Aktuelle Lebenssituation

Vor genau fünf Jahren lernte ich ein Mädchen kennen. Bayley, nenn ich sie mal (weil sie Bayleys liebt und ihr Name mit B beginnt). Ich lernte sie in der Klinik kennen und mit ihr zusammen fing ich damals den Hungerstreik an, durch den ich überhaupt jemals in diese (sorry) scheißverdrecktbeschissenverfickte Essstörung reingerutscht bin (-8 Kilo in 2 Wochen – das war mein „Extremrekord“).

Nun… als ich entlassen wurde und dann wieder in München war, waren wir todtraurig. Wir haben uns so ergänzt und so viel gemeinsam gelacht. Es war nicht nur die Essstörung, die uns verbunden hat. Unser „Energie-Level“ war einfach auf einem Stand. Ich konnte mit ihr stundenlang abgehen, ohne ausgepowert zu sein. Uns ist jeder mögliche Scheiß eingefallen. Wir waren albern von Morgens bis Abends.

Nun… wir schrieben uns noch eine Zeit lang Briefe. Als sie entlassen wurde hielten wir nur noch sporadisch Kontakt. Über Whatsapp. Und es ging immer nur ums Abnehmen. Jahrelang gründeten wir zusammen mit anderen Mädchen aus dem Internet Gruppen zum Abnehmen (mit den Mädchen habe ich heute noch Kontakt).

Aber so wirklich das Wahre war es nicht mehr.

Irgendwann, am 4. April 13, kam ich ja dann in die Therapeutische Wohngruppe, weil ich mittlerweile alle zwei Tage umgekippt bin (Essverhalten) und das Jugendamt das nicht mehr „verantworten“ konnte.

Dann erzählte ich Bay, wo ich hinkomme und sie hat am Telefon geschrien und gelacht und ich verstand erst die Welt nicht mehr, bis sie mir erzählte, dass ihre Mutter in dieser Einrichtung/Diakonie, als Pädagogin für Schwerbehinderte in der Briefmarkenabteilung arbeitet und sie dort nur 20 Minuten entfernt wohnt.

Ich konnte meinen Ohren nicht trauen und wir waren so glücklich, dass wir am Telefon nur noch lachen und schreien konnten.

Dann kam ich also wirklich in die WG und obwohl wir nur noch 20 Minuten entfernt lebten, schafften wir es in 3 Jahren nur ein paar Mal, uns zu treffen.

Ziemlich zu Beginn meines Aufenthaltes (also noch im Juli 2013), machte ich ein Praktikum bei uns oben in der Tiergestützten Reittherapie (wo ich heute immer noch wöchentlich reiten darf). Und wer machte zufällig im selben Zeitraum dort auch Praktikum? Genau: Bayley! Sie reitet ja auch schon seit Ewigkeiten.

Als ich sie da im Aufenthaltsraum sah, dachte ich, ich muss halluzinieren. Aber wir lachten und fielen uns um den Hals, als hätten wir uns ein Leben lang nicht gesehen, dabei war das erst ein halbes Jahr her.

Nun, zumindest arbeiteten wir dann 2 Wochen dort zusammen, aber die restlichen 3 Jahre sahen wir uns fast nie – nur zufällig. Nur zwei Mal habe ich es geschafft sie zu Hause zu besuchen.

Nun aber zu Jetzt.

Vor 5 Wochen hielten wir wieder engeren Kontakt bei Whatsapp und ich erfuhr, dass sie großen Streit mit ihrer Mutter hat und sie nicht weiß, was sie nun machen soll. Ich sagte ihr, sie dürfte jederzeit zu mir kommen und ein paar Tage bei mir schlafen.

Das natürlich inoffiziell, denn eigentlich wäre das vom Betreuten Wohnen her strengstens verboten. Gut, mein Betreuer kriegt das ja nicht mit, weil ich in einer ganz normalen Wohnung in einem eigenen Appartement wohne, aber ich habe trotzdem angst, dass das irgendwann auffliegt. Was jetzt weniger das Problem ist.

Das Problem ist eher, dass ich aus dieser ( nochmal sorry) scheißverdrecktbeschissenverfickten Essstörung so halbwegs raus war und jetzt mein Kopf wieder anfängt sich viel um das Thema zu drehen. Nicht gut. Und natürlich… mit Bay habe ich halt nur 0,1 % Milch, 3 fettarme Joghurts und Obst in der Küche. Wirklich. NUR. Nichts anderes. Kaffee und Tee gibt’s noch, ansonsten ist meine Küche leer.

