Ein Leben in Komischhausen

Als ich vor 4 Jahren aus der Psychiatrie hierher gekommen bin, war das völliges Neuland für mich. Psychisch kranke Menschen kannte ich bis dahin ja dann doch schon gut genug und meistens empfand ich sie als viel menschlicher und umgänglicher als die vermeintlich „Normalen“.

Aber das Sozialdorf, in das ich einzog, das war… etwas völlig anderes.

Allgemein

Kurze Erklärung zu unserer Einrichtung (Ausschnitt aus der Website)

Seit 1946 wird *Hilsdorf vom Verein „*** e. V.“ getragen.

 

Hilsdorf versteht sich als

ORT ZUM LEBEN

Im Rahmen einer offenen Dorfgemeinschaft erfahren Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Problemen, Krankheit oder Behinderung Hilfen zur persönlichen, sozialen und beruflichen Entwicklung oder Heimat und Pflege im Alter.
Daneben bietet Hilsdorf Beratungsdienste, Tagesstätten, Arbeitsmöglichkeiten und Wohnungen in Orten der Umgebung an.

Das Erste, was mir aufgefallen war… nun ja, das war dieser unsagbar schöne Ort! Das viele Grün, die Bäume, die Berge, die Kühe und Pferde in jeder Ecke… Als nächstes war es diese Ausstrahlung, die von den Menschen kam. Sie wirken so viel offener, freundlicher und herzlicher als in München.

Man erlebt eigentlich ein ganz normales Dorf. Mit seinen 900 Einwohnern total malerisch zwischen zwei Orten gelegen. In dem einen Ort wohne ich momentan. Aber in Hils (so kürzen wir das unter uns immer ab) habe ich drei Jahre direkt gelebt, da dort unsere therapeutische Wohngruppe war. Wir und noch eine weitere, allerdings heilpädagogische, Wohngruppe waren die einzigen von ca. 10 Wohngruppen, die sich direkt in Hils befinden.

Alle anderen waren in den zwei Orten verteilt.

In Hilsdorf, der besonderen Dorfgemeinschaft, finden Menschen Lebensraum auf Zeit oder auf Dauer, begleitet von Fachleuten aus sozialen, medizinischen, pflegerischen, handwerklichen, kaufmännischen und technischen Berufen. Darüber hinaus bieten wir Berufsbildungsmöglichkeiten in 41 Berufen, differenzierte Förder-, Therapie-, Bildungs- und Betreuungsangebote. Viele Mitarbeitende mit ihren Angehörigen, die in Hilsdorf leben, prägen das ganz normale und doch so besondere Ortsbild mit.

 

Menschen

Sich dort einzuleben war seltsam, aber nicht schwer. Ich kann mich noch gut an meine erste Woche in Hils erinnern, in der ich mit meinem ehem. Betreuer A*( mir fällt gerade kein passender Name ein, urgh) in dem kleinen Markt in Hils einkaufen wollte. Uns lief schon die ganze Zeit eine Frau hinterher. Ziemlich gemächlich aber doch irgendwie flott.

Ich weiß nicht, kennt einer von euch den Film „Mein Nachbar Totoro“? Dieses große Plüschding hatte immer einen kleinen Begleiter. Er selbst in weiß und in mini. Irgendwie erinnert mich diese Frau an dieses Ding.

Jedenfalls lief sie uns hinterher, dann hielt sie uns auf und fragte: „Hast du Bonbons für mich? Ich hätte so gerne Bonbons. Hast du Bonbons?“

„Ähm.. nein“, habe ich gesagt, „aber ich gehe gerade in den Markt. Soll ich Ihnen welche…?“

„Ich will Bonbons. Hast du Bonbons?“- hatte sie mich unterbrochen und ich habe A. hilflos angeschaut, als ich merkte, dass sie irgendwie „anders“ war.

„Tut uns leid. Wir haben keine Bonbons“, hatte mir A. dann geholfen. Wir gingen weiter über die Straße und kurz vor dem Markt hielt uns die Frau wieder auf. Sie stellte sich vor mich, mit ihrem Totoro-ähnlichen Gesicht und sagte: „Ich bin ein Bäääär und ich habe riiiiieesen Hunger!“

Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte, sah sie nur entsetzt an. A. legte mir einen Arm um die Schulter und sagte: „Dann sollten wir jetzt wohl besser gehen“. Er drehte mich von ihr weg und wir gingen in den Markt.

Das war meine erste Erfahrung in Hils, die mir ziemlich stark im Gedächtnis geblieben ist. Ich muss dazu sagen, dass das natürlich keine Ausnahme war. Jeden Tag begegnete ich diesen Menschen und jeden Tag begegne ich ihnen heute noch und sie gehören so fest in meinen Alltag wie der Kaffee am Morgen und das Licht am Tag.

Ich arbeite ja noch in Hils, auch wenn ich nicht mehr direkt in dem Dorf wohne, nachdem ich ja letztes Jahr im Mai in die Verselbstständigung gegangen bin und jetzt mit Kora in einer Wohnung wohne (inoffiziell, weil offiziell habe ich ja das Einzimmer Apartment weiter „oben“ in diesem Dorf).

