Kann ein Mensch ein Mysterium sein?

Am Samstagabend, einem ganz normalen Abend, Samstagabend bis Samstagnacht, besser, bis Samstagmitternacht. Da waren Kora und ich in meiner Heimatstadt, in der „Meine-Stadt“, in der Stadt, in der ich groß geworden bin, in der ich wurde, wer ich heute bin.
Anfänglich gedacht, meine Freunde Cleo, Finn und Sam, zu fünft, vielleicht aber auch zu acht, wie vorletzte Samstagmitternacht, wenn Sam und Finn ihre Wichtelpartner mitschleppen – sie sind wie kleine Wichtel, lustig, frech und irgendwie süß; eher häufig blau als grün, dennoch großartig, mit ihnen wegzugehen oder einfach Geschichten von ihnen anzuhören. Wie auch immer, Samstagabend also, um 19:15, in einer kleinen Bar in der Meine-Stadt, da waren wir zu dritt im Glück. Nein, ihr Schweine – das Café, das diesen Namen trägt! Ohne Cleo, Finn und Sam, sondern mit Carina. Ja, Carina, die Frau die Payes Geliebte (oder so etwas in der Art) war und heute Payes Freundin ist. DIE Frau, die hundert, oder aber auch tausendundein Gesichter hat. Paye ist groß und dünn und irgendwie, ihr Haar, sehr blond, fast weiß, ihr Gesicht ganz zart und dezent geschmückt mit Sommersprösslein, hübsch anzusehen, hübsch zuzuhören, aber irgendwie eigenartig, zu kommunizieren. Jedenfalls erging es mir so: unsere Kommunikation verschluckt im Treibsand vieler falscher Buchstaben, Worte, vieler falscher Umgänge oder vielleicht auch einfach vieler falscher Vorurteile. Aber was führe ich mich überhaupt auf? Auch ich kann hundertundein Gesichter haben, aber seht ihr, da ist ja das Problem. Hundertundein und tausendundein sind ein Unterschied von neunhundert. Da kann ich nicht mithalten, weder mit meinen Trilliarden und ihren Quadrillion Buchstaben, mit ihrem überdimensionalgroßen und meinem nur großen Wortschatz, weder mit ihrer geistigen Reife, ihrem Denken noch mit ihren Berechnungen, denn ja, sie ist unfassbar berechnend, so habe ich sie jedenfalls kennengelernt.
Das nächste, das zweite Problem ist und war, wird vermutlich auch immer bleiben, dass ich, ganz gleich, um wen es geht, mit Berechnungen, mit berechnenden Leuten, mit Leuten, die genau abwägen, die zu 99,99 % richtig liegen, die analysieren, wie ich oder irgendjemand auf Aussagen, Umgänge oder Behandlungen reagieren würde, nicht auf eine Wellenlänge komme, und das tut Paye. Das tut sie definitiv. Ihre Taten, ihre Wortwahl, sogar ihre Berührungen und Blicke, sind präzise überdacht, abgestimmt auf den kleinsten Winkel einer Seele, genau wissend, was sie damit anrichtet oder wenigstens, was sie damit anrichten könnte.
Das letzte, das dritte Problem, das, an dem ihre und meine, an dem Payes und meine, also unsere Beziehung (eine total oberflächliche, bisher) scheiterte war, dass ich mich Hals über Kopf in sie verknallt hatte, dass sie mein Herz höher schlagen ließ und ich mein Blick nicht von ihr reißen konnte.
Dass ich sie küssen und spüren wollte, und sie mich behandelte wie ein Jojo, das heißt, dass sie mir zusprach, sie mich anziehend fand, dass sie mir auf die Mundwinkel küsste, als ich sie an unserem ersten Treffen verließ, aber widersprüchlich sagte, konsequent, ich solle mir keine Hoffnungen machen, es würde niemals, wirklich niemals, etwas zwischen uns laufen. So kam es dann auch. Ich in meiner kalten Wut, in meiner bloßen Verletztheit und meinem, jedenfalls fühlte es sich so an, gekränktem Stolz, versuchte also den Kontakt zu brechen, was viel schwerer war, anfangs, jedenfalls, als gedacht, ich im Nachhinein aber wage zu behaupten, dass es mir, mehr oder weniger, gut gelungen ist, wenngleich sie vermutlich in meinen Augen…………. für immer ein Mysterium bleibt.

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