Oh, wie ich mich DOCH freute! (der 1. Arbeitstag)

CIIIIP. Oh Ciiiiiiip!!! Er ist der coolste, lustigste, loyalste und hübscheste Tischnachbar-Kollege, den es gibt! HA! Und ich habe mich so furchtbar gefreut, ihn wieder zu sehen. Ich ging mit großen, energiegaelandenen Schritten auf meinen Arbeitsplatz zu, winkte fröhlich, flüchtig meiner Chefin im Büro zu, die darauf nur kopfschüttelnd lachte (für sie bin ich, glaube ich, das „Küken“ in der Abteilung, auch wenn ich – glaube ich – nicht die Jüngste bin).
Ich bog um die Ecke, um die vielen Tische und – taddaaaaaaaaaaaaa – da saß CIP! Mit seiner schwarzen, gepflegten Lockenpracht. Der halb Grieche, halb Mexikaner.
„Heeeeyyy“, rief er aus, als er mich sah, stand auf, und ich fiel ihm um den Hals.
Ja, mit solchen Kollegen macht die Arbeit Spaß! Gerade sitzt er neben mir, der bald fertige Mediengestalter (er sieht wirklich aus wie ein Mediengestalter…)
Wir haben uns bloß 3 Wochen nicht gesehen, trotzdem kommt es mir so vor, als sei es ein halbes Jahr gewesen.

Eigentlich, denke ich, habe ich Glück. so eine Ausbildungsstelle zu haben. Meine Chefs mögen mich, meine Kollegen mögen mich, Larissa kann mich bloß nicht leiden. Aber das ist schon okay, das beruht auf Gegenseitigkeit.
Ich finde es natürlich toll, wenn ich an meinen vielen Kollegen (in unserem Gebäude ist ja die IT-Abteilung, Grafikabteilung, Büro und IT-Referat zusammen) und sie mir ein breites Lächeln zuwerfen. Ich stolziere dann mit erhobenem Kinn und einem breiten Grinsen an ihnen vorbei und grüße Toni und Theo (die anderen kenn ich nicht wirklich)

Irgendwie wirkt die Arbeit auf mich immer wie so eine Soap im Fernsehen.
Ich weiß nicht, wie sich das erklären lässt. Vielleicht der Umgang miteinander.
Ich mag (mit wenigen Ausnahmen) fast jeden hier. *Jodie, mit ihren knallroten, langen Haaren, ihre quirlige Art (die so gar nicht zu ihrem Äußeren passt), oder dass sie so ziemlich auf jede Meinung anderer scheißt und mitten in einer Schulung aufsteht, in den Markt rüberläuft, einen Kuchen kauft und ihn dann wortlos während der Schulung isst. Das meint sie gar nicht provokativ, der beleidigend. Sie hält es einfach für selbstverständlich. Also, so ziemlich alles, was sie macht.
Immer wenn sie mich sieht, erhellt sich ihr Gesicht und ruft „Hey, Süße“ (wobei es echt komisch aus ihrem Mund klingt – vor allem, weil ich sehr selten Süße genannt werde -, da SIE eigentlich, wenn dann sie „Süße“ hier wäre, auch wenn sie neun Jahre älter ist als ich).
Cip, (hach, mein lieber, lieber Cip!),unser 30-jähriger Siebenschläfer, der sich in der Mittagspause auf meinen Schreibtisch legt und schläft, mit der Argumentation „Besser, als dass ich während der Arbeitszeit schlafe, oder?“ Ich grinste nur, und nickte ihm zu.
*Jonas, der, wie es ihm gerade lustig ist, einfach nach unten an den Empfang geht, um dort anderen die Arbeit zu klauen, obwohl er vor wenigen Minuten erst Aufträge von unserer Ausbilderin bekommen hat, dann wäre da Herr T., der, nur mal so angemerkt, KEIN Azubi ist, sondern schon seit vielen Jahren hier arbeitet, immer wieder zur Tür herein schneit und mich mit Pferdegulasch aufzieht, sich über die Plotter, Schneidemaschinen oder Drucker aufregt oder auf einmal mitten im Raum stehen bleibt und mit allen Anwesenden ein Pläuschchen anfängt.
Frau R., unsere Ausbilderin, eine kleine, energiegeladene Frau mit schnellem, festen Schritt, die für jeden Spaß (na gut, FAST jeden) offen ist. Wenn sie Cip auf dem Schreibtisch schlafen liegen sieht, „rennt“ (für mich ist ihr „Gehen“ ein „Rennen“!) sie an ihm vorbei, tippt an seine Schulter und ruft „Herr S., aufwachen, Pause ist rum!“.
Frau S., unsere andere Ausbilderin, die (vom Gemüt her) sehr ruhige Frau, die sehr enthusiastisch an der Arbeit dran ist und wenn sie von einem Thema anfängt, kaum mehr aufhört zu reden.

Tja, und dann wäre da eben noch ich.
Zu mir kann ich nicht viel sagen. Ich bin, je nach Laune, mal so, mal so.
Theo meinte mal zu mir (Ps.: meine Kollegen sind alle min. 5 Jahre älter, abgesehen von Larissa und *Salina): „Also, Du hast auch so einen Non-Filter-System“
„Non-Filter-System? Was soll das sein?“, fragte ich.
„Na, einige Leute denken, bevor sie reden, andere reden, bevor sie denken. Bei dir geschieht alles gleichzeitig. Du redest, was du gerade denkst.“
Nun, manchmal mag das vielleicht stimmen. Ich rede wirklich viel. Und nehme kein Blatt vor den Mund. Aus welchem Grund, sollte ich mich nicht trauen, Salina vor vier Arbeitskollegen in normalem Tonfall zu fragen, ob sie ein Tampon für mich hätte. Und wenn es um Sex geht, kann ich auch meinen Teil dazu beitragen, ohne rot anzulaufen.
Toni lacht dann meistens oft, wuschelt mir durch die Haare und meint „Ach Jessi, was wären wir nur ohne dich.“
Es gibt dann aber wiederum Tage, an denen sie total überrascht sind, dass ich doch auch sehr intelligent sein kann. Zum Beispiel, wenn sie „Witze“ erzählen oder eine ironische oder sarkastische Unterhaltung führen, die man nur versteht, wenn man in weltgeschichtlich etwas gebildet ist. Meistens bin ich dann die Einzige, die mitlacht und Salina und Larissa nur dastehen und erstmal sagen „Hä?“ (Ha, Larissa, ausgerechnet bei der, die immer meint, intelligent zu sein, geht das Licht zum Schluss auf, wenn der Witz oder die Unterhaltung schon längst ums Eck ist)

Ja, einige meiner Kollegen (mit denen ich seltener ‚tiefsinnige‘ Gespräche führe) meinen tatsächlich, ich sei „dumm“ oder jedenfalls naiv. Aber umso überraschter war *Aron, als ich ihm mal eine ellenlange Mail schrieb. Seitdem liest er sogar meine Blogbeiträge… ja, der Aron… Der ist leider vor ein paar Wochen gegangen… zurück in seine Heimatstadt.

Nun, ich fühle mich wohl so, wie es ist. Ich weiß, dass ich vielen Leuten auf die Nerven gehen kann (insbesondere meiner Ausbilderin), aber trotz allem weiß ich, und fühle ich, dass ich doch akzeptiert und freundlich aufgenommen wurde.
Ich mag meine Arbeit.
Und ich finde es schade, dass ich nicht hier bleibe, nach der Ausbildung.

