[Projekt] 9 Tage Ungarn

 --  Die Erlaubnis zur Veröffentlichung aller auf den Fotos gezeigten Personen liegt vor. Aus persönlichem Empfinden werden einige Gesichter zensiert. Sollte also irgendjemand meiner lieben Bekannten oder Verwandten diese Einträge lesen und statt seinem Gesicht ein hübsches Händchen vorfinden, bitte nicht gekränkt sein ;-) ---

 

Ich weiß nicht, warum ich erst jetzt auf diese banale Idee komme. 10 Tage Ungarn. 10 Tage Gegenwart trifft Vergangenheit. 10 Tage Erinnerungen. 10 Tage Frieden.

Das ist es, so im Groben, wie ich mich hier fühle. Letztes Jahr schilderte ich Tiszakóród schon einmal. Dieses Gefühl, in einer völlig anderen Welt zu sein. Tiszakóród bedeutet mir mehr, als man es in Worte fassen könnte.

Hier lebt unsere Familie. Eine kurze, schmale Straße, zufrieden mit dem Minimum, Blutsgefährten in jedem Eck. Egal um wie viele Ecken und Enden, aber sie sind mit mir verwandt – wenn nicht mit mir, dann mit meinen Eltern. Und so weiter und so fort.

Ich habe überlegt, ein Projekt zu starten. Für mich startet es jetzt, denn ich bin ja im „Mittendrin“, euch werde ich Tag für Tag einen neuen Eintrag veröffentlichen, den ich heute schon schreibe. Vermutlich interessiert es niemanden, das weiß ich nicht, aber im Endeffekt tue ich das viel mehr für mich, als für irgendwen anderen.

Die Idee kam mir, als ich heute meine Oma betrachtete. Meine Oma ist krank, sehr alt, sie ist am Zerfallen – so unschön sich das auch anhört, es ist eine Tatsache, die man nicht mehr leugnen kann (zumal heute ihr Grabstein angefertigt wurde – auf ihren Wunsch).

Okay, es ist sinnlos. Ich habe jetzt das fünfte Mal versucht in Worte zu fassen, wie ich das Dorf hier erlebe, wie Tiszakóród ist, aber ich schaffe es nicht. Ich kann es nicht beschreiben, es geht einfach nicht. Vielleicht bitte ich Kora mal darum, es aus ihrer Sicht zu schildern. Sie ist jetzt das 2. Mal in Ungarn dabei. Immer wieder höre ich von ihr Sätze wie: „Es ist wie ein anderes Zeitalter“

Wie auch immer, das überlasse ich wem anderen. Ich kann und kann und kann dieses Leben hier einfach nicht beschreiben. Ich schaffe es nicht. Ich fange an, verhaspele mich, lese es durch und werde schlichtweg richtig gereizt – ach, wenn nicht sogar aggressiv – weil es einfach nicht umfasst, was ich beschreiben möchte. Es kommt dem, was in meinem Kopf ist, nicht einmal im Entferntesten nahe.. Und es macht mich wütend, dass ich euch nicht an dem teilhaben lassen kann! Sowas Lächerliches…

Nun, bevor ich wieder den Faden verliere…

Dieses Projekt wollte ich starten, weil ich mir dachte: Wohin mit all den Erinnerungen? Wohin mit all dem, was noch ist? Ich lebe in einem total modernen Zeitalter. Ich kann Fotos machen, Momente festhalten und Bilder in meinem Kopf in Buchstaben verwandeln, Buchstaben zu einem Satz zaubern, die auf irgendeine magische Art und Weise Sinn ergeben und zu einer Geschichte werden….  Und so will ich die Erinnerungen festhalten.

Ich erinnere mich nur noch an Puzzleteile von früher. Die Dinge, die ich hier erlebt habe, schwirren in irgendeiner dunklen Seifenblase, irgendwo im hintersten Eck meiner Erinnerungen… verschleiert, wie ein schwacher Traum…. Ich wünschte, ich hätte damals schon schreiben und fotografieren können, so wie heute, und wäre damals schon auf die Idee gekommen, es festzuhalten. Aber das ist ja das Problem: Alles kommt uns so selbstverständlich vor. Meine Vergangenheit hier, war für mich Alltag, war für mich normal, war für mich so selbst-ver-ständ-lich. Und heute wird mir klar, dass es alles andere als selbstverständlich war. Die ganzen Menschen, die bei uns saßen, die ganzen Momente, die wir gemeinsam erlebt haben, das alles war nie selbstverständlich und ist es bis heute nicht. Und deshalb muss ich es festhalten. Damit fange ich heute an.

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