Lara und Zofie

Ich war ja damals auf der Weihnachtsfeier bei der Frau, die die Familienaufstellungen macht. Die Leute waren alle so herzlich und freundlich und humorvoll, ich fand sie alle sehr toll und sie alle waren irgendwie ganz besonders und interessant. Ich meine, das sind alle Menschen, natürlich. Aber… sie hatten alle etwas zu sagen. Die meisten anderen, die schweigen einfach und schlucken das, was sie denken. Sie sind zu verkopft. Alle.

Aber die Leute aus dem Seminar, die waren alle einfach… total ehrlich und offen und haben nur mit dem Herzen geredet.

Das fand ich so klasse. Es war so harmonisch und friedlich und ruhig.

Da war eine Frau, ich nenne sie mal Lara, die hatte ihre Tochter *Zofie dabei. Eine andere Mutter war mit ihrem Sohn da und der Kleine hat mit Zofie dann für eine Zeit lang „unseren“ Raum gestürmt und viel Ach und Krach gemacht. Kein einziger von den Erwachsenen (es waren ja nur Erwachsene da), hat auch nur mit der Wimper gezuckt. Sie haben kurzzeitig den Kindern beim lauten Spielen zugesehen und sich nicht ein bisschen aufgeregt. Sie haben gelächelt und vermutlich in Erinnerungen geschwelgt, als sie selbst noch klein waren. Das hat mir mein Herz warm gemacht, denn sowas kenne ich normalerweise nicht von Münchnern. Sie haben immer etwas zu meckern oder zu nörgeln oder irgendwas zu dramatisieren, wo es keinen Grund gibt. Zumindest ein Großteil von ihnen.

Die Leute, die sich an diesem Abend versammelt haben, waren anders. Es waren zwei Männer dabei, der Rest waren Frauen. Die Jüngste war wohl 30, denke ich. Mit Ausnahme von mir, Ich war ja da noch 19, was aber keiner wusste (gut, ich nehme mal an, es war erkenntlich, dass ich deutlich jünger bin), aber es schien keinen interessiert zu haben. Und Jella… wahnsinn! Also die Frau, bei der ich bei der Hypnose war und die auch die Seminare macht… die kann man nicht in Worte fassen. Sie sieht einfach aus wie Licht. Ihre Augen strahlen, sie ist so ruhig, man hat das Gefühl, sie wäre wie ein Mammut-Baum, den kein Sturm aus dem Gleichgewicht bringen kann. Ich bin fasziniert von ihr – und noch mehr seit meiner ersten Hypnose Sitzung. Ich erzähle davon mal mehr!

Nun ja… jedenfalls war da eben dieses kleine Mädchen, Zofie. Als ich sie das erste Mal sah, erinnerte sie mich an eine kleine Indianerin. Sie hatte ein Stirnband an, ihre glatten, schulterlangen Erdnuss-braunen Haare waren völlig zerzaust vom Spielen. Sie ist wirklich ein kleiner Wirbelwind!

Irgendwann ging die Mutter mit ihrem Sohn und Zofie langweilte sich zu Tode. Sie hing die ganze Zeit bei ihrer Mama, hüpfte auf ihr herum, nörgelte, stöhnte. Bis sie sich ein paar „Opfer“ zum Nerven (Spielen) suchte.

Irgendwann blieb sie an mir hängen. Sie stand hinter mir und ich ging auf ihr Spiel mit ein. Ich drehte mich hektisch um, erschreckte sie oder schnappte spielerisch nach ihren Beinen.

Dann war ich in ihrem Visier. Sie ließ den ganzen Abend nicht mehr von mir ab und ich spielte mir ihr. Zum Einen, weil sie mir leid tat und weil ich sie zuckersüß fand und zum Anderen, weil ich mich daran erinnerte, wie ich damals war. Wie gerne habe ich mir damals immer eine große Schwester gewünscht, die mir so viel Aufmerksamkeit schenkt, wie ich es an dem Abend Zofie schenkte? Und ich hatte eine Zeit lang wirklich Spaß mit ihr. Ich spielte draußen mit ihr Fangen, dann benutzte sie mich als „Puppe“. Sie flocht meine Haare (die ich mittlerweile schulterlang abgeschnitten habe; 25 cm weg), schminkte mich und dann zeigte sie mir viele Fotos auf dem Handy ihrer Mama von ihrer Katze und ihrem Urlaub in Kroatien.

