Lejlas Geschichte

Es ist jetzt Juli… ich habe das letzte Mal im Oktober von ihr gehört.
Sie fehlt mir.
Das Schlimme ist, ich wusste schon immer, dass Lejla sich gerne Zeit ließ mit dem Antworten.
Ich habe das Bedürfnis, endlich über sie zu schreiben.

Ich habe lange mit mir gehadert, und lieber hätte ich es natürlich in meinem echten Tagebuch stehen, aber dafür ist die Geschichte einfach zu lang.

Also hier.

Lejlas Geschichte

Es fing irgendwann im Mai oder Juni an. Ich war zu der Zeit seit einem halben Jahr 14. Das war eine schreckliche Zeit. Die Spanne zwischen 10 und 16 habe ich eigentlich… so gut wie gar nicht in Erinnerungen.
2008 starb meine Tante, die mir wie eine zweite Mutter war.
Irgendwann kurz davor oder danach geschah dieser blöde ‚Sexunfall‘ (ich kann es immer noch nicht Vergewaltigung nennen. Ich hätte kein reines Gewissen dabei – ich hätte Nein sagen sollen).
Ein Jahr darauf die blöden Erpressungen wegen der freizügigen Bilder, die er von uns für (einen nicht gerade niedrigen!) Geldbetrag wollte.
Weitere zwei Jahre darauf folgten wieder 4 grenzwertige Geschichten mit Jungs (oder Männern) – ich weiß nicht, ob auf meiner Stirn ‚Hurre‘ steht!
Ich glaube, mit Mitte / Ende 13 fing ich an, mich sehr nach meinen toten Geschwistern zu sehnen. Ich schrieb im Tagebuch zu ihnen, ich redete nachts mit ihnen, in der Hoffnung, sie könnten mich hören. Ich hätte so sehr jemanden gebraucht, der mich hält oder auffängt.
Vor noch gar nicht so langer Zeit war mir das so unangenehm, darüber zu reden. Heute weiß ich, dass viele Menschen liebebedürftig sind. Es ist also nichts, wovor man sich schämen muss. Wünscht sich nicht jeder einen Menschen an seine Seite, bei dem er sich geborgen oder zuhause fühlen kann?
Jedenfalls war ich sehr einsam in der Zeit.

2010 war die Zeit, in der ich herausgefunden habe, wie ich mich aus dieser fürchterlichen Realität schleichen kann – ich schrieb Geschichten.
Twilight (meine Fantasie) war damals ein Ausbruch aus diesem großen Gefängnis (aus der Welt).
Warum mir die Twilight-Saga damals so viel Stütze bot war die Familie, die sich in diesem unrealistischen Film darstellte. Diese bedingungslose Hingabe füreinander, das Dasein für den anderen, die Liebe, die Stärke, die Gemeinschaft. Ich habe mir so sehr gewünscht, eine Familie wie die Cullens zu haben.
Ich schrieb also eine Fan-Fiktion mit meinem besten Freund, *Finn. Wir waren (unter anderem) die Hauptdarsteller. Es tat so gut, nachts, wenn er bei mir übernachtet hatte, gemeinsam vor dem Computer zu sitzen und unserer Fantasie freien Lauf zu lassen. Er hat ein Kapitel geschrieben, ich hab ein Kapitel geschrieben, und immer so weiter. Es erleichterte mich teilweise auch, dass er ähnlich dachte wie ich. Wenngleich er in der Geschichte immerzu den Starken und den Beschützer spielte, ich wiederum die Unsichere, Schwache.
Ich hatte zu der Zeit sehr häufig ergreifende Träume. Ich war jeden Morgen traurig, wieder wach zu werden, ich hatte mir nichts sehnlicher gewünscht, als einfach im Traum gefangen zu bleiben (ich hatte schon immer SEHR realistische Träume. Als Kind bin ich oft wach geworden und habe in der Wohnung nach Babykatzen oder Hunden gesucht, die ich in meinem Traum von meinen Eltern bekommen habe).
Selbst heute habe ich noch so realistische Träume. Auch, wenn sie sich von denen von damals unterscheiden. In dem Punkt, dass ich IM Traum weiß, dass ich träume. Dann hole ich immer mein Handy und mache ganz viele Fotos – von einem überdimensional großem Mond, von kaltem, flüssigen Lava, in dem ich stehe, von einem Pferd, auf dem ich gerade fliege, von einem Star, den ich getroffen habe…- dann wache ich auf, und bin FEST davon überzeugt, die Bilder auf meinem Handy zu finden… ich suche… beinahe verzweifelt…. Und sie sind nicht da.

Nun, Mitte 2010 erfuhren die ‚Kleinen‘ aus dem Hof (Nachbarskinder, die für mich auch heute noch ‚die Kleinen‘ sind, obwohl der Jüngste jetzt schon 8 oder 9 ist, die Älteste 12), dass Finn und ich eine Geschichte über uns schreiben, und sie wollten unbedingt dabei sein… So wurde aus der Fan-Fiktion eine Foto-Story…mit rund 200 Seiten.
Die Kleinen bedeuteten mir immens viel. Sie waren wie kleine Geschwister, auf die ich aufpassen durfte. Sie liebten und akzeptierten mich, wie ich war. Und dieses Gefühl gaben nur SIE mir zu dieser Zeit. Sie waren damals gerade mal fünf oder sechs….. Ich ging mit ihnen in ein Jugendzentrum, wo sie uns einen großen Raum zum Tanzen anboten. Klar war das ein seltener Anblick: eine Dreizehnjährige mit fünf bis acht Sechjährigen unterwegs.
Wir waren eigentlich fast unzertrennlich. Ich wurde immer doof angeschaut, wenn ich sagte, dass meine besten Freunde erst sechs, sieben, acht waren.
… mir wird wehmütig bei dem Gedanken, dass so schöne Zeiten einfach vorbeigehen.
Heute habe ich so gut wie gar keinen Kontakt mehr zu den Kleinen.
Wenn ich hin und wieder nach Hause komme und sie im Hof sind, gehe ich zu ihnen und umarme sie. Aber zwischen uns hat sich eine Distanz entwickelt…. Vielleicht ist das auch gut so.

