….Überraschung meines Lebens, 11. Feb. 2015

Mir fällt irgendwie auf, dass wenn es mir gut geht, ich meistens nichts zu schreiben weiß. Irgendwie traurig. Denn sind nicht gerade solche Dinge, die an Wert besitzen, um festgehalten zu werden? Ich kann eigentlich nur sagen, dass momentan alles genauso ist, wie es sein sollte. Gut, unter der Woche sehen Kora und ich uns nie, aber dafür jedes Wochenende und das sind dann gleich doppelt so schöne Augenblicke, wenn die Sehnsucht befriedigt werden kann. Wenn sie aus dem Auto steigt und ich ihr schönes Gesicht sehe. Diese unglaublichen Augen. Blau, wie tiefer, verschlingender Ozean. Der Mut, in das ungewisse Wasser zu springen, nicht wissend, was einen am Grund erwartet. So ist es. Dieses Gefühl, in ihre Augen zu sehen. In diese großen, nachdenklichen Augen. Es ist ein unglaubliches Gefühl jemandem in die Augen zu sehen, den man liebt.
Ich meine… es ist wie ein Hochgefühl. Jedes Mal. Jeder Blick, jede Berührung, jedes Wort. Flüstern mit „Ich liebe dich“.
Nachts in ihren Armen einschlafen.
Morgens in ihren Armen aufwachen.
Es gibt nichts, was ich momentan mehr genieße, als ihre Haut zu spüren. Den Moment, wenn sich unsere Lippen berühren, oder ihren Atem an meinem Nacken. Ich liebe es, wie sie duftet, wie sie mir durchs Haar fährt, wenn ich schlafe, mich streichelt, warm hält, innerlich, wie äußerlich. Ich liebe es, wenn sie morgens, nachdem sie mit Balou kurz gassi gegangen war, wieder mit ihrem kalten Pulli zu mir ins Bett steigt. Atme den Geruch ihres persönlichen Körperduftes mit einer Note Winter ein, kralle mich an ihr fest, lächle glückselig, während sie mir einen sanften Kuss auf die Stirn haucht.
Und neben all den Sachen, all der körperlichen Nähe, liebe ich es genauso, mit ihr und Balou einfach nur draußen spazieren zu gehen, ihre Hand zu halten, der Welt zu zeigen, dass diese Frau zu mir gehört, ich lache, wenn ihr ein kalter Wassertropfen aus schmelzendem Eis von einem Baum in den Nacken fällt, stolpere über Balous tapsigen Fötchen, wenn er sich zwischen uns drängelt. Auch liebe ich es, wenn ich auf ihrer Couch liege und für die Schule lerne, während sie darauf besteht, für uns Mittagessen zu machen. Mich beruhigt es, wie sie aus der offenen Küche zum Esstisch läuft, die Teller und das Besteck aufdeckt, sich unsere Blicke kreuzen und wir uns anlächeln. Es ist jeden Morgen, jeden Mittag, jeden Abend etwas Besonderes, mit ihr gemeinsam zu essen. Und das trotz meiner nervigen Essstörung (dazu ausführlicher in anderem Beitrag – maybee). Ich sehe ihr gerne dabei zu, wie sie meinen Kaiserschmarrn isst, während sie sich darüber freut, dass mich auch ihre einfachen Nudeln mit Tomatensose zufrieden stellen, und mir auch noch schmeckt. Wir sind beide sehr einfach, was Essen angeht – außer Oliven! Bloß Oliven dürfen’s nicht sein!

Und gestern auf die Nacht passierte etwas, was mir ihre bedingungslose Liebe mir gegenüber bestätigte…. Ich habe nie nach einer Bestätigung gesucht – nur um das mal festzuhalten! Aber ich habe sie einfach so bekommen.
Sie fehlt mir jeden Tag. Das sowieso. Aber auf gesunde Art. So wie man Menschen eben vermisst, die einem viel bedeuten. Aber gestern Abend war es eine seltsame Sehnsucht. Ich hatte keinen guten Tag. Ich weiß auch nicht warum, war eben so. Das kommt schon mal vor, dass man aufwacht, und einfach keinen guten Tag hat. Und vielleicht war das der auslösende Faktor, dass ich an jenem Abend noch mehr Sehnsucht nach Kora hatte, als sonst. Der unbezwingliche Wunsch, sie in den Arm zu nehmen, sie zu küssen, mit ihr einzuschlafen, zu kuscheln…

