Re-Blog [Was sich dreht, kommt immer an]

Heute muss ich etwas Rebloggen. Das liegt daran, dass mein Leben gerade Zusammenhänge erkennt, und weil ich den Menschen diese Zusammenhänge erklären, zeigen, ach, was auch immer möchte.

Heute geht es um Sevin. Die Frau, die ich Ende 2013 kennen lernte.


Es war im November. Das weiß ich noch genau. Wir unterhielten uns, schrieben und mich faszinierte ihre Denkweise. Sie schrieb Dinge, die ich fühlte, aber nicht greifen konnte. Mein Herz bejahte alles, was sie schrieb. Gab ihr bedingungslos recht. Aber mein Verstand blockte bei jeder kleinsten Versuchung, diese Informationen, diese Konversationen, in mein Innerstes gelangen zu lassen.

Ich schrieb ihr. Und wenn ich schreibe, ist das meistens so, dass nicht mein Verstand tippt, sondern…. ich weiß nicht, was das ist… aber manchmal lese ich es mir wieder durch und denke mir: „Habe ICH das geschrieben???.“ .. als würde mein Unterbewusstsein durch das Schreiben unbemerkt an die Oberfläche gelangen und sich so bemerkbar machen wollen. Als wäre es gefangen und würde nur dauernd schreien. Ich weiß, es klingt absurd, aber genauso fühlt sich das an…..

Und ja…. Sevin und ich waren uns einig: wir wollen uns unbedingt mal treffen. Das war nicht besonders einfach, da sie gute vier Stunden mit dem Zug (und da das zu teuer – 5,5 Stunden mit dem Bus) von mir entfernt wohnte. Aber das war mir egal. Mir war alles egal. Ich wollte sie persönlich kennen lernen. Uns war auch der Altersunterschied unwichtig. Meine Eltern sind zum Glück sehr tolerant (gewesen – schon immer). Was vermutlich daran liegt, dass ich das einzige, noch lebende Kind von 3 bin. (Ich bin 12 Jahre nach meinem letzten Geschwisterteil auf die Welt gekommen) – aber das ist alles eine andere und hier nicht wichtige Geschichte. Jedenfalls muss das wohl der Grund sein, dass meine Eltern mich so umgarnen und alles tun würden, damit ich glücklich bin. Und sie wissen genau, ich kann gut einschätzen, was mir gut tut und was nicht.

Also fuhr ich am 03.01.2014 bis zum 05.01.2014 (also ein Wochenende) zu Sevin. Und unsere Gesprächsthemen waren die, die mir mein Herz öffneten.
Es waren Themen, mit denen ich in meinem Leben noch nie mit jemandem habe reden können, obwohl ich sie so wahnsinnig interessant finde. Obwohl sie mich fesseln und obwohl ich das Gefühl habe, dass dieses Thema Teil von meinem Leben ist:

Die Liebe.

Sevin – ich lernte in ihr einen Menschen kennen, von dem ich dachte, dass die Liebe höchstpersönlich vor mir sitzt. Sie lehrte mir, dass Liebe nicht ist, weil, punktpunktpunkt Sondern Liebe IST, Ausrufezeichen. Liebe ist nichts, was einen Grund hat. Liebe ist einfach. Liebe passiert. Liebe entfacht keine Fragen. Liebe stellt kein Warum dar und auch kein „Warum nicht“. Liebe ist nichts, was von außen kommt. Liebe ist innen. Alles ist Ich.

Und … manchmal war ich so überwältigt von diesen Dialogen, die wir wechselten, von diesen Gedankentiefen, die wir austauschten, dass ich fast das atmen verlor, dass ich mir manchmal nicht sicher war: ist Sevin wirklich ein Mensch? (ich weiß, das klingt unglaublich abgedreht, aber so fühlte ich mich in dieser Phase auch – völlig abgedreht, abgelöst, schwerelos. Irgendwo in Gedanken schwebend, aber nicht in dem Jetzt.)

