Mein Name ist Willi

Hallo, ich bin Willi und ich habe zwei Geschwister die eigentlich genauso aussehen wie ich. Wir sind alle noch sehr klein. Meine Mama ist groß und dick und langweilig, aber sie ist liebevoll und hat immer ein Auge auf uns, selbst wenn sie liegt und entspannen will.
Wo mein Papa ist, weiß ich nicht, aber das macht nichts, denn eigentlich denke ich keine Sekunde an ihn.
Ich bin sehr glücklich. Ich spiele jeden Tag mit meinen Geschwistern Brandy und Mikel auf der Wiese. Wir können leider nicht weit laufen, obwohl wir uns austoben wollen, weil uns dieser hohe Zaun im Weg steht, aber so schlimm ist das nicht, wir können uns auch so vergnügen. Außerdem kommt jeden Tag so ein freundlicher Mann, der uns ganz viel leckeres zu Essen gibt. Wir laufen dann sofort an den Zaun und himmeln ihn aus großen Augen an, ja, manchmal quieken wir sogar vor Freude und lächeln und lachen, aber er erkennt das, glaube ich, nicht immer. Egal, ich mag ihn, denn das Zeug, das er uns gibt, ist wirklich megalecker und auch Mama ist davon begeistert. Sie ist aber anständig und quiekt und schreit nicht mehr vor Freude, wie wir. Sie kommt dann gemütlich zu uns spaziert und isst mit uns zusammen das leckere Essen, das uns dieser freundliche Mann gibt.
Wenn es dunkel wird, dann liegen wir alle ganz eng zusammengekuschelt bei Mama. Ich kann mich nur wohl fühlen, wenn ich direkt an ihrem Bauch schlafe, sonst habe ich Angst und kriege kein Auge zu. Brandy und Mikel wollen mich immer wegdrängen, aber das lasse ich nicht zu. Sie schlafen dann an mich gekuschelt.

Am nächsten Morgen werde ich auf einmal aus dem Schlaf gerissen. Vor Schreck schreie ich auf. Grobe, große Hände packen mich und ziehen mich aus der geborgenen Wärme von Mamas Bauch. Meine Geschwister Brandy und Mikel werden auch so fürchterlich gemein geweckt.
Nach lautem Schreien und Weinen erkenne ich erst die Grobiane. Ich bin genauso entsetzt wie meine Geschwister, als wir den freundlichen Mann erkennen, der uns sonst immer Essen gibt. Neben ihm stehen noch zwei andere fremde Leute, die aber ganz und gar nicht freundlich aussehen.
Ich kriege schreckliche Panik und will weglaufen, als Brandy mit einer einzigen Bewegung vom Boden hochgezogen und sein Kopf zwischen den Beinen eines dieser Männer fixiert wird. Aus Angst sind meine Augen weit aufgerissen und als ich sehe, wie Brandy an den Hinterbeinen gepackt wird und vor Todespanik immer lauter aufschreit, will ich nur noch einschlafen und nie wieder aufwachen.
Er erleidet Höllenqualen, als sie ihm die Haut aufschneiden. Es geschieht in wenigen Sekunden, aber seine Schreie und sein Weinen sagen mir, dass er Todesangst hat. Ich kann es in seinen Augen sehen. Als er direkt neben uns in eine kleine Kiste gesetzt wird, ist er am Ende seiner Kräfte. Er schreit nicht mehr, er wehrt sich nicht mehr. Er legt sich hin, seine Augen auf uns gerichtet, jedes Leben verschwunden, vor Schmerzen gebrochen, hoffnungslos… und kastriert.

Nachdem die drei Monster mir und Mikel dieselben Schmerzen zugefügt haben, fühlt sich mein Körper taub an. Weder Brandy, noch Mikel und ich machen irgendeinen Aufstand, als wir an unserer Mama vorbeigetragen werden und man uns auf eine fremde Wiese setzt. Ich schwanke und bleibe liegen, als ich zur Seite kippe. Meine Augen schließen sich und ich will nie wieder aufwachen.

Als ich wach werde, ist es weniger schlimm. Die Schmerzen sind zwar noch da, aber nicht mehr so schrecklich wie zuvor. Mikel und Brandy liegen ganz eng an mich gekuschelt und schlafen noch. Ich blicke um mich herum, ohne mich zu bewegen, nehme die Umgebung wahr…. und erblicke Mama. Direkt nebenan. Sie liegt im Schatten eines kleinen Baumes und schläft. Sie sieht mich nicht an. Ich will zu Mama. Außerdem habe ich Hunger und Durst und Schmerzen! Ich fange an zu wimmern, ziehe mich mit größter Kraft zwischen meinen Brüdern hervor, versuche aufzustehen. Ich gehe an den Zaun und schnupper hinüber. Mama schläft tief und fest.

Wenige Wochen später geht es mir und Brandy und Mikel wieder gut. Dass Mama nicht bei uns ist, ist nicht so schlimm. Wir haben ja noch uns und außerdem auch ganz viele andere neue Freunde, die genauso aussehen wie wir! Da wäre zum Beispiel Leo, mit ihm spiele ich immer fangen. Das ist lustig und er macht komische Geräusche, wenn er mir hinterherläuft. Leo und ich, wir schlafen auch immer ganz eng aneinander gekuschelt. Mikel und Brandy kuscheln sich immer lieber zu den Großen. Mir ist das egal, ich will nicht zu den Großen gehören.
Ich spiele lieber mit Leo, laufe über die Wiese, fresse ihm das leckere Essen weg, das uns der Mann jeden Tag bringt und wälze mich ausgiebig im Dreck – Ja, das macht Spaß!