Und in dieser schweren Zeit waren es eigentlich nur *Vivien, *Jasmin und *Bella, die mich davon abhielten, mich umzubringen. Denn ja, die Suizidgedanken fingen schon viel früher an …. Ich denke… mit Ende 12.
Aber als ich vierzehn wurde, wurde alles unerträglich.
Mit dreizehn bekam ich meinen Hund, Lychee (ich habe schon oft erwähnt, in welch einer Beziehung ich zu ihm stand – er war ALLES für mich – deshalb will ich auch nicht nochmal darauf eingehen, es ist immer noch ein sehr empfindlicher Punkt).
Mit meiner Familie lief alles drunter und drüber. Tagein, tagaus, nur Streit, Stress, Geschreie. Mein Vater kotzte mich an, meine Mutter kotzte mich an… sogar meine Oma… ich verlor meine Freunde… sie hintergingen mich, ließen mich fallen… ich war unbeliebt in der Schule und kurzzeitig gab es sogar eine Mobbingzeit, an die ich mich aber auch gar nicht mehr erinnern kann. Meine Essstörung fing an, verlor stetig an Selbstbewusstsein… und fühlte mich so einsam wie noch nie. Lychee war die einzige Stütze, die ich hatte.

Dann, irgendwann, hatte ich mal einen Traum, an den erinnere ich mich heute noch, als wäre es gestern gewesen.
Ich kam nachts aus dem Stadtpark gerannt, hatte eine Todesangst. Ich floh vor einem Monster, das mich verfolgte. In einer Kreuzung rutschte ich auf einer Eisfläche aus, obwohl es Frühling war. Das Monster kam mir immer näher und ich sah weit weg von mir aus einem Haus gerade Alice kommen (Twilightcharakter). Ich weinte schon, weil ich dachte, jetzt würde ich sterben, aber gerade noch rechtzeitig kam Alice und riss diesem Monster den Kopf ab, bevor es sich auf mich stürzen konnte.
Diesen Ort aus meinem Traum gab es ja wirklich. Ich bin dort immer entlang gelaufen, wenn ich zur Schule ging.
Und irgendwann kam der erste große Streit mit meinem Vater (Ende 13). Es war im Oktober und es war schon sehr kalt nachts draußen. Ich sollte eigentlich mit Lychee gassi gehen, aber meine Mutter hatte die Leine so verlegt (das tut sie bis heute noch – Dinge so verlegen, dass man sie NIE wieder findet), dass ich sie nicht fand. Und ohne die Leine hätte ich nicht mit ihm gehen können, er war ja noch ein Welpe und untrainiert.
Jedenfalls sagte ich zu meinem Vater, ich würde gehen, wenn meine Mutter da ist und solange zu den Kleinen runter (sie wohnten zwei Stöcke unter mir) einen Film schauen, weil ich es ihnen versprochen hatte. Er rief noch hinterher, wenn ich das täte, würde er alle Tiere aus der Wohnung werfen.
Ich dachte, das sei nur so dahergesagt.
Als ich dann bei den Kleinen unten saß, klingelte es auf einmal nach ner halben Stunde bei den Kleinen. Meine Oma war herunter gekommen (! – sie kann eigentlich nicht alleine Treppen steigen! Das wird mir gerade erst bewusst, was für einer Gefahr sie sich damals ausgesetzt hat! Oh GOTT, wenn sie gestürzt wäre und keiner hätte es gemerkt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) Jedenfalls stand sie dort vor der Tür, ganz aufgeregt und sagte, mein Vater hätte die Tiere aus der Wohnung geworfen.
Ich hatte Polly (meine Katze) gepackt, Lychee war Gott sei Dank nur zum Speicher hoch gerannt, Quinti (mein Kater), war raus gelaufen … weg.
Ich legte Polly Zuhause ab und zischte in das Wohnzimmer zu meinem Vater, der mal wieder vor dem PC saß, rauchte und Bier trank, dass ich ihn hasse. In dem Moment stand er auf und ich bekam irgendwie Angst vor ihm. Er kam auf mich zu, packte mich am Arm und sagte „Okay, dann verschwinde aus meinen Augen! Wenn das so ist, dann verpiss dich aus meinem Haus (HA, SEIN Haus! Das, was meine Mutter seit Jahren ALLEINE zahlt – Arschloch!)“
Er hatte mich samt Lychee aus der Wohnung geworfen und die Tür vor meiner Nase zugeknallt. Zwei Stunden saß ich oben im Speicher, mit Lychee im Schoß, und weinte…
Um halb zehn kam meine Mutter und fragte, was los sei. Ich sagte, dass Vater mich aus der Wohnung geschmissen hatte, weil ich mit Lychee nicht gegangen war. Sie sagte mal wieder nichts zu alldem. Typisch.
Sie öffnete die Tür, ich ging rein um die Leine zu holen, nachdem meien Mutter gesagt hatte, wo sie war. Kaum hatte ich das Teil in der Hand, kam er schon wieder aus dem Wohnzimmer getrampelt wie eine männliche Furie und schubste mich grob aus der Wohnung und schrie, dass ich gefälligst nicht unter seine Augen treten solle. Er sagte, entweder geht er, oder ich.