Ich habe vor zwei Jahren meine Ausbildung in Hils angefangen. Eine unterstützte Maßnahme, deshalb bekomme ich ja auch kein Geld (nimmt mit das Arbeitsamt und Jugendamt weg).  Ich war, als ich mit meiner Ausbildung damals angefangen habe, psychisch noch nicht so ganz auf der Höhe…. Das ist noch ziemlich nett ausgedrückt. Vor zwei Jahren hatte ich sogar noch meinen letzten Selbstmordversuch – krass! Ich kann das heute überhaupt nicht mehr nachvollziehen!!!! – Aber egal, ich will ja so objektiv bleiben wie möglich, sonst wird’s zu lang.

Ich mag die Menschen dort. Sie sind umgänglich, wirklich „komisch“ (wenn man sie nicht gewohnt ist), aber herzlicher als jede andere Gemeinschaft, die ich je kennengelernt habe… Ich kenne mittlerweile so gut wie jeden (zumindest vom Sehen). Jeder hat seine eigenen großen Päckchen zu tragen. Ich kann leider gar nicht anfangen von jedem Einzelnen etwas zu erzählen, obwohl das wirklich interessant wäre. Ich finde, jeder von ihnen hätte eine eigene kleine Geschichte verdient – einfach, weil sie so besonders sind! Aber dann würde ich in 100 Jahren nicht fertig werden. Alleine schon die ca. 20 Leute an der Bushaltestelle jeden Morgen… das wäre noch nicht einmal die Hälfte aller außergewöhnlichen Menschen, die ich euch gerne vorstellen würde. Na ja, vielleicht ein andermal in einem anderen Beitrag.

 

Arbeitswelt

Natürlich sind nicht alle Meschen, die in Hils arbeiten oder sogar wohnen(!) körperlich, geistig oder seelisch krank. Ca. die Hälfte davon sind nämlich Sozialpädagogen, Psychologen, ganz „normale“ Verkäufer (im Markt zum Beispiel, aber auch in unserer eigenen Gärtnerei, Metzgerei und Bäckerei).

Ich mache eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement (sie lassen es heutzutage richtig raushängen mit ihren Fachbegriffen……) einfach: Bürokauffrau. Meine Chefin ist Frau *Keller. Eine kleine, flotte, quirlige Berlinerin und Strukturfreiheit in Person. Sie und Frau *Fichtel sind für alle Auszubildenden im Büro zuständig.

Ich habe keinen festen Arbeitsplatz. Wir haben einen „Rotationsplan“. Im Bikk-Gebäude (da, wo ich arbeite) haben wir verschiedene Abteilungen. Mediengestaltung, Büro, Spendenreferat, Öffentlichkeitsreferat, IT.

Ich war nun schon in verschiedenen Bereichen vom Büro. Die ersten Monate im OLM (Office Layout Multimedia) – ich habe viel an unserer Website gearbeitet (inhaltlich), im Bereich für Barrierefreiheit (abgekürzt *LOU), Marketing (selbsterklärend), Empfang, zwei Wochen habe ich ein „externes“ Praktikum im Rahmen der Ausbildung beim Landratsamt gemacht und nun bin ich in der Buchhaltung.

Die Buchhaltung befindet sich in der Verwaltung. Das ist ein eigenes, uraltes Gebäude in der Parallelstraße vom Bikk-Gebäude. Dort haben wir die Sozialverwaltung, die Rechnungsprüfung, unseren Direktor, seine Chefsekretärinnen (Celene), das Freizeit- und Bildungswerk, Rechnungswesen, die Ablage und die Buchhaltung.

Dort arbeiten zum Beispiel nur „normale“ (schrecklich, dass sich dieses Wort nicht vermeiden lässt) Mitarbeiter. Es ist alles sehr familiär und total freundlich und herzlich, wobei die Professionalität nicht aus den Augen gelassen wird. In der Verwaltung ist alles super organisiert und strukturiert. Das kann ich jetzt vom Bikk eher weniger behaupten. Da läuft vieles nicht ganz so, wie es laufen sollte und zudem bin ich immer unterfordert. Das liegt eben zum Teil daran, dass sie davon ausgehen, dass wir nicht so leistungsfähig sind. Mit „wir“ meine ich uns Auszubildenden. Wir sind dieses Jahr wohl die ersten Azubis, die ein „normales“ Arbeitspensum gewohnt wären und auch nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen sind – auch nicht in Stress-Momenten. Deshalb kommt es oft (na ja, fast immer) im Bikk vor, dass wir Aufgaben für 4 Stunden bekommen, die wir dann allerdings in 10 Minuten erledigt haben und dann blöd da sitzen, weil alle im Team sind und nichts anfällt.

In der Verwaltung ist das Gott sei Dank nicht so. Ich habe immer etwas zu tun. Momentan sind sie leider auch hier ein wenig überfordert mit mir, weil ihnen immer wieder die Arbeit ausgeht (heute war ein echt träger Tag!). Das liegt aber eben daran, dass die Leute da alle diese schnelle Arbeitsweisen von Azubis schlichtweg nicht gewohnt sind.

