Tag 3

(Gestern habe ich vergessen, den dritten Tag hochzuladen…, also heute der 3. und 4. Tag in Ungarn)

Heute war ein bockwarmer Tag. Wirklich warm. Aber eigentlich ist es das hier immer und um ehrlich zu sein, habe ich heute gar nicht so viel Spektakuläres zu berichten. Ich habe den halben Tag damit verbracht, zu lesen. Vorher, also in der Früh, sind Kora und ich in die nächste Stadt gefahren. Fehérgyarmat. Eine halbe Stunde ca. entfernt. Auf dem Weg in diese kleine, urige Stadt haben wir uns verfahren. Kora hat sich noch nie verfahren, wenn sie in die Stadt gefahren ist, aber irgendwie sind wir diesmal irgendwo zu früh oder zu spät abgebogen. Vorher muss man ja durch hunderttausend Dörfer (gefühlt). In einem Dorf wollten wir dann umdrehen. Dort kam uns ein Auto entgegen und wir erkannten, dass sie auch aus Deutschland kamen. Lustigerweise blinkten sie uns auf die Seite. Wir hielten an, ließen unsere Fenster runter und da saßen ein junger Mann und eine junge Frau. Beide Deutsche. Wie witzig. Am Arsch der Welt trifft man auf Deutsche! Also hier hätte ich mit sowas wirklich nie gerechnet. Aber da sieht man mal wieder, wie klein die Welt eigentlich ist.
Die zwei haben sich verfahren und waren sich nicht mehr sicher, ob sie auf dem richtigen Weg nach Tiszabecs waren. Tiszabecs liegt direkt hinter Tiszakóród, also unserem Dorf. Wir sagten ihnen, dass sie einfach der Straße folgen müssten und ab der nächsten Abbiegung ist es ausgeschildert. Die zwei fragten uns, ob wir uns auch verfahren hätten und ich erklärte ihnen, dass wir in die Stadt wollten. Sie konnten uns nicht weiterhelfen, aber das war nicht weiter schlimm. Wir fuhren denselben Weg zurück, den wir gekommen waren und den sie auch fahren mussten. Irgendwann war auch Fehérgyarmat ausgeschildert und wir folgten einfach der Wegbeschreibung.
In der Stadt mussten wir für meine Mama einige Zutaten für Spaghetti Bolognese besorgen und Bier für meinen Vater. Außerdem drückte meine Mutter mir eine leere Zigarettenschachtel in die Hand und bat mich, zwei solche zu kaufen. Meine Mutter und mein Vater waren ja beide jahrelang extreme Kettenraucher. Vor zwei Jahren hörte mein Vater von diesen E-Zigaretten und seitdem gab es keine einzige „richtige“ Zigarette mehr in unserem (ihrem) Haus. Vor ca. einem halben Jahr war ich dann mal über Nacht bei meinen Eltern, warum auch immer, und meine Mutter war kurz draußen, Müll rausbringen. Als sie wiederkam, roch ich an ihr den Rauch und fragte sie direkt, ob sie geraucht hätte. Da gestand sie mir, dass sie seit einigen Wochen jeden Abend eine Zigarette raucht, aber mein Vater und meine Oma wissen nichts davon. Also habe ich ihr heute heimlich zwei Schachteln besorgt. Solange es wirklich nur ein bis zwei Zigaretten am Abend sind, ist mir das recht. Auch sonst verteufele ich Menschen nicht, die rauchen. Jedem das Seine. Ich zerstöre mich mit meiner Essstörung, mein Vater mit seinem Alkohol und andere mit Zigaretten. Solange alle glücklich sind….

Nachdem ich dann wieder 4 Kapitel in meinem Buch gelesen habe (Charlotte Link, Die Rosenzüchterin), bin ich zu meiner Mutter hinter ins Gemüsebeet. Sie war gerade dabei Zwiebeln aus der Erde zu „hebeln“. Ich habe noch nie im Garten gearbeitet, wir haben ja in Deutschland nie einen gehabt (meine Eltern wohnen im 4. Stock) und Kora und ich wohnen auch in einer Wohnung. Ich fragte sie, ob ich ihr mal helfen kann. Mich reizt die Vorstellung an einen eigenen Garten mit eigenem Gemüseanbau schon ein wenig und der Gedanke ist nicht so ganz abwegig, bei dem, was Kora und ich so im Blick haben. Nun, sie erklärte mir, was ich machen muss und ich half ihr schließlich eine ganze Reihe Zwiebeln zu ernten (sagt man das so?).

Danach habe ich mich faul im Bikini in den hinteren Teil vom Garten gelegt und mich ein wenig gesonnt, während ich weitergelesen habe. Irgendwann wurde es so heiß, dass ich einfach wieder in den Schatten unter unseren riesigen Walnussbaum flüchten musste. Nach einigen Stunden taten mir die Augen vom Lesen weh, also legte ich das Buch weg und schnitt uns eine Wassermelone auf. Balou darf immer den letzten Rest naschen. Er genießt es richtig, der kleine Pummelbär. Oh, Balou hat in der Woche ordentlich zugelegt!!!

Katalin und Irene waren natürlich wieder den halben Tag bei uns im Garten gesessen und haben sich mit meiner Oma unterhalten. Sie hat uns dann beim Wassermelone Essen zugesehen. Kora sagte irgendwann zu mir: „Wie deine Oma dich immer ansieht.“
„Hm???“ Ich sah zu meiner Oma, sie schaute uns mit einem verträumten Lächeln beim Naschen zu. Der Saft der Wassermelone lief mir an Kinn und Ellenbogen herunter. Ich fühlte mich fast wie ein kleines Kind, aber es war mir egal. Hier im Dorf fallen sowieso fiele Hemmungen von mir ab. In Deutschland laufe ich nie in Kleidern herum (ich habe zu große Komplexe wegen meinem Körper).
„Man sieht richtig, wie sie dich liebt“, sagte Kora dann und ich musterte meine Omi einige Sekunden lang, bis sie es bemerkte und mich mit einem Finger zu sich lockte. Ich kam zu ihr und sie sagte: „Súgok neked valamit“, was so viel heißt, wie „Ich flüstere dir etwas zu“. Ich lachte leise, bückte mich zu ihr herunter und sie flüsterte mir ins Ohr: „Mach doch ein Foto von uns.“ Ich lächelte über ihr kleines geheimes Nichtgeheimnis, ging in die Küche, wo ich mein Handy abgelegt hatte und machte ein Foto von den drei alten Damen, die ich liebe.

Am frühen Abend war ich dann noch am Damm joggen, hielt es aber, bei Gott, nicht lange aus. Die Luft war einfach viel zu heiß und der Beton machte es nicht gerade besser. Mir lief die Soße nur so vom Körper und nach einer halben Stunde bekam ich kaum noch Luft. Also gab ich auf und lief wieder zurück. Gegen 19 Uhr wurde es dann stürmisch und ganz schön kalt. Die Sonne verschwand und eigentlich erwarteten wir Regen, aber der bleibt bis jetzt aus. Wir sitzen alle in Jacken (mein Vater in 2 Jacken und 3 Decken, dieses Mädchen) im Garten. Es ist mittlerweile kohlrabenschwarz, als wäre es Mitternacht – das liegt am Wetter. Normal wäre es jetzt noch viel heller (21 Uhr).

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