Ich ging.

Fünf (!) Stunde war ich in der Nacht unterwegs… bei meiner Schule, im unbeleuchteten Stadtpark… ich fror und weinte und wusste nicht, wohin.
Irgendwann gegen halb zwei oder zwei Uhr nachts, fand mich meine Mutter und nahm mich mit nach Hause.
Ab dem Tag an lief ich immer von zu Hause weg, wenn es mir schlecht ging. Nur nachts, weil ich mich tagsüber nicht wohl – so nackt und ausgeliefert – gefühlt habe. Also jeden Abend.
Irgendwann, ich erinnere mich, als wär es gestern gewesen, stand ich an unserer Hauswand draußen und sah in den sternenklaren Nachthimmel. Ich suchte nach den Zeichen, die mir meine Mutetr in Ungarn als Kind immer gezeigt hatte, fand aber nur eine komische Schubkarre (die sehe ich heute noch). Und natürlich den Polarstern. Für mich war dieser Stern meine Tante.
Als ich den Stern so ansah, musste ich nur noch mehr weinen und dann fiel mir mein Traum ein.
Seit dem Abend an war ich JEDEN gottverdammten abend dort, wo mich Alice gerettet hatte. Ich saß neben einem Baum, versteckt im Schatten und genoss die Ruhe, die Stille, die Dunkelheit. Ich war froh, weinen zu können, ohne dass mich jemand sieht.

Ich glaube ja an Schicksal. Und seh schicksalhaft waren die Begegnungen mit Carmen und Aurora – zwei ganz besondere Frauen in meinem Leben damals.
Carmen hatte mich nachts ‚gefunden‘, als ich wieder neben dem Baum versteck saß. Sie hatte mich nach Hause begleitet.
Und Aurora.. das ist eine viel zu lange Geschichte.
Ich kann nur sagen, dass ich nur Dank IHR meine damalige Therapeutin, Frau Nerz, kennen gelernt habe…eine wundervolle Therapeutin!
Und sie gab mir einen Satz mit, der mir bis heute geblieben ist: „Das ist Leben ist ein Fluss. Nichts, was man festhalten kann.“ Diesen Satz halte ich mir bis heute immer noch vor – gerade jetzt, wo Lejla weg ist.

Nun, Lejla…
Ich lernte sie mit Vierzehn im fidion Mainchat kennen. Eigentlich kein Ort für Mädchen in meinem damaligen Alter. Aber ich mochte es, mich dort mir den Erwachsenen zu unterhalten (ich kam mit Älteren eh immer viel besser aus!)
Und dann war da eben eine Userin… F*G* (Ich zensiere alle Usernamen).
Ich fand sie furchtbar interessant. Ihre Schreibweise, ihre Gedankengänge, diese konsequente Anonymität.
Ich beobachtete sie eine Zeit lang, versuchte er nach mehreren Wochen sie anzuschreiben, aber sie schrieb nie zurück. Ich war verzweifelt.
Irgendwann schrieb ich etwas in der Art, dass ich nicht weiß, warum sie mir nicht antwortet, aber ich es sehr schade finde, weil ich sie so interessant finde und gerne kennenlernen würde.
DANN, endlich, kam eine Reaktion (man konnte ja in dem Chat flüstern – also eine Person privat anschreiben, so dass kein anderer das lesen konnte). Sie fing an ein wenig mit mir zu schreiben. Relativ oberflächlich. Irgendwann fragte ich, wie sie aussieht. Darauf antworte sie nicht. Irgendwann, ich weiß nicht mehr wie, erzählte ich mehr von mir, und auch, dass ich lesbisch war (das wusste ich schon immer, glaube ich. Mit Zwölf war es ‚offiziell‘). Dann erfuhr ich auf umständlichen Wegen, dass sie bisexuell ist. Was nicht heißt, dass sie Beziehungen mit Frauen hat (weil sie Frauen eigentlich nicht leiden kann), aber dafür umso mehr Sex.
Irgendwann, nach längerer Zeit, schien ich wohl irgenwdas Falsches geschrieben zu haben, denn auf einmal schrieb sie, ob ich sie für blöd verkäufe, dass sie nicht glaubt, dass ich vierzehn bin etc.
Und der Kontakt war für mehrere Tage lahm gelegt. Sie reagierte einfach nicht mehr.
Irgendwann schrieb sie sogar, ich solle aufhören, sie dauernd anzuschreiben.
Ich war verzweifelt und ich naives, dummes Ding, welches ich war, schrieb einen Admin an, den ich mehr oder minder kannte und wusste, dass er vertrauenswürdig war. Ich flüsterte ihn an und schrieb ihm in einer Mail, er solle mich BITTE anrufen und dann F*G* bezeugen, dass ich ECHT bin.
Ich hatte Angst, war nervös wie noch nie, aber dann klingelte tatsächlich das Telefon!
Ich ging ran, und wer war dran? ER. Erst durfte ich mir eine ellenlange Moralpredigt anhören, dass ich wahnsinnig sei, einfach meine Telefonnummer im Internet rumzuschicken und ich sie im besten Falle sofort ändern lassen sollte.
Jedenfalls redeten wir kurz, ich erklärte es ihm und er schien es so ‚rührend‘ gefunden zu haben, dass er sie wirklich anschrieb.
Zwei Minuten später folgte die nächste Moralpredigt – von F*G*.
Aber immerhin, ich hatte es geschafft. Und ab da fing eine merkwürdige, besondere und starke Beziehung an. Am 14.07.2011. Genau vor vier Jahren und zwei Tagen.

