Dem Herzen folgen (SIE schrieb von MIR)

Nach unserer Begegnung schrieb sie von mir:

„Begegnung“

Auf dem Weg  zu meiner Freundin und zum Tanzen in die Stadt, saß ich entspannt in der Bahn. Die Zugfahrt von Weilheim nach München führt am Starnberger See entlang. Das Glitzern  der Sonne auf dem Wasser, einsame Bootsstege, weite Wiesen. Herrliche Blicke über das Land.

Mir gegenüber, saß ein junges Mädchen. Schon als ich einstieg lächelte sie. Dann kam die Schaffnerin. Noch nie hatte ich so ein langes  freundliches Gespräch,  – obwohl ich keine Fahrkarte hatte. (Automat kaputt und alle anderen belegt). Sie verkaufte mir nicht nur zum normalen Preis eine Fahrkarte, sondern machte mich darauf aufmerksam, dass mein Handy bis fünf Minuten vor Fahrtantritt eine Karte erwerben könne.

Die Schaffnerin überreichte mir meine Fahrkarte. Das mir gegenüber sitzende Mädchen lächelte. Mein Buch lenkte von tobenden Kindern in der Bahn ab. Hin und wieder hob ich den Blick und wurde mit einem Lächeln bedacht.

Die Bahn hielt an einer Haltestelle und sanft schob eine Hand ein Zettelchen in meine. Darauf Telefonnummer und Mailadresse. War ich überrascht ob des Vertrauens welches mir mit der Geste entgegen gebracht wurde, so wuchs diese Überraschung noch als eine Antwort auf meine Kontaktaufnahme erschien.

Das lächelnde Mädchen schrieb, sie habe die Gelegenheit nicht verpassen wollen, da sie das Gefühl gehabt hätte, wir würden uns schon Jahre lang kennen. Wie mutig diese Gelegenheit nicht verstreichen zu lassen, sondern zu handeln. wie schön dem Ruf des Herzens gefolgt zu sein. Bei welchen Gelegenheiten folgen wir dem Ruf unseres Herzens? Ist nicht der Kopf immer schnell bei der Sache? Lohnt sich das wirklich, mache ich mich nicht lächerlich, tut dies meinem Stolz gut? Wird mein Gegenüber überhaupt reagieren?

Was würde die Liebe tun? Wenn wir uns bei jeder Entscheidung diese Frage stellen. Entfällt Stolz. Entfällt Mutlosigkeit. Entfallen verpasste Gelegenheiten. Und dann spüren wir Lächeln, Herzenswärme und seltene Geschenke des Vertrauens.

Danke Jessy

Als ich damals, vor nun über einem Jahr, mal wieder auf dem Weg nach Hause war, saß ich im Zug, wie immer, in der Nähe der Tür.
Ich bin immer hektisch, wenn ich Zug fahre, oder Bus, oder Tram, oder, oder, oder.
Ich befürchte immer, die Haltestelle zu verpassen, da ich zu intensiven Tagträumereien neige und die Haltestellen-Ansagen IMMER überhöre.
Ideal sind für mich deshalb die Plätze, die mir einen Blick auf die Anzeige verschaffen und es mir ermöglichen (falls ich selbst vergesse auf die Anzeige zu schauen), noch in der letzten Sekunde aus der Tür zu stürmen, bevor der Zug weiterfährt.

Eigentlich hatte ich mein Buch mitgenommen, um zu lesen, aber das war einfach nicht möglich, denn
a) ich konzentrierte mich so sehr auf die Geschichte, dass ich vergaß, dass ich im Zug sitze, oder
b) ich muss aufmerksam sein, um die Haltestelle nicht zu verpassen und kann mich nicht auf die Geschichte konzentrieren

Also saß ich halt doch einfach nur da und beobachtete das Leben um mich herum.
Die Kinder, einige Sitze weiter, waren ganz schön laut und es nervte mich ein wenig, wenn sie kreischten oder herumturnten. Die Erzieher machten es allerdings nicht gerade besser. Kein Wunder, dass Kinder rebellieren, wenn man so forsch mit ihnen redet.
Freundlichkeit und Sanftheit hat noch niemandem geschadet.

