:Ganz oder gar nicht: oder auch „Kein Bock mehr auf den Scheiß“

Okay, die letzten Tage ging es mir gar nicht gut. Ich habe viel über Carmen und mich nachgedacht und über das, was zwischen uns ist. Und eigentlich bin ich auf das Ergebnis gekommen, dass da weder etwas Ganzes, noch etwas Halbes ist.

Das hat mich aus der Fassung gebracht.

Montagabend hatte ich einen ordentlichen, nervlichen und seelischen Zusammenbruch. Carmen war bloß das i Tüpfelchen, aber dann kam alles andere zusammen: Oma, Polly, Tante und der Schmerz brach endlich aus mir heraus.

Ich hatte Kerzen angezündet, hatte zufällig (! Wie ironisch) eine echt intensive, schöne aber bewegende Pianomusik im Hintergrund laufen und wollte eigentlich einen Satz in meinen Tagebuch schreiben… alles was ich herausbrachte war:

  1. Januar 2017

Ich sollte…..

Und dann brach der Schmerz aus mir heraus. Ich musste so sehr an meine Oma denken – viel weniger an Carmen. Sie war ja nur der kleine Auslöser gewesen. Aber ich dachte an meine Oma, wie sehr ich sie jetzt gerne bei mir hätte und ihr von Carmen und dieser unerträglichen Situation erzählen würde. Ich erinnerte mich an ihre weiche, faltige Hand, die meine hält und streichelt, und an ihre großen, blass-braunen Augen. Ich erinnerte mich, wie es war, ihr durch das seidige, weiche Haar zu streicheln und ihre empfindliche Kopfhaut an meinen Fingerkuppen zu spüren. All das und viel mehr war zu viel für mich.

Ich krümmte mich richtig auf dem Boden, konnte kaum Atmen, habe nur geschluchzt und gewimmert und geweint und hatte seelische Schmerzen, als säße eine Bestie in meinem Inneren und würde mich von innen nach außen auffressen.

Nach, sage und schreibe, vier Stunden konnte ich endlich zur Ruhe kommen. Aber ich war ausgelaugt.

Am nächsten Tag ging es mir wieder gut. Zumindest tagsüber. Ich war nur todmüde und erschöpft und meine ehemalige Kollegin aus der Rechnungsprüfung lief mir über den Weg, während ich die Post in der Verwaltung machte. Sie freute sich mich zu sehen, ich freute mich, sie zu sehen und sie fragte, wie es mir ginge.

Ich war ehrlich zu ihr. Ich habe mit ihr schon viel geredet und erzählte ihr auch, dass ich an diesem gestrigen Tag der Trauer mal einen Freifahrtsschein gegeben habe und ich nun unendlich müde bin.

Sie meinte dazu nur: „Ach, Frau Ve*, hätten Sie das nicht erzählt, sähe man Ihnen das gar nicht an, außer ihren leicht geschwollenen Augen. Aber Sie sehen sehr gut aus. Irgendwie gereinigt. Manchmal muss die Trauer eben raus.“

Da hat sie recht. Aber ob ich wirklich „gereinigt“ bin, das glaube ich nicht. Denn wenn es nach meiner Seele ginge, hätte ich vermutlich noch die ganze Nacht durchweinen können, aber ich hatte irgendwann einfach keinen Bock mehr. Es hat mich wütend gemacht, hat mich genervt. Also habe ich mich zusammengerissen.

Am Dienstagabend habe ich ja dann Carmen einen ellenlangen Text geschrieben, in dem ich ehrlicher zu ihr war, als je zu vor. Das ist der einzige Weg, der zu Carmen führt. Halbwahrheiten und Lügen gehen an ihr vorbei.

Also erzählte ich ihr so ziemlich alles haargenauso, wie euch. Eigentlich wollte ich das nicht tun, aber wieso? Um wen zu schützen? Sie oder mich? Es ist lächerlich, Gefühle und Gedanken zu schlucken, nur weil man sich einbildet, damit unangenehme Dinge zu umgehen.

Und nach diesem Text (der wirklich relativ der selbe war, den ich hier geschrieben habe) sagte sie nur: „Das hört sich jetzt härter an, als es gemeint ist, aber… es berührt mich nicht. Das ist alles deins. Es sind deine Gefühle. Du musst damit umgehen.“ Und da hat sie ja zum Teil auch Recht. Aber: Es berührt sie nicht?

Das war an dem Abend mein ausgelöster Nervenschrei. (Innerlich, vor.. Ärgernis).

Nun… gestern sagte ich zu mir selbst: vergiss es.

Und am Abend habe ich mich komplett zurückgezogen. Es nervt mich. Ich ertrage dieses ewige Hin und Her ihrerseits nicht. Ich ertrage nicht, dass sie nicht weiß, was sie will, und ich ständig auf heißen Kohlen sitzen muss.

Das Gefühl, zu wissen, dass sie mich mit einem Fingerschnippen einfach so „abschieben“ könnte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, das tut weh. Das tut sehr weh. Und dann frage ich mich: Was genau ist das für eine Liebe? Die sie für mich empfindet, meine ich.

Ich will nicht, dass Carmen blöd da steht. Carmen ist ein unglaublich guter, herzlicher und „reiner“ Mensch. Sie ist sehr ehrlich, sehr frei und hat sehr viel Herz. Sie ist hochsensibel und sehr, sehr klug. Und noch dazu sieht sie so unglaublich gut aus – Himmel! Was will frau mehr?

Aber sie ist einfach zu verkopft. Ihr ständiges „ich sollte“ oder „ich sollte nicht“ oder „das soll wohl so sein“ oder „das soll wohl nicht sein“, das geht mir manchmal tierisch auf den Keks, weil ich mir denke, dass (vermeintliche) Regeln brechen doch auch gut tut, wenn alle Gefühle dafür sprechen!

Ich meine, ich verstehe sie einfach nicht! Einerseits kann sie nicht aufhören mich anzusehen, mich zu berühren und zu küssen. Jedesmal wenn wir irgendwo auf der Couch sitzen und kuscheln, wenn ich Heim kam und wir uns umarmt haben oder wenn wir uns nackt im Bett aneinander gekuschelt haben, seufzte sie mir selig ins Ohr und flüsterte, wie unglaublich gut sich das anfühlt.

Dann aber gleichzeitig diese unfassbare Gleichgültigkeit, wenn es darum geht, ich könnte alles in den Sand werfen, weil mir das über den Kopf steigt?

Das Ding ist, dass sie, egal wie oft sie mir sagt, wie wohl sie sich in meiner Nähe fühlt oder wie gerne sie mich berührt – ich habe nicht die leiseste Ahnung, was oder wie viel ich ihr „wert“ bin (ich hasse diesen Wertsvergleich, aber ihr wisst, was ich meine).

