Wie es ist, seit 9 Monaten zusammen zu wohnen.

Ich finde mich scheiße, so, wie ich jetzt bin. Meine Grundhaltung „scheißaufalles“. Das ist einfach nicht okay. Vor allem nicht Kora gegenüber. Ich finde es unfair, wie ich sie in letzter Zeit behandelt habe, diese ganzen Lügengeschichten und die Sachen mit Mark. Dass ich mich mit ihm getroffen habe, zum Beispiel, als wir unseren großen Streit hatten und sie eigentlich eine Woche bei ihrer Schwester schlafen wollte.

Und auch die anderen paar Male, an dem ich mich mit ihm getroffen habe. Ich wunder(t)e mich, wieso ich kein schlechtes Gewissen habe und hatte darauf folgend ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr gegenüber kein schlechtes Gewissen hatte. Teufelskreis.

In den letzten Tagen ist es aber so, dass es zwischen mir und Kora wieder viel besser läuft. Wir haben nicht mehr so oft Streit, eigentlich fast gar nicht mehr. Unsere Reibereien bleiben bestehen, aber ich denke, das ist normal. Klar gibt es ab und zu so Momente wo sie wieder ihre Motzphase an mir auslässt oder der Frust von der Arbeit. Dann weise ich sie darauf hin und sage: „Hey! Ich bin nicht dein Chef!“ Dann geht ihr ein Licht auf, sie entschuldigt sich und es ist alles wieder gut. Wir lächeln uns viel öfter wieder an (ich habe eine Ewigkeit kein Lächeln mehr von ihr bekommen, sondern immer nur Zornesfalten) und wir liegen ab und an zusammen auf der Couch und schauen bei Amazon Perception (weil die 10. Staffel von Criminal Minds haben wir ja schon durch….-ich muss heulen). Wir freuen und gemeinsam auf Juni, wenn endlich die neue Staffel von Orange is the new black erscheint. Wir essen gemeinsam und kochen(manchmal) gemeinsam und wir sagen uns endlich wieder guten Morgen, wenn wir aufwachen. Dem war ja lange nicht mehr der Fall. Meisten hat der Wecker geklingelt und etweder ist sie oder ich als erstes wortlos aufgestanden. Wir haben uns (an)schweigend für die Arbeit fertig gemach und außer einem monotonen „Tschüss, Schatz“ oder „Bis heute Abend“, war kaum noch eine Sekunde übrig.

Ich glaube, es stimmt, dass ein überstürztes Zusammenziehen viele Beziehungen kaputt machen kann. Es ist eine Veränderung von 0 auf 100, weil man sich viel mehr den Bedürfnissen und Wünschen und dem Geschmack(und Nichtgeschmack) des anderen einstellen muss. Ein Gleichgewicht zu finden ist schwerer, als ich dachte. Denn natürlich kann sie genauso wenig meine komplette Lebenseinstellung annehmen, wie ich ihre. Da muss man halt irgendwie versuchen, das auszuwiegen. Und das ist knallthart.

Es fing ja schon beim Einrichten an. Wir haben komplett andere Geschmäcker. Naja, nicht komplett, aber in vielen Dingen hatten (haben wir immer noch) unsere Uneinigkeiten. Sie wollte zum Beispiel unbedingt so ein saftig-hellgrünes Expidit im Wohnzimmer, bei dem ich sofort gesagt habe, dass ich dann gleich wieder ausziehe. Zum Glück konnten wir uns darauf einigen, dass wir dieses heißgeliebte Ding in den Vorraum stellen (was – zugegeben – mit den anderen hellgrünen Schuhschränken gar nicht ganz so schlecht aussieht). Auch mit der Deko hatten wir unsere Probleme. Oder dass ich auch eine Lampe an der Decke wollte und nicht nur die Stehlampe in der Ecke, weil ich das einfach zu dunkel finde – vor allem zum Lernen. In der Küche haben wir keine Hängeschränke, weil sie meint, für die 2 Jahre ist das nicht nötig. Ich bin da ganz anderer Meinung.
Unsere Küche ist zwar hübsch, aber alles andere als heimelig oder gemütlich. Sie sieht viel mehr aus wie so Ausstell-Küchen bei Hirschvogl. Kalt und lieblos.
Na ja, und noch ganz viel anderes Faselblub, in denen wir einfach nicht derselben Meinung sind.

