:Ganz oder gar nicht: oder auch „Kein Bock mehr auf den Scheiß“

Okay, die letzten Tage ging es mir gar nicht gut. Ich habe viel über Carmen und mich nachgedacht und über das, was zwischen uns ist. Und eigentlich bin ich auf das Ergebnis gekommen, dass da weder etwas Ganzes, noch etwas Halbes ist.

Das hat mich aus der Fassung gebracht.

Montagabend hatte ich einen ordentlichen, nervlichen und seelischen Zusammenbruch. Carmen war bloß das i Tüpfelchen, aber dann kam alles andere zusammen: Oma, Polly, Tante und der Schmerz brach endlich aus mir heraus.

Ich hatte Kerzen angezündet, hatte zufällig (! Wie ironisch) eine echt intensive, schöne aber bewegende Pianomusik im Hintergrund laufen und wollte eigentlich einen Satz in meinen Tagebuch schreiben… alles was ich herausbrachte war:

  1. Januar 2017

Ich sollte…..

Und dann brach der Schmerz aus mir heraus. Ich musste so sehr an meine Oma denken – viel weniger an Carmen. Sie war ja nur der kleine Auslöser gewesen. Aber ich dachte an meine Oma, wie sehr ich sie jetzt gerne bei mir hätte und ihr von Carmen und dieser unerträglichen Situation erzählen würde. Ich erinnerte mich an ihre weiche, faltige Hand, die meine hält und streichelt, und an ihre großen, blass-braunen Augen. Ich erinnerte mich, wie es war, ihr durch das seidige, weiche Haar zu streicheln und ihre empfindliche Kopfhaut an meinen Fingerkuppen zu spüren. All das und viel mehr war zu viel für mich.

Ich krümmte mich richtig auf dem Boden, konnte kaum Atmen, habe nur geschluchzt und gewimmert und geweint und hatte seelische Schmerzen, als säße eine Bestie in meinem Inneren und würde mich von innen nach außen auffressen.

Nach, sage und schreibe, vier Stunden konnte ich endlich zur Ruhe kommen. Aber ich war ausgelaugt.

Am nächsten Tag ging es mir wieder gut. Zumindest tagsüber. Ich war nur todmüde und erschöpft und meine ehemalige Kollegin aus der Rechnungsprüfung lief mir über den Weg, während ich die Post in der Verwaltung machte. Sie freute sich mich zu sehen, ich freute mich, sie zu sehen und sie fragte, wie es mir ginge.

Ich war ehrlich zu ihr. Ich habe mit ihr schon viel geredet und erzählte ihr auch, dass ich an diesem gestrigen Tag der Trauer mal einen Freifahrtsschein gegeben habe und ich nun unendlich müde bin.

Sie meinte dazu nur: „Ach, Frau Ve*, hätten Sie das nicht erzählt, sähe man Ihnen das gar nicht an, außer ihren leicht geschwollenen Augen. Aber Sie sehen sehr gut aus. Irgendwie gereinigt. Manchmal muss die Trauer eben raus.“

Da hat sie recht. Aber ob ich wirklich „gereinigt“ bin, das glaube ich nicht. Denn wenn es nach meiner Seele ginge, hätte ich vermutlich noch die ganze Nacht durchweinen können, aber ich hatte irgendwann einfach keinen Bock mehr. Es hat mich wütend gemacht, hat mich genervt. Also habe ich mich zusammengerissen.

Am Dienstagabend habe ich ja dann Carmen einen ellenlangen Text geschrieben, in dem ich ehrlicher zu ihr war, als je zu vor. Das ist der einzige Weg, der zu Carmen führt. Halbwahrheiten und Lügen gehen an ihr vorbei.

Also erzählte ich ihr so ziemlich alles haargenauso, wie euch. Eigentlich wollte ich das nicht tun, aber wieso? Um wen zu schützen? Sie oder mich? Es ist lächerlich, Gefühle und Gedanken zu schlucken, nur weil man sich einbildet, damit unangenehme Dinge zu umgehen.

Und nach diesem Text (der wirklich relativ der selbe war, den ich hier geschrieben habe) sagte sie nur: „Das hört sich jetzt härter an, als es gemeint ist, aber… es berührt mich nicht. Das ist alles deins. Es sind deine Gefühle. Du musst damit umgehen.“ Und da hat sie ja zum Teil auch Recht. Aber: Es berührt sie nicht?

Das war an dem Abend mein ausgelöster Nervenschrei. (Innerlich, vor.. Ärgernis).

Nun… gestern sagte ich zu mir selbst: vergiss es.

Und am Abend habe ich mich komplett zurückgezogen. Es nervt mich. Ich ertrage dieses ewige Hin und Her ihrerseits nicht. Ich ertrage nicht, dass sie nicht weiß, was sie will, und ich ständig auf heißen Kohlen sitzen muss.

Das Gefühl, zu wissen, dass sie mich mit einem Fingerschnippen einfach so „abschieben“ könnte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, das tut weh. Das tut sehr weh. Und dann frage ich mich: Was genau ist das für eine Liebe? Die sie für mich empfindet, meine ich.

Ich will nicht, dass Carmen blöd da steht. Carmen ist ein unglaublich guter, herzlicher und „reiner“ Mensch. Sie ist sehr ehrlich, sehr frei und hat sehr viel Herz. Sie ist hochsensibel und sehr, sehr klug. Und noch dazu sieht sie so unglaublich gut aus – Himmel! Was will frau mehr?