Irgendwann fragte mich Lara, nachdem ich bemerkt hatte, dass uns einige zugeschaut hatten, ob ich Geschwister hätte und ich meinte: „Nö. Ich bin Einzelkind.“ Und sie sagte: „Wow, das ist ja der Wahnsinn, wie du mit Kindern umgehen kannst.“

Ich lächelte nur und erklärte nicht, dass ich eine lange Zeit viel mit Kindern zu tun hatte. Da war ich zwar selbst noch ein Kind (mit 13, 14), aber trotzdem habe ich viel durch die Kleinen in unserem Wohnblock mitbekommen, auf die ich manchmal sogar nachts aufgepasst habe, wenn die Eltern mal essen gehen wollten.

Irgendwann wurde es für Zofie zu spät und Lara wollte nach Hause gehen. Zofie wollte unbedingt, dass ich mitgehe, aber ich hatte den Abend schon Carmen versprochen. Außerdem waren alle meine Sache noch bei ihr. Die Kleine war todtraurig und als wir die Nummern austauschten und sie gehen mussten und ich ihr auf die Stirn küsste, musste sie fast weinen. Ich versprach ihr, dass wir uns wieder sehen.

Nur eine Woche später fragte ich Lara bei Whatsapp, ob sie über die Weihnachtsferien denn da wären, weil ich 2 Wochen in München sei. Sie waren allerdings im Urlaub. Das war das erste Mal, dass wir seit der Weihnachtsfeier schrieben und deshalb haute mich ihr Angebot gleich 3-fach um!

Sie fragte, wo ich denn die 2 Wochen wohnen würde und ob ich eine Unterkunft suche, denn sie seien ja im Urlaub und ihre Wohnung somit frei, dass ich jederzeit bei ihnen schlafen dürfte.

Ich schrieb nur ein einziges Wort mit drei Buchstaben zurück:

Wow.

Ich war wirklich fassungslos. Immerhin habe ich kaum ein Wort mit Lara an dem Abend gewechselt. Wirklich nur um die Nummern zu tauschen. Zum Abschied nahm sie mich an dem Abend fest in die Arme und gab mir Küsse auf die Wange. Aber eigentlich hatte ich bloß mit Zofie etwas am Hut gehabt. Wie konnte das sein, dass sie mir so sehr vertraut, dass sie mir sogar ihre Wohnung überlassen würde?

Wahnsinn.

Ich bedankte mich aus tiefstem Herzen und erklärte ihr, dass ich bei meinen Eltern wohnen kann.

Nun ja, seitdem habe ich sporadisch Kontakt mit den beiden. Zofie hat mir schon viele Fotos von ihrem Urlaub geschickt und ein Video, in dem sie ihre Katze sucht, um sie mir zu zeigen. Kurz telefoniert habe ich mit der Kleinen auch.

Jetzt aber erst einmal zu dem, was ich so extrem finde!

Als ich am Samstag diesen neuen Ort gesehen habe, also diese eisblaue Farbe in meinem Hals, diese Schneelandschaft und den Hirsch und die Rehe… ich hatte irgendwie das Bedürfnis, Lara davon zu erzählen. Also schrieb ich ihr das am Sonntag, was ich gesehen hatte.

Und dann war sie auch total überrascht und überwältigt, weil sie wohl an dem Tag, an dem ich diesen Ort gesehen habe, mit einem Bekannten genau über so einen Ort gesprochen hat. Er sei bei einer Wahrsagung gewesen und wäre dabei durch diesen Ort gelaufen. Es soll genauso ausgesehen haben wie bei mir, er hätte auch die Rehe gesehen, nur der Hirsch hätte gefehlt. Und sie meinte, dass das wohl mit meiner Meditation zusammenhängt…

Nun ja… das hat mich ziemlich sprachlos gemacht und am Samstag sehe ich sie endlich mal wieder. Ich hoffe, da kann ich dann etwas ausführlicher mit Lara reden…. Über Chats ist das immer so… „schwierig“, finde ich. Es ist so leicht, aneinander vorbei zu reden und das möchte ich (vor allem bei diesem Thema) vermeiden.

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