Und wenn die ersten Probleme mit dem Einräumen und dem Möbelgeschmack geklärt sind, fangen die Nächsten an. Das Essverhalten(sie weiß selten bis nie, was sie essen will, und wenn ich dann Vorschläge mache, ist sie mit keinem davon zufrieden. Sowas bringt mich zur Weißglut), die Alltags-Vertreiberei (sie möchte am liebsten den ganzen Abend mit mir kuschelnd vor’m Fernseher sitzen. Aber wenn mich das Zeug, was im Kasten da läuft, nicht interessiert, warum MUSS ich dann unbedingt blöd daliegen und darf nicht einfach am Laptop schreiben? Sie hasst meinen Laptop, glaube ich. Und ich hasse den Fernseher), die Wäsche (ich finde es scheiße, dass sie die Wäsche in der Küche aufhängt, da könnte ich immer wieder das Kotzen kriegen, aber wenn ich ihr da reinrede, flippt sie völlig aus). Wie auch immer. Ich könnte noch tausend Sachen aufzählen.

Am Anfang war es ja so, dass wir beide uns vieles gefallen lassen haben, was wir eigentlich am Anderen zum Kotzen fanden. Dann kam die Phase, in der wir den ganzen Mist, der in uns angestaut war, einfach ausgelassen haben. Das war die Zeit, in der wir nur noch Streit hatten und sie mir tagein, tagaus gesagt hat, was ich zu tun und zu lassen habe und was ich alles falsch mache und tralala. Jetzt kehrt gerade die Phase ein, in der wir merken, wie das Zusammenleben wirklich funktioniert. Nämlich, dass man sich weder Hasstiraden an den Kopf werfen, noch sich alles gefallen lassen sollte, sondern alles irgendwie versucht auszugleichen.

Ich denke, seit wir das gemerkt haben, funktioniert es wieder besser. Aber das ist ja erst seit Kurzem so. Ich hoffe wirklich, dass es so ist, wie ich denke und das nicht nur eine „gute Phase“ ist. Ich hoffe, so, wie es jetzt ist, bleibt es für länger. Am Schönsten wäre es, wenn es noch ein kleines bisschen besser (und manchmal nicht so angespannt) werden würde.

Aber mal abwarten. Im Endeffekt entscheidet alles die Zeit.

Kopfsache. Ich werde kein Roboter.

Oh Mann. Ich habe richtig Angst vor der Prüfung nächste Woche. Ausgerechnet diese blöde Datenverarbeitung. Excel. Formeln. Funktionen. Verschachteltwenn. Verschachteltwennnicht.Verschachteltwenn-wennnicht-wenn-leckmichdochamArsch. Ich werde es ganz sicher volle Kanne verhauen. Ich denke sowieso nicht, dass ich die Prüfungen schaffe. Wie nennt man das nochmal? self destroying prophecy. Könnte schon stimmen. Bzw. glaube ich sogar relativ fest daran, dass diese selbsterfüllenden Prophezeiungen eher wahr als falsch sind, aber ich kann gar nicht anders denken, weil anders nicht realistisch wäre.

Ich bin kein Zahlen-Mensch und kein Formel-Mensch. Ich habe einfach kein Gefühl für Zahlen. Ich bin eigentlich ein relativ logisch-denkender Mensch (zumindest hatte ich nie Probleme mit Logik), aber verbunden mit Zahlen? Kann man mich vergessen. Ich glaube, in meinem ganzen Leben hatte ich noch nie eine bessere Note als eine 4, wenn es um Zahlen ging. Ich kann’s einfach nicht. Weder das, noch dieses absolut straighte passende Formeln für eine Aufgabe finden.

Wir sind ja zudem auch noch die erste Klasse dieser neuen Form von Bürokauffrau … „Kauffrau für Büromanagement“ (jetzt lassen sie’s aber richtig raushängen mit ihren Fachbegriffen……………) Das heißt, wir haben komplett neue Fächer, neue Lerninhalte und vor allem neue Vorgehensweisen. Für die ganzen Lehrer waren wir quasi „Versuchskaninchen“. Was zu meinem großen Nachteil werden sollte. Denn kein Mensch konnte mir zum Beispiel bei dieser gottverdammten Buchhaltung weiterhelfen, weshalb ich zum Dank im letzten Schuljahreszeugnis eine glatte 6 in Rechnungswesen (KSK) hatte………….
Die Freundin von meinem Cousin hat vor zwei Jahren ihre Ausbildung mit einem 1er-Durchschnitt bestanden. Sie ist in Buchhaltung ein Profi schlechthin. Allerdings konnte sie mir nicht weiterhelfen. Als sie unsere neue Vorgehensweise sah, hat sie nur Bahnhof verstanden. Und ihre Art habe ich einfach nicht kapiert, weil sie komplett anders war, als wie wir es neuerdings in der Schule lernen. Großartig. Und das war bei allen Leuten so, bei denen ich angelaufen kam, damit sie mir helfen. Unsere Ausbilder haben sich sogar extra schulen lassen, damit sie uns helfen können – leider war es da schon zu spät.