Who cares.
Veränderungen sind nichts Schlechtes. Es sind einfach neue Türen, die einem geöffnet werden, die ein Leben manchmal komplett verändern können.
Und am Ende wird alles gut. Denn ist es nicht gut, ist es nicht das Ende ,-)

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Ungarn 2015 – Kapitel 3 ; 2/2

Meine Familie, Kora und ich

Die Zeit war wunderschön. Natürlich. Wie gesagt, ich liebe Ungarn (bitte seht Ungarn immer im Bezug auf „das Dorf“), auch, wenn sich vieles verändert hat, seit ich älter geworden bin. Viele Großväter sind gestorben. Katalin, die Patentante meiner Mutter, ist völlig am Ende mit den Kräften, seit ihr Ehemann vor vier Jahren gestorben ist. Sie weint jede Nacht, erzählt viel von ihm und vor allem hat sie fürchterlich abgenommen. In ihren Augen liegt nicht mehr dieser heilvolle Glanz, diese Freude. Sie sehen einfach nur traurig und erschöpft aus, auch, wenn sie versucht zu lächeln oder zu lachen, es sieht so aus, als würde etwas an ihren Schultern hängen und sie nicht so wirklich loslassen wollen. Manchmal bin ich selber kurz davor zu weinen, wenn sie von ihm erzählt der so traurig ist, aber das erlaube ich mir nicht. Ich nehme sie dann in den Arm und wische mir die Tränen schnell hinter ihrem Rücken weg. Viel sagen kann man in solchen Momenten nicht. Nichts ist so trostlos, wie der Tod eines geliebten Menschen.
Vor allem in so einem Dorf…. breitet sich das aus wie die Pest… nun gut, eine sehr unschöne Beschreibung.

Trotzdem gibt es nach und nach immer mehr schöne Momente, in denen wir alle zusammen sitzen, am Feuer und reden und ab und zu lachen. So viel wie früher wird heute nicht mehr gescherzt und gelacht (jedenfalls habe ich es von damals, als ich fünf, sechs Jahre alt war,  viel lustiger in Erinnerungen).
Ich war immer in Koras Nähe, hab versucht ihr alles zu übersetzen, Belangloses habe ich selbst überhört. Im Großen und Ganzen, sagte sie, fühlte sie sich sehr wohl.

Meine kleine Cousine hat mich dermaßen genervt, dass ich dachte, mein ganzer Urlaub sei im A*. Gut, sie ist ein Familienmitglied und ich sollte sie lieben (ich weiß nicht, ob ich das tue…), aber sie ist so eine furchtbare Nervensäge. Und das mein ich NICHT im „niedlichen“ Sinne. Nein, es ist zum Kotzen. Sie redet ununterbrochen, unterbricht die Leute, wenn sie reden, schreit konsequent solange deinen Namen, bis du reagierst. Sie ist überall, wo ich auch bin.
Wenn ich mich in die Schaukel am Baum gesetzt habe, zog sie am Seil herum oder wollte sie mich anschubsen, wenn ich mich in die Hollyswoodschaukel setzte, hing sie sich an das Gerüst und wackelte so herum, dass mir schlecht wurde. Wenn ich las, plapperte sie immer dazwischen – und wie sie mit den Kätzchen umging… davon will ich gar nicht erst anfangen!
Meine Feststellung, innerhalb von wenigen Tagen, war: Sie braucht dringen eine Schwester, oder eine Freundind, aber bitte einfach IRGENDjemanden, der diese achtjährige Göre unterhält.
Ich bin quasi schon vor ihr geflüchtet, wenn ich sie nur angerannt gehört habe. Und sie wohnt ja leider Gottes direkt nebenan im Haus. Gut, dazwischen ist noch ein leeres Grundstück, das von unserer Nachbarin (die Frau – seit einem Jahr Witwe – des Bruders meiner Oma), als Gemüsegarten genutzt wird.

Wenn der Abend anbrach, wurde ich immer unruhig, weil mir das immer klarmachte, vor allem im Urlaub, wie schnell die Zeit, die Tage vergehen. Und das war nicht auf meinen Urlaub bezogen, sondern auf das Leben.
Trotzdem freute ich mich, dann irgendwann an Kora zu kuscheln, mich neben sie zu legen, ihre warme, weiche Haut an meiner zu spüren, sie anzusehen, denken wie furchtbar schön sie ist, und so glücklich sein, dass mir das Herz bis in den Kopf rast.
Ich liebe sie einfach. Bedingungslos.
Auch wenn wir öfter mal kleinere Diskussionen haben und wir sind leider beide solche Sturköpfe, die ihre Meinungen vertreten wollen. Aber es wäre ja auch gruselig, wenn wir uns nie streiten würden.

Ich war einige Male ausreiten. Es war so wunderschön. Ich liebe das Pferd, das mir in Ungarn zur Verfügung steht. Sie ist wundervoll. Sie ist zwar sehr nervös und hat Hummeln im Arsch, aber ich liebe sie. Sie wird nicht so häufig geritten, wenn ich nicht da bin, und am ersten Tag war ich fast unsicher, ob ich alleine mit ihr ausreiten sollte, weil sie wirklich SEHR nervös war. Aber im Endeffekt ging es dann doch….
Und nach und nach war es einfach perfekt – mit ihr die Kühe nach Hause zu treiben, auszureiten, frei zu sein, zu fliegen….
Einige Male wäre ich fast gestürzt… ich wusste gar nicht, woher das kam, bisher hat sie nie solche Anstalten gemacht. Sie hat sich auf der Straße vor einem Loch erschrocken und ist zur Seite gesprungen…. war mir völlig neu, habe daher nicht damit gerechnet.
Ich glaube, das wäre nicht so lustig gewesen, mit bloßem Kopf auf den Beton zu fallen, aber ich habe mich irgendwie halten können. Ich habe es selbst erst spät realisiert, dass ich nicht am Boden lag, sondern an ihrem Hals hing.
Trotzdem zog ich keinen Helm an, und trotzdem ließ ich sie durchstarten, weil ich es einfach schön finde, wie sich freut, wenn sie richtig losgaloppieren kann… ich vertraue diesem Pferd…Auch wenn die Besitzer die Grundeinstellung haben, dass Pferde schlafende Teufel sind (ihre Worte) und man ihnen nie vertrauen sollte. Sie sagen, der Reiter ist der Chef.
Ich bin da anderer Meinung.
Eins zu sein, mit einem Pferd, ihm zu vertrauen, ist viel schöner als über es zu bestimmen oder Macht zu haben. Wo bleibt da der Spaß, die LIebe, die Leidenschaft?

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Nun, zu ‚meinem‘ Hund, Lychee…
Diejenigen, die meinen Blog verfolgen, wissen sicher, dass ich in einer tiefen (ich glaube sogar, relativ gefährlichen) Depression steckte, als ich ihn in Ungarn lassen musste…. es brach mir die Seele in tausend Stücke und die Schmerzen, wünsche ich niemandem…. damals, als ich meine Auseinandersetzung mit den Betreuern in der Wohngruppe hatte, nachdem sie mir nur zwei Wochen später mein Kaninchen, Mogli, einfach weg genommen haben, schrie ich unter Tränen zu ihnen (im Bezug auf Lychee) : „Ihr habt keine Ahnung, wie das ist, wenn einem etwas weg genommen wird. Lieber würde ich 1000 Mal vergewaltigt werden, gefoltert werden, als DAS jemals wieder zu erleben!“ Jelena, meine Bezugsbetreuerin, hatte tatsächlich Tränen in den Augen, während ich sie so verzweifelt anschrie… Ich hatte einige Zusammenbrüche, eines mitten auf der Straße, ich aß nichts, trank nichts, schlief nichts, fühlte nichts. Nichts außer irgendeiner bedeutungslosen Leere.. die irgendwie qualvoller war als alles, was ich bisher erlebt habe… nicht einmal den Tod meiner Tante vor neun acht Jahren habe ich so leidend empfunden, wie die Trennung von meinem Hund.
Ich konnte keine Menschen hören, ihre Stimmen machten mich wütend und traurig.
Ich konnte keine Hunde sehen, ohne in Tränen auszubrechen….
Ich hasse es heute noch, darüber zu reden… (schreib fällt mir seltsam leicht)…