Aber ich bin trotzdem zufrieden. Ich mag die Arbeit, vor allem momentan! Ich mag es, gefordert zu werden und ich mag die Menschen dort – alle! Ich habe mir dieses Jahr noch keinen Tag Urlaub genommen, weil ich es nicht vermisse. Ich brauche ein wenig Stress, um zufrieden zu sein. Ich ertrage Tage nicht, an denen nichts los ist oder alles viel zu gemütlich abläuft (deswegen bin ich auch so froh, dass die Zeit im Bikk nun für die nächsten 5 Monate erst einmal herum ist).

Also, um jetzt einfach mal zum Ende zu kommen:

Ich liebe das Leben hier. Ich liebe die Menschen, ich liebe die Arbeit, ich liebe die Landschaft und ich will nicht mehr weg von hier.

 

1. Teil [Jola]

  1. Juli 2012

Liebes Tagebuch… liebe Leyla (hört sich besser an)


heute war wieder ein Scheißtag. Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, wieso ich überhaupt Tagebuch schreibe, wenn ich doch sowieso bloß melodramatische Klugscheißereien zu schreiben habe.
Ich würde dir so gerne mal erzählen, dass ich etwas Schönes erlebt habe. Na ja, zum Beispiel, dass ich im Meer schwimmen war und bis zur anderen Insel geschwommen bin. Oder dass Jenna, Sarah und ich mal etwas „cooles“ mit den anderen aus unserer Klasse gemacht haben. Oder vielleicht von meinem ersten Kuss (der sowieso niemals stattfinden wird) oder einer Rose, die in der Tür steckte – für mich.
Aber ich muss dich enttäuschen, wie immer. Ich bin eben nicht dieses Mädchen, das viel zu erzählen hat. Das viele Dinge erlebt. Das mit seinen Eltern nach Paris oder Monte Carlo oder Kalifornien fliegt und außergewöhnliche Abenteuer erlebt, denn ich bin nun einmal nicht außergewöhnlich. Ich bin, wie ich bin.
Einerseits denke ich, es ist ganz gut so… andererseits bin ich auch oft traurig und würde mein Leben gerne durch das eines anderen eintauschen.
Eigentlich ein dummer Gedanke, wenn man bedenkt, dass man nur ein Leben hat. Und eigentlich bin ich doch auch noch recht jung, oder? Als meine Mama 15 war, hat sie schon gearbeitet, gekocht, Wäsche gewaschen – fast den ganzen Haushalt selber geschmissen und meiner Oma unter die Arme gegriffen.
Im Gegensatz dazu bin ich ja geradezu faul. Zuhause bin ich draußen im Hof, lese, schreibe oder sitze am Laptop und schreibe mit irgendwelchen Internet-Phantomen, die ich eher meine Freunde nennen kann, als Jenna und Sarah. Traurig, oder?
Außerdem bin ich noch in der Schule. Hauptschule. Wie sich das schon anhört! Ein Haufen voller Intelligenzgestörter und Schlägerbräute.
Aber so bin ich nicht, wirklich. Es ist mir immer wieder peinlich, dazu stehen zu müssen. Ich würde mich niemals zu der Menge einer Hauptschule zählen und gleichzeitig finde ich es gemein, dass wir Hauptschüler, von den Menschen da draußen, alle über einen Kamm geschert werden.
Ich bin anders als die anderen.
Ich meine, ja, ich weiß – jeder ist anders als die anderen. Aber ich bin ganz bestimmt nicht wie die! Wie Monika, Edona, Bella… und die restlichen 95 % meiner Klasse (und Schule).
Edona war heute übrigens bei uns in der Hütte und wollte sich einschleimen.
Sie hat Sonnenöl gebraucht, aber weder Jenna, Sarah noch ich sind solche Tussis wie die aus ihren Kreisen, die Sonnenöl brauchen. Sie hat dann einfach Sonnencreme genommen und sie Jenna in die Hand gesteckt, damit sie eingeschmiert wird.
So etwas würde ich mich nie trauen. Und dann fing sie an den beiden Komplimente noch und nöcher zu machen und ich saß da und dachte mir so: Ja, ist klar. Du kannst auch einfach sagen, dass ich scheiße aussehe. War ja nie anders. Weißt du ja.
Und dann drückte sie noch den unnötigsten Satz raus, den die Weltgeschichte je gehört hatte: Deine Haare hätte ich gern.
Nein, nicht: du hast schöne Haare, oder „mir gefallen deine Haare“… bloß..“deine Haare hätte ich gern“.. Bullshit.
Kann ich mir auch nichts von kaufen.
Kann sie vielleicht Krebspatienten spenden, die sich Perücken aus Echthaar wünschen. Wäre immerhin sinnvoll.
Ob ich nun ne Glatze trage oder nicht, ändert an meinem Gesicht wohl auch nichts mehr. Rund und pickelig, kleine Augen, fettige Haut. Ach, ist doch nichts mehr zu helfen.
Ich geh jetzt schlafen.

–  Jolas Tagebuch

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[Lügenkind]

Ich war ein Lügenkind. Ich war ein Einzelkind. Bin.
Und eigentlich sollte man meinen, dass es Einzelkinder gut haben. Sie kriegen doch alles hinterher geworfen. Die Eltern würden alles dafür tun, damit man glücklich ist – das einzige Kind! Das unterstreiche ich alles genau so.