Ich werde es so oder so nicht schaffen. Ich kann machen was ich will. Ob ich da nun 8 Stunden am Tisch hocke, Nüsse fresse (weil sie ja angeblich gut für’s Hirn sind) und büffele oder ob ich einen Kopfstand mache und eine deutsche Schulhymne für Versager singe. Alles Wurst wie Käse, weil ich einfach für den ganzen Mist nicht geboren bin.

Ich bin nun einmal kein Zahlen-Daten-Fakten Mensch. Werde ich vermutlich auch nie sein. Warum ich diese Ausbildung ausgesucht habe, war eigentlich ein reines „Praxisgefühl“. Ich kann gut mit Menschen umgehen, bin sehr umgänglich, habe also auch absolut kein Problem damit, auf unsere Kunden zuzugehen und ich schaffe es aus irgendeinem Grund sogar richtig erhitzte Köpfe zu beschwichtigen, wenn sie sich wegen irgendwas bei uns beschweren.
Als ich vor 3 Wochen im Rahmen der Ausbildung im Landratsamt ein Praktikum gemacht habe, hat mich die Chefin dort mit den Worten gelobt, ich sei bisher die beste Praktikantin gewesen – und sie hatte bisher überwiegend irgendwelche Studenten als Praktikanten. Herr *Kal aus dem Personalwesen meinte sogar, ich dürfte mich sehr gerne nach meiner Ausbildung bei ihnen melden.
Ich will mich damit jetzt nicht selber loben, sondern einfach klarstellen, dass dieser Job eigentlich perfekt für mich ist. Es geht wirklich einfach um die Theorie. Um den Schulstoff. DAS ist es, was ich nicht kann, was mich einen Bockmist interessiert, was mich einfach anstrengt, was ich nicht kapiere.

Wenn es also um den Schulstoff geht, hätte ich etwas ganz anderes lernen müssen. Gut, dieses Jahr bin ich ganz gut am Start, allerdings echt nur mit großer Anstrengung und weil wir Themen haben, die mich ein wenig interessieren. In GPK (Geschäftsprozesse und Kommunikation) haben wir dieses Jahr zum Beispiel überwiegend das Thema Kommunikation. Dass ich dort auf einer glatten Eins stehe, ist kein Wunder, weil mich Kommunikation brennend interessiert und ich es aufregend finde, was man alles damit anstellen kann. Aber dieses monotone/n Buchhaltungs-Gedöhnse, qualitative und quantitative Angebotsvergleiche, ABC-Analysen, Bezugskalkulationen, schießmichtotundhaumichblau. Das geht einfach nicht in meinen Kopf rein.

Das eigentliche Problem an der ganzen Sache ist die, dass ich den einzelnen Stoff an sich vielleicht ganz gut auffasse und sogar verstehe – aber die Zusammenhänge kapiere ich absolut nicht. Das war ja auch der Grund, weshalb ich die letzte Schulaufgabe in BMP (Büromanagementprozesse) verhauen habe. In den Stegreifaufgaben durfte ich mich über diese Einsen und Zweien freuen und in der Schulaufgabe bin ich noch gerade so mit einer 4 durchgekommen (ich war am Boden zertsört, das dürft ihr mir glauben).

Im Endeffekt habe ich keine Chance.
Eigentlich sind wir alle doch nur irgendwelche Zahlen (seit einiger Zeit ist es sogar unsere Pflicht, Neugeborene als ZAHL zu kennzeichnen – krankhaft und pervers finde ich das). Wir werden von den „hohen“ Arschlöchern und Machtsüchtigen dazu getrimmt zu irgendienem funktionierenden, perfekten Etwas zu werden, wobei die Menschlichkeit fast komplett außer Acht gelassen wird. Ich habe nicht die Absicht zu einem Staats-Roboter zu werden, nur weil sie das so von uns wollen. Das ist ja fast so eine indirekte Form der Hitler-Krankheit (womit ich das jetzt nicht direkt mit Hitler vergleiche) sondern lediglich damit, dass wir uns alle einem krankhaften Gehorsam unterwerfen und uns darüber wundern, dass die Welt immer schlechter wird, dabei sind wir selber Schuld, weil wir es ja zulassen und nichts dagegen tun.

Mir egal. Wenn ich irgendwann der einzige Mensch mit einem eigenen Willen und Ziel und Leben und mit eigenen Bedürfnissen sein werde, dann bin ich eben der letzte und einzige menschliche Mensch unter abermilliarden Robotern.