Aus dieser Zeit mit ihr lernte ich, dass man Liebe nicht geschenkt bekommt – oder, oder. Sondern Liebe passiert von einem selbst aus. Man kann nicht lieben, wenn man sich selbst nicht liebt – jedenfalls nicht ehrlich. Nicht vollkommen. Das ist schwer, das zu beschreiben, weil das Thema so unglaublich komplex ist und außerdem ein riesengroßer ‚Mindfuck‘. Jeder Mensch lebt anders, jeder Mensch denkt anders. Und ich dachte auch, Sevin sei die einzige, die so denkt, die so sieht, die so fühlt. Und dass sie mir nur ihre Sichtweise näher bringen will. Aber ich bejahte. Wie gesagt. Mein Herz bejahte. Und ich war schon immer ein Herzmensch. Mein Kopf spielt in so wenigen Dingen eine Rolle. Klar, zersetze ich viele, wirklich sehr viele Geschehnisse in meinem Kopf, versuche zu analysieren. Aber im Endeffekt war es immer mein Herz, das die Entscheidungen traf, und das völlig unabhängig von dem, was mein Verstand arbeitete.

Durch Sevin verstand ich, wurde mir klar, dass Liebe ersättlich ist. Komplett ersättlich. Wenn man vollkommen, wirklich ehrlich liebt, dann kann man geben, ohne nehmen zu müssen/wollen. Wenn man diesen Weg, diesen Ursprung der Liebe in einem selbst gefunden hat, wenn man aufhört alles, gottverdammt nochmal, wirklich jeden Mist, jede Kleinigkeit zu zersetzen, zu analysieren und einfach alles passieren lässt, ohne darüber nachzudenken… wenn man einfach mal darauf vertraut, dass alles, wirklich alles seinen Grund hat – bedingungslos, ausnahmslos – dann ist man vielleicht schon auf dem richtigen Weg.

Aber es ist so schwer. Es ist wirklich schwer. Denn dieser innere Ursprung wird von Geburt an beeinflusst. Man ist nicht, wie man ist. Man ist nicht mehr der Ursprung seines selbst. Wenn ein Baby auf die Erzeuger angewiesen ist, zu überleben, und schreit, weil es nicht anders mitteilen kann, und mitbekommt – denn Babys fühlen sowas! – dass die Mutter völlig gestresst, entnervt fragt, was nun schon wieder los sei, dann fängt diese Manipulation schon an. Und sie wird immer fortgesetzt. Uns wird das Sprechen beigebracht. Uns werden Wörter eingetrichtert, wie sie die anderen sagen, die wir in unser Wortschatz aufnehmen, der vom Ursprung her vielleicht ganz anders wäre. Wir übernehmen Gewohnheiten, weil sie uns vorgelebt werden. Von.Anfang.An. Und wir machen es einfach nach – weil wir es nicht anders kennen. Wir Menschen sind alle nur noch Kopien. Wir sind alle Imitationen eines anderen. Ein Höllenkreislauf, der nicht aufhört.

Wer, verflucht nochmal, hat zum Beispiel festgelegt, dass dicke Frauen keine Miniröcke tragen dürfen? Wer sagt, dass eine Frau, die 150 Kilo wiegt, nicht schön ist? Wer sagt das? Wer hat angegeben, was ’schön‘ ist? Das gibt es nicht. Es gibt kein ’schön‘ und kein ‚hässlich‘. Das sind alles ekelhafte Idealismen, die irgendein Mensch erfand und nach denen wir nun leben. Wer, wo, wann dieser Kreislauf begonnen hat …. Woher weiß ich das? Ich meine, prinzipiell weiß ich gar nichts! Aber mir reicht zu wissen, dass ich nichts weiß. Das alles was ich hier schreibe, sind ja auch nur meine Weltansichten, meine Beobachtungen, meine eigenen Wahrheiten! Ich will auch niemanden von irgendwas überzeugen oder oder oder. Das ist einfach alles, was ich denke, was ich fühle. Wovon ich überzeugt bin.