Keine Ahnung, was ich erwartet habe… aber Lychee… er hat uns zwar erkannt…. aber… wir waren im scheißegal…. Wir waren einfach nicht mehr existent für ihn. Und ich war… so wütend… so wütend und traurig… auf ihn, wegen ihm…. andererseits war es vielleicht gut so…. vielleicht wäre es schwerer gewesen, wieder zu gehen, wenn er mich immer noch so geliebt hätte, wie vor einem Jahr….
Ich erinnere mich noch zu gut daran, wie mich meine Muttr damals mit ihm vom Bahnhof immer abgeholt hat, er dann durch die Menschenmenge, direkt auf mich zugerast ist, mein Gesicht abgeschleckt hat und vor Freude beinahe hyperventilierte… heute reagierte er nicht einmal mehr, wenn ich seinen Namen rief. Als ich mit ihm die Tricks machte, die ich ihm damals alle beigebracht habe, machte er sie, aber es war, als wäre er dauernd wo anders mit den Gedanken…. wie wenn man ein Kind von einem Spielplatz zieht, um ihm die Nase zu schneutzen, um es sofort wieder zu spielen zu lassen, weil es kaum stillhalten kann.
Lychee war geistig einfach nicht mehr zu erreichen…
Ich ließ ihn gehen. Nach einem Jahr konnte ich endlich, endlich abschließen…. Er ist einfach nicht mehr der, der er einmal war………………

Ein Tag vor unserer Abreise, ging es mir seltsam… ich schwankte… ich freute mich einerseits, da wir die Kätzchen mitnahmen, andererseits… ich redete mir ein, nein ich war mir fast SICHER, dass es mir leicht fallen würde, zurück nach Deutschland zu fahren…. komischerweise wurde ich am Abend vom Gegenteil überzeugt. Wir saßen wieder, die ganze Familie, im Garten am Feuer…. Ich beobachtete Bela, Rita, die Nervensäge… Katalin, Irene (meine Liebilngs“oma“ – sie ist nicht MEINE Oma)…. und auf einmal kamen mir die Tränen. Ich stand auf und flüchtete in das Zimmer, ließ die Lichter aus, stürzte mich auf das unbequeme Bett und weinte, als wäre jemand gestorben im stockdunklen Zimmer vor mich hin. Ich wimmerte, schluchzte – tatsächlich, so sehr weinte ich. Wie ein Kind.
Weil mir der Abschied so schwer fällt. Sie fielen mir schon immer schwer.
Ich hatte mir auf einmal so sehr gewünscht, meine Tante wäre hier…. in dem Moment wurde mir die Urne in dem Zimmer bewusst (in Ungarn dürfen wir sie behalten, und da Elisabeth hier groß geworden ist, haben meine ELtern und meine Oma sie hier in Ungarn gelassen). Ich richtete mich auf und starrte in die Richtung, wo die Urne oben auf dem Regal steht… ich starrte einfach in die Schwärze und redete in Gedanken mit ihr… sagte ihr, wie sehr ich sie liebe und wie sie mir gerade in dem Moment schrecklich fehlte… wie gerne ich sie bei mir hätte, dass sie mich, wie damals, als Kind, auf den Schoß nimmt, mir die Haare aus dem Gesicht streicht und mir einen Kuss auf die Stirn gibt, um zu sagen, dass Weinen gut war, weil die Elfen Kindertränen dazu benutzen, um Glitzerstaub zum Fliegen herzustellen…. sie war eine wundervolle Frau…
Nicht, dass ich an Geister glaube… bzw… ich weiß es nicht… aber in dem MOment hörte ich, wie etwas vom Regal fiel.. etwas Leichtes.
ich machte das Licht an, weil mir die Dunkelheit unheimlich wurde und fand einen Brief… einen sehr, sehr alten Brief…. 1979 … ich weiß nicht, lass es Zufall sein…
Meine Mutter hatte mir einen Tag davor erzählt, dass sie einen Brief von Elisabeth gefunden hatten…
Der lag vor mir auf dem Boden… mein Ungarisch ist gut, aber ich brauche länger zum Lesen…. Es war tatsächlich ein Brief von Elisabeth… vom „Collage“ (meine Mutter nennt das immer so, ich weiß nicht, ob das in Ungarn wirklich so heißt)… sie schrieb in dem Brief, sie sei gut angekommen, sie hasst ihre Zimmernachbarin, weil sie so wenig redet und immer mürrisch schaut. Sie schrieb zwei Seiten… ihre Schrift war schon damals so wie immer… diese schönen, leicht nach rechts neigenden, geschwungenen Buchstaben… alles in einer flüssigen Schreibschrift… Ich lachte mit Tränen in den Augen, als sie erzählte, dass sie meiner Mutter (meine Mutter und ihre zwei Geschwister waren zusammen auf einem Collage), immer das gekochte Kohlrabi heimlich in den Teller warf, weil sie es einfach nicht leiden konnte. Das hatte sie auch noch ein Jahr vor ihrem Tod getan… und sogar, als sie mit schneeweißen Haaren, mager und schweigend im Krankenhaus Bett lag, presste sie die Lippen zusammen, wenn wir Suppe mit gekochten Kohlrabi hatten, um sie zu füttern. Sie aß solange nichts, bis wir das Gemüse rausgefischt hatten.
Als wir sie an dem Tag zum Abschied küssten (meine Mum sagte immer, sie wüsste nicht, ob Eli überhaupt noch weiß, wer wir sind… ihr Gehirnkrebs war quasi im „Endtstadium“… sie sah furchtbar aus… 30 Jahre älter, als sie war), lief ihr eine Träne über das Gesicht.
Zwei Wochen später, am 10.10.2008 (auf den Tag genau zwei Monate vor ihrem Geburtstag), starb sie…. Meine Mutter sagte, vielleicht hätte sie gewusst, dass wir uns nicht mehr sehen würden, und hatte deshalb geweint…
Damit, dass sie gegangen war, ging auch mein Onkel, den ich wie einen zweiten Vater geliebt habe…. ich habe ihn nach ihrem Tod nie wieder gehört, geschweigedenn gesehen……….
Es war eine furchtbar traurige Zeit….
Und alles was mir noch bleibt, sind die Erinnerungen… an furchtbar schöne Tage in Ungarn bei ihnen (was ein NOCH kleines, älteres Dorf war, als Tiszakóród), oder die wenigen Tage, wenn sie bei uns in Deutschland waren. An ihre zarten Hände, ihr Rythmus-Gefühl, ihr Lachen und ihre weiche, seidige Stimme. Die Art, wie sie in der Anbauküche stand und kochte, dieses weiche, ungarische Brot mit Margarine und Paprika aß oder die Ziegen in ihrem Hof unten melkte. Ich erinnere mich, wie sie mir eine Flasche mit warmer Milch in die Hand drückte, als ich sieben war, damit ich das Rehkitz, welches sie verletzt am Straßenrand gefunden hatten, füttern konnte…. Aber ich kann mich nicht an ihre Berührungen und Küsse erinnern…. an die Wärme, wenn sie mich in den Armen gehalten hat… es tut weh, und es wird vermutlich immer weh tun.

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Als ich den Brief fertig gelesen hatte, war ich seltsam beruhigt… ich nahm es einfach als Zeichen (egal, ob es nur Zufall war) …. legte es sorgfältig wieder neben die Urne, sah mir ihr Bild an, ihr schönes, liebevolles Gesicht, weinte nochmal kurz und ging schließlich, nachdem ich mich beruhigt hatte, wieder raus in den Garten, wo meine Familie saß, und nahm mir vor, einfach dankbar für die Zeit zu sein, die ich mit allen Menschen haben kann, die ich liebe.

