;das weiße Loch in meinem Horizont;

Wir Menschen, wir sind seltsam. Die Einen, die flüchten aus einem Ort zu einem Menschen, die Anderen, die flüchten von einem Menschen zu unentdeckten Orten. Die, die auf die ewige Liebe bauen, die, die auf das ewige Abenteuer bauen, die, die auf die ewige Freiheit bauen.

Die Einen sehnen sich nach dem Gefühl des Fliegens, die Arme auszubreiten und in eine unendliche Weite zu springen. Eine Selbstfindung starten. Dafür wollen die einen Seelen eine Weltreise starten, die anderen glauben, ihr inneres Ankommen bei einer anderen, fremden Seele zu finden. Die einen schöpfen aus der Liebe Kraft, die eigentlich mehr Schein als Sein ist – aber ist das verwerflich? Nein, ich denke nicht.

Nach was sehnen wir uns eigentlich? Wir sind unzufrieden. Wenn wir das erreicht haben, was wir erreicht haben wollen, dann sehnen wir uns wieder nach etwas Neuem. Ein ganzes Paradies kann sich plötzlich wieder anfühlen wie ein Schuhkarton.

Was bilden wir uns ein?

Das uns erfüllte Träume glücklich machen?

Wenn wir in unserem Paradies angekommen sind, in dem, in dem wir immer sein wollten, dann suchen wir nach dieser Schlange, die in ihr wohnt und uns in ihre Heimtücke lockt.

Eine innere Ruhe gibt es nicht. Es gibt kein Ankommen, in einem Leben. Das Leben selbst ist der Fluss, das, was in uns drinnen ist, das sind die Wellen. Keiner von uns schwimmt mit dem Strom – nur tote Fische schwimmen mit ihm – wir sind alle gegen alles, was in uns tobt, obwohl es manchmal genau das ist, was uns lebendig macht.

Wir leben ein inneres Drama, kämpfen gegen uns selbst, wir erfüllen uns Sehnsucht, wir lassen Träume wahr werden. Die nächsten entstehen in dem Moment, in dem die vorherigen erfüllt werden. Es ist eine Kettenreaktion, die aus vielen kleinen Idealen besteht, denen wir nachstreben und die wir uns auch zu erfüllen  schaffen – aber die uns nie erfüllen können.

Wir sind unersättlich, weil alles Input, was wir geschenkt bekommen – und es ist eine Sache des Respekts, es als Geschenk zu sehen -, wird niemals einfach aufhören. Wir sind ja dankbar für unser Leben. Sind wir doch! Denn nichts von dem, was uns passiert, nicht ein einziges Leben sollten wir als selbstverständlich erachten.

Warum können wir das Lächeln einer alten Dame nicht festhalten, und es temporär so im Kopf abspeichern, dass wir es am Abend wieder hervor holen, und uns erneut darüber freuen können? Oder nehmen wir so etwas gar nicht mehr wahr?

Manchmal, wenn ich vor dem Spiegel stehe (meistens in verzweifeltem Selbsthass, in Phasen, in denen meine Essstörung mal wieder Oberhand hat), meinen Körper betrachte und das Loch in meinem Bauch anstarre, als könnten plötzlich Schmetterlinge aus ihm heraus fliegen und meine vier Wände lebendiger machen, dann muss ich an die Faszination von diesem komischen, fehlgebildeten Ding denken. Der Bauchnabel, wisst ihr?

Und dann danke ich im Stillen meinen Eltern, dass sie mir dieses Leben geschenkt haben, obwohl ich ein kaputtes Verhältnis zu ihnen habe, obwohl mir das Leben viel zu oft die Faust ins Gesicht katapultiert hat und obwohl sie nicht wussten, wer ich sein werde oder wer ich bin.

Deshalb gefällt mir die Vorstellung so sehr, dass die Menschen einfach nur kleine, blaue Gaskugeln sind, die beim Aufeinandertreffen ein melodisches „kliiirrr“ von sich geben, wie Glasperlen. Sie haben keine Gestalt, es sind nur sie. Es sind sie, als kleine, blaue Gaskugeln, die irgendeiner leeren Materie bei einem Zusammenstoß eine Füllung schenken. Kein Vanillepudding mit Pfirsichfüllung. Sondern ich meine … eine Füllung aus Gefühlen. Eine leere Materie, die nur zu einem Etwas wird, weil es uns Gaskugeln gibt.

Wir lechzen ein Leben lang nach etwas, was uns eigentlich eingeboren wurde. Das, was wir suchen, das sind wir. Und wir finden uns eigentlich jeden Tag. Ich schwöre, ja, ich lege meine Hand dafür ins Feuer – einmal an einem Tag, da stoßen wir mit uns selbst zusammen. Das sind dann diese Momente, in denen man dieses Bibbern im Körper spürt, das Zittern im Herz, das Flaue Gefühl im Magen, die Hitze im Bauch, diesen Schwamm im Inneren, der in einer Sekunde vollkommen austrocknet und plötzlich überschwemmt wird mit irgendwelchen Emotionen und zu einem Dreifachen wieder heranwächst. Das ist der Moment, in dem wir uns finden. Jeden Tag. Wir erleben jeden Tag ein Gefühl, das uns für eine Sekunde aus der Bahn wirft, ohne zu wissen, weshalb.

Oder geht das nur mir so? Bin nur ich verrückt und kommuniziere mit inneren Wesen in mir, die mir das Leuchten schenken, mit denen ich das Leben lieben kann? Diese Wesen, meine ich, die mir zeigen, warum das Leben trotz allem (oder gerade deshalb?!) so schön ist.(?)

Ich bin verwirrt. Ich bin Meisterin, der Verwirrung. Ich bin Meisterin darin, mich selbst zu verwirren.

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