 

Und schon wieder…

….werde ich sentimental! Oh Gott, ich bin ja so ein Mädchen! Die Sonne scheint, der Himmel blau, Vögel singen, Schmetterlinge fliegen (nicht. In meinen Gedanken aber 365 Tage im Jahr) und alle Pferde fressen Regenbogen und pupsen kleine Marienkäfer.

Mir kamen alte Erinnerungen und alles ergab auf einmal eine riesengroße Wolke Herzchenscheiße. Diese Wolke puste ich mir jetzt selbstständig in die Luft, bis Etage 7. Neee, 7 ist vergeben. Da sitzen die ganzen Frischverliebten (würgkotzbäh). Lieber Etage 10. Hat man einen besseren Überblick und Abstand zu den Knutschenden. (Ich bin schon lange ein Nichtknutschender und Nichtfrischverliebter – ich verzeihe hiermit allen Menschen in meinem Umfeld, die mich in den ersten Monaten meiner Beziehung als solcher ertragen mussten 😀 )

Ich habe heute etwas aufgestöbert. Etwas Besonderes, denke ich. Und außerdem denke ich, ich muss noch viel mehr suchen, noch mehr stöbern. Nach mir – nach einem alten Ich, das ich mal war und nicht mehr kenne. Irgendwie vergessen und verloren [oder aber auch irgendwo im Jenseits alleine stehen gelassen] habe.

Das Internet vergisst nie. Ist vielleicht ein Contra für viele „Anti-Internetisten“  (cooles Wort, finde ich). Für mich allerdings ein großes Pro – allein für diese Autobiographie, die ja Frau Klaas von mir möchte [4 Seiten, Times New Roman, 10 pt, Lebensjahr: 2 – sie hätte auch gleich einen Roman von mir verlangen können. Ich werde nie fertig].

Ich hatte damals sowas wie ein Online-Tagebuch. 2011. Zweitausendundelf. Herrgott und ich habe mich damals so erwachsen gefühlt. Heute könnte ich meinem Damals-Ich ins Gesicht spucken und beschimpfen wiel es so dumm und naiv war und alles viel schlechter geredet hat, als es eigentlich wirklich war.  Gleichzeitig könnte ich aber mein Damals-Ich gerade auch abknutschen und so fest umarmen, dass ihm die Luft wegbleibt, weil es Erinnerungen in mir geweckt hat, die ich nicht mehr kannte (und die mir auch nicht mehr kommen, obwohl ich sie lese).

Ich lese mich selbst vor fast 5 Jahren und es ist, als würde ich die Gedanken und Geschichten einer mir völlig fremden Person lesen.

Allerdings: eines haben mein Damals-Ich und mein Heute-Ich gemeinsam. Liebeskacke konnten wir beide noch nie ausstehen. [Beitragsbild von meinem alten Blog, 2012]

Und gleichzeitig bin ich so fasziniert von den Menschen, die damals die Gedanken dieses 14-jährigen, pubertierenden Mädchens gelesen und (freiwillig) ertragen haben. Nochmal gleichzeitig (Achtung, jetzt wird’s aber langsam Multitasking), würde ich auch alle diese Menschen, die mir damals Kraft und Hoffnung und liebe Worte schenkten alle auf einmal in den Arm nehmen und mich bei ihnen bedanken. Ich habe es damals nie getan, also tu ich es heute.

Es gibt doch so viele tolle Menschen auf dieser Welt. Viel mehr mit Herz, als ich dachte – warum habe ich es damals nicht gesehen, obwohl es doch so offensichtlich war?

Ich schäme mich für mein Damals-Ich. Dumme, dumme Pubertät.

Sentimental sein – oder auch: an die beste Freundin denken

Ich weiß nicht, wie ich als Kind war. Ich weiß es wirklich nicht. Ich kann mich einfach nicht daran erinnern.

Als wir 1998 (ich war zwei Jahre alt) in P* in die G* Straße zogen, lernte ich meine heutige beste Freundin kennen – Cleo. Cleo ist 22 (wird am 13. Oktober 23) und ich liebe sie. Sie ist meine beste Freundin, auch wenn ich mit ihr nie über Probleme oder so geredet habe, bis vor kurzem. (Seit der Geschichte mit Mark weiß sie nun auch von meiner „Kellergeschichte“ etc.) Aber sie war einfach schon immer ein Teil meines Lebens. Ich glaube, sie ist fast sowas wie eine Schwester. Sie wohnte direkt im Wohnblock nebenan, im ersten Stock. Sie wohnt immer noch dort – ich ja nicht mehr. Glaube ich.