An einem Sonntagmorgen kommen zwei fremde Männer.
Meine Brüder, unsere vielen neuen Freunde, und ich sind mittlerweile ganz schön groß geworden, auch, wenn wir noch um einiges kleiner als Mama sind.
Die Männer steigen über den Zaun und kommen zu uns. Als ich das letzte mal von solchen Leuten mitgenommen wurde, habe ich große Schmerzen erlebt. Ich kriege Angst, schreie auf und renne weg.
Meine Brüder Brandy und Mikel sehen auch ängstlich aus, sind aber neugierig. Sie laufen langsam rückwärts, machen aber keine Anstalten wegzulaufen. Ich schreie und quieke und will sie warnen, doch da packen die großen Hände nach ihnen und heben sie hoch. Erst jetzt schreit Brandy auf. Er wehrt sich so sehr, dass er den Mann unabsichtlich an der Brust erwischt und auf den Boden fällt.
Dieses Monster flucht ein lautes, langes Wort, das ich nicht verstehe. Die Kraft und die Lautstärke jagen mir einen eiskalten Schauer über den Rücken und ich dränge mich immer tiefer in die Ecke unserer kleinen, offenen Hütte. Er holt mit einem Bein aus und tritt nach meinem Bruder, der vor Schmerz laut aufschreit. Ich habe fürchterliche Angst und bin etwas erleichtert, als ich Leo neben mir entdecke.
Der Mann greift wieder nach Brandy. Meine Brüder schreien und quieken und weinen, als sie mitgenommen werden
Meine Freunde und ich kommen langsam wieder aus unserer Ecke hervor. Die Männer sind weg.

Ich habe gewartet. Den ganzen Tag. Ich habe bis in die Nacht gewartet und auch am nächsten Morgen. Auch drei Tage später, habe ich gewartet, aber Brandy und Mikel sind nie wieder zurück gekommen. Und jede Woche ist ein Monster gekommen und hat ein paar von uns mitgenommen. Ich weiß inzwischen sogar, was ich bin. Diese Männer nennen uns alle immer „Mistvieher“. Ich weiß nicht, aber irgendwie gefällt mir das Wort nicht.
Jetzt sind schon wieder viele Wochen vergangen und ich werde immer größer.
Als die Männer dieses mal kommen, gibt es nur noch zehn von uns Mistviehern und als sie dieses Mal kommen, gibt es zehn von uns Mistviehern, die größer sind als die, die Mama letzten Abend auf die Weltgebracht hatte und als sie dieses Mal kommen, nehmen sie uns alle mit.
Und wir kommen nie wieder zurück.

Bilder: 4ever.eu & bing.de

Zitat aus „Schweineleben – 110 kg bis zum Tod“:

Der letzte Transport
In einem Alter von 7-8 Monaten haben die jungen Schweine, die die Mast überlebt haben, ihr „Schlachtgewicht“ von etwa 110 Kilo erreicht – nicht einmal die Hälfte des Gewichtes eines erwachsenen Schweins. Für Schweine, die bei der Schlachtung nicht dieses Norm-Gewicht haben, gibt es Preisabzüge für die Mäster. Die Schweine werden aus ihren Mastbuchten getrieben, auf LKWs verladen und zum Schlachthof transportiert. Ein letzter Weg in erdrückendem Gedränge, Stress, Hitze, Kälte, die Tiere beißen und treten sich, haben in der Enge kaum eine Möglichkeit, an Trinkwasser zu kommen. Sofern es überhaupt welches gibt. Das sind sie allerdings schon aus ihren Mastbuchten gewohnt, wo sie Trinkwasser – wenn überhaupt – nur über Nippeltränken bekamen.

Schlachten im Akkord
Abgeladen in den Wartebereichen der Schlachthöfe haben die Tiere ihren eigenen Tod vor Augen, riechen das Blut und hören die letzten panischen Schreie ihrer Artgenossen. Bevor sie selbst zur Schlachtung getrieben und mit Strom oder Gas betäubt werden, ihre Halsschlagader aufgeschnitten wird, sie ausbluten und im Brühbad landen. Durch die Akkordarbeit in den Schlachthöfen, oftmals von Billiglöhnern unter enormem Zeitdruck ausgeführt, ist es an der Tagesordnung, dass Schweine vor ihrer Schlachtung nur unzureichend betäubt werden und ihren Tod und ihre beginnende Zerlegung bei vollem Bewusstsein erleben. Dem Schnitzel in der Kühltheke sehen wir nicht an, wie das Leben des Schweins zu Ende ging.

Links:
Der Schmerz der Ferkel
„Schweineleben“ – 110 kg bis zum Tod

„Hallo, ich bin Willi und ich habe zwei Geschwister die eigentlich genauso aussehen wie ich. Ich bin sehr glücklich. Ich spiele jeden Tag mit meinen Geschwistern Brandy und Mikel auf der Wiese.

(…) Wir haben ganz viele neue Freunde. Zum Beispiel Leo. Mit ihm spiele ich immer fangen. Das ist lustig und er macht komische Geräusche, wenn er mir hinterherläuft. Leo und ich, wir schlafen auch immer ganz eng aneinander gekuschelt.(…)

Ich spiele mit Leo, laufe über die Wiese, fresse ihm das leckere Essen weg, das uns der Mann jeden Tag bringt und wälze mich ausgiebig im Dreck – Ja, das macht Spaß!“

ferkel,-liebe,-gras-173913

Advertisements

2 thoughts on “Mein Name ist Willi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s