Wir schrieben tagein, tagaus, über Gott und die Welt. Die Zeit fing an, in der ich ihr ALLES anvertraute…. und damit auch die Zeit, in der ich mich irgendwie in sie verknallte. Wir hatten uns noch nie gesehen, nie gehört. Nur durch das tägliche, wochen (oder monate?)lange Schreiben verliebte ich mich in sie. Ich wusste nicht, wie sie aussah, wie alt sie war – wusste nicht mal, ob sie WIRKLICH eine Frau war (auch wenn der Schreibstil sehr davon ausging). Sie faszinierte mich jeden Tag ein Stückchen mehr.
Heute weiß ich übrigens, dass es eine ganz andere Liebe war, wie man sie vielleicht im ursprünglichen Sinne kennt. Ich liebe Leyla nämlich immer noch, aber eben auf eine ganz andere Art und Weise wie Kora, zum Beispiel.
Nun, jedenfalls…. Ich erzählte ihr von allen meinen Therapiesitzungen mit Frau Nerz (ich hatte mir die Therapeuten übrigens alle alleine gesucht. Meine Eltern wussten lange nichts davon, bis Frau Nerz meinte, sie MUSS meine Eltern einbeziehen, weil ich ja noch minderjährig war).
Und obwohl es Lejla zu der Zeit schon gab, hatte ich immer noch Suizidgedanken. Denn auch wenn es in meiner virtuellen Welt so gut war – so viel besser – so war es das in der Realität nur umso schlechter. Meine Gedanken an Selbstmord wurden nicht weniger. Im Gegenteil.

Ich hatte fürchterliche Angst, Lejla würde irgendwann einfach weg sein… ich fühlte mich immer sicherer bei ihr, geborgener…
Ich beichtete ihr, dass ich schon seit langer Zeit mit dem Gedanken herum laufe, mich umzubringen… ich würde es nicht mehr aushalten…. Es täte so weh … ich war damals zu keinem Zeitpunkt glücklich (abgesehen von den Urlauben in Ungarn…). Ich erzählte ihr, dass meine Thera mich in eine Klinik einweisen möchte, ich aber solche Angst davor hätte.
Aber was ich nicht erzählte war, dass ich zu dem Zeitpunkt schon einen ganzen Stapel Abschiedsbriefe geschrieben hatte. Ich hatte schon einen konkreten Plan, eine konkrete Zeit. Ich wollte sterben, und mir blieben nur noch fünf Monate, um Dinge zu erledigen, die ich noch erledigen wollte.
Und irgendwann kam tatsächlich der Tag, an dem ich sie hören sollte. Ich war SO schrecklich nervös.
Ich gab ihr meine Nummer und sie rief mich unterdrückt an.
Ihre Stimme…. Ist irgendwo im Jenseits von ‚wunderschön‘. Es ist nicht zu beschreiben! Diese Wärme, diese Leichtigkeit, diese Melodie…. Wenn sie gelacht hat, hatte ich das Gefühl, ich würde zerschmelzen.
Wir redeten stundenlang. Bis in die Nacht hinein… und ich hatte mich noch nie so gut und sicher gefühlt.
Am Telefon fragte ich dann irgendwann, als mir das Reden schon leichter fiel, ob sie weinen würde, wenn ich sterben würde.
Sie sagte, sie hat auch geweint, als ihr Goldfisch starb.
Ein andermal fragte ich, was sie täte, wenn ich aus dem Fenster sprenge.
Sie sagte, sie stünde unten und finge mich auf.
Wenn ich am Telefon weinte, weil es mir wieder so schlecht ging, sagte sie, wenn sie könnte, würde sie mich jetzt in die Arme nehmen und mich in Geborgenheit wiegen.
So viel hatte sie zu mir gesagt.

Die Zeit, dass ich in die Klinik sollte, rückte immer näher. Frau Nerz wurde immer aufdringlicher, ich erschien ihr immer depressiver – obwohl es Lejla gab. Sie machte die ganze Situation zwar leichter, aber sie konnte es nicht einfach „verschwinden lassen“ … diesen Schmerz..
Irgendwann, als wir wieder beim Thema Klinik waren, rutschte es mir doch heraus „Eher bringe ich mich um, als ich in die Klinik gehe!“ Ich hatte schrecklich geweint, weil ich so angst hatte (man könnte schon sagen, ich hatte eine Phobie vor Menschen und vor allem Jugendlichen). Ich habe Jugendliche abgrundtief gehasst – auch heute kann man nur von einer minimalen Besserung sprechen.
Und dann sagte sie „Wenn du in die Klinik gehst, versuche ich, dich dort zu besuchen.“
Ich war in ersten Moment wie erstarrt, wusste nicht was ich antworten sollte.
„Wirklich???“, hatte ich schließlich nur herausgebracht.
„Ja“, hatte sie gesagt, „Ich verspreche, ich versuche es.“
Und im Endeffekt war DAS der Grund, dass ich doch in die klinik ging. (Sie hatte mir also prinzipiell das Leben gerettet..wäre ich nicht in der Klinik gewesen, wäre ich schon lange nicht mehr am Leben – abgesehen von dem Versuch mit den Tabletten) Die Hoffnung, Lejla in Wirklichkeit in die Arme fallen zu können, sie in meiner Nähe zu haben, mit ihr reden zu können, sie FÜHLEN zu können… das war sowas wie ein…. Kleines Weltwunder… ich hätte mir nichts sehnlicher gewünscht.

