Tierarztgeschichten – helft dem verzweifelten Mann!

Endlich war es so weit. Ich war schon die ganze Zeit so aufgeregt, weil ich die vier Miezen endlich durchchecken lassen wollte… im Endeffekt wird mir immer wieder klar: Nichtwissen ist angenehmer als Wissen.

Die Vier Motzkugeln haben Nissen! (Eier von Läusen!), und, und, und … jetzt haben wir 170 € für diese Bazillenschleudern ausgegeben. Naja, was tut man nicht alles für seine Lieben.

Wie wir also da beim Tierarzt saßen, kam auf einmal ein Mann in weißem T-Shirt und zotteligen, grau-braunen Haaren herein gestürmt. Das T-Shirt verdeckte kein bisschen seinen runden Bierbauch, die Brille rutschte ihm dauernd von der kubbeligen Nase. Was ich sowieso nicht verstehe: Warum schnallen sich so dicke Leute die Gürtel immer so eng, dass der ganze Bauch aus der Hose gepresst wird und es aussieht, als seien sie, wie Legofiguren, zusammengebaut worden?
Nun, jedenfalls lief er murmelnd („Sowas ist mir ja noch nie passiert, das darf nicht wahr sein, was soll ich denn jetzt tun?“) zur Tierhelferin an der Anmeldung und sagte, total aufgebracht „Entschuldigen Sie… was, ich meine, wie würden Sie in meiner Situation reagieren, wie würden Sie handeln? Wissen Sie? Mir ist ein Hund zugelaufen, ein kleiner Hund, und der geht nicht mehr weg. Was soll ich tun?“ Er griff sich in die Haare, „Ich habe die Leute gefragt, wo er mir zugelaufen ist, aber niemand kennt ihn. Ich habe ihn zurück gebracht, aber er läuft mir einfach hinterher. Was würden sie an meiner Stelle tun? Was soll ich denn mit ihm machen?“
Kora und ich, mit unseren vier schlafenden Motzkugeln in der Box auf der einen Bank, eine junge Frau und ihr Freund mit einer hübschen weißen Babykatze auf der anderen Bank, beobachteten die Szene ganz genau.
„Na, haben Sie ihn hier?“
„Ja, ja“, sagte der Mann, „Ja. Der ist hier im Auto. Kann man denn nicht nachschauen, wo er hingehört, ich dachte, da gibt es manchmal so, so…“
„Viele Tiere haben meistens einen…“
„Er hat auch einen Halsband“, unterbrach er sie, „Ja, das hat er.“
„Ja, aber einige haben auch einen Chip unter der Haut. Können sie ihn mal…“
„Er sitzt im Auto.“
„Ja. Können Sie ihn holen?“
„Ja, er sitzt im Auto. Aber jetzt gleich?“
„Ja. Klar.“
„Gut. Sehr gut. Bitte. Ich bin nämlich bei der Arbeit, wissen Sie, und ich…“, er murmelte weiter, was ich nicht verstand, während er aus der Tür eilte.“

Die junge Frau, ihr Freund und wir sahen uns amüsiert an und mussten uns Gekicher verkneifen. Lediglich ein kurzes Grinsen schenkten wir uns, nach dem Motto „Ohje.“
Dann kam der Mann wieder. Ich, und ich glaube, wir alle, hatten wohl einen hübschen kleinen Mischling erwartet, aber nein, da kam ein kleiner schwarzer Hund mit zotteln. Wirklich der –  nicht besonders schöne – Hund, sah dem Typen so ähnlich, als wäre es gottgewollt. Er tapste munter hinter ihm her und erkundete die Praxis. Ging zu den Besitzern der weißen Katze und zu unseren vierbeinigen Stinker.

„Da. Das ist er. Sehen Sie? Ich kann es nicht fassen. Nicht glauben. Sowas ist mir ja noch nie passiert.“ Den letzten Satz murmelte er wieder nur.
„Bitte gehen Sie doch in das Zimmer dort. Ich schicke Ihnen sofort eine Kollegin.“
„Ja. Ja.“
Wir sahen ihm alle hinterher, interessiert, ob der Hund ihm wirklich folgte. Und tatsächlich. Der schwarze Zottel tapste ihm mit einem fetten Grinsen hinterher in das Zimmer. Die Tür schloss sich, wir sahen uns alle wieder an und mussten doch noch kichern.

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