Gegen 23:00 Uhr gehen bei uns die Betreuer aus dem Dienst (Warum Betreuer? Dazu auch mehr im weiteren Beitrag: „Mein Leben: Wieso, weshalb, warum“).
Kora und ich telefonierten schon seit ca einer Stunde mit immer wieder Unterbrechungen drinnen, weil sie sagte, sie sitzt im Auto (was ich gehört habe), weil ein guter Freund von ihr stockbetrunken ist und nach Hause gefahren werden muss. Er wollte zu seiner Freundin und sie hatte ihn abgeholt. Das Verblüffende war, dass es schon 22:30 Uhr war und Kora eine dreiviertelstündige Fahrt auf sich nahm, nur um ihrem Freund zu helfen. Vor allem war das nicht so weit von mir entfernt, aber ich dachte mir nichts dabei.
Irgendwann um kurz vor 23:00 Uhr sagte Kora: „Wenn Deine Betreuer aus dem Dienst sind, dann geh runter auf euren Parkplatz, wo ich letztens stand. Ich habe da etwas gesehen. Ich möchte dir zeigen, dass wir gar nicht so weit voneinander entfernt sind, wie wir glauben.“
Ich lag schon im Fußballshirt und kurzen Hosen im Bett und fror wie als wäre es in meinem Zimmer Null Grad. Aber ich bin von Natur aus ein ungeheuer neugieriger Mensch. Ich könnte platzen vor Neugier. Also zog ich mir nur schnell eine Jogginghose an, sah zerknautscht aus, ungeschminkt einfach total müde und zerzaust. Leise bin ich die Treppen runter geschlichen, damit unser innenwohnender Betreuer (der mietet eine Wohnung direkt über unserer WG, damit die Betreuer, die z.B. jetzt 30 Min. entfernt wohnen, nicht für eine Nachtbereitschaft hier schlafen müssen – ich glaube, deshalb gibt es diese Betreuerwohnung direkt über uns. ICH würde niemals freiwillig mit sechs Jugendlichen unter einem Dach wohnen wollen. Aber who cares? Jedem das Seine) …nun, damit unser innenwohnender Betreuer mich nicht hört.
Ich machte das Fenster auf (die Tür war abgeschlossen)… und … ich dachte, mir fällt das Handy aus der Hand. Ich wusste nicht, ob ich träume, ob ich schon eingeschlafen bin, und das wirklich nur ein Traum ist. Denn da stand sie: Kora. Lächelnd mit dem Handy in der Hand, mich noch an der anderen Leitung gegenüberstehend, an der Säule gelehnt auf unserer Veranda. Mir wurde heiß ums Herz, mein Kopf drehte sich. Ich wusste für einen Moment nicht mehr, wie man atmet. Ich kniete mich auf das Fensterbrett, streckte mich aus, musste ungläubig lachen und drückte mich sofort die Hand auf den Mund, um niemanden zu wecken. Sie kam auf mich zu, schlang ihre feingliedrigen Hände um meinen Hals und küsste mich. Sie küsste mich, und immer noch wusste ich nicht, ob ich träume, konnte nicht reden, stotterte nur blödsinnig. Und das Erste, was ich nach unserem leidenschaftlichen Kuss herausbrachte, war völlig, überglücklich und immer noch ungläubig: „Du bist verrückt!“ Sie lachte ihr schönes Lachen. Leise.
Sie streichelte meine Wange, küsste mich wieder.
„Ich habe dir gesagt, wir sind nicht so weit voneinander entfernt, wie wir immer glauben.“ Ich konnte immer noch nichts sagen, weil ich einfach nicht fassen konnte, dass es echt ist. Ich fühlte mich immer noch wie im Traum und war sogar teilweise fest davon überzeugt, dass das ein Traum ist. Trotzdem fragte ich: „Du warst also gar nicht deinen Freund abholen.“
Sie hob entwaffnend die Hände, zog die Brauen entschuldigend in die Höhe und lachte leise: „Das war eine Notlüge. Du hättest mir nie erlaubt, herzufahren.“
„So ist es.“
Ich küsste sie wieder. Wir küssten uns minutenlang.
Nur dafür war sie eine Stunde hergefahren. Eine ganze, gottverdammte Stunde. Um 23:00 Uhr. Nur, um mich zu küssen, mir nahe zu sein. Zwei Stunden Fahrt für 5 Minuten.
Ich hätte sie so gerne einfach durch das Fenster gezogen, sie mit auf mein Zimmer geschleppt um neben ihr einzuschlafen. Oder noch besser: einfach aus dem Fenster steigen. So wie ich bin, ohne alles – in ihr Auto steigen und mit ihr nach Hause fahren.
Als ich dann ihrem Auto hinterhersah, wie sie von unserem Hof fuhr; die lange Straße; das Auto immer kleiner wurde, stiegen mir Tränen in die Augen. Tränen, weil in meinen ganzen 18 Jahren, die ich lebe, noch nie so eine schöne Überraschung erleben durfte. Weil noch nie ein Mensch jemals Vergleichliches für mich getan hatte und hätte.

Heute in der Früh, als ich aufwachte, sah ich als aller erstes auf mein Handy. Ich musste unsere Nachrichtenverläufe erst lesen, um sicher zu sein, dass ich nicht wirklich nur geträumt habe. Und das habe ich nicht. Da stand ihre Nachricht: „Nein, kein Traum … aber genauso schön ;-)“

Es sind mittlerweile Stunden vergangen, Stunden, und unzählige Nachrichten, in denen ich herauslese, dass ich nicht geträumt habe. Und trotzdem kann ich es nicht fassen.