Meine Eltern haben mir immer alles zugeschmissen. Sie haben mir Honig um den Mund geschmiert, mich auf Händen getragen. Ich war[bin] ihr Ein und Alles. Ich weiß, dass sie mich lieben. Sie lieben mich heiß und innig und sie haben wahnsinnige Angst, mich zu verlieren. Weil ich ihr einziges überlebendes Kind bin. Mein letztes Geschwisterteil ist 12 Jahre vor meiner Geburt an einem Genfehler gestorben. Meine Schwester ein Jahr zuvor und das eigentlich älteste Geschwisterstück wäre heute schon 36! Wahnsinn….

Ich verstehe, dass ich dann für meine Eltern etwas Besonderes sein muss. Ein kerngesundes [na ja, sehen wir mal von den ganzen psychischen Defekten ab] Kind, glücklich, nervig, laut. Wie jedes andere normale Kind eben.

Ich denke, ich sollte glücklich sein für diese Eltern, die ich habe. Aber bin ich nicht. Und wenngleich mich das schlechte Gewissen für solcherlei Gedanken geradezu von Innen heraus zerfrisst, kann ich nicht anders, als dazu zu stehen.

Ich wollte nie schlecht über meine Eltern reden, weil es eigentlich keiner verdient hat, der ein Leben auf die Welt gesetzt hat, der 9 Monate ein Lebewesen im Bauch getragen hat und sich dann monatelang durch Tage und Nächte gequält hat, große Sorgen hatte und die schlimmsten Ängste und Gedanken durchlebte, wenn das eigene Baby das erste Mal im Kindergarten war. Ich kann alles gut nachvollziehen.

Aber ich habe heute entschlossen, darüber zu reden. Darüber, dass ich eigentlich wundervolle Eltern habe von denen ich weiß, dass sie mich mehr lieben als alles andere auf dieser Welt. Aber leider reicht die Liebe alleine meistens nicht, um alles „gut“ zu machen.

Ich hatte nie eine Struktur in meiner Kindheit. Wir lebten alle unter einem Dach, meine Mutter, mein Vater und meine Oma (mütterlicherseits). Trotzdem aber nur nebeneinander her. Es gab nie, jedenfalls nicht, dass ich mich erinnere, ein Beisammen. Es gab kein gemeinsames Frühstück, kein gemeinsames Mittagessen, geschweige denn ein Abendessen. Es war okay, ich kannte es nicht anders.

Ich weiß noch, wie ich es als 6-Jährige einmal versucht hatte meine Familie an Tisch zu zerren, damit wir gemeinsam zu Abend essen. Um dem kleinen Mädchen einen Gefallen zu tun, setzten wir uns tatsächlich zusammen an den Tisch, aber es war ein jämmerlicher Reinfall. Jeder klägliche Versuch ein Gespräch anzufangen scheiterte. Damit verlief das Abendessen so, dass ich meiner Mama beim Brot abbeißen zusah und meinem Papa beim Suppe schlürfen zuhörte, während meine Oma gedankenverloren in ihrem Essen stocherte und ab und zu eine kleine Gabel in den Mund stopfte, um minutenlang darauf herumzukauen.
Ich startete nie wieder so einen Versuch.

Ich konnte meinen Eltern auf der Nase herumtanzen. Ich spielte das aus. Nicht umsonst haute ich immer wieder von Zuhause ab und kam meistens erst nach Mitternacht wieder nach Hause. Manchmal bemerkten es meine Eltern nicht einmal, dass ich weg war. Wie gesagt, wir lebten alle einfach nur nebeneinander her.

Ich war nicht etwa bei Freunden oder trank Alkohol oder nahm Drogen. Ich spazierte lediglich durch die Nacht und ich fühlte mich geborgen. Es kümmerte keine Menschenseele, wenn sie ein 11 oder 12-jähriges Mädchen nach Mitternacht auf der Straße spazieren sahen. Es ist nun einmal doch irgendwie wahr: die Nacht macht unsichtbar. Und vermutlich habe ich sie genau deshalb immer so geliebt. Ich war einfach durch die toten Straßen gelaufen, leer und still, als lebe hier kein Mensch auf dieser Erde, und hatte in den Himmel gestarrt. Bei meiner Tollpatschigkeit wundert es mich, dass ich kein einziges Mal gestolpert bin, wie ich so in die Sterne starrend durch die Straßen gelaufen bin. Und ich hatte geweint. Mir waren oft die Tränen gelaufen und oft habe ich zum Himmel gesprochen und ihn gefragt, als könnten mir die Sterne eine Antwort geben: „Wieso bin ich so allein?“

Ich habe mich nie geborgen oder sicher gefühlt. Ich hatte mein Leben lang keine Bezugsperson und keine Vertrauensperson. Meine Eltern wurden lediglich zu meinen Erzeugern. Meine Familie war nie perfekt – nicht so, wie ich es meinen Freunden immer vorzugaukeln versuchte. Ich weiß, keine Familie ist perfekt. Und meistens vergleiche ich mich mit wirklich richtig armen Seelen, nur um mir Trost zu schöpfen: „Hey, so arm dran bist du gar nicht“.