Ich kam am 23.10.2011 in die Psychiatrie.
Lejla ließ sich nicht blicken.
Auch hatten wir kaum noch Kontakt und ich versank wieder in einer Todestrauer, in Schmerz und Einsamkeit.
Ich schrieb in meinem Tagebuch jeden Tag nur über sie. Es gibt keine Seite, in der ich NICHT den Namen „Lejla“ erwähnte.
Und irgendwann, nach zwei Monaten, bekam ich dort einen Anruf.
Ich ging ran, gelangweilt „Hallo..“ ich dachte, es wäre meine Mutter.
Aber … es war nicht meine Mutter.
Es war Lejla.
„Hi“, hatte sie gesagt.
Ich hatte das Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes, wie in einem Film, dass sich auf einmal der Raum um mich herum drehte.
Wir redeten und sie sagte mir, als ich ihr erzählte, dass ich angst hatte, sie würde sie nicht mehr melden, sie würde niemals einfach so gehen. Es müsste dafür schon einen Grund geben, nämlich den, dass ich ihr Vertrauen breche. Solange sähe sie keinen anderen Grund, mich „zu verlassen“.
Nach dem Telefonat weinte ich. Ich weinte stundenlang, weil ich so glücklich war und aufgebracht, sie wieder gehört zu haben. Ihre Stimme war wie Balsam auf meiner Seele.
Und dann verboten mir die Betreuer den Kontakt zu ihr.
Ich hasse die bis heute dafür.

Nun… am 13.02.2012 wurde ich schließlich entlassen. Und mir ging es kein Stückchen besser.
Aber Lejla war immer noch da. Sie wurde zu meinem Gewissen, zu einem Teil von mir. Sie wusste alles von mir, ich erzählte ihr alles, holte mir von ihr Ratschläge, hörte mir ihre Geschichten an… ich liebte sie von Tag zu Tag mehr. Denn sie war wirklich für mich da. Sie ging wirklich nicht. Sie blieb. Und ich vertraute ihr mehr, als je irgendeinem Menschen zuvor.
Meine verzweifelte Suche nach Geborgenheit und Zuversicht ging zu Ende… ich suchte nicht mehr, ich hatte gefunden – sie.
Und sie reichte mir.
Lejla tauchte in meinen Träumen auf… ich träumte so intensiv, dass ich manchmal (und das schwöre ich bei meinem Leib und meiner Seele!) ihre Berührungen noch kurz nach dem Aufwachen auf meiner Haut spürte… zum Beispiel, als sie in einem Traum ihre Hand auf meinen Rücken gelegt und mich gestreichelt hatte… oder sanfte Küsse am Hals (ja, ich hatte auch Sehnsucht, mit ihr Sex zu haben … – zu dem Zeitpunkt wusste ich schon lange, dass sie viel älter war als ich und wie sie aussah. Ich bekam immer wieder mal Bilder von ihr. Sie sah wunderschön aus. Nicht wie 40, eher wie 30. Sie erinnerte mich ein wenig an Pocahontas, nur viel sinnlicher. Mir war klar, ich war ja nicht dumm – auch wenn es so scheint – dass es auch völlig gefälschte Bilder sein konnten, aber das war mir egal. Ich hatte mich in ihrer PERSON widergefunden, nicht in ihrem Aussehen. Zumal ich ja nicht wusste, wie sie aussah, als ich mich verliebt habe. Und aus der Verliebtheit wurde diese eine außergewöhnliche Liebe… die tiefer ist, glaube ich (jedenfalls fühlt es sich so an), als die zu meinen Eltern… (ich habe ein schlechtes Gewissen, das zu sagen, und vielleicht bereue ich es zutiefst, wenn sie irgendwann mal von mir gehen, aber es ist die Wahrheit…………)
Zu meinem 15. Geburtstag (23.12.11) also noch in der Klinik, bekam ich von ihr ein Geschenk. Eine kleine Plüscheule. Die habe ich heute noch. Sie nannte mich von Anfang an immer „Eulchen“. So war mein Spitzname für sie. Bis ….. jetzte hätte ich fast „heute“ geschrieben… nein… bis Oktober 2014.
Lejla ist eine unbeschreibliche Frau – wirklich. Kein Mensch könnte erklären wie sie ist, weil sie einfach so… viel ist. Die böse Hexe, die gütige und herzliche Frau Holle, der rettende Prinz, die einsame Prinzessin….Sie war mal so, mal so, aber irgendwie immer alles gleichzeitig.. Sie war einfach… MEINE Zuflucht.
Das, was ich so lange gebraucht habe.

