Tag 5

Tag 5, 08. August 2016

Am Abend haben wir gegrillt. „Speckbraten“ heißt das bei uns wörtlich übersetzt. Früher war es anders. Da saß die ganze Familie ums Feuer herum, mit der Zeit ist das abgeklungen. Jahr um Jahr kamen immer weniger Leute, mal hatten die einen keine Zeit, dann die anderen… Das hat mich ein wenig traurig gemacht, als mir das aufgefallen war, mittlerweile finde ich es nicht mehr ganz so schlimm. Es verändert sich eben viel, wenn viele Leute sterben. Der Hof ist weniger gefüllt. Die Mädels, die damals, als ich klein war, immer dabei waren, sind nach Budapest gezogen und haben bereits selber kleine Familien gegründet. Sie haben beide sehr hübsche Mädchen mit meerblauen Augen zu Welt gebracht. Die eine Kleine ist mittlerweile 2 oder 3 und hat unschlagbar süße Grübchen! Der Vater von denen (die haben ja direkt gegenüber von uns gewohnt) hatte vor drei, vier Jahren irgendeinen kleinen Streit mit Bela, Rita und Sarah (bzw. eher mit deren Eltern). Und weil sie mit uns verwandt sind, kommt er nun aus Trotz auch einfach nicht mehr zu uns rüber – das findet mein Vater richtig scheiße. Gott sei Dank ist die Frau von ihm nicht ganz so engstirnig wir der Typ. Auch ihre Töchter nicht, die ich letztes Jahr hier mal wiedergesehen habe. Mit ihnen, Marienne und Adrienne habe ich mich damals immer hinten in den unbeleuchteten Garten gelegt und Sternschnuppen geschaut. Ich denke, heute sind sie so um die dreißig Jahre alt, vielleicht etwas jünger, aber um ehrlich zu sein wusste ich nie genau wie alt sie sind. Sie haben eigentlich auch einen kleinen Bruder, aber was mit dem ist, weiß ich nicht. Ich denke, der ist auch nach Budapest rausgefahren, um zu arbeiten.

Nun, so saßen wir also gestern im Garten, bereiteten das Grillen vor. Mein Vater schnitt die Zwiebeln, Bela bereitete den Speck vor, meine Mutter, Rita und Sarah haben Tomaten, Gurken und Paprika in der Küche geschnitten und Kora und ich waren noch einmal mit Balou um die Ecke spazieren, um ihn gescheit auszupowern. Das könnten wir zwar im Garten auch, aber wegen den ganzen Speck-Vorbereitungen und dem Feuer, war das ein wenig ungünstig.

 

Das Speckbraten funktioniert so, dass man große Speckstücke über das Feuer hält, bis es tropft. Dann drückt man das tropfende Fett auf ein Brot und dieses Brot isst man mit beliebigem Gemüse. Ich habe den Tag über eigentlich fast nichts gegessen, um wenigstens zwei Brote essen zu können. Das hört sich echt ekelhaft an, aber es schmeckt einfach überragend! Natürlich habe ich mich dafür gehasst, aber so ist nun einmal mein Kreislauf und ich denke, ich werde niemals ein normales Verhalten zum Essen aufbauen können. Später habe ich der Kleinen, also Sarah, dann noch gezeigt, wie man Marshmallows grillt. Sie war hin und weg von dem Zeug und notgedrungen musste ihr ihr zuliebe auch zwei essen, weil sie die EXTRA für mich gemacht hat! Boah, mir war nach dem ersten schon schlecht. Zu pappig süß. Kora würde hingegen für diese Marshmallows sterben.

Als dann langsam, gegen 22:30 Uhr, die Leute verschwanden, machte ich mir noch zum Ausklingen einen Schwarztee – wenigstens dadurch fühlte ich mich etwas besser (nachdem ich eine halbe Stunde im Bad stand und ne Heulattacke hatte, weil ich mich wieder so ekelig fand, dass ich nicht in den Spiegel schauen konnte). Nun, irgendwann saß ich dann vor Kora auf der Bank, die vor dem Feuer stand, auf einer kleinen Decke. Balou lag neben mir und schlief schon tief und fest. Mein Vater saß auch noch vor dem Feuer, meine Mutter stand hinter ihm an den Rücken gelehnt und wir hingen alle irgendwie unseren eigenen Gedanken nach. Irgendwann, wie ich meine Eltern so betrachtete, fragte ich gerade heraus, komplett die friedliche Stille zerstörend: „Hat man in eurem Alter als Ehepaar überhaupt noch Sex?“

Im ersten Moment waren meine Eltern völlig fassungslos und ihnen entgleisten alle Gesichtszüge, dann musste meine Mutter lauthals lachen, auch mein Vater lachte. Meine Mutter schüttelte den Kopf und sagte „Nein“ und ich sagte voller, ernster Erleichterung: „Gott sei Dank“, was wieder zu Gelächter führte und mein Vater meinte: „Apropos… heute habe ich im Fernsehen gehört, dass jetzt hier in der Umgebung der… sag schon… na…“, er schnippte mit einem Finger. Das tut er immer, wenn ihm ein Wort auf Deutsch nicht einfällt, „Sag schon… die Rehe…. Die springen gerade über Fahrbahnen, weil sie gerade… wie heißt das? Hochzeitstag?“

Nun brachen wir alle in noch lauteres Gelächter aus, als uns einleuchtete, dass er die Paarungszeit meinte… nun… irgendwann wurden mir die Ausschweife der Sexthemen zu wild und ich sagte, wir müssten schlafen gehen. Im Wohnwagen haben Kora und ich dann noch „Honig im Kopf“ fertig angesehen. Danach schlief ich ziemlich schnell ein… ich war überraschend müde, für eine Nachteule.

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