Aber sie ist einfach zu verkopft. Ihr ständiges „ich sollte“ oder „ich sollte nicht“ oder „das soll wohl so sein“ oder „das soll wohl nicht sein“, das geht mir manchmal tierisch auf den Keks, weil ich mir denke, dass (vermeintliche) Regeln brechen doch auch gut tut, wenn alle Gefühle dafür sprechen!

Ich meine, ich verstehe sie einfach nicht! Einerseits kann sie nicht aufhören mich anzusehen, mich zu berühren und zu küssen. Jedesmal wenn wir irgendwo auf der Couch sitzen und kuscheln, wenn ich Heim kam und wir uns umarmt haben oder wenn wir uns nackt im Bett aneinander gekuschelt haben, seufzte sie mir selig ins Ohr und flüsterte, wie unglaublich gut sich das anfühlt.

Dann aber gleichzeitig diese unfassbare Gleichgültigkeit, wenn es darum geht, ich könnte alles in den Sand werfen, weil mir das über den Kopf steigt?

Das Ding ist, dass sie, egal wie oft sie mir sagt, wie wohl sie sich in meiner Nähe fühlt oder wie gerne sie mich berührt – ich habe nicht die leiseste Ahnung, was oder wie viel ich ihr „wert“ bin (ich hasse diesen Wertsvergleich, aber ihr wisst, was ich meine).

Es ist einfach schlimm, wirklich ein schlimmes Gefühl, das sie mir gibt.. das, dass ich sagen könnte: Ich gehe, ich will nicht mehr. Und sie würde es einfach nicht jucken. Sie fände es „schade“ und sie wäre „traurig“ aber im selben Moment würde sie die Schultern zucken und sagen: „Dann soll das wohl so sein“.

Und das kann ich nicht akzeptieren, will ich nicht, weil das weh tut. Weil sie mir damit das Gefühl gibt, dass…. Es ihr nicht wichtig ist.

Der Gedanke, sie an Kreta zu verlieren, ist nichts. Der Gedanke, es könnte eine andere Frau kommen, bei der sie all das kopflos zulässt, was sie bei mir nicht tut – DAS ist für mich eher das Schlimmste, was passieren könnte. Und mit ihrem Verhalten gibt sie mir das Gefühl, dass das auch wirklich passieren kann. Dass ich ersetzbar bin, wie eine Kerze, die ausbrennt.

Das tut wirklich weh.

Und deshalb ziehe ich mich zurück. Solange ich nicht zu 100 % weiß, woran ich bei ihr bin, werde ich auch keine intensiveren Gefühle zulassen und vor allem keine in diese wasauchimmer-Beziehung investieren. Das saugt mich aus und macht mich krank.

Und das Gespräch mit D. tat mir gestern wirklich gut. D ist auch seit 2 Jahren in einer Beziehung mit einer Frau. Ich habe sie vor 5 Jahren an einem Stammtisch kennen gelernt und bis heute Kontakt mit ihr gehalten. D ist ein guter Ausgleich für mich, weil sie eher mit Verstand durchs Leben geht als mit Herz, aber mit gesundem Verstand und eben nicht NUR mit Verstand, sondern auch mit Gefühl und Erfahrung und das 4-stündige Telefonat gestern war zwar kurzzeitig echt anstrengend, aber hat meinen Kopf geklärt.

Außerdem habe ich auch Lila meine Situation geschildert. Lila ist ja eine Türkin (femininer geht’s nicht), ist aber mit einer Frau verheiratet und hat einen 8-jährigen Sohn. Sie kenne ich auch seit diesem Stammtisch von vor einem halben Jahr.

Sie schrieb mir dann zurück: „Das ist eine gute Entscheidung, meine Liebe. Und wenn du merkst, dass es dir dadurch schlechter geht (ich habe ihr gesagt, dass ich mich jetzt zurückziehe von Carmen, gefühlsmäßig), musst du dann eben entscheiden: mit oder ohne * Aber wir sind da und fangen dich auf. Du hast so viele liebe Leute um dich denen du etwas bedeutest und dein Rücken wird nicht so schnell den Boden berühren. Ich drück dich ganz doll“

Und das hat mir noch weiter die Augen geöffnet: JA. Ja, sie hat so recht! Und Liebe macht so blind. Ich habe so viele Menschen um mich herum, mein kleines Rudel, meine „Herberge“! (das ist ein Insider, weil Jeany (die 58-jährige) mal kommentieren wollte: ich „herz“ euch alle, dann aber zufällig: ich „herberge“ euch alle“ geschrieben hat).

Ich weiß, sie sind immer da und ich weiß, wie sehr ich sie alle liebe und wie sehr sie mich mögen und ich weiß, dass ich in allen Lebenslagen auf sie zählen kann. Ich kann mein Leben auch ohne Carmen leben. Sie ist nicht alles. Sie ist, wie gesagt, nur der Honig auf der Banane.

Und ich habe beschlossen, dass wenn ich Carmen das nächste Mal sehe, ihr genau das sagen werde: Entweder ganz, oder gar nicht. Ich will wissen, woran ich bin. Alles andere ist mir zu anstrengend, tut mir weh und saugt mich aus.

Mal sehen, ob ich den Arsch dafür wirklich in der Hose haben werde………..

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