Tag 6

Tag 6, Dienstag, 09.06.2016

Heute sind Kora und ich wieder in die Stadt gefahren. Ich habe mir ein paar Oberteile gekauft. Nur drei von zehn, die ich anprobiert habe. Am Freitag fahren wir aber noch einmal und ich denke, dann kaufe ich noch andere zwei, die mir ganz gut gefallen haben und ich im Nachhinein bereut habe, nicht gekauft zu haben. Dann haben wir noch Kokosöl in einem Eimer (1 Liter) für umgerechnet 4,80 € gekauft. Für Koras Schwester, ihre Mutter und für uns. Ich koche nicht mit Fett, schon gar nicht mit Öl etc… aber weil Kora manchmal darauf besteht, dass ich „normal“ esse (vor allem, wenn ich wieder daheim bin), haben wir eben Kokosfett gekauft. Eine Messerspitze zum Anbraten von Gemüse oder so … ist schon okay.

Auf dem Heimweg haben wir noch ein Softeis gekauft. Kora eine große Portion Punsch und ich eine „kleine“ Portion (die ist immer noch größer als die große Portion in Deutschland…) Schoko-Vanille. Ich liebe Punsch-Eis, aber als Softeis ist mir das dann doch zu süß und zu viel. Eine so große Portion kostet 300 Forint… das sind weniger als 1 Euro. Vielleicht 99 Cent.

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Am Nachmittag waren wir dann mit Balou an einem kleinen See. Menschenleer, superwarmes, sauberes Wasser! Es war göttlich! Ich war so lange nicht mehr schwimmen. Das liegt daran, dass ich Schwimmbäder nicht mag und Menschenmassen nicht leiden kann – also kommt auch kein Badesee in Frage. Immer überfüllt. Das war heute für mich wie Luxus pur! Ein wenig erschrocken habe ich mich, weil es ziemlich plötzlich, sehr tief wurde. Ungefähr zwei Meter konnte ich bis ins Wasser laufen, dann verschwand plötzlich der feine Sand unter meinen Füßen. Bela hat dann gesagt, dass das Wasser zur Mitte hin 22 bis 23 Meter tief ist. Ich habe eigentlich kein Problem damit, weil ich gut schwimmen kann. Es waren SO viele Fische im Wasser! Es hat ja förmlich nach ihnen gerochen! Zwei Mal bin ich vom Boot ins Wasser gesprungen, danach mussten wir leider langsam aus dem Wasser, weil wir noch zum Abendessen bei Annika eingeladen waren.

Nach dem Essen fragte ich Laci, also den Großvater von Evi (die Tochter von Annika, das Mädchen in meinem Alter), ob ich mal in sein Haus rüber schauen darf. In dem Haus bin ich quasi „großgeworden“. Das Haus, in dem Annikas Famile jetzt wohnt,haben sie erst seit ca. 5 Jahren. Davor haben sie alle im Haus des Großvaters, zwei Gärten weiter, gewohnt. Da hängen so viele Erinnerungen dran!!! Ich weiß noch genau, als wäre es gestern, wie ich mit meinen knirpsigen vier Jahren noch in diesem kleinen Wohnzimmer mit Kata, Jan und Thomas und Evi gespielt habe. Kata und Jan (der Bruder von Evi) haben immer mich und Thomas damit geärgert, dass wir ineinander verliebt wären. Kata und Jan sind jetzt 22 Jahre alt, also 3 Jahre älter als Thomas und ich. Wir haben dann immer angewidert die Zunge rausgestreckt, das ginge ja gar nicht, weil wir Cousine und Cousin sind. Hm… ich muss immer schmunzeln, wenn ich daran denke. Eigentlich sind wir fünf so weit voneinander entfernt, dass jeder jeden locker heiraten könnte. Also Jan und Evi natürlich nicht und Thomas und Kata auch nicht, weil sie auch Geschwister sind, aber so kreuz und quer. Eigentlich war nämlich die MUTTER von Annika die COUSINE von meiner Mutter. Das heißt, dass Annika die Großcousine von meiner Mutter ist, und ich mit Evi und Jan…….. sehr, sehr, sehr weit entfernt blutsverwandt bin. Genauso ist das bei Kata und Thomas (Ungarisch eigentlich Tamás). Die OMA der beiden ist die Cousine meiner Mutter… und die Mutter von ihnen die Großcousine. Nun, wie auch immer. Wir haben wahnsinnig viel Blödsinn im Kopf gehabt, als Kinder. Heute sehe ich Kata eigentlich gar nicht mehr und ehrlich gesagt ist sie mir auch äußerst unsympathisch und unfreundlich. Sie ist dieses Jahr noch nicht einmal vorbeigekommen, um uns Hallo zu sagen, dabei wohnen sie um die Ecke. Das ist ja noch übertrieben. Sie wohnen in derselben Straße vier Häuser weiter. Selbst Irene, also ihre Oma, schafft es jeden Tag vorbeizukommen. Als wir bei ihnen waren, war sie nicht da, und selbst wenn… sie hätte mich herzlich wenig interessiert. Ich mag sie nicht… Keine Ahnung, zwischen uns stimmt einfach die Chemie nicht mehr. Sie ist so eine richtige, selbstgefällige, arrogante Zicke. Das hört sich ordentlich böse an, aber jeder würde sie so einschätzen, der sie sehen würde und das Traurige an der Sache ist, dass sie nicht nur so aussieht, sondern auch so IST……..