Es ist einfach schlimm, wirklich ein schlimmes Gefühl, das sie mir gibt.. das, dass ich sagen könnte: Ich gehe, ich will nicht mehr. Und sie würde es einfach nicht jucken. Sie fände es „schade“ und sie wäre „traurig“ aber im selben Moment würde sie die Schultern zucken und sagen: „Dann soll das wohl so sein“.

Und das kann ich nicht akzeptieren, will ich nicht, weil das weh tut. Weil sie mir damit das Gefühl gibt, dass…. Es ihr nicht wichtig ist.

Der Gedanke, sie an Kreta zu verlieren, ist nichts. Der Gedanke, es könnte eine andere Frau kommen, bei der sie all das kopflos zulässt, was sie bei mir nicht tut – DAS ist für mich eher das Schlimmste, was passieren könnte. Und mit ihrem Verhalten gibt sie mir das Gefühl, dass das auch wirklich passieren kann. Dass ich ersetzbar bin, wie eine Kerze, die ausbrennt.

Das tut wirklich weh.

Und deshalb ziehe ich mich zurück. Solange ich nicht zu 100 % weiß, woran ich bei ihr bin, werde ich auch keine intensiveren Gefühle zulassen und vor allem keine in diese wasauchimmer-Beziehung investieren. Das saugt mich aus und macht mich krank.

Und das Gespräch mit D. tat mir gestern wirklich gut. D ist auch seit 2 Jahren in einer Beziehung mit einer Frau. Ich habe sie vor 5 Jahren an einem Stammtisch kennen gelernt und bis heute Kontakt mit ihr gehalten. D ist ein guter Ausgleich für mich, weil sie eher mit Verstand durchs Leben geht als mit Herz, aber mit gesundem Verstand und eben nicht NUR mit Verstand, sondern auch mit Gefühl und Erfahrung und das 4-stündige Telefonat gestern war zwar kurzzeitig echt anstrengend, aber hat meinen Kopf geklärt.

Außerdem habe ich auch Lila meine Situation geschildert. Lila ist ja eine Türkin (femininer geht’s nicht), ist aber mit einer Frau verheiratet und hat einen 8-jährigen Sohn. Sie kenne ich auch seit diesem Stammtisch von vor einem halben Jahr.

Sie schrieb mir dann zurück: „Das ist eine gute Entscheidung, meine Liebe. Und wenn du merkst, dass es dir dadurch schlechter geht (ich habe ihr gesagt, dass ich mich jetzt zurückziehe von Carmen, gefühlsmäßig), musst du dann eben entscheiden: mit oder ohne * Aber wir sind da und fangen dich auf. Du hast so viele liebe Leute um dich denen du etwas bedeutest und dein Rücken wird nicht so schnell den Boden berühren. Ich drück dich ganz doll“

Und das hat mir noch weiter die Augen geöffnet: JA. Ja, sie hat so recht! Und Liebe macht so blind. Ich habe so viele Menschen um mich herum, mein kleines Rudel, meine „Herberge“! (das ist ein Insider, weil Jeany (die 58-jährige) mal kommentieren wollte: ich „herz“ euch alle, dann aber zufällig: ich „herberge“ euch alle“ geschrieben hat).

Ich weiß, sie sind immer da und ich weiß, wie sehr ich sie alle liebe und wie sehr sie mich mögen und ich weiß, dass ich in allen Lebenslagen auf sie zählen kann. Ich kann mein Leben auch ohne Carmen leben. Sie ist nicht alles. Sie ist, wie gesagt, nur der Honig auf der Banane.

Und ich habe beschlossen, dass wenn ich Carmen das nächste Mal sehe, ihr genau das sagen werde: Entweder ganz, oder gar nicht. Ich will wissen, woran ich bin. Alles andere ist mir zu anstrengend, tut mir weh und saugt mich aus.

Mal sehen, ob ich den Arsch dafür wirklich in der Hose haben werde………..

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Es ist, wie es ist.

So schön, wie die Geschichte zwischen mir und Carmen begonnen hat, so traurig wird sie auch enden. Das weiß ich jetzt schon, weil ich jetzt schon weiß, was sie will. Ich weiß es, weil ich weiß, was sie glücklich macht. Und es macht mich bedingungslos glücklich, wenn sie glücklich ist. Aber mein Ego lässt mich traurig sein – sehr, sehr traurig…. Weil …. Ich sie dafür gehen lassen muss.

Carmen will zurück nach Kreta. Sie möchte hier ihre Kräuterschule erst anfangen und beenden, also wird das sicher nicht vor einem ganzen Jahr passieren, aber nichtsdestotrotz, denn Zeit spielt keine Rolle, wenn du weißt, dass frühestens in einem Jahr alles vorbei sein könnte.

Nun, zumindest so vorbei, wie es im Moment ist. So, wie es schön und erfüllend ist.

Als ich in München war, haben Carmen und ich uns ja fast jeden Tag gesehen und haben fast jede Nacht beieinander geschlafen. Carmen ist vor vier Jahren von Kreta wieder zurück nach Deutschland gekommen und ihr müsst euch Carmen vorstellen wie den Osterhasen von dem Disneyfilm „Die Hüter des Lichts“. Sie klopft einmal mit dem Fuß auf den Boden, es bildet sich ein Loch unter ihr, sie springt hinein und kommt irgendwo am anderen Ende der Welt wieder heraus. Damit meine ich, sie macht, was sie wirklich will. Sie hört auf ihr Gefühl. Und wenn sie merkt, sie braucht gerade einen kleinen Urlaub in Hamburg oder Thailand, dann bucht sie heute die Tickets und ist frühestens morgen weg.

Sie hat mir schon viel von ihren ehemaligen Beziehungen erzählt und dass genau dieser Punkt immer das „Problem“ war. Die Frauen hatten keine Sicherheit bei ihr. Sie lebten ständig in der Angst, sie von heute auf morgen zu verlieren.