Wenn ich diesen Vergleich weg lasse und einfach nur den objektiven Stand betrachte, dann könnte ich auf der Stelle wieder losheulen und mich im selben Moment wieder selber dafür hassen – sich so in Selbstmitleid zu suhlen!

Aber es ist, wie es ist. Ich lief also fast täglich von Zuhause weg, um dieser Trostlosigkeit und Leere zu entkommen, die bei uns Zuhause herrschte. Um meinem alkoholkranken Papa zu entfliehen, der meine Oma auf den Tod nicht ausstehen konnte und die sich manchmal regelrecht die Köpfe einschlugen und meiner überforderten Mutter, die in ihrer Verzweiflung einfach… nichts tat.

Ich suchte irgendwas in dieser Nacht. Ich weiß nicht was. Ich hoffte auf irgendwelche imaginären Arme die sich mir ausbreiteten und in die ich hineinlaufen konnte. Meistens steuerten mich meine Füße in den stockdunklen Stadtpark, der in seiner Ruhe und Dunkelheit eigentlich nicht unheimlicher sein konnte, trotzdem war ausgerechnet das der Ort, an dem ich mich meistens auf den kalten Boden fallen ließ und hemmungslos weinte und schluchzte und schniefte und wimmerte weil ich wusste, dass mich niemand hören würde, außer diese erbarmungsvolle Nacht. Und die Sterne.

Ich beneidete meine Freunde. Roja für ihre älteren Geschwister, die immer da waren. Sina für ihren Verwandten, von denen sie so oft erzählte. Cleo für ihre Tante. Jeder um mich herum hatte einen Menschen. IHREN Menschen. Ein Mensch, der einem Kind ein Ohr und ein Herz und Arme schenkte, in die es sich hineinwerfen und weinen konnte. Ich fing erst mit 13 Jahren an mich zu fragen, warum ich nicht so einen Menschen habe. Warum ich mich immer auf den kalten Boden lege, um zu weinen, wieso es keine Seele gibt, der ich meinen Kummer ins Gesicht brüllen kann.

Es gab einmal so eine Person. Meine Tante. Ich sah sie selten – einmal im Jahr, wenn es gut lief. Ich habe sie heiß und innig geliebt. Ich habe geliebt, wie sie mit  mir die lächerlichsten Spiele gespielt hat, wie sie mir heimlich Eis gegeben hat oder mich an abendlichen Besuchen aus dem Zimmer geholt hat, mich auf ihren Arm gehoben hat und mit mir getanzt hat. Sie war eine so fröhliche und glückliche Frau. Ich habe sie so geliebt. Ich liebe sie. So sehr.
Sie lebt nicht mehr. Sie ist 2008 an Krebs gestorben. Innerhalb von wenigen Monaten wurde sie zu einer Puppe aus Knochenarmen. Zu einer alten Frau mit schneeweißen Haaren und eingefallenen Wangen – und das mit 48 Jahren. Eine Welt ist für mich zusammengebrochen.

Auf einmal hatte ich eine Cousine. Janina. Sie begleitete mich jeden Tag in meinen Alltagsgeschichten, die ich meinen Freunden erzählte. Janina schlief sogar immer wieder an Wochenenden bei uns. Meistens hatten Janina und ich Streit, weil ich mein Zimmer mit ihr teilen musste und ich das total blöd fand, mein Zimmer mit einer Erwachsenen zu teilen. Janina war immerhin schon 28!
Sie hatte auch schon einen Autounfall. Meine Freunde haben mir alle ihr Beileid ausgesprochen und meine Klassenkameradin (die ich damals fälschlicherweise auch noch eine Freundin nannte), fragte immer wieder wie es Janina ginge und ob sie schon aus dem KH entlassen wurde.
Ich erzählte viel von Janina, weil Janina war oft bei uns und sie hatte mich schon oft gesucht, wenn ich von Zuhause weggelaufen war. Sie folgte mir bis in die tiefste Nacht, bis sie mich fand. Dann kam sie immer zu mir und nahm mich in die Arme und tröstete mich.

Die Wahrheit ist: Janina gab es nie.

Sie war einfach nur mein Geist. Mein erfundener Mensch. Der Mensch, von dem ich jedem erzählen konnte. Einfach damit jeder hörte und merkte, ich sei nicht allein, ich hätte auch einen Menschen, der für mich da ist.

Hätte ich mich damals getroffen, wäre ich gerne für mich da gewesen.

Heute ist es etwas anderes. Ich bin ja mittlerweile erwachsen – na ja, sollte ich meinem Alter entsprechend sein. Ich bemitleide mich nicht mehr für diese eine gewisse Einsamkeit. Für diese eine Tatsache, nie die Erfahrung gemacht zu haben, die alle – oder zumindest viele – Menschen um mich herum gemacht haben oder immer noch machen. Ich genieße mittlerweile die Einsamkeit sogar. Ich kann gut alleine sein.

Ich will es nicht abtun. Natürlich bin ich noch nicht darüber hinweg. Aber ich weiß, dass ich eigentlich der einzige Mensch bin, der für mich da sein kann. Wenn es keinen anderen gibt – was es ja nicht muss – dann muss ich es umso mehr selber schaffen. Klar ist es schwer, sich selbst in den Arm zu nehmen und sich selbst Geborgenheit zu schenken, wenn man das Gefühl hat in ein verdammt tiefes Loch zu fallen, das einfach kein Ende zu haben scheint. So ein tiefes Loch, dass man sich ungelogen danach sehnt einfach irgendwo auf dem Boden aufzuknallen, damit dieses gnadenlose Fallen ein Ende hat.

