Wider dem Gehorsam! (Roboter)

Zeiten vergehen wie im Flug.
Zeiten heilen alle Wunden.
Zeiten sind selbst Elemente.
Zeiten sind genug, wenn sie richtig verwendet werden.
Zeiten, die wir uns nehmen, sind Zeiten, die uns etwas geben…

Es gibt eine Millionen Sprichwörter, die die Zeit beschreiben.
Aber was ist Zeit eigentlich wirklich? Sitzt ihr nicht auch manchmal vor diesem runden Ding da an der Wand, starrt auf die zwei, wahlweise auch drei (vor allem den dritten!) Balken, die uns Sekunden unseres Lebens zu nehmen versuchen?
Sitzt ihr am Arbeitsplatz und fliegt euer Blick auf die UHR – ja, dieses runde Ding! – und erschreckt, dass es schon wieder 16:55 Uhr ist, 17:00 Uhr, 18:34 Uhr, 00:00 Uhr und ihr schon wieder einen Tag älter seid?
Nein?
Nein. Ich nämlich auch nicht. Ich denke selten, eigentlich fast nie darüber nach, dass ich um einen Tag gealtert bin, einen Tag meinem Ende nähergekommen bin. Stattdessen schließe ich um 17:30 Uhr die Tür zu meiner Wohnung auf, atme diesen neuen Duft ein, der sich mir bald in das Hirn brennen wird und bewusst machen soll, dass das nun mein neues Zuhause ist, streife die Schuhe von den Füßen, werde von vier Babykatzen begrüßt und schmeiße mich erschöpft auf die Couch. Ich denke nicht darüber nach, dass jeder Atemzug, den ich verbrauche, theoretisch auch der letzte sein könnte oder der letzte Augenblick die farbenlose Wand in meinem Schlafzimmer sein könnte – weil ich ja theoretisch einschlafen, und nie wieder aufwachen könnte.
Nein, stattdessen denke ich darüber nach, auf wie viel UHR ich meinen Wecker stellen muss, um am nächsten Tag rechtzeitig aus dem Bett zu kommen und um 07:45 bei der Arbeit zu erscheinen, um dann bis 12:00 Uhr 5 Stunden zu arbeiten, dann 45 Minuten Zeit für meine Freizeit zu widmen und um dann um 13:00 Uhr wieder mit meiner Arbeit fortzufahren, bis ich um 17:00 Uhr aus dem Gebäude kontrollierter, gefragter Freundlichkeit, Stress, Telefon, Gespräche, Gespräche, Gespräche, Anstand und Nicht-Ichs trete und die „Guten Tag“-Zeit schon längst vorbei ist und mich jeder nur noch mit „Guten Abend“ grüßt, ohne dass ich überhaupt mitbekommen hätte, wo der ganze Tag hin verflogen ist.

Ja, verdammt!
Wo sind eigentlich die ganzen Tage hin?
Wo?
Habe ich nicht noch gestern mit meiner allerbesten Freundin in unserem Hof auf der Schaukel gesessen, habe Lieder aus Kinderfilmen gesungen und mir eingebildet, die Sonne würde nur deshalb scheinen?
Habe ich nicht vorhin erst mit meinen Grundschul-Freunden am Lagerfeuer gesessen, im Schwarzwald, als wir im Schullandheim waren?
Habe ich mich nicht erst letzte Woche bei einer Hochzeit aus dem Staub gemacht und mich unter einer Treppe versteckt, damit rund 200 Gäste besorgt nach mir suchten?

Die Zeit ist einfach scheiße. Sie übt Druck aus, Stress, Streit… Natürlich hat sie auch ihre Kehrseiten, so wie alles andere auch. Aber wenn ich an die Zeit denke, ist das erste Gefühl, was mich überkommt meistens Ärgernis. Nur selten denke ich mir: „Endlich! Feierabend! Nach Hause!“ Dabei ist es im Endeffekt doch nur ein Glücksruf in die Zukunft. (?) Werde ich mich als 80-Jährige – falls ich überhaupt 80 werde – dafür hassen, dass ich „endlich“ rief, wenn mal die Zeit schneller verging?

Und überhaupt? Wo ist das ganze letzte Jahr hin? Wo sind die ganzen Menschen hin, die ich letztes Jahr kennen gelernt habe?
Und wie viele von denen, die ich kannte, sind gegangen?

Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin die Einzige, die darüber nachdenkt. Alle Menschen um mich herum funktionierten einfach nur. Sie laufen herum, reden, handeln wie Roboter.
Liegt das etwa auch an der Zeit?
Wer weiß? Vielleicht?
Sie ziehen Gesichter, wie 7 Tage Regen.
Eine Mutter mit dunklen Ringen unter den Augen und heruntergezogenen Mundwinkeln, die sich die ganze Zeit im Kopf aufreiht:

  1. Kind vom Kindergarten abholen.
  2. Einkaufen fahren
  3. Kochen
  4. Staubsaugen (am besten auch Fensterwischen) also:
  5. Fensterwischen
  6. Badewanne für das Kind einlassen
  7. Kind ins Bett bringen

Komisch, dass in diesen langen Listen, die die meisten Menschen in ihrem Kopf eingespeichert haben, wie ein schlechtes Omen, kein einziges Mal etwas Erfreuliches steht. Zum Beispiel:

  • Mit Kind noch ein wenig auf der Couch kuscheln (nach dem Baden, aber wenn es zu spät ist, dann doch lieber ins Bett – ist ja nicht so wichtig, wie pünktlich schlafen gehen)
  • Mit dem Partner schick zu Mittag- oder Abendessen gehen (vielleicht schaffe ich es zeitlich nicht – anderes hat höhere Prioritäten)
  • Am Wochenende vielleicht mit einer guten Freundin einen gemütlichen Kinoabend veranstalten (aber da ist ja noch die Schulaufgabe am Montag, eigentlich muss ich das Wochenende durchbüffeln – ist irgendwie wichtiger)

Warum richten wir uns eigentlich immer nach anderen Menschen? Warum tun wir so selten das, was wir wirklich tun WOLLEN?