Und dann fragte sie mich irgendwann mal: „Was würdest du denn sagen? Oder denken?“

Ich dachte nach. Tja. Was ich sagte, war die pure Wahrheit: „Tja… dann ist das halt so. Ich werde dich nicht festhalten. Du bist ein freier Mensch und alles, was ich will ist, dass du dich gut fühlst. Wenn Kreta dein Leben ist, dann sollst du wohl dahin. Ich könnte auch niemals weg von hier und ich würde eingehen, wenn jemand etwas anderes von mir verlangen würde.“

„Jaaa“, meinte sie dann nur, „Aber würdest du dann noch…“

„Klar würde ich trotzdem bleiben! Keine Entfernung kann Menschen voneinander trennen. Fast meine ganze Familie lebt 1200 Kilometer von mir entfernt, und trotzdem sind sie immer da, wie die Sterne am Himmel. Und ich liebe sie alle sehr und fühle sie, weil wir verbunden sind, weil die Liebe viel, viel stärker ist, als irgendeine dumme Distanz.“

Sie holte Luft, sagte lange nichts, sah mich nur aus großen Augen an und … ich weiß nicht, sie schien irgendwie… sprachlos zu sein? Was ich nicht verstand, denn ist das nicht offensichtlich? Sie müsste es doch wissen. Sie hat auch so viele Menschen in Griechenland, die sie liebt – wirklich SEHR liebt. Und sie weiß doch, dass sie trotzdem da sind. Menschen und die Liebe die man zu ihnen entwickelt – sofern sie wirklich echt und bedingungslos ist – sind wie Sterne. Wirklich, wie Sterne! Sie sind immer da. Egal, ob man sie sieht oder nicht.

Sterne machen mich so atemlos glücklich. An manchen Nächten, an denen man sie ganz besonders sieht, habe ich das Gefühl, dass mein Herz mir vor Freude aus dem Mund springt. Dann bleibe ich stehen oder lege mich auf den kalten Asphalt (das habe ich mit Carmen auch schon einmal gemacht). Manchmal muss ich lachen oder weinen, so schön finde ich das. Es … ja, es entzückt mich richtig! Und dann bin ich so… brrr… ich kann es nicht erklären. Aber versteht ihr? Ich kann die Sterne nicht immer sehen, ich kann sie schon gar nie anfassen oder umarmen oder verschlingen (!!!!), sie gehören mir nicht, sie sind nicht in meiner Nähe und trotzdem besteht meine Liebe zu ihnen und meine Faszination und das Glück, das ihre Schönheit und Magie in mir auslösen (na ja, eigentlich ist ihre Existenz physisch mit allen Mitteln erklärbar, aber trotzdem sind sie für mich magisch!).

Und in dem Moment, in dem ich all das zu ihr sagte, meinte ich das alles auch wirklich genau so. Ich empfand keine Täuschung oder irgendein Schauspiel, um ihr Honig um den Mund zu schmieren und ihr das zu sagen, was sie hören will. Es war wirklich das, was ich empfand.

Vielleicht war ich sogar erleichtert. Ja, nach meiner letzten Beziehung wollte ich keine mehr. Nein. Ich hatte das Gefühl, ich würde aus einem Käfig befreit werden. Als hätte man mir wirklich Ketten um die Flügel gelegt und sie endlich gelöst. Und trotzdem fühle ich den Druck der Fesseln noch an mir, wie ein Brandmal. Und vielleicht hatte ich Angst, dass ich genau dasselbe Gefühl wieder habe, wenn ich eine Beziehung eingehe.

Ich hätte ja nicht einmal im Traum daran gedacht, jemanden wie Carmen kennen zu lernen. Ich habe mich zwei Jahre lang gefragt, was diese eine Liebe überhaupt ist, die man braucht, um eine Partnerschaft zu führen (und jetzt weiß ich nicht einmal mehr wozu diese Beziehungssache überhaupt gut ist?!)… und ich dachte, wenn mir aber doch jemals eine Frau über den Weg läuft die mich SO umhaut, dass ich sagen würde, ich lasse alles für sie stehen und liegen…

Tja… das ist wohl Carmen, und diese Frau tauchte früher auf als mir lieb war. Und trotzdem macht mich der Gedanke an eine „feste Beziehung“ irgendwie befangen….

Nun… jetzt ist aber wieder einige Zeit seitdem vergangen, aber eben nur die Zeit. Der Rest zwischen mir und Carmen ist immer noch genauso. Ach was! Im Gegenteil! Es wird sogar noch intensiver, noch leichter, noch freier, noch liebender. Zumindest von meiner Seite. Ich liebe sie jeden Tag ein Stückchen mehr.

Nun… und letzte Woche war sie von Mittwoch bis Freitag bei mir…. Obwohl ich arbeiten musste, aber sie wollte bei mir sein. Und an irgendeinem dieser Tage, da küssten wir uns wieder so lange und intensiv und… plötzlich dachte ich, dass ein Feuer in mir ausbricht, weil in meinem Kopf schrie plötzlich irgendein glückliches Hormon: „OH.Mein.Gott, JA! JA! JA! ICH LIEBE SIE! ICH LIEBE SIE SO SEHR!“ Und im selben Moment wurde mir wieder klar, dass sie nicht lange bleibt, dass ich sie loslassen muss. Und während ihre weichen Lippen auf meinen war, summte irgendein warmes, beruhigendes Stimmchen in mir: „Du musst sie loslassen, loslassen, loslassen.“ Und DAS tat in dem Augenblick so weh. Diese knallharte Realität, dass es einfach aus mir herausbrach. Dass sie weg sein wird, dass ich sie irgendwann nicht mehr berühren kann, dass ich ihr nicht mehr durch die braunen Haare streicheln kann, ihre Wange an meine Wange legen kann, meine Lippen auf ihre Lippen; dass ich ihr nicht mehr in diese Sommeraugen schauen und dabei spüren werden kann, wie mein Herz immer größer und stärker und lauter und schwammiger wird. Die Realität, dass ich ihr Lachen oder ihr unfassbar süßes, leises Aufstoßen, wenn sie zu viel Wasser getrunken hat, irgendwann nie wieder sehen kann, holte mich so schnell ein, dass die Wehmut und Sehnsucht wie eine Welle über mich hereinbrach.

Und während wir uns küssten liefen mir die Tränen aus den Augen, wie als hätte man einen Wasserhahn aufgedreht und ich konnte es nicht zurück halten. Mein Herz donnerte so sehr, dass ich zitterte und auch sie spürte es und fragte, was los sei.

Das erste Mal, seit ich sie kenne, dass ich nicht ehrlich sein konnte. Ich sagte ihr nicht, dass mich der Gedanke, dass sie bald weg sein könnte, schmerzte wie Feuer, das durch meinen Körper jagte. Ich konnte ihr das nicht sagen. Ich wollte nicht, weil ich sie nicht beeinflussen will. Ich will nicht, dass sie weiß, wie schwer es mir wohl doch fällt. Wie sehr mir der Gedanke doch weh tut. Ich will nicht, dass sie es weiß, weil ich will, dass sie glücklich ist, wenn sie dahin fliegt, wo sie Zuhause ist.