Ich weiß nicht, wie ich es immer wieder schaffe mich aus diesen Löchern zu ziehen. Vermutlich halte ich mich irgendwo fest und dann… mache ich weiter, als wäre nie etwas gewesen. Ich weiß nicht, wie ich die meiste Zeit meines momentanen Lebens so glücklich und unbeschwert sein kann. Ich habe keinen blassen Schimmer, wie ich andere zum Lachen bringen kann oder wie ich albern sein kann, um Freunde aufzumuntern. Meistens ist es so, dass ich mein Innenleben tagsüber einfach vergesse. Ich lebe dann einfach – meistens ohne Gedanken. Und ich BIN einfach. Ich denke meistens nicht darüber nach, was ich mache, sondern ich tue es einfach. Wenn ich eine Kuh sehe, die mich aus ihren großen Augen anstarrt und ich das Bedürfnis habe zu ihr zu gehen und sie zu umarmen, dann mache ich das! Wenn ich einen Schmetterling sehe und mich diese Zartheit so entzückt dass ich lächeln muss, dann tue ich das! Wenn ich aus purer Lust den Drang verspüre mit einer hellen Hose voller Karacho in eine schmutzige Pfütze zu stampfen, dann mache ich dass. Dann ist mir in diesen Momenten meistens scheißegal, wie mich andere Menschen betrachten oder was sie in mir sehen oder in welche Schublade sie mich einordnen.

Eigentlich komisch, denn früher war ich komplett das Gegenteil von heute.

Und dann holen mich meistens in so einsamen Momenten die Gedanken ein. Die Erinnerungen an früher, meine Lügen, meine Erfahrungen.

Und dann geschieht etwas wie jetzt – nämlich dass ich Janina vermisse.

Eine wundervolle Seele die ich erfunden habe und die jahrelang mit mir meinen Weg gegangen ist. Ich vermisse sie, obwohl es sie in Wirklichkeit nie gegeben hat. Und dann vermisse ich meine Kindheit. Diese blühende Fantasie, die ich zwar immer noch besitze, aber lange nicht mehr so, wie damals. Heute ist meine Fantasie ein Kopfgeschwür, in dem ich schwelgen und träumen kann, die ich vielleicht auch zu Papier bringen kann. Aber sie zur Realität zu machen wie damals, das schaffe ich heute nicht mehr.

 

 

Menschen

Ich frage mich, warum viele[s] so pseudo ist. Ich bin zum Beispiel pseudo zufrieden oder pseudo unbeschwert, aber in Wirklichkeit gehen mir so viele Dinge durch den Kopf. So parallel, so nebenbei, so leise, so alltäglich, so immer, dass ich sie gar nicht mehr wirklich als wichtige Gedanken wahrnehme, aber es sind wichtige Gedanken. Ich verdränge sie, weil ich Angst vor ihnen habe.

Ich lebe hier. Ich habe Menschen kennengelernt. Und ich lerne jeden Tag neue Menschen kennen. Ich lebe seit 3,5 Jahren in dieser kleinen bunten Stadt. Diese kleine bunte, fröhliche Altstadt, mit ihren lustigen Häuschen und ihren freundlichen Bewohnern. Mich kennen Menschen. Mich kennen so viele Menschen und ich weiß nicht einmal, woher. Wenn ich im Stall bin und es kommt einer Besuchergruppe stehen da mindestens fünf Leute, die mich freudig beim Namen grüßen und mich herzlich anlächeln. Andere fünf schenken mir ein Lächeln mit einem leichten Nicken. Der Spanier zum Beispiel, der letztes Jahr im Oktober seine Bilder neben meinen ausgestellt hatte (Kunstausstellung). Auch ich habe das Gefühl, jedes Gesicht zu kennen. Egal ob es der niedliche Italiener aus der Eisdiele ist, die zwei netten Frauen aus dem Bastel-Laden oder der ulkige Öko-Mann aus dem Bio-Laden. Ich kenne sogar schon jedes Gesicht aus unserem Wohnblock – ich kenne unsere Nachbarn! Und das nach wenigen Monaten. Den Griechen, der schräg gegenüber sein Restaurant betreibt und uns immer anruft, wenn ein Parkplatz vor der Haustür frei wird. Die ruhige Frau, die immer ein Desinfektionsspray dabei hat und selbst ihren Briefkasten mit Gummi-Handschuhen öffnet. Die alte Dame, ganz oben unterm Dach, die nun möchte dass wir ab 22 Uhr die Tür unten absperren und an jedem Wohnzimmer-Flohmarkt teilnimmt. Dann wäre da unsere Vermieterin. Die kleine, quirlige, runde Frau mit den roten Haaren, die immer gut drauf ist und die einfach verdammt lustig ist. Sie hat ihr Büro direkt unter unserer Wohnung und wenn ich morgens zur Arbeit oder Schule gehe, dann sehe ich ihren Bürokater Leo an der Glasfront sitzen und nach draußen schauen. Ich klopfe ihm dann sanft zur Begrüßung mit den Fingern gegen die Scheibe, worauf er mich dann mit müden Augen anblinzelt.