Ungarn 2015 – Kapitel 3 ; 1/2

Die Zeit, in der wir leben

In diesem Dorf, Tiszakóród, fühlt man sich nicht, wie in 2015. Sondern wie viele Jahrzehnte früher. So beschrieb es zumindest Kora, als wir durch unzähligen Dörfer fuhren, bis wir in unserem ankamen.
Nun, wie ich das Heimatsdorf meiner Mutter sehe?
Wie soll ich sagen? Ich bin quasi dort groß geworden. Wir sind, seit ich auf der Welt bin, jedes Jahr dort. Damals, als ich kleiner war, als noch vieles besser war, waren wir sogar zwei oder dreimal in dem Dorf. Tiszakóród ist und war für mich immer DAS Dorf. So stellte ich mir Dörfer vor!
Damals kannte ich nur die Stadt München und das Dorf bei uns in Ungarn. Das sind zwei verschiedene Universen. Es gibt nichts – rein gar nichts – was die beiden gemeinsam haben.
Also war es bildlich in meinem Kinderkopf so (und diesen Kinderkopf besitze ich immer noch zum Teil!): Das Dorf ist Ungarn und München ist Deutschland.
Realistisch und faktisch gesehen weiß ich, dass das so nicht korrekt ist, aber so empfinde ich das nunmal. Demnach kam es, dass ich Ungarn Deutschland immer bevorzugte. Beziehungsweise, als Kind habe ich Deutschland abgrundtief gehasst. Wenn wir zurück nach Deutschland mussten, habe ich hinter meiner Mutter im Auto gesessen, hab aus dem Fenster geschaut, und versucht mir bittere Tränen zu verkneifen. Das gelang mir kein einziges Mal.
Allerdings, und das muss ich hier hinzufügen, habe ich in München noch nie wirklich etwas Lebenswertes erlebt, zu der Zeit. Hier war für mich alles so trostlos, trüb, kalt und intolerant …. Ich bin in München geboren, fühlte mich aber nie wie eine Münchnerin.
Es gibt Menschen (Paye, zum Bleistift), die lieben München. Nein, das ist mir unerklärlich. Ich könnte München und das Wort Liebe niemals in einem positiven Satz miteinander erwähnen.

Das Dorf, in dem wir Leben…
Es ist…. klein. Vielleicht nicht so klein, wie man es sich spontan vorstellt, aber dennoch klein. Die Häuser sehen groß aus, haben aber meist nur wenige Zimmer. Viele Kinder haben keine Türen zu ihren Kinderzimmern, manchmal ist da nur ein Vorhang davor gehängt. Die Kinder laufen tagein, tagaus barfuß auf den unbelebten Straßen herum, fahren auf viel zu großen Fahrrädern, so dass man meinen müsste, sie fallen jeden Moment einfach um. Modernste Technik gibt es dort nicht. Wenn es viel regnet, sorgen sogenannte „Gräben“ dafür, dass das Wasser abläuft. In jedem Garten läuft ein kleiner oder großer Hund umher, die Tiere werden noch selber gezüchtet, geschlachtet und gegessen, Kühe werden morgens um sechs auf die Weide gebracht und abends um sechs wieder in die Ställe getrieben – und zwar manchmal durch zwei Dörfer.
Man wird um vier Uhr morgens vom Schrei eines Hahnes geweckt, schläft ab und zu unruhig, weil die Hunde in den Gärten den vielen Streunern zubellen, die durch die Straßen laufen.

Ich erlebe das Ganze so:
Ich höre um vier Uhr morgens den Hahn krähen, fluche über ihn, drehe mich, bis es mir gemütlich ist, und schlafe wieder ein. Irgendwann, zwischen 9 und 11, werde ich wach. Zu dem Zeitpunkt schleichen sich schon lange, für meinen Geschmack bereits viel zu warme, Sonnenstrahlen durch die Spalten im Rollo. Ich wache auf, höre nur ein paar Vögel oder selten Fahrräder, die am Haus vorbeifahren. Ich ziehe mir eine Jogginghose an, ein langweiliges T-Shirt und trete barfuß aus dem Haus.
Wir haben ein Winterhäuschen und ein Sommerhäuschen. Das Winterhäuschen ist das, in dem ich im Sommer dieses Jahr geschlafen habe (sonst schlafe ich im Wohnwagen, der seit 13 Jahren mit im Garten steht). Das heißt deshalb so, weil man in dem Häuschen heizen kann. Nicht mit Heizung, natürlich, sondern mit so einem…. Kaminofen?!
Das Sommerhäuschen hat nur zwei Zimmer – ohne Türen. Die Betten sind mindestens so alt wie meine Oma, weshalb ich in den ersten drei Tagen unsagbare Rückenschmerzen hatte.
Das Sommerhäuschen ist die Küche. Wirklich einfach nur eine sehr alte, kleine Küche. Warum es Sommerhäuschen heißt, kann man sich jetzt vielleicht denken – dort kann man nicht heizen.
Als meine Mum klein war, war das Häuschen nur Ein viertel klein (und es ist so schon nur so „groß“ wie ein kleines Zimmer). Ein Bett stand damals mit in der Küche und direkt daneben war der Kuhstall, wo gerade mal zwei Kühe Platz hatten. Die Wand wurde irgendwann eingerissen und die Küche wurde größer gemacht. Das Bett kam raus (aber da habe ich noch lange nicht gelebt).
Neben dieser Küche (oder dem alten Kuhstall) ist ein kleines (renovierungsbedürftiges) Bad.
Der Garten ist natürlich riesig. Warum kann man sowas nicht hier in Deutschland haben? Ich hätte mir schon längst ein Pferd angelegt.

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Den ganzen Tag über verbringen wir im Garten, als sei es das Wohnzimmer. Man sitzt unter einem satten, klaren Sternenhimmel, und jedes Jahr kommt es mir so vor, als seien die Sterne dort viel heller, viel klarer. Jede Nacht sieht man die Milchstraße so genau, so nah, als könnte man nach ihr greifen. Ich kann die Sternenbilder erkennen, das gelingt mir hier selten.
Wir machen gemeinsam „Lager“feuer, halten geräuchertes Fett darüber und lassen es auf das weiche ungarische Brot tropfen. Das mit Gurken, Zwiebeln oder Tomaten – göttlich. Leider kann ich das in meinem Diät-Wahn vergessen. Allerdings habe ich es mir erlaubt, ein Brot mit Kora zu teilen. Sie liebt die Ungarische Küche, Gott sei Dank.

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Alles in allem ist es aber sehr arm in diesem Dorf. Wo hier eine Bürokraft (je nach Betrieb) für 42-45 Std 1.200 – 1.800 € verdienen kann, verdient man dort bei 45 Std. nur 400 € für den ganzen Monat! Das muss man sich mal vorstellen. Und trotzdem leben sie alle so friedlich dort. Sie haben seltsamerweise keine Geldsorgen. Da frage ich mich, wo kommen sie hier bei uns in Deutschland her, bei 1800 Euro?! Ist mir unverständlich, aber dafür kenne ich mich mit den wirtschaftlichen Lagen auch zu wenig aus.

Wie gesagt, mein Urlaub war schön, erholsam. Kein Internet, kein Handy. Einfach nur meine Familie, Kora und ich.

Ungarn 2015 – Kapitel 2

Auseinandersetzungen (27.08.15)

Ich bin stinksauer.
Wir sind immer noch in Ungarn, es ist halb zehn Uhr abends und Kora liegt im dunklen Zimmer auf dem Bett und weint. Wegen mir (?). Ich habe kein Mitleid. Jedenfalls versuche ich es, denn diese Nummer sollte nicht bei mir ziehen. Es ist einfach nur unglaublich unfair.