Was nicht heißt, dass ich auch nur so wenig esse. Aber ich fange wieder an mich dabei schlecht zu fühlen. Und das ist ein verdammt schlechtes Zeichen.

Das ist aber nur eine Sache. Bay ist ja nun wirklich schon durchgehend bei mir. Ich meine, sie durfte ja sogar in meinem Appartement bleiben, während ich 2 Wochen in München war (Gott, wenn das mein Betreuer jemals herausfinden würde!!!!!!!!!!). Sie war aber auch bei mir zu München zu Besuch. Einmal über Silvester und dann die Woche darauf noch von Freitag bis Samstag.

Und es ist ja alles schön und gut… aber manchmal ertrage ich sie einfach nicht. Irgendwie hat sich unsere Wellenlänge verändert. Ich habe das Gefühl, ich wäre viel zu „alt“ für sie. Ich meine, ich bin wirklich richtig, richtig albern und kann mich manchmal sogar so richtig wie ein Kind verhalten – aber SIE? GOTT! Das ist einfach zu viel für mich. Sie ist so laut und so anstrengend und ich bin im Gegensatz dazu wirklich ruhig geworden….

Und dann die ganze Zeit diese gottverdammt destruktiven Themen. Es geht immer nur um Selbstmord (was nicht ernst gemeint ist), sondern mehr so nebenbei „Ah, mein Arzt hat mir die und die Schlaftabletten verschrieben, wenn der wüsste, was ich mit denen anstellen könnte“ – oder „geil, ich hätte jetzt so Lust einfach die ganze Schachtel zu nehmen, Jessi. Ja! Das mache ich!“

Ich reagiere darauf schon gar nicht mehr, weil ich das affig und kindisch finde.

Gestern habe ich sie „rausgeschmissen“. Ich habe ihr gesagt, dass Carmen für ein paar Tage bei mir schlafen möchte und ob sie denn weiß, wo sie in der Zeit unterkommen kann. Ich habe sie gar nicht erst gefragt, ob das okay sei, wenn sie weg muss. Es MUSS okay sein, weil ich mich einfach nicht mehr wohl fühle. Sie zieht mich runter. Und dann noch diese Unordnung. Himmel! Ich komme mit dem Aufräumen gar nicht hinterher und es ist mir unerklärlich, wie man SO einen Saustall hinterlassen kann!!!

Und sie ist so tollpatschig! In der Küche bin ich echt penibel!!! Ich habe zwei Geschirrtücher. Das Eine benutze ich ausschließlich zum Abtrocknen von Geschirr und das andere für die Oberflächen. Ich finde das nämlich irgendwie eklig, ein Geschirrtuch für beides zu benutzen (zumal es in einer Küche mehr Keime gibt als auf einer Toilettenbrille – krass, oder?!). Und dann hat Bay doch letztens tatsächlich mit dem Geschirrtuch Kakaopulver aufgeputzt! Und zwar ohne vorher den Kakao (wir machen uns manchmal Kaba mit Backkakao, 0,1 % Milch und Süßsstoff mit 120 Kalorien, anstatt wie ein üblicher Kakao 283) mit Zewa oder so weg zu wischen (oder einem Schwamm). Gott!!! Kakao stinkt, wenn es sich in das Tuch frisst und außerdem sieht es aus wie Sau! Und sie kleckert und schüttet und lässt alles liegen und stehen und BAAAAAAAAAAAAH! Da kriege ich die Krise! Ich bin wirklich nur am Putzen und Aufräumen!

Und lernen müsste ich für meine dummen Abschlussprüfungen und für die Fahrschule ja eigentlich auch, aber das kann ich nicht, wenn sie da ist!

Deswegen bin ich jetzt, so gemein das auch klingt, SO froh, dass sie mal für ne Zeit weg ist. Außerdem freue ich mich so sehr auf Carmen heute!

Sie möchte für mich kochen, bis ich von der Arbeit komme. Und nein, wir sind immer noch kein Pärchen, auch wenn das für jeden so aussehen müsste.

Und nein, das finde ich überhaupt nicht schlimm. Es ist sogar sehr befreiend. So eine nichtbeziehung Beziehung zu führen 😀

 

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