An der Bushaltestelle stehen jeden Morgen dieselben Menschen. Es ist komisch, seit 3,5 Jahren in einer Welt zu leben, in der das „Unnormale“ zum Normalsten des Universums wird. Geistig und körperlich behinderte, schwer psychisch kranke Menschen. Es sind eine eine Hand voll Menschen (eine Hand eines Riesen).

Das kleine Ehepaar. Oder sind es Geschwister? Oder nur Freunde? Ich weiß es nicht, aber sie sind so wuselig. Sie erinnern mich an Wiesel. Sie reicht mir bis zur Schulter. Wenn überhaupt. Der Mann genauso. Beide sind aber sicher schon über 40, verhalten sich aber wie Kinder. Ihre kleinen Pöbeleien und Witze. Das Gehampel und das laute Lachen und das Aufmerksamkeit Erhaschen. Sie hat so ein kleines Gesicht! Er auch!

Dann wäre da die ältere Frau, die immer ihren Kopf zur Seite zuckt und einer Person, die nur sie sehen kann, Dinge zuflüstert.
„Geh weg. Ich habe heute keinen Platz für dich!“
„Die sind mir heute alle zu laut.“
„Ich will nicht arbeiten. Ich will heute nicht arbeiten.“
Und manchmal antwortet ihr diese unsichtbare Person und sie muss lachen. Und dann glitzern ihre Augen und sie ist so glücklich.

Dann ist da dieser junge Mann mit seinen raspelkurzen, blonden Haaren, seinem markanten, schmalen Gesicht. Er wäre eigentlich recht attraktiv, würde er nicht immer so grimmig schauen und so geschmacklose Dinge sagen. Der, der sich einmal umgedreht hat und der Kirche den Stinkefinger zeigte. Die Kirche, die jeden Morgen direkt hinter uns an der Bushaltestelle um Punkt 7 Uhr ihre Stimme präsentiert. Kein „Ding-Dong-Ding-Dong“, sondern ein „Dong-Dong-Dong.“

Ich kenne auch den großen, mageren Mann mit dem grauen Bart und dem Cowboy-Hut, der mich an einen Bösen Sheriff erinnert und mich auch immer so ansieht. Er sprach im Bus einmal über seinen Alkoholkonsum, wegen dem er in der Diakonie gelandet ist – wo ich ja auch bin. Nur nicht wegen Alkohol, sondern weil ich mich umbringen wollte und Menschen gehasst habe und mich selbst gehasst habe und das Leben gehasst habe und weil ich traurig und trauriger und am trostlosesten war.

Und jetzt rede ich über Menschen. Über die Provinz, über meine Arbeit und über mein Leben und über mich und merke, dass ich es liebe! Dass ich es liebe und vor allem, dass ich sie liebe – all diese Menschen, die ich kennen lernen durfte.

Und ich habe Angst. Ich habe große Angst, weil ich nun weiß, dass ich alles verlassen muss. Und diese Angst verleitet mich dazu, mich einfach in ein Zimmer einzusperren, in eine Kammer, in eine dunkle, dunkle Kammer, abgeschottet von Licht und diesem Leben hier, weil ich nichts und niemanden mehr kennen lernen will. Ich will mich nicht noch mehr in diesen Ort und die Menschen hier verlieben, ich will mich nicht noch mehr in dieses Leben verlieben, wenn es in wenigen 12 Monaten vorbei ist. Dieses eine Jahr geht so verdammt schnell vorbei und dann werden wir wegziehen. Kora und ich.

Ich werde so vieles vermissen. Ich werde so viel weinen – mein Herz weint jetzt schon, wenn ich nur daran denke.

Ich würde am liebsten hier bleiben. Hier. Ich würde mir am liebsten einen Anker durch den Fuß bohren und in den Boden werfen, damit der sich dort festkrallt, damit ich nicht weg kann. Nicht von hier.

Ich will nicht weg von den lieben Menschen aus dem Stall, ich will nicht weg von meiner Arbeitsstelle, von den verdammt vielen Leuten, die ich in diesen 1 1/2 Jahren kennengelernt habe. Nicht weg von Frau Flemming, dieser unnahbaren Schönheit, der Chefin, die sich um die Barrierefreiheit kümmert, nicht weg von der ruhigen, niedlichen Leiterin des Internet-Auftrittes oder der dynamischen, lustigen Grafikerin. Ich möchte auch nicht weg von meiner Berliner Ausbilderin, die so sehr nuschelt und bei der sich mir die Nackenhaare aufstellen, wenn sie die Zahl „Ölf“ ausspricht. Ich möchte nicht weg von ihrer Strukturfreiheit und auch nicht weg von der strengen Chefin, die jedesmal meine Urlaubsanträge verlegt.

Ich will auch nicht weg von dem Chef der Buchhaltung und am allerwenigstens will ich weg von der Rechnungsprüferin, von Frau Filli, dieser glücklichen, bildschönen Frau, die mit ihren knapp 60 Jahren ein Vorbild für mich geworden ist. Ich will auch aus den Augen strahlen, wie die Mittagssonne am Himmel und lachen wie der stumme Mond – ich will auch so glücklich und fröhlich und enthusiastisch werden wie sie, wenn ich ihr Alter erreicht habe.