Ich kam am 22.11.2012 wieder in die Klinik, wurde am 23.01.2013 wieder entlassen (die Zeit, in der sich meine Essstörung immens ins Negative bewegte). Und danach am 04.04.2013 kam ich in die Wohngruppe. (inzwischen wohne ich seit dem 18.05.2015 alleine im betreuten Wohnen – ein hervorragender Lebenslauf!)
Ich telefonierte fast jede Woche mit Lejla…. Sie schenkte mir auch zum 16. Geburtstag etwas… (Sorgenpüppchen, eine Eulentasse und eine Halskette… mit einem Schutzengel…der hängt immer an meinem Schlüsselbund – die Halskette ist kaputt gegangen L )
Nun…. Am 23.10.2013 …(aufgepasst, Zufall, Zufall: mein erster Tag in der Klinik war genau zwei Jahre davor. Auch am 23.10 😉 ) sagte Lejla am Telefon, sie will nicht, dass ich ihr je wieder schreibe, ich täte ja eh nur, was ich wollte… sie sagte, ich solle mich nie-wieder (ich erinnere mich noch haargenau an ihren Tonfall….) bei ihr melden.
Ich hatte wieder irgendeine Dummheit getan (weiß nicht mehr welche), die sie furchtbar wütend gemacht hatte.
Ich saß nur auf dem Boden in meinem Zimmer, das weiß ich noch…. Ich konnte den Boden nicht mehr fühlen und war zusammen gesackt… ich hatte geweint und konnte nicht glauben, was sie sagte…. Ich sagte nur „Du hast doch versprochen, du gehst nicht…“ immerhin hatte ich ihr Vertrauen nicht gebrochen…
Aber dann konnte ich nichts mehr sagen…. Die Tränen schnürten mir die Luft ab ….
Dann sagte sie nur noch „Und wehe du tust jetzt irgendeine Dummheit. Hört auf damit, hast du mich verstanden?“
Drei mal:
„Ob du mich verstanden hast.
OB DU MICH VERSTANDEN HAST, habe ich gefragt!“
Ein aufgeregtes Stöhnen und: Düt, düt, düt, düt.

An jenem Abend stand ich auf einem Dach…. Ich war kurz davor zu springen… Lejla war weg – was hätte mir mein Leben noch gebracht ohne sie? Ohne Lejla war ich einfach nichts. Die Hälfte von mir – aber diese Hälfte war nichts.
Und in der Zeit fing ich meine Geschichte „Seelenfresser“ an. Ich veränderte mich, als hätte man einen Schalter umgelegt. Ich zwang mich, sie zu vergessen, zu lernen, ohne sie zu leben. Ich lehrte mich, absolut keinem Menschen mehr zu vertrauen, sie einfach alle zu hassen und mich anfangen mehr wertzuschätzen.

Es funktionierte. Es war eine traurige zeit, sie bestand immerhin nur aus Hass… aber dieser Hass machte mich stark und unabhängig.
Meine Geschichte unterstützte mich.
Ja, und dann kam Sevin (habe ich ja schon vor paar Monaten mal erzählt) die Frau aus Karlsruhe, die ich auch im Internet kennenlernte. Sie 38, ich damals noch 17. Ich besuchte sie, wir hatten Sex… tagein, tagaus… sie lehrte mich wieder zu lieben, erklärte mir, dass man nur glücklich sein kann, wenn man vergibt…
Ich hörte ihr zu, wir unterhielten uns jeden Tag stundenlang (wie auch im Chat zuvor). Über Selbstliebe, den schweren Weg dorthin… die eigene Mitte… blabla… Man kann mit Hass nicht glücklich werden.
Sie öffnete mir die Augen. Und ich versuchte zu verzeihen.
Meinen Eltern, meinem Sextäter, meinem Erpresser, meinen Freunden…
Und dann meldete sich auf einmal Lejla wieder, nach zwei Monaten….
Ich hatte ihr immer wieder geschrieben, auch wenn ich wusste, sie würde sich nicht melden.
Sie hatte angerufen und ich dachte wieder, nur zu träumen.
Sie sagte, sie hatte mich nicht verlassen. Ihre Worte, (auch die höre ich jetzt noch, als würde sie neben mir stehen).
„Ich habe dich gern, Eulchen“ (das erste Mal, dass sie das ausgesprochen hatte!), „Ich habe Angst um dich und ich will nicht dabei sein, sollte dir etwas wegen deiner dümmlichen Naivität zustößen!“ ….
Ich dachte eine Zeit lang wirklich, es würde nun endlich bergauf gehen… bis ich erfuhr dass Lychee aus der Wohnung muss. Ich fing an zu bröckeln, wollte es aber herunterspielen und sagte mri dauernd, ich würde das schon noch hinkriegen, dass er bleiben konnte…Pustekuchen.
Auch wenn ich es mir schön redete, fühlte ich jeden Abend die Angst …. Wir wollten wieder nach Ungarn fahren und diese wunderschönen Gefühle, die ich mit Ungarn in Verbindung brachte, wurden zur reinsten Qual. Denn das hieß, dass mir die Zeit davon lief und Lychee schon bald nicht mehr bei uns bleiben würde.