Und deshalb sagte ich nur, mich hätte das Gefühl der Liebe überwältigt. Was ja auch stimmt. Ich habe dieses Gefühl noch nie so intensiv gehabt. Es war also eine Halbwahrheit. Denn den Rest verschwieg ich. Behielt es bis heute für mich. Und behalte ich wohl auch für immer für mich.

 

 

Aktuelle Lebenssituation

Vor genau fünf Jahren lernte ich ein Mädchen kennen. Bayley, nenn ich sie mal (weil sie Bayleys liebt und ihr Name mit B beginnt). Ich lernte sie in der Klinik kennen und mit ihr zusammen fing ich damals den Hungerstreik an, durch den ich überhaupt jemals in diese (sorry) scheißverdrecktbeschissenverfickte Essstörung reingerutscht bin (-8 Kilo in 2 Wochen – das war mein „Extremrekord“).

Nun… als ich entlassen wurde und dann wieder in München war, waren wir todtraurig. Wir haben uns so ergänzt und so viel gemeinsam gelacht. Es war nicht nur die Essstörung, die uns verbunden hat. Unser „Energie-Level“ war einfach auf einem Stand. Ich konnte mit ihr stundenlang abgehen, ohne ausgepowert zu sein. Uns ist jeder mögliche Scheiß eingefallen. Wir waren albern von Morgens bis Abends.

Nun… wir schrieben uns noch eine Zeit lang Briefe. Als sie entlassen wurde hielten wir nur noch sporadisch Kontakt. Über Whatsapp. Und es ging immer nur ums Abnehmen. Jahrelang gründeten wir zusammen mit anderen Mädchen aus dem Internet Gruppen zum Abnehmen (mit den Mädchen habe ich heute noch Kontakt).

Aber so wirklich das Wahre war es nicht mehr.

Irgendwann, am 4. April 13, kam ich ja dann in die Therapeutische Wohngruppe, weil ich mittlerweile alle zwei Tage umgekippt bin (Essverhalten) und das Jugendamt das nicht mehr „verantworten“ konnte.

Dann erzählte ich Bay, wo ich hinkomme und sie hat am Telefon geschrien und gelacht und ich verstand erst die Welt nicht mehr, bis sie mir erzählte, dass ihre Mutter in dieser Einrichtung/Diakonie, als Pädagogin für Schwerbehinderte in der Briefmarkenabteilung arbeitet und sie dort nur 20 Minuten entfernt wohnt.

Ich konnte meinen Ohren nicht trauen und wir waren so glücklich, dass wir am Telefon nur noch lachen und schreien konnten.

Dann kam ich also wirklich in die WG und obwohl wir nur noch 20 Minuten entfernt lebten, schafften wir es in 3 Jahren nur ein paar Mal, uns zu treffen.

Ziemlich zu Beginn meines Aufenthaltes (also noch im Juli 2013), machte ich ein Praktikum bei uns oben in der Tiergestützten Reittherapie (wo ich heute immer noch wöchentlich reiten darf). Und wer machte zufällig im selben Zeitraum dort auch Praktikum? Genau: Bayley! Sie reitet ja auch schon seit Ewigkeiten.

Als ich sie da im Aufenthaltsraum sah, dachte ich, ich muss halluzinieren. Aber wir lachten und fielen uns um den Hals, als hätten wir uns ein Leben lang nicht gesehen, dabei war das erst ein halbes Jahr her.

Nun, zumindest arbeiteten wir dann 2 Wochen dort zusammen, aber die restlichen 3 Jahre sahen wir uns fast nie – nur zufällig. Nur zwei Mal habe ich es geschafft sie zu Hause zu besuchen.

Nun aber zu Jetzt.

Vor 5 Wochen hielten wir wieder engeren Kontakt bei Whatsapp und ich erfuhr, dass sie großen Streit mit ihrer Mutter hat und sie nicht weiß, was sie nun machen soll. Ich sagte ihr, sie dürfte jederzeit zu mir kommen und ein paar Tage bei mir schlafen.

Das natürlich inoffiziell, denn eigentlich wäre das vom Betreuten Wohnen her strengstens verboten. Gut, mein Betreuer kriegt das ja nicht mit, weil ich in einer ganz normalen Wohnung in einem eigenen Appartement wohne, aber ich habe trotzdem angst, dass das irgendwann auffliegt. Was jetzt weniger das Problem ist.

Das Problem ist eher, dass ich aus dieser ( nochmal sorry) scheißverdrecktbeschissenverfickten Essstörung so halbwegs raus war und jetzt mein Kopf wieder anfängt sich viel um das Thema zu drehen. Nicht gut. Und natürlich… mit Bay habe ich halt nur 0,1 % Milch, 3 fettarme Joghurts und Obst in der Küche. Wirklich. NUR. Nichts anderes. Kaffee und Tee gibt’s noch, ansonsten ist meine Küche leer.

Was nicht heißt, dass ich auch nur so wenig esse. Aber ich fange wieder an mich dabei schlecht zu fühlen. Und das ist ein verdammt schlechtes Zeichen.

Das ist aber nur eine Sache. Bay ist ja nun wirklich schon durchgehend bei mir. Ich meine, sie durfte ja sogar in meinem Appartement bleiben, während ich 2 Wochen in München war (Gott, wenn das mein Betreuer jemals herausfinden würde!!!!!!!!!!). Sie war aber auch bei mir zu München zu Besuch. Einmal über Silvester und dann die Woche darauf noch von Freitag bis Samstag.

Und es ist ja alles schön und gut… aber manchmal ertrage ich sie einfach nicht. Irgendwie hat sich unsere Wellenlänge verändert. Ich habe das Gefühl, ich wäre viel zu „alt“ für sie. Ich meine, ich bin wirklich richtig, richtig albern und kann mich manchmal sogar so richtig wie ein Kind verhalten – aber SIE? GOTT! Das ist einfach zu viel für mich. Sie ist so laut und so anstrengend und ich bin im Gegensatz dazu wirklich ruhig geworden….

Und dann die ganze Zeit diese gottverdammt destruktiven Themen. Es geht immer nur um Selbstmord (was nicht ernst gemeint ist), sondern mehr so nebenbei „Ah, mein Arzt hat mir die und die Schlaftabletten verschrieben, wenn der wüsste, was ich mit denen anstellen könnte“ – oder „geil, ich hätte jetzt so Lust einfach die ganze Schachtel zu nehmen, Jessi. Ja! Das mache ich!“

Ich reagiere darauf schon gar nicht mehr, weil ich das affig und kindisch finde.

