Tag 2

Tag 2, Freitag,  05. August 2016

Heute Früh ist mir eine Mücke im Gesicht herumgeschwirrt. Ssssrrrrssssss. Ich schlug die Augen auf und merkte, dass es gar nicht mehr wirklich dunkel war. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 4:33 Uhr war. Ich konnte einfach nicht mehr einschlafen. Weit entfernt hörte ich Hühner rufen. Laut und herrschend. Ich stieg aus dem Bett, stapfte barfuß in Unterhose und Schlafhemd in den Nachbarsgarten, begrüßte Kormi, stahl mich in das Hühnergehege und ließ die Gruselaugen aus ihrem Stall. Sie trauten mir nicht so recht über den Weg, starrten mich argwöhnisch an und kamen langsam herausgeschlichen. Dann ging ich wieder zurück in den Wohnwagen, legte mich hin und merkte, dass mir etwas am Gesicht krabbelte. Es war eine kleine Motte. Pft. In dem Moment war einfach alles interessant – ich konnte nicht schlafen. Ewiglange habe ich die Motte auf meinem Finger angestarrt, bis ich endlich mal wieder in den Schlaf fiel. Um halb elf rum wurde ich wieder wach. Mein Vater rief mich rüber in Luisas Garten, ich solle mir das mal ansehen. Er hat heute die Eier aus dem Hühnerstall zusammengesammelt. Er gab mir zwei Eier aus ein und demselben Nest. Das Irre war einfach, dass das eine Ei fast so groß war wie meine Hand, das andere hingegen mickrig klein aussah.

Meine Mutter hat den ganzen lieben langen Tag in der Küche verbracht, weil Bela, Rita und Sarah heute vom Plattensee wieder gekommen sind und sie für die Familie ein Abendessen vorbereiten wollte – natürlich muss sie sich wieder völlig verausgaben und es vollkommen übertreiben. Am Nachmittag hat meine liebe Omi plötzlich Lust bekommen, Pfannkuchen zu rühren. Ich holte die Zutaten aus der Küche: Sprudelwasser, Milch, Mehl, Zucker, Vanillezucker, Salz, Öl, stellte es auf dem Tisch neben ihr auf der Veranda ab und holte eine Schüssel und einen Kochlöffel. Sie sagte mir, von was ich wie viel in die kleine Schüssel geben soll – alles ohne Abwiegen oder -messen… Ihre Pfannkuchen sind einfach die Besten! Hauchdünn (dünner als Crépes!) und so lecker, dass man sie pur essen kann!!! 10 Löffel hiervon, 2 Löffel davon, ein Schuss hiervon, ein Schuss davon. Und das ganze Zeug rührte sie mit der Hand aus – kein einziger, kleiner Klumpen. Der Teig muss dann noch zwei Stunden ziehen (Omas Originalrezept), dann dürfen die Pfannkuchen erst gebacken werden. Wir hier in Ungarn haben so eine Quarkfüllung. Als ich die meinen Freunden das erste Mal aufgetischt habe, haben sie erst die Nase gerümpft, aber kaum hatten sie die erste Kostprobe hinter sich, gab es kaum noch einen Pfannkuchen OHNE diese Füllung: 2 – 3 Becher Körniger Frischkäse, 2 Eigelb, 1 – 2 Pkg. Vanillezucker und Zucker nach Belieben (2 – 3 EL). Ich habe das seit meiner Kindheit so oft gegessen, dass es mir zur Nase heraushängt, aber es scheint wirklich allen sehr gut zu schmecken, so komisch die Zutaten auch klingen mögen.
Omi beim Teigrühren:

Ich werde hier fett. Zu hundert Prozent. Ich habe sicher jetzt schon zugenommen. Heute plagten mich schon wieder so dumme Gedanken. Der alte Kreislauf scheint nach mir zu lechzen. Heftig. Immer, kaum, dass ich denke, ich hätt’s überwunden, kommt’s wieder. Ab morgen möchte ich jeden Abend joggen gehen. Sport muss ich irgendwie wieder in meinen Tagesplan (den es hier irgendwie wirklich nicht gibt!) integrieren. Ich muss weniger essen. Echt. Ich liebe Ungarn, ich liebe Urlaub, aber was ich hasse, ist dieses ständige Zunehmen im Urlaub. Mir ging es heute kurzzeitig echt beschissen deshalb.  Aber eigentlich wollte ich über dieses Thema nie wieder schreiben, denn es ist wie bei einem Alkoholiker. Das Problem ist nur deshalb ein Problem, weil die Gedanken ständig darum kreisen. Als Alkoholiker muss man jede Sekunde an Alkohol denken oder an die Möglichkeiten, ihm zu entkommen (oder nicht zu entkommen) und Ausreden suchen, weshalb man nach einem Glas Whisky greifen könnte: Kopfschmerzen, Schwindel am Morgen, am Abend aus Höflichkeit, weil man ja seine Freunde nicht alleine Alkohol trinken lässt. Ich denke, würde ich als Alkoholiker (was ich ja nicht bin), nicht so oft an Alkohol denken, wäre es alles viel weniger schlimm. Genauso ist es bei mir mit dem Essen, Nichtessen, Zunehmen, Abnehmen, Nichtabnehmen, Fettfühlen, etc. Sobald die Gedanken anfangen sich um solche Dinge zu drehen, geht es immer so weiter und immer so weiter und man fällt in ein tiefes, tiefes Loch einer Unzufriedenheit mit sich selbst. Eigentlich müsste ich aufhören, über solche Dinge nachzudenken, aber immer wieder kreischen die Scheißdämonen in meinem Kopf. Selbst im Urlaub.

Aber darum geht’s jetzt nicht. Heute Mittag waren wir dann mit meinem Vater an den Wasserfällen (unspektakulär). Es war viel zu heiß, um sich lange in der Sonne aufzuhalten. Kaum zwei Minuten und einem lief der Schweiß herunter, ohne sich auch nur ein kleines bisschen zu bewegen. Auch heute, wie immer, war ich barfuß unterwegs. An den Fällen eine keine so gute Idee. Die Steine waren kochend heiß, weshalb ich wie auf Kohlen über sie lief. Auf Zehenspitzen – als würde es das besser machen. Vielleicht haben sich meine Füße dann an die Hitze gewöhnt, aber nach und nach kam es mir gar nicht mehr so schlimm vor. Ein angenehmes Brennen, mehr nicht. Ich schwöre auf meine schuhfreie Zeit. Ich lasse eigentlich keinen Tag aus, an dem ich barfuß laufen kann…

 

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