Wir waren gerade bei Verwandten zum Essen und es war tatsächlich nach einer Zeit sehr langweilig. Vor allem für Kora. Kann ich verstehen. Sie versteht kein Wort, ich bemühe mich, so gut wie alles zu übersetzen. Manchmal ist es fast unmöglich und Belangloses überhöre ich selber gekonnt.
Ich nehme sie überall hin mit, bin für sie da, gehe auf sie ein, frage sie tagein tagaus, ob es ihr gut geht, ob alles okay ist und was ihr fehlt, wenn ich sehe, dass sie etwas bedrückt. Ich versuche wirklich, wirklich, es ihr so angenehm wie möglich zu machen. Ich reiße mir den Arsch auf, dass es ihr gut geht, verdammt! Ich kann verstehen, dass es nicht einfach ist, 1200 km von Zuhause entfernt zu sein, die Sprache nicht zu können und auf einen einzigen Menschen angewiesen zu sein, aber sie braucht, gottverdammt nochmal, nicht ihre schlechte Laune jedes verfickte mal an mir auszulassen! Ich bin keine beschissene Wand, an der man das Bein hebt, um sie anzupissen, wenn es gerade einen drückt.

Ich opfere viel für sie auf, ich vernachlässige einige enge Verwandte, dafür, dass es ihr gut geht. Ich besuche niemanden ohne sie und besuche meine Cousine Eva gar nicht erst, weil ich weiß, dass es sie langweilt und dass sie Eva und ihre Familie (da, wo wir heute Abend eingeladen waren), nicht besonders mag. Sie sind halt eben etwas baurig, aber sie sind meine Familie.

Eva vermisst mich 351 Tage im Jahr und wir können nicht viel telefonieren, weil es einen haufen Geld kostet. Normalerweise übernachten wir fast täglich, wenn ich in Ungarn bin, wir verbringen jeden Tag zusammen, und wenn wir nur dumm nebeneinander sitzen und nichts tun. Dieses Jahr war das erste Mal in meinem Leben, dass wir uns nur vier Mal gesehen haben. In vierzehn Tagen.
Ich weiß, dass ihre Mutter gekränkt ist, Annikó, weil sie mich auch sehr liebt, beinahe wie ihre eigene Tochter. Ich weiß aber auch, dass sie das niemals zugeben würde. Genauso wie ich es an Eva sehe, dass sie traurig ist, dass ich kaum Zeit für sie habe. Und warum? Weil ich will, dass es Kora gut geht. Und das ist okay! Wirklich, ich mache ihr keinerlei Vorwürfe.

Aber gerade … bin ich einfach nur sauer.
Als wir uns von der Familie verabschiedeten, nach dem Essen, sagte mir Annikó, ich solle nicht vergessen, nochmal tschüs zu sagen, wenn wir fahren. Ich sagte: „Klar. Kein Problem.“ Denn das ist (eigentlich) selbstverständlich – sich von der Familie zu verabschieden, wenn man sich dann wieder 351 Tage nicht sieht. Oder?
Als ich das Kora sagte, reagierte sie total genervt und meinte „Echt jetzt?“
Darauf sagte ich: „Hey! Das ist meine Familie. Ich kann nicht einfach fahren, ohne mich zu verabschieden!“
„Ja, aber du hast dich doch gerade verabschiedet, was musst du dich dann schon wieder verabschieden?“ Sie war r i c h t i g genervt, und ich verstand einfach nicht, warum.

Was ist daran so schlimm, für zwei Minuten, ZWEI Minuten, aus dem Auto zu steigen, den fünf Köpfen ein Küßchen zu geben, wieder einsteigen und weiter zu fahren? Sie wohnen sogar auf dem Weg! Mein Gott, wenn sie im anderen Dorf, in der anderen Richtung wohnen würden, und sie einen Umweg machen müsste, dann würde ich es verstehen. Aber nicht so. Gerade habe ich einfach keinerlei Verständnis dafür.
Und dann kam sie ernsthaft mit der Entgegnung: „Als wir am Bodensee waren und meine Tante besucht haben, habe ich mich auf dem Rückweg auch nicht von ihr verabschiedet.“
„Ernsthaft?“, fragte ich, „Sie wohnt ja auch nicht 1200 km entfernt!“
„Soll ich dir mal sagen, wann ich sie das letzte Mal gesehen habe?“
Ich wollte entgegnen, dass sie sich am Wochenende auch einfach mal ins Auto setzen könnte, um die zweieinhalb Stunden zu ihr zu fahren, aber ich verkniff es mir lieber. Ich sagte nur: „Das ist nicht dasselbe.“ Und dann schwiegen wir die drei Minuten, bis wir mit unseren Eltern bei uns im Hof ankamen. Ich stieg aus, machte erstmal meine Nägel im Bad, um mich abzureagieren und ging dann ins Zimmer, um ihr Handy in die Hülle zu tun (das seit heute Mittag nach dem Handy-Fotoshooting mit den Kätzchen immer noch bei mir war). Dann kam sie raus und sagte: „Findest du das fair?“
„Was?“, entgegnete ich ruhig, „Dass ich jetzt meine Nägel mache?“
„Nein, dass du jetzt einfach nicht mehr mit mir redest.“
„Was soll ich sagen?“, fragte ich ehrlich und sah sie an. Sie entgegnete meinen Blick, wie ein Spiegelbild.
„Ich verstehe nicht, was so schlimm daran ist, für zwei Minuten bei ihnen anzuhalten und sich zu verabschieden“, sagte ich scharf.
Daraufhin erklärte sie mir ernsthaft, dass sie einfach so genervt und gelangweilt war heute (als sei es eine Entschuldigung auf ihre Reaktion auf meine, verflixt noch eins, stinknormale Aussage, dass ich mich am Samstag noch verabschieden wollte!
Daraufhin sagte ich: „Das ist meine Familie“
Sie ließ mich gar nicht ausreden und sagte nur, urplötzlich mit Tränen in den Augen: „Wie wärs, dass du mich mal fragst?“
„Was fragen?“
„Du hast mich kein einziges Mal gefragt, wann ICH meine Familie wiedersehen will.“
Ich wurde wütend. Richtig, stinksauer, weil ich diesen Vorwurf unter aller Sau und komplett ungerechtfertigt fand. Ich sagte: „Ich das dein Ernst? Ist das dein Ernst?! Das ist richtig unfair. Das ist echt, r i c h t i g unfair!“
Daraufhin zuckte sie nur weinend die Schultern und verschwand wieder im Nebenzimmer. Ich kochte vor Wut, hatte kein Mitleid, weil ich bei so einer Nummer nicht mitziehe!
Es steht seit Wochen, wenn nicht MONATEN fest, dass wir am Samstag, wenn es klappt, ihre Familie besuchen, weil ihre Mutter Geburtstag hat. Ihr Vater und ihr Bruder UND ihre Schwester helfen ihr nächste Woche beim Umzug. Ein paar Tage bevor wir nach Ungarn gefahren sind, waren wir bei ihrer Familie, und auch abgesehen davon, waren wir schon so oft dort, dass ich es nicht mal mehr aufzählen kann, weil ich nichts gegen ihre Familie habe, weil ich ihre Familie MAG! Ich verstehe partout nicht (und ich WILL es auch nicht verstehen) wie sie mir jetzt SO einen wirklich unfairen Vorwurf machen kann,
Ich stampfte in das Zimmer zu ihr, wo neben ihr mein Laptop lag und nahm es mit raus, wo ich jetzt sitze, um meinen Frust von der Seele zu schreiben.