Gestern habe ich sie „rausgeschmissen“. Ich habe ihr gesagt, dass Carmen für ein paar Tage bei mir schlafen möchte und ob sie denn weiß, wo sie in der Zeit unterkommen kann. Ich habe sie gar nicht erst gefragt, ob das okay sei, wenn sie weg muss. Es MUSS okay sein, weil ich mich einfach nicht mehr wohl fühle. Sie zieht mich runter. Und dann noch diese Unordnung. Himmel! Ich komme mit dem Aufräumen gar nicht hinterher und es ist mir unerklärlich, wie man SO einen Saustall hinterlassen kann!!!

Und sie ist so tollpatschig! In der Küche bin ich echt penibel!!! Ich habe zwei Geschirrtücher. Das Eine benutze ich ausschließlich zum Abtrocknen von Geschirr und das andere für die Oberflächen. Ich finde das nämlich irgendwie eklig, ein Geschirrtuch für beides zu benutzen (zumal es in einer Küche mehr Keime gibt als auf einer Toilettenbrille – krass, oder?!). Und dann hat Bay doch letztens tatsächlich mit dem Geschirrtuch Kakaopulver aufgeputzt! Und zwar ohne vorher den Kakao (wir machen uns manchmal Kaba mit Backkakao, 0,1 % Milch und Süßsstoff mit 120 Kalorien, anstatt wie ein üblicher Kakao 283) mit Zewa oder so weg zu wischen (oder einem Schwamm). Gott!!! Kakao stinkt, wenn es sich in das Tuch frisst und außerdem sieht es aus wie Sau! Und sie kleckert und schüttet und lässt alles liegen und stehen und BAAAAAAAAAAAAH! Da kriege ich die Krise! Ich bin wirklich nur am Putzen und Aufräumen!

Und lernen müsste ich für meine dummen Abschlussprüfungen und für die Fahrschule ja eigentlich auch, aber das kann ich nicht, wenn sie da ist!

Deswegen bin ich jetzt, so gemein das auch klingt, SO froh, dass sie mal für ne Zeit weg ist. Außerdem freue ich mich so sehr auf Carmen heute!

Sie möchte für mich kochen, bis ich von der Arbeit komme. Und nein, wir sind immer noch kein Pärchen, auch wenn das für jeden so aussehen müsste.

Und nein, das finde ich überhaupt nicht schlimm. Es ist sogar sehr befreiend. So eine nichtbeziehung Beziehung zu führen 😀

 

Lara und Zofie

Ich war ja damals auf der Weihnachtsfeier bei der Frau, die die Familienaufstellungen macht. Die Leute waren alle so herzlich und freundlich und humorvoll, ich fand sie alle sehr toll und sie alle waren irgendwie ganz besonders und interessant. Ich meine, das sind alle Menschen, natürlich. Aber… sie hatten alle etwas zu sagen. Die meisten anderen, die schweigen einfach und schlucken das, was sie denken. Sie sind zu verkopft. Alle.

Aber die Leute aus dem Seminar, die waren alle einfach… total ehrlich und offen und haben nur mit dem Herzen geredet.

Das fand ich so klasse. Es war so harmonisch und friedlich und ruhig.

Da war eine Frau, ich nenne sie mal Lara, die hatte ihre Tochter *Zofie dabei. Eine andere Mutter war mit ihrem Sohn da und der Kleine hat mit Zofie dann für eine Zeit lang „unseren“ Raum gestürmt und viel Ach und Krach gemacht. Kein einziger von den Erwachsenen (es waren ja nur Erwachsene da), hat auch nur mit der Wimper gezuckt. Sie haben kurzzeitig den Kindern beim lauten Spielen zugesehen und sich nicht ein bisschen aufgeregt. Sie haben gelächelt und vermutlich in Erinnerungen geschwelgt, als sie selbst noch klein waren. Das hat mir mein Herz warm gemacht, denn sowas kenne ich normalerweise nicht von Münchnern. Sie haben immer etwas zu meckern oder zu nörgeln oder irgendwas zu dramatisieren, wo es keinen Grund gibt. Zumindest ein Großteil von ihnen.

Die Leute, die sich an diesem Abend versammelt haben, waren anders. Es waren zwei Männer dabei, der Rest waren Frauen. Die Jüngste war wohl 30, denke ich. Mit Ausnahme von mir, Ich war ja da noch 19, was aber keiner wusste (gut, ich nehme mal an, es war erkenntlich, dass ich deutlich jünger bin), aber es schien keinen interessiert zu haben. Und Jella… wahnsinn! Also die Frau, bei der ich bei der Hypnose war und die auch die Seminare macht… die kann man nicht in Worte fassen. Sie sieht einfach aus wie Licht. Ihre Augen strahlen, sie ist so ruhig, man hat das Gefühl, sie wäre wie ein Mammut-Baum, den kein Sturm aus dem Gleichgewicht bringen kann. Ich bin fasziniert von ihr – und noch mehr seit meiner ersten Hypnose Sitzung. Ich erzähle davon mal mehr!

Nun ja… jedenfalls war da eben dieses kleine Mädchen, Zofie. Als ich sie das erste Mal sah, erinnerte sie mich an eine kleine Indianerin. Sie hatte ein Stirnband an, ihre glatten, schulterlangen Erdnuss-braunen Haare waren völlig zerzaust vom Spielen. Sie ist wirklich ein kleiner Wirbelwind!

Irgendwann ging die Mutter mit ihrem Sohn und Zofie langweilte sich zu Tode. Sie hing die ganze Zeit bei ihrer Mama, hüpfte auf ihr herum, nörgelte, stöhnte. Bis sie sich ein paar „Opfer“ zum Nerven (Spielen) suchte.

Irgendwann blieb sie an mir hängen. Sie stand hinter mir und ich ging auf ihr Spiel mit ein. Ich drehte mich hektisch um, erschreckte sie oder schnappte spielerisch nach ihren Beinen.

Dann war ich in ihrem Visier. Sie ließ den ganzen Abend nicht mehr von mir ab und ich spielte mir ihr. Zum Einen, weil sie mir leid tat und weil ich sie zuckersüß fand und zum Anderen, weil ich mich daran erinnerte, wie ich damals war. Wie gerne habe ich mir damals immer eine große Schwester gewünscht, die mir so viel Aufmerksamkeit schenkt, wie ich es an dem Abend Zofie schenkte? Und ich hatte eine Zeit lang wirklich Spaß mit ihr. Ich spielte draußen mit ihr Fangen, dann benutzte sie mich als „Puppe“. Sie flocht meine Haare (die ich mittlerweile schulterlang abgeschnitten habe; 25 cm weg), schminkte mich und dann zeigte sie mir viele Fotos auf dem Handy ihrer Mama von ihrer Katze und ihrem Urlaub in Kroatien.