Im März war das erste Mal, dass ich Alkohol getrunken hatte (und knapp einer Alkoholvergiftung entkommen bin). Ich erinnere mich an Bruchteile. Zum Beispiel, dass ich schon wieder nicht nein sagen konnte, als mir ein Mitbewohner aus der Wg (er war mit mir und einem anderen weg gegangen, um zu trinken) zu Nahe kam… (ich weiß noch, wie er mich quasi in die WG tragen musste, weil ich so sturzbetrunken war (und ich bin, bei Gott, nicht stolz darauf!). Er hatte seine Hände in mein BH gesteckt und meien Brüste festgehalten mit der Argumentation, ihm sei so kalt………………. Auch zwischen meine Beine war er gegangen und hatte mich geküsst……………….. ich war so verwirrt, weil ich ihn eigentlich immer so gerne gemocht hatte………….
Lychee blieb also in Ungarn…
Lejla stützte mich, hielt mich, in diesen zwei Monaten, wo ich dachte, psychisch zugrunde zu gehen. Ich habe gesagt, das meine ich auch heute noch GENAU so… „lieber würde ich noch 100x unfreiwillig mit einem Mann schlafen, als DIESEn Schmerz noch einmal zu erleben“…. Denn dieser Verlust von Lychee … war schlimmer als alles, was ich bisher erlebt habe. Ich steckte in einer tiefen Depression. Ich aß nichts, trank nichts. Ich redet nicht und hörte nicht zu, weil jedes Wort Tränen in mir auslösten, und wenn es noch so banal war. Die Stimmen von Menschen taten mir in der Seele weh. Ich wollte nichts hören. Nur Lejlas Stimme war es, die mich beruhigen konnte. Nur bei ihr konnte ich weinen. Ich lag tagein, tagaus in meinem Bett, starrte leer an die Decke… ich hatte nicht mal wirklich das Gefühl von Schmerz… es war so dumpf, so todtraurig, so erdrückend, so schwer und schwarz …. Ich konnte nichts lachen, nicht lächeln…. Es klingt beinahe absurd, was ein Verlust eines so geliebten Tieres mit einem machen kann… ich war .. zwei Monate… tot.

Und vier Monate später…. Hörte ich das letzte mal von Lejla… nie wieder hat sie sich gemeldet….

Ich habe nicht mal mitbekommen, dass sie gegangen ist, denn immerhin wusste ich, dass sie manchmal wochenlang braucht, bis sie sich meldet….

Aber als sie sich selbst nach 3 Monaten nicht meldete, wusste ich…………………..sie war gegangen.

Advertisements

Lang lebe Wut und Liebe, 08. Juli 2015

Mit dem Streifenhörnchen wurde nichts. Es ging nicht. Wir hatten es besucht, und Kora hatte so schrecklich allergisch reagiert, dass sie kaum hatte Luft kriegen können.

Nun, jetzt leben drei Mädels bei uns im Haus. Ratten. Ich liebe sie. Fibi ist schon fast komplett handzahm. Buffy wird immer zutraulicher und Nikki ist noch ein kleiner Schisser. Aber das wird schon.

Nun… momentan herrscht purer Alltag. Es ist ein schöner Alltag. Nichtsdestotrotz eben Alltag. Irgendwie fehlt mir die Abwechslung. Abenteuer, Erlebnisse, Neues.Naja, so ist es nunmal. Das Leben kann nicht immer spannend sein. Aber schön. Kora schläft jeden Abend bei mir. Es ist wundervoll, wenn ich sehe, wie sie auf dem Parkplatz hält und aussteigt, wie sie die Tür zuwirft und auf meine Wohnung zusteuert. Ich stehe dann schon an der Tür und stolper ihr entgegen, nehme sie in den Arm und küsse sie, und freue mich, dass sie da ist. Es ist toll, ihr schönes Gesicht jeden Tag zu sehen (und nicht mehr nur noch am Wochenende!). Es ist auch ein unvergleichliches Gefühl, neben ihr wach zu werden.

Sie sagte gestern: „Ich bin immer so glücklich, wenn ich meine Augen öffne, und Du das Erste bist, was ich am Tag sehe.“
Darauf hatte ich gesagt: „Also… ich bin leider zu ärgerlich auf den Wecker, der mich so früh aus dem Schlaf reißt, aber danach bin ich auch glücklich, wenn mir klar wird, dass du neben mir liegst.“

Sie hatte gelacht.

Wir lieben uns. Immer noch – ja! Und es ist bereits ein halbes Jahr um. Ein halbes Jahr, dass sich für mich erst wie eine Woche anfühlt. Es ist alles noch so neu, so frisch, so lebendig. Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Liebe ihr gegenüber jemals einschlafen wird. Sie ist DIE Frau, die zu mir gehört! Die zu mir passt, wie das Ying zum Yang.

Nun…. Kora und ich hatten allerdings am Wochenende unseren ersten großen Streit, der in einem Tränenbad geendet ist. Und warum? Wegen meiner scheiß Essstörung. Ich war am Wochenende wieder bei *Anna (ich weiß nicht, ob ich sie schonmal erwähnt habe, aber mir fällt ihr Pseudonym nicht mehr ein, deshalb ein Neuer: Anna). Die, die ich damals in der Klinik kennen gelernt habe und mir der ich in einer Woche 8 Kilo abgespeckt habe.

Nun… wir redeten wieder miteinander und blabliblub…. gründeten wir eine Ana-Gruppe…. Okay, ich weiß, im Nachhinein betrachtet war es nicht okay… jedenfalls… Kora fand das schon am nächsten Morgen heraus und war stinksauer (und verletzt und enttäuscht, und und und) weil ich sie ja angelogen hatte und versprochen hatte, so eine „Scheisse“ nicht wieder zu tun. Wir haben gestritten, ich habe geweint, sie hat geweint. Ich, weil ich mich nicht verstanden gefühlt habe, sie, weil sie verletzt war und sich Sorgen machte. Teufelssituation. Aber jetzt hat sich wieder alles geklärt.