Wie auch immer… ich bin sehr wehmütig geworden, als ich das Haus angesehen habe, das eigentlich nur noch leer steht.

Und dann gingen wir hinter in den Garten. Auf den ersten Blick war er nicht zu sehen, weil er versteckt im hohen Gras lag, doch dann sah ich es wedeln – den kleinen, stummeligen Schwanz. BÄRCHEN! Es war Bärchen!!! Himmel, diesen Hund habe ich vor sechs Jahren das letzte Mal gesehen, als er als Welpe bei ihnen aufgetaucht ist. Irgendjemand hat ihn damals einfach vor ihrem Zaun abgesetzt und sie haben ihn aufgenommen. Sie hatten noch einen zweiten Hund, Strolchi… der wurde ein Jahr später von Straßenkötern zerfetzt… einfach umgebracht! Seitdem lebt Bärchen alleine. Der Hund heißt wirklich so (Mackó). Ich habe Mackó so geliebt!!! Aber ein Jahr später war ja dann das neue Haus fertig und das Haus von dem Opa (also da, wo sie vorher ALLE gewohnt haben), wurde nicht mehr benutzt. Als ich Mackó da sah, dachte ich, mir zersplittert das Herz…. Er war angekettet… das Halsband VIEL zu eng um seinen Hals… gerade so, dass ich EINEN Finger dazwischen quetschen konnte!!! Scheiße…. Er tat/tut mir so dermaßen leid!!! Ich bin zu ihm hin, und sofort hat er aufgehört mit dem Schwanz zu wedeln. Er stand ganz angespannt da, sah mir nicht in die Augen und es sah so aus, als würde er jeden Moment knurren oder angreifen. Ich fragte Laci, also den Opa, ob er bissig sei und er meinte, nein, auf keinen Fall! Ich glaubte ihm, ging weiter auf Mackó zu und streichelte ihn. Ich hatte keine Angst vor ihm, immerhin kannte ich ihn als Welpen und er genoss es! Nun ja, erst war er völlig verunsichert und wusste gar nicht, was ich da mit ihm mache… Klar, Laci wird ihn bestimmt kein einziges Mal angefasst haben, zum Streicheln, Kraulen etc. Im Endeffekt habe ich erfahren, dass der arme Kerl da nur sein Dasein fristet… Morgens bekommt er Futter und das war‘s. Sonst liegt er dort seit Jahren angekettet mit einem viel zu engen Halsband im Garten…. Ich dachte echt, ich muss ihn sofort losmachen und mitnehmen, aber ich habe ja die kleine Stimme der Vernunft bei mir: Kora. Sie war selbst völlig fertig mit den Nerven, als sie den Kleinen so sah… Er war die Nähe zu Menschen so wenig gewöhnt, dass er vor Aufregung richtig gezittert hat, obwohl er es wahnsinnig genoss. Wenn ich aufstand, weil mir vom Bücken der Rücken anfing wehzutun, sprang er unsicher an mir hoch, so dass er auf seinen zwei Hinterbeinen stand, und sah mich aus bettelnden Augen an. Sobald ich ihn weiter streichelte, ließ er wieder von mir ab und war zufrieden. Ich versuchte natürlich Kora irgendwie zu überreden, ihn doch mitzunehmen, er hat doch hier kein Leben, das ist Tierquälerei!!! Und sie war immer wieder kurz davor, nachzugeben, aber das geht nicht, und das weiß ich selber. Ich entwickle mich sonst noch zu einem Tiermessi. Letztes Jahr die vier Babykatzen, die wir retten mussten und einfach nicht zurücklassen konnten… Mit Balou und den drei Ratten und 2 Kaninchen, die ich zuvor schon hatte, sind es jetzt 10 Tiere! Ein weiterer Hund wäre im Moment einfach viel zu naiv und unverantwortlich.

