Ein Geschenk vom Schicksal. Oder Zufall.

23.12.15, Mittwoch

Mein Geburtstag. Er war schön, er war ruhig, er war angenehm. Kora hatte einen Tag vor mir Geburtstag. Wir feierten am 23. am Abend in München zusammen. Meine Freunde Cleo, Finn und Sarah waren dabei. Sarah hatte ihren Freund mit genommen – er war ja auch eingeladen. Und vier Freunde von Kora. Wir waren eine tolle kleine Gruppe. Ich liebe Koras Familie und Freunde. Andersrum ist es genauso.

Die Tage zuvor habe ich immer wieder an die Leute gedacht, die mir am Donnerstag, eine Woche zuvor, auf der Straße geholfen haben. Ich habe jeden Tag an sie gedacht. Daran, ob ich wohl schon an ihnen vorbei gelaufen bin, sie aber nicht erkannt habe. Und darüber, ob ich sie jemals wieder sehen würde, ob wir uns wieder über den Weg laufen würden. Ich war irgendwie traurig. Ich wollte mich so gerne bedanken.
Am Wochenende, als ich wieder an die 2 denken musste, dachte ich dann aber … ich weiß nicht, ich hatte es irgendwie im Gefühl… dass sich unsere Wege ganz sicher weider kreuzen würden. Ich mache seltsame Bekanntschaften. Ich lerne Menschen kennen, richtig außergewöhnliche Menschen, bei denen die Leute in meinem Umfeld meistens nur den Kopf schütteln konnten. Erst letztens schrieb mir eine ehemalige Betreuerin, dass ich „gewisse Leute magisch anziehe“ und dieses „Magische-Anziehen“ nun nur noch auch auf einen Therapeuten übertragen werden müsste.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es diesmal auch so sein würde.

Am Donnerstagabend saßen wir also alle zusammen im Café und warteten auf unser Abendessen, lachten, unterhielten uns und erzählten uns Geschichten. Ich nahm dann kurz mein Handy und sah auf einmal eine fremde Nummer.
Es war eine Whatsapp-Nachricht.
Ich öffnete sie und konnte meinen Augen nicht trauen.
Es war der Mann, der mir an dem Donnerstag geholfen hatte!!! Der, der mir seine Jacke in dieser Kälte über die Schultern geworfen hatte und mich festgehalten hatte, damit ich nicht umfalle (ich saß ja eh schon auf dem Boden). Ich hatte ihn an dem Abend kein einziges Mal gesehen, er war ja hinter mir. Seine Frau… oder Freundin… die habe ich kurz gesehen… aber nur halb, glaube ich. Ich erinnere mich auf jeden Fall nur sehr schwach. Ich glaube, sie könnte an mir vorbei laufen und ich würde sie nicht erkennen.
Sie sah relativ jung aus… ich denke so … puh…. 30 – 35 ? Vielleicht jünger. Auf jeden Fall kurze Haare. Rot? Oder orange… vielleicht war es auch blond. Und ich glaube, sie trug eine Brille… aber es ist komisch. Ich erinnere mich wirklich kaum noch. Es ist wie ein schwacher, verschwommener Traum.
Jedenfalls haben wir nun …. hin und wieder Kontakt. Ich schrieb ihm, dass ich die beiden gerne als Dankeschön auf einen Kaffee oder Ähnliches einladen würde.

Er hat zugesagt, meinte, das ließe sich sicher einrichten. Ich bin schon sehr gespannt, die beiden Menschen, die mir geholfen haben, kennen zu lernen. Endlich ein Gesicht zu den zwei guten  Gestalten zu haben……

Vor allem bin ich etwas… überwältigt von diesem Mann. Wie ihr alle inzwischen sicher schon wisst, sind Männer für mich eher schwarz, als weiß. Gut, um nicht nur im Bereich von „Gut und Böse“ zu sein, sagen wir mal dunkelgrau. Ich kann mit Männern selten positive Eigenschaften oder Gefühle verbinden. Sie sind für mich… ich kann es nicht erklären. Sobald ich näheren Kontakt (damit meine ich natürlich freundschaftlich), mit ihnen habe, wie zum Beispiel mit Cip, meinem Kollegen, baut sich da sofort eine … nun ja… so ein Käfig auf. Nein, keine Mauer.
Mehr so ein Käfig, mit kleinen Gittern, durch die ich  meine Fingerspitzen durchstrecken kann. So kann ich sie zwar berühren, wenn ich will, aber sie können mir nichts tun.
Jedenfalls… natürlich hinterfrage ich bei Aussagen von Männern und Gesten oder Mimiken viel mehr als bei Frauen. Ich meine, nach 5 fast-Missbräuchen kann man mir das wohl kaum verübeln, oder? Klar, ich bin zum Teil selber daran Schuld, wenn ich mein Maul nicht aufreißen kann. Klar, können Männer nicht Gedanken lesen und wissen, was ich will oder nicht will, wenn ich es nicht sage…. Aber… wie auch immer. Das ist jetzt nicht das Thema.
Jedenfalls … ja, Männern vertraue ich um vieles weniger als Frauen.