Menschen leben nur noch nach Gehorsam.
Wer sagt, dass das, was Politiker, der Staat, Päpste, wasauchimmer, sagen, richtig ist? Warum werden solchen Leuten ohne manchmal genauer darüber nachzudenken, geglaubt?
Hitler… Hitler war EIN Mann. Ein einziger Mann, der seine Meinung durchsetzte, der sein Glauben durchsetzte. Und Millionen haben sich seinem Denken angeschlossen, seinem Handeln, ohne auch nur das Geringste daran zu hinterfragen. Aber hier schließt sich wieder der Kreislauf: denn wer hat Hitler erschaffen?
Das waren wir: die Menschen. Denn von nichts kommt nichts.
Eine Spirale…

Jedenfalls … war Sevin der Auslöser für jene Gedankengänge. Natürlich schlummerten sie schon immer in mir, aber ausgelöst hat Sevin sie. Seitdem versuchte ich die Welt mit Liebe zu begegnen. Alles, was mir widerfährt, dankend anzunehmen, egal wie schmerzhaft das ist.

Sevin und ich verloren uns aber aus den Augen (auch lange Geschichte und keine Lust sie auszubreiten)…. ich hielt lange an diesem Glauben fest, versuchte diese Entdeckung festzuhalten und sie umzusetzen. Zu lieben, die eigene, vollkommene Liebe zu finden. Aber irgendwie verlor sich das….

Vor vier Wochen war ich in einem Club mit einem Mädel. Es war ein unglaublich lustiger Abend. Ich hatte unendlich viel Spaß. Ich fühlte mich einfach frei. Ein junger Mann bat um meine Hand und tanzte mit mir. Ich tanze, lachte, flog und fühlte mich schwerelos. Und an diesem Abend lernte ich eine Frau kennen. Bzw. war das eigentlich nur ein flüchtiger Wortwechsel. Wir tanzten uns immer wieder mal über den Weg und tauschten schließlich Nummern, obwohl wirklich nicht großartig eine Unterhaltung entstand aber wir fanden uns irgendwie sympathisch. *Deria gab mir also ihre Nummer und schlug vor, dass sie mich mal zum Abendessen oder so einlädt. Ich sagte, dass sich das fantastisch anhört (ohne irgendwelche Hintergedanken!). Aber wir hielten keinen Kontakt.
Bis gestern.
Ich bekam einen Anruf und als ich den Namen Deria auf meinem Display sah, war ich erst völlig verblüfft, gleichzeitig aber auch erfreut und hob ab.

Deria entschuldigte sich, dass sie sich so lange nicht gemeldet habe. Ich hatte ihr das zu keiner Sekunde übel genommen! Im Gegenteil, ich dachte mir schon, dass das seinen Grund haben wird. Sie sagte, die Einladung zum Essen würde immer noch stehen. Und sie redete so impulsiv, so enthusiastisch und fast euphorisch. Sie sagte, sie hätte einfach sowas wie eine Umbruchsphase in ihrem Leben. Dass das der Grund ist, warum sie momentan fast nichts macht, sich nicht bei Freunden meldet. Sie sagte irgendwas von: Sie habe etwas außergewöhnliches entdeckt, was sie fasziniert und was ihr einfach gut tut. Sie will dieses Gefühl genießen, wolle es verinnerlichen und deshalb einfach Zeit – ganz alleine für sich – verbringen. Schließlich kamen wir auf das Thema, was sie so beschäftigte. Und dieses Thema haute mich so aus den Socken, dass ich eigentlich so gut wie gar nicht dazu fähig war, einen vollständigen Satz zustande zu bringen. Es war exakt das Thema, was Sevin und ich vor einem Jahr aufgegriffen hatten. EXAKT dieses Thema.
Ich erzählte ihr davon, von Sevin – obwohl ich schon seit langer Zeit nicht mehr über Sevin nachdachte – und erzählte ihr, wie identisch ihre Gedankengänge sind. Nicht in der Wortwahl und im Empfinden oder Erleben. Aber vom Sinn her war es genau dasselbe.