DAS war eines der schönsten Überraschungen meines Lebens.

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5 thoughts on “….Überraschung meines Lebens, 11. Feb. 2015

  1. Liebe Abeo.
    Wie ich Deine Beiträge hier las, vor allem den hier, kitzelte mich beinahe der Wunsch, eine Geschichte von Dir zu lesen. Du schriebst ja kürzlich, dass Du vor gut einem Jahr eine Geschichte angefangen hattest. Ist die irgendwo zu finden?

    Du hast eine wunderschöne, herzergreifende Schreibweise. Sie verleitet zum Träumen, berührt. Ich lächelte und freute mich mit Dir. Ich würde mich sehr, wirklich sehr, über ein gutes Stück von Dir freuen.

    Deinen Blog werde ich weiterhin verfolgen. Du bist 18 Jahre. Du Schreibst unglaublich. Das ist eine Gabe. Das wurde Dir in die Wiege gelegt. Lebe sie aus. Lass sie niemals gehen.

    Herzlichste Grüße,
    Elke

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  2. Ooooh, das hört sich ja an wie in einem Liebesfilm! Wunderschön!
    Ich wünsche eurer Liebe ganz viel Kraft und Halt und insbesondere schöne Zeiten und Erlebnisse! Ich finde es mutig, wie offen du mit deiner Orientierung umgehst.

    Und ich habe zwar nu diesen Beitrag hier gelesen, aber sollte Elke recht haben, und du schreibst tatsächlich Geschichten, so wäre ich definitiv auch interessiert, etwas von dir lesen zu können/dürfen.

    LG
    Milena

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  3. „Ich meine… es ist wie ein Hochgefühl. Jedes Mal. Jeder Blick, jede Berührung, jedes Wort. Flüstern mit „Ich liebe dich“.
    Nachts in ihren Armen einschlafen.
    Morgens in ihren Armen aufwachen.
    Es gibt nichts, was ich momentan mehr genieße, als ihre Haut zu spüren. Den Moment, wenn sich unsere Lippen berühren, oder ihren Atem an meinem Nacken. Ich liebe es, wie sie duftet, wie sie mir durchs Haar fährt, wenn ich schlafe, mich streichelt, warm hält, innerlich, wie äußerlich. Ich liebe es, wenn sie morgens, nachdem sie mit Balou kurz gassi gegangen war, wieder mit ihrem kalten Pulli zu mir ins Bett steigt. Atme den Geruch ihres persönlichen Körperduftes mit einer Note Winter ein, kralle mich an ihr fest, lächle glückselig, während sie mir einen sanften Kuss auf die Stirn haucht.
    Und neben all den Sachen, all der körperlichen Nähe, liebe ich es genauso, mit ihr und Balou einfach nur draußen spazieren zu gehen, ihre Hand zu halten, der Welt zu zeigen, dass diese Frau zu mir gehört, ich lache, wenn ihr ein kalter Wassertropfen aus schmelzendem Eis von einem Baum in den Nacken fällt, stolpere über Balous tapsigen Fötchen, wenn er sich zwischen uns drängelt. Auch liebe ich es, wenn ich auf ihrer Couch liege und für die Schule lerne, während sie darauf besteht, für uns Mittagessen zu machen. Mich beruhigt es, wie sie aus der offenen Küche zum Esstisch läuft, die Teller und das Besteck aufdeckt, sich unsere Blicke kreuzen und wir uns anlächeln. Es ist jeden Morgen, jeden Mittag, jeden Abend etwas Besonderes, mit ihr gemeinsam zu essen.“

    So unglaublich herzergreifend, bezaubernd geschrieben!
    Du liest dich sehr verliebt. Ich freue mich für dich.

    Und ich schließe mich Elke Wort für Wort an.

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  4. oooh du bist in einer WG?also mit betreuern und so? ist das dann wegen deiner essstörung, oder?
    voll krass. ich soll nämlich eigentlich auch in eine wg aber ich wollte nicht. ka warum aber ich kann mir das halt einfach nicht vorstellen aber meine eltern wollen das unbedingt. und ehrlich gesagt hab ich auch angst davor. ich müsste halt in eine wg wegen was anderem, nich wegen ner esstörung..

    kannst du darüber vllt mal ein bisschen schreiben?
    das würde mich voll interessieren. nur wenn du magst. (:

    lg jeany

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  5. Eine sehr, wirklich sehr rührende Geschichte. Du schreibst wirklich faszinierend gut; greifend. Auch ich würde mich über einen Einblick in eines Deiner Geschichten freuen, die Du zuvor schonmal erwähntest – ist dies möglich?

    Wann gibt es mal wieder was von Dir zu lesen, kleine Abeo?

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