Irgendwann fragte mich Lara, nachdem ich bemerkt hatte, dass uns einige zugeschaut hatten, ob ich Geschwister hätte und ich meinte: „Nö. Ich bin Einzelkind.“ Und sie sagte: „Wow, das ist ja der Wahnsinn, wie du mit Kindern umgehen kannst.“

Ich lächelte nur und erklärte nicht, dass ich eine lange Zeit viel mit Kindern zu tun hatte. Da war ich zwar selbst noch ein Kind (mit 13, 14), aber trotzdem habe ich viel durch die Kleinen in unserem Wohnblock mitbekommen, auf die ich manchmal sogar nachts aufgepasst habe, wenn die Eltern mal essen gehen wollten.

Irgendwann wurde es für Zofie zu spät und Lara wollte nach Hause gehen. Zofie wollte unbedingt, dass ich mitgehe, aber ich hatte den Abend schon Carmen versprochen. Außerdem waren alle meine Sache noch bei ihr. Die Kleine war todtraurig und als wir die Nummern austauschten und sie gehen mussten und ich ihr auf die Stirn küsste, musste sie fast weinen. Ich versprach ihr, dass wir uns wieder sehen.

Nur eine Woche später fragte ich Lara bei Whatsapp, ob sie über die Weihnachtsferien denn da wären, weil ich 2 Wochen in München sei. Sie waren allerdings im Urlaub. Das war das erste Mal, dass wir seit der Weihnachtsfeier schrieben und deshalb haute mich ihr Angebot gleich 3-fach um!

Sie fragte, wo ich denn die 2 Wochen wohnen würde und ob ich eine Unterkunft suche, denn sie seien ja im Urlaub und ihre Wohnung somit frei, dass ich jederzeit bei ihnen schlafen dürfte.

Ich schrieb nur ein einziges Wort mit drei Buchstaben zurück:

Wow.

Ich war wirklich fassungslos. Immerhin habe ich kaum ein Wort mit Lara an dem Abend gewechselt. Wirklich nur um die Nummern zu tauschen. Zum Abschied nahm sie mich an dem Abend fest in die Arme und gab mir Küsse auf die Wange. Aber eigentlich hatte ich bloß mit Zofie etwas am Hut gehabt. Wie konnte das sein, dass sie mir so sehr vertraut, dass sie mir sogar ihre Wohnung überlassen würde?

Wahnsinn.

Ich bedankte mich aus tiefstem Herzen und erklärte ihr, dass ich bei meinen Eltern wohnen kann.

Nun ja, seitdem habe ich sporadisch Kontakt mit den beiden. Zofie hat mir schon viele Fotos von ihrem Urlaub geschickt und ein Video, in dem sie ihre Katze sucht, um sie mir zu zeigen. Kurz telefoniert habe ich mit der Kleinen auch.

Jetzt aber erst einmal zu dem, was ich so extrem finde!

Als ich am Samstag diesen neuen Ort gesehen habe, also diese eisblaue Farbe in meinem Hals, diese Schneelandschaft und den Hirsch und die Rehe… ich hatte irgendwie das Bedürfnis, Lara davon zu erzählen. Also schrieb ich ihr das am Sonntag, was ich gesehen hatte.

Und dann war sie auch total überrascht und überwältigt, weil sie wohl an dem Tag, an dem ich diesen Ort gesehen habe, mit einem Bekannten genau über so einen Ort gesprochen hat. Er sei bei einer Wahrsagung gewesen und wäre dabei durch diesen Ort gelaufen. Es soll genauso ausgesehen haben wie bei mir, er hätte auch die Rehe gesehen, nur der Hirsch hätte gefehlt. Und sie meinte, dass das wohl mit meiner Meditation zusammenhängt…

Nun ja… das hat mich ziemlich sprachlos gemacht und am Samstag sehe ich sie endlich mal wieder. Ich hoffe, da kann ich dann etwas ausführlicher mit Lara reden…. Über Chats ist das immer so… „schwierig“, finde ich. Es ist so leicht, aneinander vorbei zu reden und das möchte ich (vor allem bei diesem Thema) vermeiden.

:Hirsch: Krafttier

Am Wochenende hatte ich Besuch von Carmen. Es war ein sehr, sehr schönes Wochenende.

Am Samstag wollte ich wieder meditieren. Komischerweise mache ich das alleine sehr selten. Meistens nur mit Carmen zusammen. Ich weiß nicht warum.

Ich glaube, wenn meine Freunde und Familie wüssten, dass ich meditiere, würden sie mich nicht mehr für ganz voll halten.

Egal, mir tut es gut, ich liebe es, weil ich das Gefühl habe… ach, es gehört mir. Es gehört einfach mir. Keiner kann es sehen, keiner kann es fühlen und vermutlich kann es auch keiner verstehen und das stört mich nicht, weil es mich so glücklich macht.

Am Samstag meditierte ich also mit ihr. Ich bat sie darum. Ich wollte es in dem Moment unbedingt tun.

Also zündeten wir uns eine Kerze an, setzten uns gegenüber und ich schloss die Augen.

Ich war SO schnell weg!!!

Das habe ich noch nie erlebt.

Erst war ich in einer Dunkelheit gestanden, wie immer zu Beginn… aber schon sehr bald erkannte ich Meridians Haare, die im Wind wehten. Ganz dich vor mir. Dann erkannte ich den hellbraunen Mantel und die riesige Kapuze, die sie über den Kopf gezogen hatte. Sie drehte sich leicht zu mir um und lächelte.

Schon da musste ich weinen – dummes, dummes Sensibelchen. Aber ich musste weinen, weil ich so glücklich war sie zu sehen!

Dann weitete sich erst ein Bild vor meinen Augen. Ich spürte den Schnee unter meinen Füßen. Das knirschende Geräusch verleitete mich dazu zu meinen Füßen zu sehen. Der Schnee war hoch. Er ging mir ungefähr bis zu den Knöcheln.

Ich folgte Meridian, sie lief einfach geradeaus und ich folgte ihr. Die Landschaft war weit. Sehr weit und frei. Nur rechts und links erstreckten sich Wälder. Es schneite. Es schneite dichten, weichen Schnee und verzauberte die ganze Landschaft. Der Himmel war eisblau, wie auch sonst ziemlich alles in diesem eisblau schimmerte. So hell, dass es fast weiß war.