Ich erzählte ihr, dass ich von dieser These abgelassen hätte, nachdem mir mein Hund genommen wurde. Ich sagte ihr: „Ich habe lange versucht diese Erfahrung zu verinnerlichen und umzusetzen. Habe mich gebremst, wenn ich anfing zu analysieren. Ich dachte, ich bin auf dem richtigen Weg. Aber als mir mein Hund genommen wurde, fragte ich mich, ob ich mir das nicht nur eingebildet hatte. Denn, wenn ich wirklich so weit gewesen wäre, wie ich es geglaubt hatte, warum warf es mich dann so immens aus der Bahn, dass mein Hund weg war? Warum tat mir das so unbeschreiblich weh? Weshalb hatte ich das Gefühl, an seelischem Schmerz zu ersticken?“

„Ich kann dir sagen, warum. Du hast es selbst gesagt, in dem Moment, in dem du sagtest „ich dachte…“ Du hast das Verfahren in Frage gestellt, hast nicht darauf vertraut, du hast das Schicksal, oder das, was eben passiert ist – whatever – herausgefordert. Du hast diese Energie herausgefordert, dich zu testen. Und in dem Fall war das der Verlust deines Hundes.“

Und mir wurde von einer Sekunde auf die andere schlagartig klar: sie hatte recht.
Deria sagte mir, dass sie an irgendwas glaubt. Sie wüsste nicht an was, aber irgendwas sei da. Nicht Gott oder das ganze eingetrichterte Tralala, sondern irgendeine Energie, Atmosphäre, wasauchimmer. Und genauso empfinde ich auch. Ich WEIß, dass da etwas ist, ohne es benennen zu können. Genau das sagte Sevin auch immer. Bzw… sie meinte, sie glaube an das, an was die Menschen glauben: an Gott. Nur dass sie diese „Gottheit“ nicht als das sieht, wie sie die Menschen sehen und dass diese Gottheit nicht „Gott“ ist, sondern ganz einfach die Liebe, die sich als Atmosphäre bemerkbar macht. Etwas, was jeder besitzt, aber niemand wirklich findet. So ähnlich sagte ich das Deria. Dass Sevin meinte, dass es eine Atmosphäre gibt…. und diese Atmosphäre – ganz einfach – die Liebe ist. Und Deria schrie fast auf: „JA GENAU!. Genau das meine ich!


 

Diesen Beitrag Das schrieb ich vor zwei Jahren.

Und heute kann ich mir eine Antwort auf viele Fragen geben, die ich damals noch hatte. Zum Einen auf den letzten Abschnitt. Wonach suchen wir? Was ist das, was wir fühlen, dass es das gibt, aber nie finden?

Das sind WIR! Das, was wir suchen, wonach wir uns sehnen, diese eine Liebe, also… diese „Liebe des Lebens“, das ist IN uns drinnen! Und DAS … muss man entdecken, muss man kennen lernen und finden und fühlen und festhalten. Man muss mit sich selbst an der Hand durch das Leben gehen. Und DAS ist auch die Energie, die Atmosphäre oder das Etwas, nach dem Deria und ich in unserem Gespräch gesucht haben.

Wir suchen ein Leben lang nach uns selbst und viele von uns finden dieses Unersättliche nicht…. weil sie es nicht erkennen.

Und ich WEIß, dass ich auf einem guten Weg bin, weil ich die Erkenntnis schon vor drei Jahren hatte, aber mir erst heute die felsenfeste Antwort darauf klargeworden ist. Ich muss diese Antwort und diese Erkenntnis nun nur noch leben. Und vielleicht kann ich das, was in mir ist… die Seele, die Energie, den Geist (keine Ahnung, was das ist), dann kann ich es nach meinem Tod gehen lassen. Vielleicht habe ich irgendeinen Geist geschenkt bekommen, der schon lange nach genau dieser Antwort sucht. Und vielleicht habe ich die Aufgabe, ihm das zu erfüllen, wofür er existiert… Ich denke.. nein, ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass das so ist… das sagt mir mein Gefühl.

Und ich denke, deshalb bin ich glücklich. Ich habe keine Angst vor dem Tod, keine Angst vor Schicksalsschlägen, keine Angst vor Schmerzen, keine Angst vor Verlusten, keine Angst vor Schlägen, körperlich oder mental, denn… und da bin ich mir zu 100 % sicher – alles, was passiert, hat seinen Grund. Und das Leben ist eine Spirale, ist ein Spiegel und… es gibt nichts „Falsches“. Alles, was passiert, wird so gewesen sein müssen.

Und ihr müsst jetzt alle denken: oh Gott, dieses Mädchen ist verrückt. Lebt gerade mal ein viertel Leben (wenn man davon ausgeht, ich werde 80) und redet schon so ’ne abgedrehte Scheiße. 😀

 

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