Im Moment deshalb, weil Kora und ich ein Haus mit einem riesengroßen Garten im Auge haben, das im Moment noch renoviert wird. Es steht abseits von dem Dorf ihrer Eltern, direkt angrenzend ist der Wald. Dieses Grundstück ist so groß, dass man locker einen Offenstall für Pferde ausbauen könnte plus einem kleinen Reitplatz… so dass trotzdem noch genug Platz für rund 50 Menschen wäre. Also wirklich RIESIG! Da wäre dann ein zweiter Hund wirklich kein Problem. Der Ort, wo ihre Eltern wohnen, ist so dermaßen billig, dass wir darauf hoffen, dass auch das renovierte Haus nicht gar zu viel kosten wird. Außerdem brauch ich schon viel Glück dafür, weil ich nicht weiß, ob mir in dem Alter schon ein Kredit genehmigt wird. Und wir müssen auch noch genauer darüber nachdenken. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass wir uns je trennen würden, obwohl ich schon lange nicht mehr die rosarote Brille trage. Ich versuche trotz allem sehr realistisch zu bleiben. Was ist, wenn wir uns wirklich irgendwann trennen und der Kredit noch nicht abbezahlt ist? Was ziemlich sicher der Fall sein würde, weil ein so riesiges Haus zahlt man nicht einfach mal so im Handumdrehen ab. Und wer weiß, was in zehn/zwanzig Jahren sein wird? Wer zahlt es dann weiter? Keiner von uns beiden wird in dem Haus bleiben und die Kosten alleine tragen können. Das wäre ein Problem. Monatlich liegt für uns die Grenze bei 1500 – 1600€. Je nachdem, wie mein Einkommen dann sein wird, vielleicht auch etwas mehr. Immerhin teilen wir die Kosten ja dann durch zwei und das würde vielleicht noch hinhauen.

Über das Haus selbst mache ich mir kaum Gedanken. Dieses Haus ist nämlich GENAU das, was meinen Vorstellungen entspricht. Regelrecht ein Traum. Ziemlich abseits von einem Dorf, direkt angrenzend der Wald. Mir hätte eigentlich ein kleiner Garten gereicht – das finde ich sogar viel gemütlicher und idyllischer, aber mit so einem großen Garten kann man ja auch viel anstellen. Es ist ja komplett eingemauert. Das Haus ist ja auch uralt (gerade deshalb gefällt es mir so! Kein hochmodernes Etwas! BÄH). Aber man könnte ja evtl. die Mauer abreißen und dann WIRKLICH einen Offenstall bauen und dann nur ein kleines Stück vom Grundstück am Haus wieder als „Garten“ nutzen mit einem hübschen weißen oder mahagonifarbenen Zaun. Ohja, das wäre traumhaft. Okay, über diese Kosten müsste man sich dann halt Gedanken machen. Tomaten könnten wir pflanzen und vielleicht Hühner halten, um keine Eier mehr kaufen zu müssen (ich schlachte keine Tiere und würde es auch sonst niemandem erlauben). Eine Kuh wäre auch toll und ich kann auch melken, aber ich, mit meiner ES, trinke keine frische Kuhmilch mit 100 % Fett (obwohl die wirklich unvergleichlich schmeckt!). Wenn uns mit dem Rest des Grundstückes nichts einfällt, könnten wir evtl. noch ein Stück als Koppel für die Pferde nutzen. Dass ich mir in den nächsten mindesten fünf Jahren (also auf keinen Fall früher), ein Pferd zulegen möchte, steht zu 100 % fest. Und wenn das mit dem eigenen, kleinen Offenstall wirklich klappen sollte, wäre das noch großartiger! Der Nachteil ist bloß, dass ich dann ein zweites Pferd bräuchte, weil man sie nicht alleine halten darf und obwohl ich schon ziemlich lange mit Pferden zu tun habe und mich auch zu behaupten traue, mich gut mit der Haltung und dem Umgang auszukennen, weiß ich nicht, ob ich mir zwei Pferde zutraue. Also dachten wir uns, weil Kora Pferde eigentlich auch mag, aber ein wenig Angst vor den „Großen“ hat, dass wir einfach ein Pony dazu holen. Dann kann sie sich mit kümmern, was sie sich bei einem „großen Pferd“ jetzt zum Beispiel nicht trauen würde. Nun, wie auch immer, ich schweife total ab. (Edit: Okay, natürlich weiß ich, das hier ein sehr großer Leichtsinn und viel zu viel Träumerei drin steckt. Dass wir dieses Haus wirklich irgendwie kriegen, liegt bei vielleicht 0,000348 % oder so, aber träumen darf man ja)

Als wir gehen mussten, streichelte ich Mackó noch sehr lange und litt wirklich mit ihm mit. Dann gab ich ihm noch einen Kuss und ging mit schwerem Herzen. Ich sagte: „Ich wünschte, wir könnten dich mitnehmen…“ Und Kora erwiderte darauf nur leise: „Und ich wünsche mir für dich, dass du bald einfach einschläfst und nicht mehr aufwachst…“

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