|Ein neuer Teil in mir| – Meridian –

Es ist die Farbe meiner Dämmerung. Es ist die Farbe des Himmels. Der Verlauf von Orange in Rosa -> Lila -> Violett -> Blau, bis ins tiefste Schwarz, in dem die Sterne das Lachen beginnen.

Es ist ihr Horizont, auf den sie blickte, als sie auf dem Felsen saß, ein Licht ihres Selbst…. es ist der Horizont, der sich in dem leise rauschenden Meer vor ihr spiegelte. Es ist die Farbe, die ihr den Wind entgegen blies, die ihr die Haare um das ebene Gesicht tanzen ließ.

Es ist die Farbe, die sie dazu verleitete, mich anzusehen. Die Farbe, unter der ich das erste Mal ihr Lächeln sah und die Farbe, die mir den Weg eröffnete, ihr die Hand zu reichen und meinen Weg mit ihr zu gehen.

Das zweite Mal, da lief ich in der Dunkelheit. Ich lief in der Nacht, meine Füße in weichem Sand. Der Himmel war dunkelblau, es war kurz nach der Dämmerung. 

Die Sterne lachten mich an.

Rechts von mir schäumte das Meer über das unberührte Ufer.

Links wogen die schwarzen Grashalme auf einer Erhöhung im leisen Wind. Es blies mir einzelne Strähnen über die Lippen, kitzelte sie. Ich strich sie nicht aus meinem Gesicht. 

Du liefst vor mir. Ein kleiner Schatten, ohne Gesicht. Du hast vor mir getanzt, führtest mir den Weg zu dem schwarzen Baum. Alles schwarz, wie aus Pappe.

Was du mir gezeigt hast, war tief. 

Du hast dich vor diese Linde gestellt. Die, mit ihrem dicken, alten Stamm. Du stelltest dich vor sie und legtest eine flache Hand auf ihr kaltes Holz. Du sahst in die Krone empor, dann zu mir. Du strecktest mir die Hand entgegen.

Ich zögerte, du flüstertest mir zu: „Komm“ und ich bewegte mich. Wie immer ertönte deine tonlose Stimme in meinem Kopf. Es war wie der Wind, ohne Nuance, ohne Gesang, ohne Oktave. Es war einfach nur ein stummes Flüstern, das ich hörte. Es war wie lesen. Eine Stimme ohne Besitzer.

Ich folgte deinen Worten. Ich kam zu dir. Und ich tat, was du mir zu fühlen schenktest. 

Du tratst von dem Baum weg, gabst mir den Platz frei. Meine Hand legte sich auf die Stelle, auf der deine war. Und sie sog mich ein. 

Die Linde sog mich auf. Umarmte meinen Körper, atmete mich ein, in ihr innerstes, bis ich mit ihr verbunden war. Ein goldenes Licht durchzog wie eine Explosion das Innere der Linde – und mich. 

Ein Erwachen.

„Siehst du?“, flüsterte deine Stimme in meinem Kopf, „Wir sind mit allem verbunden. Wir sind Eins mit dem ganzen Universum. Egal was du siehst, egal was du berührst, egal was du hörst. Alles bist du.“

Und ich spürte es. Ich spürte die Fassungslosigkeit. Ich spürte die Wahrheit. Ich spürte die Realität. Ich spürte, wie ich mich von der Linde in den Erdboden bewegte und die Welt als Ganzes sah. Ich sah mich selbst auf diesem Erdboden gehen, spürte meine Füße, die den Beton oder die Erde betraten und es fühlte sich an, wie eine sanfte Berührung in meinem Herz. Das Schmatzen eines klebenden, leckeren Bonbons, wenn sich die Füße meines Ichs von dem Boden hoben. Als liefe es auf Matsch, aber es lief auf mir selbst.

Während ich all das sah und all das spürte und all das verstand, ja, währenddessen saßt du wieder auf deinem Felsen und beobachtetest mich. Ein unsichtbares Lächeln auf deinem ebenen Gesicht. Und als ich mich aus der Linde löste und wieder in der singenden Nacht erwachte, sah ich in deine existenzlosen Augen und du verrietest mir deinen Namen.

Meridian. 

Ein Name, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte, aber der sich für mich stimmig anfühlte.

Meridian ist also der Name des gesichtlosen Mädchens, das mir Dinge der wirklichen Wirklichkeit zeigt, wenn ich die Augen schließe. Es ist der Name von dem Mädchen, das mir zeigte, dass die Realität – und wir alle mit ihr – eine große Illusion sind und die Wahrheit in uns drinnen steckt. Irgendwo zwischen Raum und Zeit………………… Irgendwo, wo das Nichts Alles ist.

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