So.. und jetzt gehe ich wieder rein, weil ich fertig bin, lege den Laptop wieder neben das Bett, kugele mich zu ihr, lege meinen Arm um ihren warmen, weichen Körper und küsse sie und hoffe, dass wir uns wieder vertragen….

Ungarn 2015 – Kapitel 1

Familienzuwachs (27.08.15)

Jetzt sind wir also seit zwei Wochen in Ungarn. Morgen bricht unser letzter Tag an und einerseits freue ich mich, andererseits bin ich zerknirscht, weil ich, auch wenn ich weiß, dass es noch ein Wiedersehen gibt, die Leute hier, und das Dorf vermissen werde.

Ich freue mich, weil wir vier kleine Kätzchen mit nach Hause nehmen, von denen wir zwei behalten. Ein kleiner Bub, Kovu, bleibt ganz sicher bei uns. Jetzt müssen wir uns noch zwischen zwei Mädels entscheiden. Die Entscheidung fällt mir (Kora bestimmt auch) sehr, sehr schwer!
Das eine Kätzchen hat ein blindes Auge. Sie ist die Kleinste von allen, aber sehr lebenswillig und munter.

Es sind die Kätzchen von Katalin, der Mutter meines … Groß(?)cousins (komplizierter Familienstammbaum!). Ursprünglich waren es sechs Kätzchen. Das Eine hat leider ein Hund gerissen. Ich bin heilfroh, dass ich nicht dabei war!

Die Kätzchen hatten alle sehr wunde, eitrige Augen. Vermutlich Katzenschnupfen, oder so (sind immerhin Straßenkatzen). Und die Kleine – wenn wir sie behalten, nennen wir sie Carli (wegen Karl Dall – ein kleiner, gemeiner Witz) – war auf dem linken Auge blind. Es ist, als hätte sich der Augapfel einfach nicht gescheit entwickelt. Vermutlich sieht es aus, wie eine kleine Rosine. Das andere Auge ist gesund (und schön blau!). Sie ist so niedlich und tollpatschig. Außerdem ist sie die Ruhigste von allen. Aber neben ihr gibt es noch das andere Kätzchen. Sie hat ein atemberaubend schönes Gesicht (also, für eine Katze) und auch sie haben wir ein wenig in unser Herz geschlossen. Jetzt fällt uns eben die Entscheidung sehr schwer. Sollen wir Karli oder die Hübsche behalten? Welche zwei werden wir weg geben?
Ich hätte ein schlechtes Gewissen, Carli wegzugeben. Ich habe das Gefühl, wir müssten sie beschützen, uns um sie kümmern.

Wir haben den Kätzchen jeden Tag eine Salbe in die Augen getan, damit sie heilen (jetzt sehen sie alle wirklich wunderschön aus!), wir haben sie schon gebadet, um die Flöhe zu beseitigen und vor zwei Tagen haben wir sie entwurmt.

Warum wir vier mitnehmen? Nun, wir haben über Dritte mitbekommen, dass Bela die übriggebliebenen Kätzchen dann in einem Bauernhof absetzen wollte. Sie meinten, da würde sich schon jemand um sie kümmern. Als ich das hörte, schrillten bei mir schon die Alarmglocken. Wenn man sie hier im Dorf nicht haben wollte (was ich einerseits verstehen kann, bei den vielen Straßenkatzen, andererseits: warum kastriert man dann die eigenen weiblichen Katzen nicht einfach?!), dann würde sie auch ganz sicher kein Bauer behalten wollen. Sie würden sterben, und das war mir äußerst bewusst. Also sagte ich Bela, nachdem ich Kora davon erzählt hatte (und sie genauso entsetzt war, wie ich), dass wir sie mitnehmen.

Das fünfte Kätzchen bleibt bei meiner kleinen Cousine – armes Ding!!! Denn dieses kleine Biest (ich kann dieses Kind nicht besonders leiden. Wirklich!) geht mit den Kätzchen um, wie mit Spielzeug. Ich war schon oft kurz davor, ihr so eine Schelle zu verpassen, dass sie das Gleichgewicht verliert, weil man so mit (kleinen) Katzen (Tieren) einfach Nicht. Umgeht. Punkt! Und egal wie oft man ihr das in dieses dumme (EIGENTLICH ist sie ja recht intelligent) Hirn reden will, dass man SO mit Katzen nicht umgeht, sondern sie SO hält (und nicht etwa in den Händen umher schwenkt wie eine Tasche oder sie aufeinanderstapelt wie Bauklötze oder sie von den Zitzen der Mutter zieht, wenn sie gerade saugen!) sie kapiert es einfach nicht. Und sie ist acht. Da sollte man wohl schon in der Lage sein, zu verstehen, dass Tiere keine Spielzeuge sind.

Nun, ich glaube, die Kätzchen sind noch etwas zu jung, um von den Müttern gerissen zu werden (sie sind erst ca 6-7 Wochen alt), aber es ist doch besser, als sie später in einem Schuppen sterben zu lassen (weil sich ein Bauer eher nicht um sie kümmern wird).

Es sind zwei Mütter (lustigerweise). Das schwarz-weiße Kätzchen, welches meine liebenswerte Cousine behält, gehört zu der schwarz-weißen Katzendame. Sie ist wunderschön, finde ich. Also, nicht die Fellzeichnung, sondern viel eher die Form ihres Gesichtes. Sie sieht irgendwie so richtig… weiblich aus. Hm… ich kann es nicht beschreiben.

Die anderen Vier, die wir mitnehmen, gehören zur anderen Mama. Aber beide Katzedamen kümmern sich um alle Babys. Abwechselnd.

Nun, mal schauen, welche zwei Kleinen bei uns bleiben.
Aber, da bin ich mir sicher, die Entscheidung werde ich euch bestimmt nicht vorenthalten.

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Erinnerungen…(Liebe und Verliebtsein)

Ich erinnerte mich heute an mein altes „Onlinetagebuch“, welches ich nicht mehr benutze.
Als ich diesen Eintrag hier las, wurde ich nachdenklich.

um mich auch ein wenig abzulenken, traf ich mich gestern Abend nach fast einem Jahr mit einem Mädel, dass ich in einer lesbischen Facebook-Gruppe kennen lernte. Wir wollten uns schon viel eher treffen, aber es hat nie geklappt. Zudem war das auch eine völlig angenehme Situation, weil keine von und irgendwelche Erwartungen hatte. Wir haben auch nie großartig miteinander geschrieben oder Kontakt gehabt.

Nun… wir waren erst in einer Bar, redeten ununterbrochen, erzählten uns tausende Geschichten – der Vorteil, wenn man vorher nicht so regen Mail-Kontakt hat. Daraufhin waren wir in einer Disco. Ich muss sagen, das war das erste Mal, dass ich auf die Art und Weise in einem Club war. Aber es war einfach nur purer Spaß. Zum Einen kam ich mit vollem Geldbeutel, und ging mit vollem Geldbeutel. Von rechts und links luden uns angetrunkene Männer auf Kurze oder Bier oder Longdrinks, oder, oder, oder ein. Wir lernten tolle Mädels kennen, aus Philadelphia. Ich liebe es, mich mit Menschen auf Englisch zu unterhalten. Oder insgesamt in einer Fremdsprache. Ich bin ja Ungarin. Aber ungarisch zu reden ist für mich nichts besonderes. Es ist wie Deutsch. Muttersprache halt. Mir machen erlernte Sprachen Spaß. Die Mädchen waren zuckersüß. Und die eine sah aus wie eine Fee. Wunderschön. Zierlich, große, nachtblaue Augen, feine Gesichtszüge; so zart ausgeprägt, lange, schwarze Locken. Ein Traum von einem jungen Mädchen. Mir haben Mädels in meinem Alter noch nie gefallen. Vielleicht habe ich sie mal beneidet. Für irgendwas – ihre Augen, Haare, Grübchen. Keine Ahnung. Aber gestern fand ich dieses Mädchen wirklich umwerfend. Aber das wars auch. Sie faszinierte mich ein wenig. Eben wie so eine Märchengestalt.
Irgendwann war es auf einmal vier Uhr… ich hatte die Zeit komplett vergessen. Die Zeit, die Umgebung, das Leben, ich vergaß sogar A. Ich vergaß sie schon in dem Moment, indem wir zu zehnt auf der Tanzfläche einfach nur ungeheuren Spaß hatten.
Ich kann tanzen. Ja, das würde ich schon behaupten. Das Rhytmusgefühl habe ich, denke ich, von meinem Vater vererbt. Wenn wir, als ich noch ein Kind war, auf ungarischen Festen waren, sogen meine Mama und mein Papa alle Blicke auf sich. Selbst heute liebe ich es noch, ihnen beim Tanzen zuzusehen.
Und so wie meine Mama und mein Papa immer tanzten, ja, so ergriff diese Nacht ein Mann meine Hand und schwang mich über die Fläche. Und ich fühlte mich einfach frei. Ich lachte, flog und wollte, dass es nie wieder aufhört. Ich glaube, ich sollte öfter tanzen. Warum tu ich das eigentlich nie?