Wir haben fast jeden Tag beieinander übernachtet, wir haben zusammen das Fahrradfahren und Schaukeln gelernt, wir haben zusammen Verstecken und Fangen gespielt, haben Clubhäuser in großen Gebüschen gegründet und niemand durfte unser Revier betreten! Wir haben mit Stickern gedealt und mit Barbies und Playmobil und Polly Pocket und Baby Born gespielt. Wir haben uns in allem, was es gab, ergänzt. Sie hatte die Sticker, ich hatte die Stickeralben. Ich hatte die Baby Born, sie hatte den Schlitten für die Baby Born und Anziehsachen. Ich hatte die Barbie-Mädchen und sie die Barbie-Jungs und ein Trampolin und ein Clubhaus. Ich hatte das Playmobilhaus, sie hatte die Einrichtung. Ich schaukelte, sie schubste mich an und „flog“ – nun ja, wenn man jemanden an schubst und derjenige dann sehr weit hoch schaukelt, dann hebt man ganz kurz beim Anschubsen vom Boden ab – ein geniales Gefühl. Wenn sie schaukelte, schubste ich sie an und ich flog. Manchmal schaukelten wir zusammen „bis in den Himmel“, dann sangen wir Lieder – sie sang die erste Strophe, ich die zweite. Ich lernte das Fahrradfahren, sie brachte es mir bei.
Wir spielten, dass unsere Fahrräder Motorräder oder Pferde sind – zur Abwechslung auch mal Giraffen oder Elefanten. Wir gründeten einen gemeinsamen Friedhof für tote Mäuse und Vögel, die wir gefunden hatten. Dieser ist direkt hinter den Müllcontainern im Nebenhof.
Wir sammelten Schnecken, die sich zu Genüge an Regentagen an der Wand der Garage einen Weg schlängelten. Wir gaben ihnen Namen und stritten darum, welche am Schönsten war. Die schwarzen Schnecken mit dem braunen Gehäuse mochten wir beide nicht. Ein Nachteil einer Freundschaft ist, wenn man denselben Geschmack hat ;-).
Wir spielten Mutter, Vater, Kind, backten Kuchen aus Schlamm und Blättern und Vogelbeeren.

Ein Leben ohne Cleo? Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich wäre eine halbe Person, ohne sie.
Wir lernten gemeinsam andere Kinder kennen – Anas, Caro, Rike, Ranya. Und in diesem Hof, in dem eine lange Zeit nur wir beide spielten und die große Wiese und den Kirschbaum auf dem Hügel und den Sandkasten und die Schaukel unsicher machten, gab es auf einmal immer mehr Kinder, die unseren Hof besuchten.

Obwohl wir uns heute kaum noch sehen, weiß ich, dass sie immer da ist. Wir haben nicht häufig Kontakt. Wirklich nur sehr selten. Wir schreiben und telefonieren auch nicht. Das brauchen wir, glaube ich, beide nicht. Denn sobald wir uns mal spontan verabreden, ist alles wie früher. Absolut nichts hat sich verändert.

Ich liebe sie und bin der Welt und dem Leben dankbar, dass sie mir so eine tolle Person schenkte.

Sie möchte eine Autobiographie & „So ist Mark“

Ich habe ja ab und zu erwähnt, dass ich nun eine Therapeutin gefunden habe, mit der ich mehr als zufrieden bin. Es war eine Bauchentscheidung, es kann also nur gut sein.

In unserem ersten  Gespräch ging es eineinhalb Stunden (ja, sie hat sich 45 Minuten mehr Zeit für mich gelassen, als sie hätte tun müssen) ja bloß um Mark und Kora und mein schlechtes Gewissen und meine Ängste um die Beziehung und die Zukunft und Entscheidungen und und und. Eigentlich war das ein ganz gutes erstes Gespräch, weil ich dadurch gemerkt habe, dass sie und ich auf komplett einer Wellenlänge sind… (wie habe ich sie nochmal genannt??!!! …. keine Ahnung… nochmal ein neuer Pseudoname – sorry -) Frau *Klaas hat viele Ansichten mit mir geteilt, zum Beispiel auch die, dass ein Mensch gar nicht monogam sein kann. Eine andere Sache ist natürlich die, ob er es sein will.  Nun, ich habe Respekt vor Menschen, die es sein wollen und können. Ich habe das Problem, dass ich es gar nicht könnte, selbst wenn ich wollte (auch wenn die Frage des Wollens für mich in dieser Sache ein Mindfuck ist). Das liegt schlichtweg daran, dass ich zu viele Menschen lieben kann. So sehr, dass ich meistens nicht einordnen kann, was für eine Art von Liebe das ist. Schwer zu erklären.