Nun zu meinem Lieblingsthema… (Ironieeee): Larissa!
Diese blöde, hinterhältige, Kuh! (sorry, das musste jetzt raus)…
Das ist ein sehr persönlicher Beitrag, den ich auch schon grob im Tagebuch stehen habe, da es mich einfach heute früh schon sooooo genervt, hat, dass meine Finger nicht still halten konnten.
Um alles etwas verständlicher zu machen, vorab:
Elena war mal eine Betreuerin von uns, eine sehr junge! Sie ist gerade mal 23. Alle mochten sie sehr gerne. Larissa hat ja so ein furchtbares Aufmerksamkeitsproblem. Sie war schon IMMER eifersüchtig, wenn jemand etwas mit ihrer Bezugsbetreuerin machte (also Elena). Jetzt arbeitet sie aber seit November 2014 nicht bei bei uns und zwischen mir un Elena hat sich tatsächlich sowas wie eine Freundschaft entwickelt. Das Verwirrende dabei ist, dass sie eigentlich immer nur mit Männern zusammen war. Im Januar allerdings kam sie mal zu Besuch und meinte dann auf einmal, sie hätte eine inoffizielle (inzwischen offiziell) Beziehung mit einer Frau. UUUUUPS. Da war ich erstmal sprachlos. Das erzählte sie nur mir und bat mich auch, niemandem davon zu erzählen (weil es damals eben noch niemand wirklich wusste).
Jedenfalls kommt ihre Freundin auch aus M* und das heißt, wie treffen uns immer wieder mal (ja, sogar auch schon zum Feiern und nächstes Wochenende auf dem CSD) – es ist eine total abstruse Situation, aber irgendwie gut.
Jedenfalls kann Larissa nicht verstehen, dass wir uns zwischenmenschlich so gut verstehen (also Elena und ich) und hat deshalb nichts Besseres zu tun, als in der Wohngruppe das Maul über mich zu zerreißen. Klar, ist sehr praktisch, wenn ich – Himmel, muss ich wichtig sein – nicht mehr in der Gruppe wohne. Dumm nur, dass dieses Superhirn menschlich ungefähr SO zurückgeblieben ist! Wenn sie nur ein bisschen (!) klug wäre (im zwischenmenschlichen Sinn), dann wüsste sie, dass sie lieber ihre Schlauchbotlippen still halten sollte, wenn Pam im Raum ist, denn die kann Larissa ungefähr genausowenig leiden, wie ich, und somit gibt es immer eine undichte Stelle. Pam teilt mir also immer fleißig mit, wenn Larissa mal wieder etwas über mich zu erzählen hat (zum Beispiel, ich könnte ja mal mein scheiß Reiten ausfallen lassen, oder ich bin so behindert, weil ich dauernd was mit Elena mache und, und, und).
Prinzipiell würde mich das ja gar nicht stören – jeder hat ein Recht auf Meinungsfreiheit und so -, aber dann soll sie in meiner Gegenwart nicht so tun, als sei ich die beste Freundin. Sowas macht mich tierisch ärgerlich!
Denn WAS sie über mich sagt, sei egal.
Nein, ist es wirklich. Es geht mir, sprichwörtlich, am Arsch vorbei. Es gibt nichts, wirklich absolut gar nichts, wofür ich sie beneide (menschlich), außer vielleicht ihre gute Noten – aber die kann sie sich mit ihrer penetrant schweigsamen Angeberei auch sonstwohin stecken.
Ich weiß, dass sie mir menschlich nicht im Entferntesten das Wasser reichen kann (buchstäblich und im übertragenen Sinne), denn selbst in der Wohngruppe war sie zu blöd, um mir die Wasserflasche zu reichen.
Nun, jedenfalls habe ich sie noch nicht darauf angesprochen. Ich habe darüber nachgedacht, kam dann aber zu dem Entschluss dieses perfide Spiel einfach mitzuspielen. Irgendwie macht das sogar Spaß, ihre Hinterhältigkeit (ihren Hinterhalt?) zu beobachten – in ihrem Unwissen, natürlich.
Sie ist gut.
Aber soll es nur so weitergehen. Irgendwann habe ich ihre Schwachstelle durchschaut und studiert. Am liebsten würde ich dann in ein psychisches, stilles und unsichtbares Spiel übergehen, indem ich sie vorsichtig schlage – denn zwischenmenschlich und psychisch bin ich ihr haushoch überlegen. Sogar in der Reife – und ich will mich, bei Gott, nicht verherrlichen, aber anders ist sie nunmal nicht zu beschreiben. Um es ganz einfach und unspektakulär auszudrücken: sie ist schlichtweg dumm.
Und gerade das ist der Grund, warum ich enfach nichts mache, denn letzten Endes wird es ihre eigene Dummheit und Falschheit sein, die sie in die Knie‘ zwingt.
Ich brauche einfach nur dazusitzen und abzuwarten. Vielleicht sogar ein wenig dazu beitragen, dass es länger dauert, bis sie sich selbst niederschlägt, dann wäre der Fall nur umso härter – und das hätte sie verdient

…aber bevor es immer sträflicher wird, was ich hier schreibe, höre ich lieber auf.

11717118_401044450089736_418981708_n