Ich meine, klares Beispiel:
Celene. Ich stehe an der Kippe, einen Windstoß vom Abgrund entfernt.
Nehmen wir an, ich darf entscheiden, wann dieser Windstoß kommt, denn dieser Windstoß ist symbolisch mein Vertrauen. Mit diesem Windstoß lasse ich mich von der Klippe stürzen. Unten am Fuße steht Celene. Ich erwarte nicht einmal, dass sie mich auffängt – das erwarte ich von keinem Menschen, aber ich weiß und vertraue darauf, dass sie den Fall mildert.

Wenn jetzt allerdings am Fuße der Klippe… nun ja, sagen wir mal Cip stehen würde, dann würde ich, bevor ich den Windstoß kommen und mich fallen lasse, mich erst einmal an einem Bungee-Seil befestigen.

Versteht ihr, was ich meine?

Dieser *Matthias, der mich vor zwei Wochen an der Straße gefunden hatte, weckt da aber irgendwie eine neue Erfahrung. Er wirft ein neues Licht auf das Bild, das ich mir gemalt habe. Irgendwie hinterfrage ich ihn nicht. Er wirkt so ruhig.
Ich weiß nicht. Glaubt ihr an die Aura eines Menschen? Ich meine, ich weiß nicht, ob das eine Glaubenssache ist (sein sollte), aber wenn ich mich an den Abend zurück erinnere, dann glaube ich, war ich fast dankbar, als er mich an den Schultern fest hielt.
Ich meine, ihr habt ja jetzt eine lange Zeit lang meinen Blog verfolgt und mitbekommen, dass ich in letzter Zeit so rastlos bin/war…. ich kann es kaum fassen, dass ich das jetzt sage, aber als er mich da so gehalten hat, ich meine, in diesem Moment so gestützt hat… ich habe mich geborgen gefühlt.

Ich weiß nicht, wer von euch den Beitrag gelesen hat (ich weiß auch nicht mehr, wann ich ihn geschrieben habe), aber der letzte Mensch, der mir Geborgenheit hatte schenken können, war Lejla.
Vor drei Jahren rief sie mich mitten in der Nacht an, weil ich mich schrecklich einsam fühlte. Ich glaube, das war der Tag, an dem mein Vater das Telefon ganz knapp an mir vorbei an die Wand gedonnert hatte – er hatte mal wieder zu viel gesoffen. Nichts Ungewöhnliches. Fünf bis sieben Bier an einem Tag ist noch normal. An diesem Abend müssen es 11 gewesen sein, wenn ich mich richtig erinnere. Ab 9 wird er meistens gereizt. Ab 10 aggressiv.
Jedenfalls rief mich Lejla eben in dieser Nacht an und ich weinte. Und alles was sie sagte war: „Wenn ich jetzt bei dir wäre, würde ich dich in meinen Armen wiegen und dir Geborgenheit schenken.“

Total absurd, aber als Matthias mich am Donnerstagabend an den Schultern hielt und als er und seine Frau oder Freundin sich so um mich gekümmert haben…. ich musste an Lejlas Worte denken. Ich musste mich sehr beherrschen, nicht zu weinen.
Gott sei Dank kam ja dann der Notarzt und meine Melancholie war schneller verfolgen, als sie gekommen war.

Jetzt musste ich allerdings doch wieder daran denken. Ich schreibe ja ab und zu mit ihm und irgendwie muss ich immer wieder daran denken, wie seltsam es ist, dass ich kaum versuche ihn oder seine Aussagen zu analysieren oder zu hinterfragen. Dass ich ihm einfach nicht misstraue. Es fühlt sich beinahe falsch an. Absurd oder? Ich meine, nicht direkt „falsch“…. aber es fühlt sich einfach…. unnormal an. Anders. Es ist etwas, was ich nicht kenne. Völlig neu für mich.
Völlig… surreal.

Vielleicht mache ich mir aber auch wieder einfach zu viele Gedanken.
Vielleicht sind die beiden auch „nur“ Menschen, die mich kurz im Leben begleiten und dann nie wieder von ihnen höre.
Urkomisch, aber wenn ich so darüber nachdenke, dann waren es bisher nur die Menschen, die NICHT in meinem Leben geblieben sind, die etwas Wichtiges in mir geprägt haben.

 

 

 

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