Jedenfalls… ich bin froh, dass ich bei unserem Erstgespräch nicht gleich über meine Kellergeschichte und die Zeit in der Schule etc. erzählen musste, sondern dass sie auch komplett auf ein völlig unabhängiges Thema einging, eines, wegen dem ich mich nicht einmal gemeldet hatte.

Letzte Therapiestunde war es genauso. Nur erzählte ich ihr, dass nun alles viel geklärter ist. Ich meine, in mir. Die Situation zwischen Mark, Kora, seiner (mittlerweile) Ex-Freundin und mir ist immer noch Chaos pur. Denn Mark wohnt jetzt immer noch bei *Selina (also seiner Ex). Mark ist ein sehr feinfühliger und selbstloser Mensch – so habe ich ihn zumindest kennen gelernt. Er scheint ganz schön kaputt zu gehen, dadurch, dass er immer noch mit ihr unter einem Dach lebt. Der Grund für die Trennung war ja nicht ich. Sagt er zumindest immer und versichert es mir heute noch so oft, wie wir auf das Thema kommen. Ich glaube ihm, denn er erzählte mir ja schon bevor wir wussten, dass da zwischen uns mehr ist, als eigentlich sein dürfte, was das Problem zwischen ihm und Selina ist. Er fühlte sich einfach kraftlos, was weniger an ihr, sondern viel mehr an ihrem Sohn lag, der gerade mal 18 Monate ist und in einer echt nervenzerreißenden Phase. Er meint, er hätte dadurch nur festgestellt, dass er nie ein Kind haben möchte. Nicht, dass er Kinder nicht möge, aber er hätte in der Beziehung mit Selina einfach gemerkt, dass er sich nicht um so einen kleinen Wurm kümmern kann. Dass ihm das über den Kopf wächst. Was ich verstehe. Er hat bei der Kripo echt beschissene Arbeitszeiten…. wenn er an einem Freitag zum Beispiel in die Nachtschicht muss, muss er versuchen am Tag zu schlafen. Das geht halt nicht, wenn ein eineinhalbjähriger, kleiner Wurm da in der Wohnung sitzt und lacht und brabbelt oder einfach aus Zorn schreit. Mark ist häufig sehr müde, und das tut mir so leid.
Er mag den Kleinen, sagt er. Er ist süß und im Gegensatz zu anderen Kindern vermutlich sogar noch ein Traumkind, aber er sieht einfach keine realistische Zukunft.

Ich habe ihm mal geschrieben, dass ich mir Sorgen mache und ob er sich wirklich sicher ist, dass er die Trennung will (das war, als sie noch nicht getrennt waren). Ob er sich sicher ist, dass es nicht nur so eine akute, blöde Tiefphase ist, in der viele Menschen meistens keinen Ausweg mehr sehen, als eine absolute Entscheidung, die das Leben verändern soll. Ich habe ihn gefragt, wie es wäre, wenn er Selina und den Kleinen nach 5 Jahren zufällig über den Weg läuft und sich denkt: „Und dieser kleine Junge hätte mal mein Sohn werden können.“ und es dann bereut, sie gehen gelassen zu haben. Darauf meinte er dann nur, dass wenn er sie wirklich in 5 Jahren wiedersehen sollte, er hofft, dass sie einen Mann gefunden hat, der sie glücklich macht. Er wäre nicht der Richtige. Er täte ihr sicher eine zeitlang gut, aber nicht ein ganzes Leben.
Wisst ihr, Mark denkt so schlecht von sich, was ich gar nicht begreifen kann. Er ist vermutlich der selbstloseste Mensch, den ich je in meinem Leben kennen gelernt habe. Er ist so feinfühlig und sensibel, dass es eigentlich kaum sein kann, dass diese ganzen Eigenschaften in einem MANN verpackt sind (Achtung, da meldet sich mal wieder mein Schubladendenken 😀 ). Ich versuche ihm immer vor Augen zu halten, was für ein toller Mensch er ist – in erster Linie ein Mensch! – allein schon die Tatsache, dass er mich überzeugen konnte, dass Männer keine Monster und schwanzgesteuerten Arschlöcher sind, ist ein Weltwunder. Ich glaube nicht, dass es jemals ein anderer Mann geschafft hätte, mich davon zu überzeugen.
Er denkt so viel für Selina, nicht für sich selbst. Allein eben das Thema mit dem Ausziehen. Mit ihr unter einem Dach zu wohnen, macht ihn kaputt. Das sehe ich. Das bekomme ich mit. Und vor allem spüre ich das. Er sagt, sie ist ein furchtbar lieber Mensch, sie hätte nicht verdient, was er ihr antut (und ich frage immer, was er ihr denn bitte antut – dass er sie nicht liebt?! – aha)?

