Kopfsache. Ich werde kein Roboter.

Oh Mann. Ich habe richtig Angst vor der Prüfung nächste Woche. Ausgerechnet diese blöde Datenverarbeitung. Excel. Formeln. Funktionen. Verschachteltwenn. Verschachteltwennnicht.Verschachteltwenn-wennnicht-wenn-leckmichdochamArsch. Ich werde es ganz sicher volle Kanne verhauen. Ich denke sowieso nicht, dass ich die Prüfungen schaffe. Wie nennt man das nochmal? self destroying prophecy. Könnte schon stimmen. Bzw. glaube ich sogar relativ fest daran, dass diese selbsterfüllenden Prophezeiungen eher wahr als falsch sind, aber ich kann gar nicht anders denken, weil anders nicht realistisch wäre.

Ich bin kein Zahlen-Mensch und kein Formel-Mensch. Ich habe einfach kein Gefühl für Zahlen. Ich bin eigentlich ein relativ logisch-denkender Mensch (zumindest hatte ich nie Probleme mit Logik), aber verbunden mit Zahlen? Kann man mich vergessen. Ich glaube, in meinem ganzen Leben hatte ich noch nie eine bessere Note als eine 4, wenn es um Zahlen ging. Ich kann’s einfach nicht. Weder das, noch dieses absolut straighte passende Formeln für eine Aufgabe finden.

Wir sind ja zudem auch noch die erste Klasse dieser neuen Form von Bürokauffrau … „Kauffrau für Büromanagement“ (jetzt lassen sie’s aber richtig raushängen mit ihren Fachbegriffen……………) Das heißt, wir haben komplett neue Fächer, neue Lerninhalte und vor allem neue Vorgehensweisen. Für die ganzen Lehrer waren wir quasi „Versuchskaninchen“. Was zu meinem großen Nachteil werden sollte. Denn kein Mensch konnte mir zum Beispiel bei dieser gottverdammten Buchhaltung weiterhelfen, weshalb ich zum Dank im letzten Schuljahreszeugnis eine glatte 6 in Rechnungswesen (KSK) hatte………….
Die Freundin von meinem Cousin hat vor zwei Jahren ihre Ausbildung mit einem 1er-Durchschnitt bestanden. Sie ist in Buchhaltung ein Profi schlechthin. Allerdings konnte sie mir nicht weiterhelfen. Als sie unsere neue Vorgehensweise sah, hat sie nur Bahnhof verstanden. Und ihre Art habe ich einfach nicht kapiert, weil sie komplett anders war, als wie wir es neuerdings in der Schule lernen. Großartig. Und das war bei allen Leuten so, bei denen ich angelaufen kam, damit sie mir helfen. Unsere Ausbilder haben sich sogar extra schulen lassen, damit sie uns helfen können – leider war es da schon zu spät.

Ich werde es so oder so nicht schaffen. Ich kann machen was ich will. Ob ich da nun 8 Stunden am Tisch hocke, Nüsse fresse (weil sie ja angeblich gut für’s Hirn sind) und büffele oder ob ich einen Kopfstand mache und eine deutsche Schulhymne für Versager singe. Alles Wurst wie Käse, weil ich einfach für den ganzen Mist nicht geboren bin.

Ich bin nun einmal kein Zahlen-Daten-Fakten Mensch. Werde ich vermutlich auch nie sein. Warum ich diese Ausbildung ausgesucht habe, war eigentlich ein reines „Praxisgefühl“. Ich kann gut mit Menschen umgehen, bin sehr umgänglich, habe also auch absolut kein Problem damit, auf unsere Kunden zuzugehen und ich schaffe es aus irgendeinem Grund sogar richtig erhitzte Köpfe zu beschwichtigen, wenn sie sich wegen irgendwas bei uns beschweren.
Als ich vor 3 Wochen im Rahmen der Ausbildung im Landratsamt ein Praktikum gemacht habe, hat mich die Chefin dort mit den Worten gelobt, ich sei bisher die beste Praktikantin gewesen – und sie hatte bisher überwiegend irgendwelche Studenten als Praktikanten. Herr *Kal aus dem Personalwesen meinte sogar, ich dürfte mich sehr gerne nach meiner Ausbildung bei ihnen melden.
Ich will mich damit jetzt nicht selber loben, sondern einfach klarstellen, dass dieser Job eigentlich perfekt für mich ist. Es geht wirklich einfach um die Theorie. Um den Schulstoff. DAS ist es, was ich nicht kann, was mich einen Bockmist interessiert, was mich einfach anstrengt, was ich nicht kapiere.

Wenn es also um den Schulstoff geht, hätte ich etwas ganz anderes lernen müssen. Gut, dieses Jahr bin ich ganz gut am Start, allerdings echt nur mit großer Anstrengung und weil wir Themen haben, die mich ein wenig interessieren. In GPK (Geschäftsprozesse und Kommunikation) haben wir dieses Jahr zum Beispiel überwiegend das Thema Kommunikation. Dass ich dort auf einer glatten Eins stehe, ist kein Wunder, weil mich Kommunikation brennend interessiert und ich es aufregend finde, was man alles damit anstellen kann. Aber dieses monotone/n Buchhaltungs-Gedöhnse, qualitative und quantitative Angebotsvergleiche, ABC-Analysen, Bezugskalkulationen, schießmichtotundhaumichblau. Das geht einfach nicht in meinen Kopf rein.

Das eigentliche Problem an der ganzen Sache ist die, dass ich den einzelnen Stoff an sich vielleicht ganz gut auffasse und sogar verstehe – aber die Zusammenhänge kapiere ich absolut nicht. Das war ja auch der Grund, weshalb ich die letzte Schulaufgabe in BMP (Büromanagementprozesse) verhauen habe. In den Stegreifaufgaben durfte ich mich über diese Einsen und Zweien freuen und in der Schulaufgabe bin ich noch gerade so mit einer 4 durchgekommen (ich war am Boden zertsört, das dürft ihr mir glauben).

Im Endeffekt habe ich keine Chance.
Eigentlich sind wir alle doch nur irgendwelche Zahlen (seit einiger Zeit ist es sogar unsere Pflicht, Neugeborene als ZAHL zu kennzeichnen – krankhaft und pervers finde ich das). Wir werden von den „hohen“ Arschlöchern und Machtsüchtigen dazu getrimmt zu irgendienem funktionierenden, perfekten Etwas zu werden, wobei die Menschlichkeit fast komplett außer Acht gelassen wird. Ich habe nicht die Absicht zu einem Staats-Roboter zu werden, nur weil sie das so von uns wollen. Das ist ja fast so eine indirekte Form der Hitler-Krankheit (womit ich das jetzt nicht direkt mit Hitler vergleiche) sondern lediglich damit, dass wir uns alle einem krankhaften Gehorsam unterwerfen und uns darüber wundern, dass die Welt immer schlechter wird, dabei sind wir selber Schuld, weil wir es ja zulassen und nichts dagegen tun.

Mir egal. Wenn ich irgendwann der einzige Mensch mit einem eigenen Willen und Ziel und Leben und mit eigenen Bedürfnissen sein werde, dann bin ich eben der letzte und einzige menschliche Mensch unter abermilliarden Robotern.

 

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