Ja, warum setz ich mich eigentlich nicht einfach in so ein verdammtes Flugzeug mit einem blöden Rucksack auf der Schulter und verlasse diesen beschissenen Alltag in dem ich überwiegend nur funktioniere und fliege nicht nach Kioto oder Irrland oder Akkaba?
Ich verschwende so viel ZEIT meines Lebens für die Arbeit, für das Geld, um so zu sein, wie es heutzutage wie selbstverständlich angesehen wird? Zu einem funktionierenden, perfekten Etwas.

Nein, das sehe ich nicht ein. Die ganze Welt orientiert sich nur noch nach dem Gehorsam. Nicht ich. Ich werde nicht so sein, wie es andere von mir wollen. Ich bleibe, wie ich bin. Ich werde sagen, was ich denke, ich werde herumlaufen, wie ich will – und wenn ich bei 25 Grad eine Jacke trage, weil mir kalt ist, dann trage ich bei 25 Grad eine Jacke! – ich werde nicht springen, wenn man mich ruft, ich werde nicht mein ganzes Leben nur der Arbeit und dem Alltag widmen.

Denn, gottverdammt, das ist MEIN Leben. ICH darf darüber bestimmen, WAS ich mache, WIE ich es mache, OB ich es mache.
Ich will nicht vernünftig sein! Ich will nicht tun, was ich tun MUSS, ich will tun, was ich tun will, und wenn es noch so unvernünftig ist.

Die Zeit, die vergeht, kriegt man nie wieder zurück.  Also, warum tut man nicht einfach einmal das, was man will? Man hat doch eh nichts zu verlieren! Man arbeitet ein Leben lang, um ein Gebäude zu bezahlen, das man putzen muss. Den Körper sieht man häufig nur noch als Hülle, die Nahrung und Infos braucht, um zu leben. Am Ende ist man 65, geht in die Rente und kann sich seine Träume eh nicht mehr erfüllen. Das Haus ist abbezahlt, die Kinder erwachsen und ausgezogen, und hat man dann mit Ende 60 überhaupt noch die Kraft, sich einen Rucksack über die Schultern zu werfen und um die Welt zu reisen? Fallschirm zu springen oder nackt bei Vollmond im See baden?

Ich werde nicht warten.
Ich lebe im Jetzt und nicht für die Zukunft.

Versteht das doch endlich, man. Seid doch nicht immer so verdammt vernünftig und langweilig!

Seid doch einfach mal IHR.
Seid FREI!

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3 thoughts on “Wider dem Gehorsam! (Roboter)

  1. so *liest* man sich also wieder….
    und ich glaube diesem Blog immer noch kein Wort – von wo hast du das Bild geklaut? Du weißt sicherlich, dass Bilderklau strafbar ist?

    Dass du unvernünftig bist, habe ich mir von Anfang an gedacht. Dumm ist auch ein hübsches Wort dafür, um es etwas ehrlicher zu umschreiben.

    Mach was du willst, und schau, wie du dein Leben in den Griff kriegst, wenn du irgendwann HATZ VI-Empfänger bist oder auf der Straße lebst.

    Wir leben FÜR die Zukunft.
    Das ist so und kann man nichts daran rütteln.

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  2. Herrje – DU schon wieder.

    Kamikaze… woher der Name? Fan des 2. Weltkrieges? Oder wegen deiner Art? Opferst du dich gerne für andere? Wie der Pilot des japanischen Flugzeuges, der sich Kamikaze nannte? …göttlicher Sturm.

    Wenn dich mein Blog so brennend interessiert, dass du mir sogar liebevolle Kommentare hinterlässt, hättest du vielleicht gelesen, dass ich fotografiere – demnach liegen alle Bildrechte bei mir.

    Auf weiteres gehe ich nicht ein, danke für dein Verständnis. 😉

    Ps.: Es heißt: HaRtz IV – aber schon okay.

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  3. Du hast ja soooo verdammt Recht!!!!!
    Immer dieser Scheiss „ich muss das ich muss dies ich muss jenes“.

    Scheisa auf die Vernunft. Ich mach auch viel zu selten das was ich wirklich will! Und das ist erst der Anfang von RICHTIG öden Alltag. In meiner Kindheit hatte ich noch nicht so einen krassen „zeitverflogen-Alltag“…. denkst du, des wird schlimmer umso älter man wird?

    Ich glaube, wir leben nicht nur FÜR die Zukunft sondern im Kopf vorallem schon häufig IN der Zukunft ….:-/

    Die Bilder sind der Hammer! 💞

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