Wie es ist, seit 9 Monaten zusammen zu wohnen.

Ich finde mich scheiße, so, wie ich jetzt bin. Meine Grundhaltung „scheißaufalles“. Das ist einfach nicht okay. Vor allem nicht Kora gegenüber. Ich finde es unfair, wie ich sie in letzter Zeit behandelt habe, diese ganzen Lügengeschichten und die Sachen mit Mark. Dass ich mich mit ihm getroffen habe, zum Beispiel, als wir unseren großen Streit hatten und sie eigentlich eine Woche bei ihrer Schwester schlafen wollte.

Und auch die anderen paar Male, an dem ich mich mit ihm getroffen habe. Ich wunder(t)e mich, wieso ich kein schlechtes Gewissen habe und hatte darauf folgend ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr gegenüber kein schlechtes Gewissen hatte. Teufelskreis.

In den letzten Tagen ist es aber so, dass es zwischen mir und Kora wieder viel besser läuft. Wir haben nicht mehr so oft Streit, eigentlich fast gar nicht mehr. Unsere Reibereien bleiben bestehen, aber ich denke, das ist normal. Klar gibt es ab und zu so Momente wo sie wieder ihre Motzphase an mir auslässt oder der Frust von der Arbeit. Dann weise ich sie darauf hin und sage: „Hey! Ich bin nicht dein Chef!“ Dann geht ihr ein Licht auf, sie entschuldigt sich und es ist alles wieder gut. Wir lächeln uns viel öfter wieder an (ich habe eine Ewigkeit kein Lächeln mehr von ihr bekommen, sondern immer nur Zornesfalten) und wir liegen ab und an zusammen auf der Couch und schauen bei Amazon Perception (weil die 10. Staffel von Criminal Minds haben wir ja schon durch….-ich muss heulen). Wir freuen und gemeinsam auf Juni, wenn endlich die neue Staffel von Orange is the new black erscheint. Wir essen gemeinsam und kochen(manchmal) gemeinsam und wir sagen uns endlich wieder guten Morgen, wenn wir aufwachen. Dem war ja lange nicht mehr der Fall. Meisten hat der Wecker geklingelt und etweder ist sie oder ich als erstes wortlos aufgestanden. Wir haben uns (an)schweigend für die Arbeit fertig gemach und außer einem monotonen „Tschüss, Schatz“ oder „Bis heute Abend“, war kaum noch eine Sekunde übrig.

Ich glaube, es stimmt, dass ein überstürztes Zusammenziehen viele Beziehungen kaputt machen kann. Es ist eine Veränderung von 0 auf 100, weil man sich viel mehr den Bedürfnissen und Wünschen und dem Geschmack(und Nichtgeschmack) des anderen einstellen muss. Ein Gleichgewicht zu finden ist schwerer, als ich dachte. Denn natürlich kann sie genauso wenig meine komplette Lebenseinstellung annehmen, wie ich ihre. Da muss man halt irgendwie versuchen, das auszuwiegen. Und das ist knallthart.

Es fing ja schon beim Einrichten an. Wir haben komplett andere Geschmäcker. Naja, nicht komplett, aber in vielen Dingen hatten (haben wir immer noch) unsere Uneinigkeiten. Sie wollte zum Beispiel unbedingt so ein saftig-hellgrünes Expidit im Wohnzimmer, bei dem ich sofort gesagt habe, dass ich dann gleich wieder ausziehe. Zum Glück konnten wir uns darauf einigen, dass wir dieses heißgeliebte Ding in den Vorraum stellen (was – zugegeben – mit den anderen hellgrünen Schuhschränken gar nicht ganz so schlecht aussieht). Auch mit der Deko hatten wir unsere Probleme. Oder dass ich auch eine Lampe an der Decke wollte und nicht nur die Stehlampe in der Ecke, weil ich das einfach zu dunkel finde – vor allem zum Lernen. In der Küche haben wir keine Hängeschränke, weil sie meint, für die 2 Jahre ist das nicht nötig. Ich bin da ganz anderer Meinung.
Unsere Küche ist zwar hübsch, aber alles andere als heimelig oder gemütlich. Sie sieht viel mehr aus wie so Ausstell-Küchen bei Hirschvogl. Kalt und lieblos.
Na ja, und noch ganz viel anderes Faselblub, in denen wir einfach nicht derselben Meinung sind.

Und wenn die ersten Probleme mit dem Einräumen und dem Möbelgeschmack geklärt sind, fangen die Nächsten an. Das Essverhalten(sie weiß selten bis nie, was sie essen will, und wenn ich dann Vorschläge mache, ist sie mit keinem davon zufrieden. Sowas bringt mich zur Weißglut), die Alltags-Vertreiberei (sie möchte am liebsten den ganzen Abend mit mir kuschelnd vor’m Fernseher sitzen. Aber wenn mich das Zeug, was im Kasten da läuft, nicht interessiert, warum MUSS ich dann unbedingt blöd daliegen und darf nicht einfach am Laptop schreiben? Sie hasst meinen Laptop, glaube ich. Und ich hasse den Fernseher), die Wäsche (ich finde es scheiße, dass sie die Wäsche in der Küche aufhängt, da könnte ich immer wieder das Kotzen kriegen, aber wenn ich ihr da reinrede, flippt sie völlig aus). Wie auch immer. Ich könnte noch tausend Sachen aufzählen.

Am Anfang war es ja so, dass wir beide uns vieles gefallen lassen haben, was wir eigentlich am Anderen zum Kotzen fanden. Dann kam die Phase, in der wir den ganzen Mist, der in uns angestaut war, einfach ausgelassen haben. Das war die Zeit, in der wir nur noch Streit hatten und sie mir tagein, tagaus gesagt hat, was ich zu tun und zu lassen habe und was ich alles falsch mache und tralala. Jetzt kehrt gerade die Phase ein, in der wir merken, wie das Zusammenleben wirklich funktioniert. Nämlich, dass man sich weder Hasstiraden an den Kopf werfen, noch sich alles gefallen lassen sollte, sondern alles irgendwie versucht auszugleichen.

Ich denke, seit wir das gemerkt haben, funktioniert es wieder besser. Aber das ist ja erst seit Kurzem so. Ich hoffe wirklich, dass es so ist, wie ich denke und das nicht nur eine „gute Phase“ ist. Ich hoffe, so, wie es jetzt ist, bleibt es für länger. Am Schönsten wäre es, wenn es noch ein kleines bisschen besser (und manchmal nicht so angespannt) werden würde.

Aber mal abwarten. Im Endeffekt entscheidet alles die Zeit.

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