Ich werde Frau Miller vermissen, von der ich keine Ahnung habe, wie ich sie kennengelernt habe. Mein ehemaliger Betreuer meinte einmal, sie sei eine der schönsten Frauen hier in dieser „Einrichtung“ (die ja wie ein eigenes Dorf ist). Ich will auch nicht weg von dem Direktor dieser Einrichtung, der irgendwie aussieht wie eine Comicfigur. Und ich werde Celene vermissen, obwohl ich momentan nicht weiß, wie ich zu ihr stehe. Ich werde sogar die tiergestützte Reittherapie vergessen, obwohl da vieles ganz komisch ist. Ich werden den polnischen Leiter der Reittherapie vermissen. Ich werde die zwei Männer vermissen, die für die ganzen Ausbildungsstellen verantwortlich sind und mich auch kennen – und ich nicht weiß, woher.

Ich werde einfach alles vermissen! Auch die Verkäufer im Lidl und die Verkäufer im Rewe und im V-Markt! Ich werde diese freundlichen Gesichter vermissen.

Aber vor allem weiß ich, was ich jetzt umso mehr genießen muss. Nämlich genau das. Genau diese Dinge, die mir fehlen werden und die mir Angst machen. Ich möchte die Menschen hier jetzt noch breiter anlächeln, noch glücklicher begrüßen und noch fröhlicher kennen lernen. Ich möchte jetzt auch im schlimmsten Regen durch diese bunten Straßen spazieren und ich möchte auch im kältesten Winter, bei -12 Grad 2 Stunden die verstecktesten Winkel erkunden, bis meine Haare Frost fangen. Am liebsten mit meinem Lieblingsspinner Karoe. Etwas, was wir letztes Jahr schon einmal gemacht haben.

Im Regen das Tor der Altstadt durchqueren, den Berg hinab und quer durch die Pfütze. Egal ob es originale Nike-Schuhe sind (die ich nicht besitze) oder einfach nur barfuß. Einmal ein „Scheißegal“ für die Zeckenplage, einfach durch das hohe Gras laufen, pitsch-pitsch nass. Und einmal will ich noch von diesem Hügel rennen, wenn er überbedeckt ist von Schnee und aus dem Rennen vermutlich ein Schlittern wird.

Ich werde dem bösen Sheriff solange grüßen, bis aus seinem Kopfnicken ebenfalls ein Gruß wird und ich werde nun jeden Morgen auf Koras Angebot verzichten, mich zur Arbeit zu fahren, weil ich nun jeden Morgen mit diesem Bus fahren werde. Mit diesen wundervollen Menschen, mit ihren wundervollen Eigenarten.

Regenbogenpups

Kind! Arme verschränken. Lass mich, ich bin niedlich! – Melly.

Wenn ein Regenbogen auftaucht, dann wissen wir alle: Dangi hat gepupst. Weil das Hotti von Melly ist ein Einhorn-Pony das Regenbogen pupst. Also sitzen wir im Auto. Oder stehen in unseren Zimmern am Fenster. Oder sind mit dem Hund spazieren. Eine riesen Kokosnuss, weil der Hund eingerieben ist mit Kokosöl. Die Katzen auch. Also eine Kokoskugelfamilie. Und dann sind wir mit der riesen Kokoskugel spazieren und ein Regenbogen taucht auf und wir schreien: DANGI HAT GEPUPST!

Ein Moment der viele Menschen verbindet, die von dem Einhorn-Pony wissen. Von dem Regenbogen-Einhorn-Pony. Wenn ein Regenbogen am Himmel erscheint, dann hat Dangi gepupst! Ist halt so! Punkt.

Und wir riechen nicht nach Pferd!!!! Wir riechen… – „Wie sagt man da, Hasi?“ …… „Ich will nicht nach Regenbogen riechen………..“ – M., 26, 2.08 m groß, Mellys Freund.

Und mit Regenbogen-Einhorn-Ponys macht’s besonders Spaß zu leben. Auch wenn das Gras nicht weinrot, sondern grün ist.

P.s.: der Salat ist immer noch grün.

 

 

Tränenbrei

Ich musste heute weinen. Weil ich unzufrieden war. Weil ich an meinem Essverhalten arbeite. Seit Monaten. Und mir Kekse gekauft hab. Und mich gefreut habe,  etwas zum Naschen zu haben. 1 Keks in der Woche. Eine kleine Sünde in der Woche. Der Keks war aber scheiße. Dann war ich unzufrieden. Ich machte Grießbrei. Und der war okay. Dann wurde er aber viel zu hart. Und ich war genervt. Und wütend. Und motzig. Und unzufriedenerererer. Und dann habe ich geheult. Und habe den ganzen Grießbrei in den Müll gedonnert. Und nochmehr geheult. Weil ich an arme Menschen denken musste, die nichts zum Essen haben und sich über diesen blöden Grießbrei gefreut hätten. Tag war scheiße. Grießbrei war schuld.

Und der grüne Salat, der nicht pink ist!!!