Irgendwann stieg eine Frau ein und ich konnte meinen Blick nicht mehr von ihr reißen.
Ich weiß nicht, ob ihr das kennt.
Ich hatte sofort ein total vertrautes Gefühl in mir… als würde ich sie schon ewig kennen!
Sie setzte sich mir gegenüber und las in ihrem Buch. Immer wieder blickte sie auf, ihre Lippen deuteten permanent ein zartes, dezentes Lächeln. Sie schien die Welt aus einem komplett heiteren, positiven Blickwinkel zu betrachten.
Irgendwas an ihr ließ mich einfach nicht los. Ich starrte aus dem Fenster, ertappte mich aber doch immer wieder dabei, wie ich sie musterte.
Ob es ihr Aussehen war oder die Art, wie sie sich bewegte oder beobachtete oder sogar die Seiten ihres Buches umblätterte – irgendetwas fesselte mich und das Gefühl, sie hätte mich schon mein Leben lang begleitet, ließ mich nicht los.

Irgendwann trafen sich unsere Blicke, und wir lächelten uns an. In dem Moment war ich mir sicher: Ich darf sie nicht einfach gehen lassen!
Keine Ahnung, was dieser Blick in mir weckte.
Es war, als … als würde ich in mein Zukunfts-Ich sehen. Mensch, klingt das unheimlich und verrückt, aber ja, so war es!
Ich sah in ihre Augen und ich hatte urplötzlich das Gefühl, in einen flüssigen Spiegel zu fallen. Genau! Flüssiger Spiegel!
Wie, wenn man in klares, stilles Wasser sieht, und sich selbst in die Augen blickt. Genau so fühlte es sich an.

Mein Puls stieg um jeden km, den wir fuhren. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, traute mich nicht, sie anzusprechen, obwohl ich instinktiv wusste, ich darf nicht einfach aussteigen und so tun, als hätte es sie nie gegeben!
Was könnte ich verpassen, wenn ich sie gehen lasse?
Ist die Begegnung vielleicht Schicksal? Und, Himmel, damals habe ich abgrundtief an Schicksal geglaubt!
Ich forderte das Schicksal heraus.
Wenn sie noch im Zug saß, wenn ich aussteigen muss, würde ich ihr einen Zettel zuschieben. Den ersten Schritt hätte ich getan und den zweiten würde ich ihr überlassen.
Ich riss ein Stück von einem Zettel ab, der in meiner Jackentasche war, und schrieb Kontaktdaten darauf.

Mein Herz fuhr Achterbahnen, während ich meiner Haltestelle in München näher kam und tatsächlich spielte der Zufall mein Schicksalsspiel mit.
Als der Zug hielt, saß sie noch dort und als ich mich erhob, trafen sich wieder unsere Blicke. Ich beugte mich zu ihr herüber und schob ihr wortlos, mit einem unsicheren, auffordernden Lächeln den Zettel in die Hand.
Und stieg aus.

Ich lief keine 100 m, da vibrierte schon mein Handy… und wer schrieb mir?
Sie.

Ich war so froh, auf mein Herz gehört zu haben.
Wieder wurde mir bestätigt, dass der Kopf nicht über das Herz gestellt werden sollte.
Klar, ist Verstand gut.
Aber im Endeffekt waren alle meine Instinkt-Handlungen, bisher entweder die absolut Richtigen, oder aber komplett falschen, dafür aber lehrreichen und positiv-prägenden Erlebnisse.

Und um den Beitrag total cool zu beenden:
#Herzmensch

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One thought on “Dem Herzen folgen (SIE schrieb von MIR)

  1. Wie muuutig du bist und wie süüüüß ihre Zeilen zu dir waren … ❤ Und sie hat SO verdammt recht! Man sollte viel öfter einfach auf sein Herz hören und dtun, was es einem sagt. Wie oft war ich schon in so einer ähnlichen Situation wie du? Zu oft! Ich habe auch schon oft überlegt, wie ich Kontakt zu jemandem aufbauen könnte, der mir spontan total sympathisch und vertraut vorkam, aber, ich glaube, das is bei den meisten Menschen so, ich dachte immer "Egal. Du hast eh keine Chance. Es bringt nix. Es kommen noch tausend andere Menschen." Und im Nachhinein habe ich es dann doch imemr wieder bereut, den hübschen Typen an der Bar oder dem freundlichen alten Mann im Supermarkt nicht angesprochen zu haben oder wenigstens einen Zettel zugeschoben zu haben.

    Ich wünschte, ich hätte deinen M;ut. Solltest echt stolz darauf sein 🙂

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