Und ich wurde von allen Seiten angeflirtet. Eine Frau war schöner als die andere. Ich ging darauf ein. Dabei…. ist das gar nicht meine Art. Ich meine, klar, flirten ist klasse. Ich liebe flirten. Aber so intensiv wie letzte Nacht ist eigentlich nicht mein Stil. Dieses enge aneinander Getanze, die zarten Küsse am Hals und an der Wange. Sowas hätte ich unter normalen Umständen nicht zugelassen!

Ja, ich glaube, es lag wirklich am Alkohol. Nüchtern hätte ich nicht einmal in meinen Träumen sowas gemacht. Und ich bin selbst jetzt einfach total überrascht von mir selber. Ich bin eigentlich eine totale Romantikerin. Ich liebe die Liebe, liebe das Zärtliche, süße Liebesbotschaften, Schmeichelei, Schleimerei.

Das bin ich nicht. Ich bin so anders. Ich bin ganz anders. Das, was ich schön finde, das, was ich liebe, das ist nicht das, wie ich mich verhalte – und trotzdem macht es mir Spaß.
Ich träume davon, zum Abendessen eingeladen zu werden, mit Frau auf einem Bett zu liegen, sich Geschichten aus einem Buch vor zu lesen. Arm in Arm sich zärtlich über die Wange zu streicheln, Küsse auf den Hals gehaucht zu bekommen, mit den Fingern durch die Haaren zu kraulen, einfach nah sein. Seelische Intimität, ohne körperlicher Intimität. Sowas macht mein Herz warm.
Der Frau, die ich irgendwann mal liebe, in die Augen zu sehen. So tief, so lange, dass ich eine Geschichte aus ihnen lesen kann. Ich möchte durch ihre Augen hören. Ich will nah an ihr liegen, so nah, das sich ihr Herz spüre. Ich will mit meinen Fingerspitzen ganz zart jeden Winkel ihres Gesichtes abtasten, fühlen, wie schön sie ist, weil ich diese Schönheit sehe. Und bei Gott, die Frau, die ich liebe, die wird die schönste Frau dieser Welt sein. Es gäbe keinen anderen Menschen, dem ich meine Blicke schenken würde, meine Gesten, meine Zuneigung, meine Worte oder Gedanken. Nicht meine Leidenschaft und nicht mein treustes Verlangen. Ich bin eine sinnliche Frau.
Ich war noch nie auf die Art und Weise verliebt. Es war nie “diese eine Liebe”.
Aber ich weiß, und dafür lege ich meine Hände, meine Füße, mein Leib, meine ganze Seele ins Feuer – wenn ich liebe, dann liebe ich ehrlich!

Das schrieb ich am 29. Dez. 2014. Ich bin erst seit einer Woche achtzehn gewesen, zu diesem Zeitpunkt. Ich kannte Kora noch nicht.. und ich frage mich…. was habe ich mir erfüllt, was ich dort schrieb?

Ich glaube, es ist ein großer, riesengroßer Unterschied zwischen „Liebe“ und „Verliebtsein“…
Ich bin nicht verliebt in Kora… nicht mehr… vielleicht war ich das auch nie……………………………..ich bin verwirrt! ………………………… Ich kenne das Gefühl der Schmetterlinge im Bauch. Wenn sie rumfliegen, als hätten sie gerade kurz vor Abend noch eine Zuckerbombe zu sich genommen und könnten die Energie hier und da nicht mehr auslassen und deshalb im Bauch herumtanzen, wie wild gewordene Wespen. Ich kenne das Gefühl der Aufregung, den schwitzigen Händen oder dem flachen Atem, wenn man einer Person gegenübersteht, in die man verknallt ist…. das Komische ist………..dieses Gefühl hatte ich bei Kora noch nie…..

Es fühlt sich schrecklich an, das aus zuschreiben….. ich glaube, ich wusste es schon immer, insgeheim, aber es jetzt so offen zu gestehen (auch mir gegenüber), fühlt sich irgendwie grausam an…. als würde ich Kora hintergehen!

Allerdings, und das schreibe ich jetzt nicht, um mich herauszureden, habe ich dafür nie hinterfragt, ob ich sie liebe. Es war einfach da….. und nun frage ich mich …… was ist der Unterschied zwischen Liebe und Verliebtsein?…. mir selbst könnte ich es an einfachen Beispielen vergleichen….. das Verliebtsein habe ich ja oben schon beschrieben… die Liebe, allerdings, verbinde ich mit anderen Tatsachen… zum Beispiel der, dass es einfach ist. Ja, es ist wirklich leicht. Kora und ich leben völlig unkompliziert. Ich habe keine Angst, ich muss mich bei ihr nicht verstellen. Sie kennt mich, wie ich wirklich bin. Es gibt nicht mehr so häufig feurige, leidenschaftliche Küsse, aber dafür ein „Ich bin Zuhause, Liebling“-Kuss, oder einen „Gutenacht“-Kuss… auch immer wieder ein „Ich seh dich an, und bin so froh, dass du zu mir gehörst“-Kuss….. Ich fühle mich entspannt, ausgelassen, vertraut bei Kora…. Ich kann mir vorstellen, immer mit ihr zusammen zu bleiben, eine Zukunft mit ihr aufzubauen….. Wir laufen nicht mehr ununterbrochen händchenhaltend durch die Gegend, nein, wir laufen Arm an Arm, beobachten die Menschen, lachen gemeinsam, grübeln gemeinsam oder sitzen einfach nur da und starren ins Nichts. Wir können Wir sein, ohne etwas sagen zu müssen; erfüllt, schwerelos, glücklich.
Wenn ich in ihren Armen liege, dann schleudert mein Herz nicht vom einen Winkel in den anderen, wie es das immer tat, wenn ich in eine Frau verknallt war (Paye, Aurora…), nein…. es ist ruhig, schlägt gleichmäßig, beruhigt. Mein Atem ist tiefen-entspannt, fast, als würde ich schlafen…. wir streicheln uns hier und da mal zärtlich über den Arm, über das Gesicht… ich drehe mich zur ihr um, lächle sie an und hauche ihr einen unbedeutenden Kuss auf den Mund….  Das vergleiche ich mit Liebe. Und ich glaube, man könnte noch so vieles mehr mit Liebe vergleichen (im Gegenzug aufs Verliebtsein).

Ich glaube, das Verliebtsein ist eine rasante Achterbahnfahrt der Gefühle…. Die Liebe ist hingegen die Wolke… (nicht die Wolke 7… Wolke 4, natürlich, ,-)), die uns trägt, sicher, weich, ruhig….