Und dann erkannte ich zu meiner Rechten Schatten im dichten, fallenden Schnee. Erst als wir näher kamen, erkannte ich dass es Rehe waren, die mich ansahen. Ich holte tief Luft, weil mich das Gefühl der Überwältigung so atemlos werden ließ, dass ich dachte ich ersticke. Als ich Luft holte, wurde mir erst bewusst, wie klar und sauber die Luft hier überhaupt war. Es ging so kalt und belebend durch mich durch, als würde ich das erste Mal in meinem Leben atmen!

Und als wir diesen Schatten näher kamen erkannte ich einen Hirsch. Er stand da und sah mich an. Er sah mir mitten in das Gesicht und in dem Moment, in dem ich ihn sah, musste ich wieder weinen. Und zwar in der Realität! Ich habe richtig gespürt, wie mir die Tränen aus den Augen gelaufen sind!

Meridian ist stehen geblieben, ich bin weiter auf den Hirsch zu gegangen, der seelenruhig stehen blieb und mich weiter aus seinen weisen, ehrlichen Augen ansah. Ganz dicht vor ihm blieb ich stehen und sah ihn einfach nur an. Er sah mich auch an, bewegte sich nicht.

Ich trat noch einen Schritt auf ihn zu und legte meine Hand etwas über seine Nase. Er atmete aus. Sein Atem verdunstete in der Kälte und ich sah ihn lange an und genoss dieses unbeschreibliche Gefühl. Mein Herz flatterte richtig und ich war bedingungslos glücklich!!!

Zwischenzeitlich verließ ich mal kurz den Ort, kehrte dann aber wieder zurück zu dem Hirsch. Er kniete sich auf die Vorderbeine, senkte leicht den Kopf und wartete, bis ich verstand, dass ich mich auf seinen Rücken setzen sollte. Ich zögerte, setzte dann aber den ersten Schritt, den zweiten, und traute mich schließlich wirklich, mich auf seinen Rücken zu setzen.

In dem Moment, in dem er sich mit mir auf dem Rücken wieder erhob, kam von hinten ein kleiner, weißer Schmetterling angeflogen. Er setzte sich auf das rechte Geweih des Hirsches. Und dann musste ich wieder weinen.

Ich kam aus meiner Meditation wieder heraus und weinte immer noch – so sehr! Carmen saß vor mir und ich dachte für eine kurze Sekunde wieder darüber nach, wie schön sie aussieht (sie hatte die Augen noch geschlossen). Gleich darauf überwältigte mich aber wieder dieses Gefühl des Glücklichseins und die Tränen liefen und liefen und liefen und ich strahlte über das ganze Gesicht und mein Herz flatterte und flatterte und flatterte und ich zitterte.

Irgendwann „erwachte“ auch Carmen und sie sah mich erst nur lange an. Ziemlich unergründlich. Klar, ich saß immerhin strahlend glücklich aber heulend vor ihr. Das muss absurd ausgesehen haben. Ich konnte auch nicht reden, weil irgendwie alles in mir so schwammig war. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich meinen Körper nicht spüre… ich war wohl noch nicht richtig „da“.. also irgendwie noch in der Meditation drinnen. Vermutlich bin ich zu früh aufgewacht, aber irgendwie habe ich mich nicht richtig „gelöst“ von der Meditation und war deshalb so „weich“ – also mein Körper. Ich konnte ihn wirklich nicht spüren, habe gezittert, war glücklich, fast euphorisch und habe gleichzeitig gelacht und geweint.

Carmen half mir vom Boden und sagte mir, ich solle mich einfach bewegen und schütteln und sonstwas tun, um meinen Körper aufzuwecken. Ich versuchte es. Ich kam mir zwar echt blöd dabei vor, aber hey, es klappte wirklich.

Dann erzählte ich ihr davon, was ich gesehen hatte. Und sie lächelte und meinte nur: „Tja… das war dann wohl dein Krafttier.“

Ich muss ehrlich sagen, ich habe keine Ahnung, was Krafttiere so wirklich sind, ich weiß nur, dass sie im Spirituellen oft vorkommen, aber was genau das sein soll oder was die bringen sollen; keine Ahnung.

Ich habe auch noch keine Lust gehabt es zu googlen, aber dafür habe ich gegoogelt, was der Hirsch als „Geistwesen“ (so steht es im Internte) für eine Bedeutung hat:

Die Macht der Tiergeister: Das Krafttier Hirsch und seine Bedeutung

  • Selbstachtung
  • Unabhängigkeit
  • Charisma

 

 

Das sind die drei Schlüsselwörter, die am besten die Qualität von Krafttier Hirsch versinnbildlichen. Der elegante und zugleich königliche Hirsch zeigt uns, wie wir mit aufrechter Haltung durchs Leben gehen können – gerade auch dann, wenn die Zeiten einmal etwas schwieriger sind. Dabei geht es um echte Autorität, innere Stärke und die Erkenntnis, dass in der Ruhe oft die wahre Kraft liegt. Der Hirsch schreitet frei und unabhängig durch sein Territorium: Wenn er uns als Krafttier erscheint, sind wir daher dazu aufgefordert, mit der gleichen Beharrlichkeit unsere Ziele anzustreben – und letzten Endes unseren eigenen Weg zu gehen.

Krafttier Hirsch und seine Botschaften

Wenn der Hirsch als Geistwesen zu uns kommt, können wir diese wertvollen und spirituellen Erkenntnisse von ihm lernen:

  • Das Geweih als Symbol für Waffe, verbunden mit der Aufforderung, unsere Kräfte richtig einzusetzen.
  • Ein Geweih ist, obwohl von knöcherner Substanz, ein erstaunlich flexibles Material: Überprüfen, wo wir zu starr geworden sind.
  • Das Abwerfen des Geweihs als Symbol dafür, neue Wege zu beschreiten.
  • Das Geweih als reine Zierde und Symbol für Imponiergehabe.

Als mächtigstem Tier des Waldes kommt dem Krafttier Hirsch zweifelsohne eine ganz besondere Bedeutung zu. Er zeigt uns, auf welche Weise wir uns für unsere Ziele einsetzen sollten, ob unser Selbstbewusstsein echt oder nur Fassade ist. Krafttier Hirsch zeigt uns aber auch, wann es Zeit für einen Neuanfang ist und wir, so wie der Hirsch sein Geweih abwirft, von alten Mustern ablassen sollten.