Vielleicht ist sie das auch, ich weiß es nicht, ich kenne sie nicht. Aber die Geschichten, die er mir erzählt, die sie in letzter Zeit mit ihm anstellt… die finde ich hochgradig manipulativ. Ich glaube, sie weiß ganz genau, wie sensibel und aufmerksam er ist, und das spielt sie aus. Allein diese eine krasse Geschichte mit den Fotos auf dem Küchenboden.

Die war erst vor wenigen Tagen. Er war schon im Büro gelegen (er schläft ja seit einiger Zeit im Büro – also getrennt von ihr) und hörte es auf einmal scheppern und wühlen. Er ging irgendwann raus, weil er wissen wollte, was sie schon wieder macht, da war sie gerade dabei, die ganzen Fotos von sich und ihm aus den Bilderrahmen zu nehmen. Er hatte sie gefragt, was in Gottes Namen sie da anstellt – was sie geantwortet hat, habe ich vergessen – jedenfalls hat er dann nur den Kopf geschüttelt und ist zurück in das Büro. Er war erschöpft. Von dem ganzen Seelentreten, das in letzter Zeit eigentlich täglich vonstatten geht. Deshalb hat er sich einfach wieder zurück gezogen. Eigentlich ist es egal, was er gemacht hätte. Denn er kann machen was er will – er macht sowieso alles falsch. Diesen Eindruck habe nicht  nur ich, den hat er auch selber geäußert. Selina kann man es einfach nicht recht machen, momentan. Was ich zum Teil auch verstehe. Sie liebt ihn, sie ist verletzt, sie hat Angst.
Jedenfalls hörte er dann irgendwann, wie sie die Wohnung verließ. Als er dann wieder aus dem Büro kam, lagen auf dem ganzen Küchenboden Fotos in hunderte Stückchen zerschnippelt verstreut.
Warum macht man sowas, frage ich mich?! Mir kam da ganz klar der Gedanke: Sie wollte, dass er es sieht und ihm damit zeigen, wie verletzt und wütend sie ist und ihn hintenrum auffordern, auf sie zuzugehen und zu trösten (oder so). Sowas nenne ich Manipulation.

Das Problem ist nur, er hat schon zu oft versucht, ein Gespräch mit ihr zu führen, es ihr zu erklären. Aber das geht nicht, denn Selina ist wohl so ein Mensch, der pausenlos unterbricht, ihm ihre eigenen Wahrheiten an den Kopf knallt und sich dann sinnbildlich die Ohren zuhält und laut „LALALA“ singt. Im Realfall fängt sie dann das Weinen an und haut ab. Mit einer Wahrheit, die SIE sich zusammengebastelt hat, ohne sich seine Meinung oder seine Richtigstellung dazu anzuhören.
Er hat in gewissermaßen also gar keine andere Chance, als einfach zu flüchten – auszuziehen, und das ganz hinter sich lassen. Denn wie gesagt, die Sache mit den Fotos auf dem Küchenboden ist nur eine Sache, die er mir erzählt hat.

Er fühlt sich nicht wohl, und als ich ihn das letzte Mal getroffen habe, habe ich es ganz extrem gemerkt und gespürt. Ihm ging es dermaßen schlecht, dass ich teilweise sogar mit ihm mit litt. Ich habe an dem Tag versucht, ihn aufzuheitern. Erst habe ich ihn fest in den Arm genommen und eigentlich kaum noch losgelassen. (Ja, das Bild stelle ich mir auch komisch vor – eine 19-Jährige nimmt nen 38-Jährigen KRIMINALKOMMISSAR zum Trösten in den Arm). Dann habe ich angefangen von meiner Arbeit zu erzählen, wie ich mich zum Beispiel vor der Chefin im Spendenreferat blamiert habe.

Ich stand nämlich am Drucker und Cip und Larissa standen neben mir und unterhielten sich mit mir. Irgendwas aus dem Gespräch ergab sich, dass ich kurz richtig glücklich oder gut gelaunt war und hielt mein bekanntes „Freudentänzchen“ (so ein kleines „Popowackeln“…).. dabei habe ich nicht gemerkt, dass ich mit dem Hintern direkt vor der offenen Tür zum Spendenreferat stand und erst als Larissa und Cip sich so das Lachen verbeißen mussten, dass sie knallrot anliefen, drehte ich mich um und sah in das entsetzte/verwunderte Gesicht der Chefin des Spendenreferates.
Als ich merkte, dass ihn diese Geschichte amüsierte, erzählte ich ihm noch ganz viel von meinen Kollegen und vor allem über Melly, dem Mädchen, das im 1. Ausbildungsjahr ist und mit der ich mich besser verstehe, als mit irgendjemandem anderen hier im Betrieb.
Ich konnte ihn tatsächlich ein wenig ablenken und ich finde, als er mich nach Hause fuhr, wirkte er schon wesentlich entspannter.

