2. Ich schließe mich Speed-Tipper an. Ich las das Buch von Hermann Hesse vor gut einem halben Jahr… und da sind Absätze drinnen, die mich sofort an deine Aussagen erinnerten. Du solltest das Buch unbedingt mal lesen. Du wirst dich wider finden, Abeo. Mit Sicherheit

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s