Außerdem habe ich gestern noch angefangen zu versuchen das alles aufzumalen, was ich so sehe, wenn ich meditiere. Also habe ich einen Körper gezeichnet und da eben die ganzen „Räume“, die ich bisher in meinen Meditationen gesehen habe. Die waren nicht von Anfang an so, wie sie mittlerweile sind. Es musste sich viel entwickeln (vor allem der rote Raum, ganz unten). Das war vorher ein schwarzer Raum mit einem Käfig, in dem ein schrecklich unheimliches Wesen herumtigerte. Aber das ist ne andere Geschichte.

chakra
Der Kopf passt von den Farben her nicht so ganz. Eigentlich sieht es wirklich aus wie eine Abenddämmerung (lila-dunkelblau mit Sternen)

 

Ich glaube, ich werde hier eine Kategorie namens „Nebenwelten“ eröffnen, in der ich dann all dieses Zeug hier schreiben werde.

Nun… zumindest muss ich zu dieser Geschichte dann noch etwas erzählen, weil sie mit zwei Leuten zusammenhängt, die ich vor Weihnachten mal bei einer Weihnachtsfeier kennen gelernt habe. Es geht um eine Mutter und ihre Tochter.

 

 


 

 

 

 

:Weltengestalter: || :Erste Hypnose:

Welten zu gestalten ist ja relativ einfach. Finde ich. Und zudem auch noch eines meiner Lieblingsbeschäftigungen – ist das nicht cool? Ich meine, stellt euch mal vor! Ihr schließt die Augen (oder auch nicht) und entspannt euch und atmet tief aus und ein und PLUMS – ist man plötzlich in einer anderen Welt.

Das erste Mal, da war ich an einem Ufer aus Sand. Es dämmerte. Der Himmel war orange-lila-dunkelblau und die Sterne die waren schon überall zu sehen – so klar, dass man sogar die Milchstraße erkannte. Es war fast Vollmond und wie ich so am Ufer im weichen Sand stand und das Rauschen der niedrigen Wellen hörte, sah ich geradeaus und entdeckte etwas weiter vor mir einen Felsen.

Dieser Ort, der existiert in meinem Kopf.

Dann gibt es noch den Sonnenraum. Der ist so strahlend gelb, als hätte man die Sonne eingesaugt und festgehalten. In diesem Raum, da gibt es eine Hängematte. Ansonsten ist er leer. Ein kleines Kind tanzt da manchmal herum. Dieses Kind hat kein Gesicht und kein Aussehen. Es ist einfach nur … wie aus Licht gezaubert. Eher wie der Umriss eines Kindes.

Dieser Raum, der existiert in meiner Brust.

Und dann wäre da der Ort, den ich zuletzt entdeckt habe. Er ist rot-orange, aber eher rot. Strahlend rot. Es ist eine riesige Wiese, voll und übervoll mit blühenden, satten Mohnblumen. So viele, dass es aussieht wie ein rotes Meer! Hinter dieser Kulisse geht gerade die Sonne auf. Ein gold-orange-rotes Licht, das die Farbe der Mohnblumenwiese nur verstärkt und alles zum Glühen und Brennen und Leben bringt. Leidenschaft. In der Mitte dieser Mohnblumenwiese steht ein kleines, hölzernes Boot.

Diese Wiese existiert in meinem Unterleib.

Keine Ahnung, wie ich auf all das kam. Der Strand bei Abenddämmerung, der kam mir, als ich die Augen geschlossen hatte und einfach nur entspannte.

Den Sonnenraum und die Mohnblumenwiese sah ich erst vor zwei Wochen bei meinem Hypnose-Termin. Ich sah ihn mit offenen Augen!

Ja, ich war bei einer Hypnosetherapie.

Und obwohl ich während der Sitzung (2 Stunden), *Jellas Stimme bloß als sehr, sehr leises Rauschen/Summen vernahm, konnte ich irgendwie jedes ihrer Worte verstehen – ohne sie zu hören! Ist das nicht Wahnsinn?

Und ich war einfach weg! Weg, weg, weg! Ich hatte die Augen offen und ich wusste, dass ich auf diesem Sessel sitze… aber… ich war irgendwie WEG! Und das war so… wow! Ich hatte das Gefühl, mit meinem Körper nicht mehr verbunden zu sein! Und mit offenen Augen sah ich all diese Dinge!

Na ja… später, als ich davon erzählte, meinte jemand mit einem Lächeln zu mir: „Willkommen. Du bist jetzt ein Weltengestalter.“

Ich mag es! Ich liebe es! Es gibt sooo viele Welten. Sie sind zwar nur in meinem Kopf, aber ich kann sie sehen und fühlen und das macht sie für mich existent.

 

„Hab ich’s nicht gesagt?“

Meine Mutter gestern am Telefon so: „Dass Polly gestorben ist, habe ich noch nicht erzählt oder?“

Ich so: „Natürlich nicht.“ Und ich war wütend. Weil ich erschrocken war von dem Schmerz. Weil sie so tat, als wüsste sie nicht, dass sie es verschwiegen hatte. Blöde Kuh.

Sie so: „Also habe ich dir nicht geschrieben?“

Ich so: „Nein, Mama… Wann?“

Sie so: „Montag erst…“

Ich so: „Aha… ist sie eingeschlafen?“ Der Schmerz peitscht mich aus.

Sie so: „Ja… Gott sei Dank… sehr friedlich.“

Ich so: „Aha…“

Sie so: „Am Sonntag Abend lag sie noch auf meinem Schoß … und ich habe schon für sie geweint.“

Das einzige atmende, fühlende, denkende Geschenk meine verstorbenen Tante… ist nun auch gegangen. Und nur 2 Tage vorher habe ich es erwähnt. Habe ich es nicht gesagt? Und jetzt habe ich schon wieder das Gefühl, es ist nur passiert, weil ich mein Gefühl ausgesprochen (in Anführungszeichen) habe…..

Und am Sonntag, als mein Vater und meine Mama mich nach Hause gefahren haben, habe ich Polly noch unter dem Tisch auf ihrer Decke liegen sehen. In dem Moment, in dem ich die Tür verlassen habe, und kurz bevor mein Vater sie geschlossen hat.

Und ich sah zu ihr zurück und dachte noch mit Schmerz im Herz: Du solltest dich verabschieden… aber ich habe sie am Samstag flüsternd und streichelnd noch darum gebeten: „Halte eine Woche noch aus. Dann komme ich wieder.“ Und habe sie geküsst. Auf die Stirn. Wie immer.

Ich hatte wirklich ein schlechtes Gefühl, als ich am Sonntag ohne Abschied gegangen bin.

Ich so: „Mama.. ich muss noch lernen.“

Sie so: „Okay. Na dann… wir lieben dich. Küsschen“

Ich so: „Ja… ich euch auch“ – in dem Moment eher eine Floskel.

Düt.

Und dann… zog sich der stählerne Faden in meiner Brust so zu, dass ich dachte, mein Herz wird in Zwei geschnitten.

Und ich weinte.

Nicht lange.

Dann lebte ich weiter.