Nun ja…. jedenfalls sprach er nochmal den Umzug an… dass Selina ja eigentlich schon lange nach einer Wohnung sucht, aber als Alleinerziehende fände man wohl schwerer eine Wohnung, als als Arbeitsloser.
Er hätte da als Beamter natürlich wesentlich weniger Probleme, aber er kann sie nicht alleine lassen. Er sagt immer, sie tut ihm so leid und er fühlt sich schlecht, dass er sie so verletzt und wenn er sie alleine mit einem Kind und einer Wohung stehen lassen würde. Er sagte, wenn er auszieht, müsste er ihr noch einen Teil der Miete für die Wohnung zahlen, weil sie das alleine nicht zahlen könnte. Aber das ist eher das wenigere Problem. Das größte Problem ist sein Gewissen und seine Gefühle, sie quasi wirklich mit großen Problemen alleine stehen zu lassen.

Er hat ja teilweise auch recht. Allerdings frage ich mich, ob es das wert ist, dass er sich dadurch selber zerstört. Ihm geht es Tag zu Tag schlechter und ich kann nichts dagegen tun, ich kann nur zusehen, wie er immer kaputter geht und das tut mir weh, weil ich so gerne irgendwas tun würde, damit es ihm wieder gut geht. Er sagt zwar immer, dass ich momentan sehr viel dazu beitrage, dass er sich nicht komplett leer fühlt und er sich durchweg wohl fühlt, wenn er mit mir zusammen ist oder wir schreiben. Aber das bringt ja auf Dauer auch nichts, wenn er nichts an seiner momentanen Situation ändert. Außerdem fängt er an, sich zurückzuziehen. Er hat kaum Lust, aus der Wohnung zu gehen, hat keine Motivation. Relativ ähnliches Muster, wie nach seiner letzten Trennung (nach 6 Jahren), in der ihm fast die Decke auf denKopf gefallen wäre. An dem Tag, an dem es ihm so schlecht ging, habe ich ihm echt heftig in den Arsch treten müssen, um ihn zu überreden, nach draußen zu kommen und sich mit mir zu treffen. Aber immerhin habe ich es geschafft, dass wir dann noch wenigstens 45 Minuten Zeit hatten. (Der besagte Tag, als ich ihm von der Popoaktion erzählt habe).

Das letzte, was ich will ist, dass er sich komplett gehen lässt. Ich kann vielleicht nicht viel an seinem Gefühlszustand und seinem Gewissen gegenüber Selina ändern. Aber wenn er sich aufgibt, werde ich ihn noch lange nicht aufgegeben haben und immer weiter versuchen, ihn zu motivieren, aus seinem Schneckenhaus zu bekommen. Ich glaube, das könnte mir ganz gut gelingen… Er muss einfach sehen, dass das Leben auch ohne Partner schön sein kann.

Jedenfalls – er MUSS etwas ändern. Der einzige Weg ist eigentlich wirklich nur der, dass er endlich aufhört so beschissen selbstlos zu sein und einfach mal an sich denkt und auszieht. Selina wird das schon schaffen. Dann zahlt er halt noch einige Zeit die Miete ein wenig mit, wenn er sagt, das sei kein Problem. Er muss sich einfach von seinem Gewissen lösen.
Außerdem, ganz ehrlich? Vermutlich täte es Selina auch nicht schlecht, die räumliche Distanz zu ihm, meine ich.

Aber was hat das jetzt alles eigentlich mit der Autobiographie und meiner Therapie zu tun?!?! Mann, da bin ich wieder völlig vom Thema abgerutscht.

Jedenfalls, ja, Frau Klaas möchte eine Autobiographie von mir. Sie denkt nämlich, das ist die einzige Möglichkeit, dass sie mich mal besser kennen lernt. Denn obwohl sie sich die letzten Termine echt viel mehr Zeit genommen hatte, als sie müsste (eine reguläre Stunde geht eigentlich 45 Minuten. Mir gab sie jeweils 90!!!), schaffen wir es einfach nicht, uns wirklich über mich und meine Vergangenheit zu unterhalten. Eben weil momentan so viel anderes los ist.

Puh… also denn… ich mach mich jetzt mal an die Arbeit. Selbsttherapie durch Autobiographie. Juchu…………..Nicht.