Vermutlich… war ich nie verliebt in Kora… vielleicht war es von Anfang an die Liebe…. kann sein, oder?!

…24 Stunden, 12. Aug. 2015 – vom 09. und 10 Jan. 15

10012015
11215000
00011125
52101010

hmm…. irgendwie gefallen mir die Zahlen des Datums. Ich weiß nicht, warum. Aber ich sah auf den Display, las: 10.01.2015, und irgendwie gefiel es mir. Wirkt wie ein verschlüsselter Code für eine noch nie betretene Welt. Ein Zahlencode. 10012015.

>Ich stehe vor einer Tür. Groß, schwer, rechteckig. Sie erinnert mich an ein Tresor. Die Tür ist groß. Riesengroß. Verbindlich mit der Tatsache, dass ich klein bin. Weil ich Alice bin. Alice im Kummerland. Alice im Kummerland vor einer Tür die an einen Tresor erinnert. Alice, die eine Minute vorher aus einer Ampulle, auf der stand: “Trink mich” Alkohol hinunterkippte und dadurch in verschwommenen Gedankendimensionen in eine unmenschliche Zentimeterzahl schrumpfte. Und diese Alice – diese Ich – steht nun vor diesem Tresor. Und es fordert einen Zahlencode, um diese andere Welt betreten zu können. Diese Welt, die sie aus ihrem Kummerland holt. Ein einfaches Zahlencode. 10012015.<

…. es waren tatsächlich nur 24 Stunden. Nicht einmal. Nun gut. Inzwischen schon mehr als 24 Stunden. Aber Es fing gestern Abend an. Wir fingen an zu schreiben. K. und ich. Und, bei Gott, ich hätte in meinem ganzen, gottverdammten Leben nie gedacht, dass es dazu kommt. Aber wir schrieben und schrieben. Ich legte mein Handy gar nicht mehr aus der Hand, meine Finger flogen non-stop über die Miniaturtasten. Und ich lächelte über jede Nachricht, weil sie mich immer amüsierte. Und ich mag Menschen, die mich zum Lachen bringen.
Aber dabei blieb es nicht. Wir schrieben bis in die Nacht. Ohne Pause. Wir telefonierten. Vier Stunden. Bis in die Früh. Und es war einfach so… es machte mich komplett … es erfüllte mich einfach. Punkt. Ich musste nicht nachdenken, ich hatte Spaß, ich habe gelacht, ich war fasziniert, begeistert, verlegen. Ich habe mich so leicht gefühlt. Wie lange ist das her?
Ich habe kein Auge zugemacht; seit 48 Stunden. Aber ich bin nicht müde.
Und wir schreiben immer noch.
Es kam so plötzlich. Nachdem ich mit K. auf dem Candy Club war, hatten wir nur sehr selten geschrieben. Immer wieder mal. Kurz, wie der Tag war, oder wie es einem geht.
Und auf einmal… sowas habe ich noch nie erlebt.

Es sind alles so Crash-Einstiege.
1. Crash-Einstieg in die Szene
2. Crash-Einstieg in das neue Jahr
3. Crash-Einstieg in eine Freundschaft (Plus?????) Beziehung mit K.
4. Crash-Einstieg in die WG nach einem gefühlten Halbjahr-Urlaub.

Es geht mir nicht einmal um das, WAS passiert… sondern einfach… dass es to much ist. Quantitativ. Es überfordert mich nicht. Das nicht. Ich mag diese leichte Verwirrtheit, nicht mehr ganz den Überblick und die Kontrolle über mein Leben und das Geschehen zu haben. Das macht alles irgendwie … aufregend.

10012015…

Und das Jahr hat gerade erst begonnen.

Die Tage vergehen wie im Flug. Wieder mal. Das ist irgendwie beunruhigend, wenngleich es ja eigentlich für mich eher einen positiven Effekt hat: immerhin heißt das dann im Prinzip, dass ich gefühlsmäßig früher wieder zu Hause bin – nicht? Ach, was weiß ich schon. Momentan weiß ich sowieso nicht viel. Aber es genügt mir zu wissen, dass ich nicht weiß – das reicht.
Ich denke viel nach. O ja. Vor allem momentan. Mich hat dieser Crash-Einstieg in die Szene emotional wohl echt aus der Bahn geworfen. Ich meine, ich habe schon gehört, dass dort wirklich jede jede kennen soll, etc. Aber ich hätte niemals gedacht, dass dieser Kreislauf auch mich erwischt – jedenfalls nicht nach wenigen zwei Wochen. Ich meine, dass A. öfter auf Partys ging und gerne die Sau rauslässt, das wusste ich ja. Aber irgendwie war mir nicht ganz in das präsente Bewusstsein gelangt, dass sie dadurch ja auch schon Teil der Szene ist – quasi. Ufz…. und mich beschäftigt das alles so enorm, dass es beinahe schon angsteinflößend ist. Ich denke immer über das ‘Warum’ nach. Dabei bin ich doch immer diejenige, die sagt: >Menschen fragen immer nach dem Warum. Warum passiert mir dies, warum passiert mir jenes – warum ausgerechnet ich? Dabei ist das doch völlig irrelevant. Denn früher oder später bekommen wir immer eine Antwort auf unser warum. Und manchmal dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.<
Wort wörtlich mein Zitat. Und ausgerechnet ich beschäftige mich jetzt mit diesem jämmerlichen Warum. Aber das ist doch meistens so: die Tips, die man anderen zum weiterhelfen gibt, kann man selbst am allerschwersten zu Herzen nehmen, nicht wahr?
Aber was weiß ich schon?
Ich bin weder Gott, noch Einstein, noch irgendein hochintelligenter Philosoph. Ich interpretiere nur meine vergangenen Lebenserfahrungen in meine gegenwertigen Lebensgeschehnisse. Und das machen viele Menschen. Immerhin ist die Vergangenheit das, was einen zu dem Ich macht, was man ist – aber nie bleiben wird. Das Ich verändert sich, bis zum letzten Tag. Das ist einfach so. Und das …. ach, wie unnötig. Sinnloses Gequatsche.

Jedenfalls möchte ich mich wieder mit dem luziden Träumen befassen. Das hatte ich ja vor fast 4 Monaten schon mal vorgehabt, was aber völlig unmöglich war. Der Stress, die ganzen Verluste in der Zeit konnten mir keinen ruhigen, erholsamen Schlaf erbringen. So dass ich mich so gut wie nie an irgendwelche Träume erinnerte. Dabei habe ich sogar nun bald zwei volle Traumtagebücher.
Eines davon ist innerhalb von einem halben Jahr voll gewesen. Das andere habe ich nun seit fast zwei Jahren…. und ein Drittel ist noch komplett leer. Ich muss mich öfter dazu aufraffen, meine Träume niederzuschreiben. Was relativ schwer ist, weil ich – wenn ich träume – so extrem lebendig, farbig und detailliert träume, dass es sich wie eine Kurzgeschichte liest.
Und manchmal denke ich so schnell, dass ich mit dem schriftlichen Schreiben nicht hinterherkomme … hört sich verrückt an – ist aber tatsächlich so. Da bin ich zum Beispiel noch bei einem Satz, während ich schon 5 Absätze weiterdenke und vergesse, was ich schreiben wollte… Ja, ich habe wirklich einen an der Klatsche. Aber – who cares?

Ich habe mir gedacht, dass ich meine Träume vielleicht einfach hier niederschreibe.
Klar, Träume sind etwas sehr, sehr Intimes. Das ist mir bewusst. Weshalb ich darauf achten werde, dass ich nicht alle Träume der Öffentlichkeit bloßstelle….. wobei mir das im Prinzip auch wieder egal ist.
Ich habe nichts zu verheimlichen.