Bäumchen-Briefe

Bay und ich hatten Anfang der Woche eine Idee – ja, gemeinsam fallen uns seltsame Dinge ein, die aber irgendwie echt aufregend sind.

Wir dachten, wir schreiben einfach mal einen total belanglosen Brief, in dem wir über das schreiben, was uns gerade in den Kopf kommt. Über Tiefes, über Leichtes, über Floskeln, über Alltägliches.

Wer diese Briefe bekommt – keine Ahnung. Wir gehen einfach im Ort spazieren (S* ist ja klein) und schmeißen sie wahllos in die Briefkästen.

Das ist uns auch nicht wichtig. Wichtig war uns bloß, den Menschen eine kleine Freude zu bereiten oder sie zu überraschen, sie aus ihrem Alltag zu wecken.

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Vorgestern haben wir ja wieder bei ein paar fremden Leuten angerufen – es war wieder eine Mehrzahl dabei, die aufgelegt hat, weil sie mit Fremden nicht sprechen wollen. Eine war allerdings dabei, die wirklich relativ jung (vielleicht so um die 30?), etwas verstört, aber am Ende dann doch begeistert war. Sie sagte sogar, ich könne gerne ihre Nummer einspeichern und immer wieder mal anrufen, wenn mir gerade danach ist. (Das hat eine andere das letzte Mal auch schon angeboten).

Finde ich cool, dass es noch solche Menschen gibt. 🙂

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Das verschollene Reh-Mädchen

Vor einiger Zeit schrieb ich in meinem Blog über ein Mädchen.

Seit ein paar Wochen ist sie verschwunden… sie war einmal nicht im Bus, das zweite Mal auch nicht… ich halte bis heute noch Ausschau nach ihr und hoffe jeden Tag, sie taucht doch plötzlich wieder auf. Ich habe dieses Reh-Kind sehr in mein Herz geschlossen. Sie wirkte sehr allein und verunsichert und blühte auf wie eine Tulpe, wenn ich mit ihr sprach – jeden Tag ein Stückchen mehr.

Es ist seltsam, in einen Bus zu steigen, immer wieder die selben Leute zu sehen… es hat fast schon etwas familiäres. Es fällt sofort auf, wenn jemand fehlt. Und das Reh-Mädchen fehlt mir sehr.

Ich hoffe nur, dass es ihr gut geht, da, wo sie jetzt ist.

Ich denke jeden Tag an sie, wenn ich in den Bus steige.

Einfach mal annehmen

Ich habe heute darüber kurz nachgedacht und überlegt, ob ich dem Gedanken mal mehr Raum und in den Fluss lassen soll….pff…. gute Frage und anstrengende Vorstellung.

Ich versuche ihn hier einfach mal temporär festzuhalten. Wenn ich auf den Geschmack komme, ihn auszureifen, dann wird das passieren, wenn nicht, dann eben nicht. Ich mache mir selbst keine Versprechen, denn ich rede viel, wenn der Tag lang ist.

Ich sollte annehmen, was ist.

Ich frage mich, wieso mir das alles mit Carmen so irreal vorkommt. Wieso ich mich immer frage, „womit ich eine Frau wie sie verdient“ hätte.

Dummer Gedanke. Einer der dümmsten Gedanken und Fragen die ich mir vorstellen kann, weil das bedeutet, dass ich mit mir selbst irgendwo noch im Unreinen bin, dass ich irgendein Problem oder Komplex habe.

Ich sollte mich eher fragen: Wieso nicht?

Wieso soll Carmen nicht dasselbe Universum in meinen Augen sehen, das ich in ihren Augen sehe? Wieso kann ich nicht dankend und still annehmen, wenn sie sagt, dass ich sie entzücke, sie mich faszinierend und bezaubernd findet? Wieso tue ich das immer ab? Wieso beschwichtige ich diese Empfindungen.

Vielleicht weil ich misstrauisch bin. Keine Ahnung.

Ich meine, eine Frau wie Carmen, die kann ich tatsächlich meine Traumfrau nennen. Denn sie ist das, was ich schon immer in meiner Zukunft gesehen habe und die ich im letzten Jahr auch häufig gefühlt habe. Ich habe oft gesagt, dass ich das Gefühl habe, dass da draußen irgendwo mein Puzzlestück auf mich wartet. Ist das nicht komisch?

Und sie sieht wirklich so aus und IST so, wie ich es mir immer erträumt habe. Die langen, braunen Haare, diese sommerlichen, grün-braunen Augen, ihre feminine Art, ihre Lebensfreude, die Tatsache, dass sie ein Herzmensch ist, aber auf gesundem Niveau alles objektiv durchkauen kann, die Intelligenz – und ich rede nicht von Bildung, nicht von diesem angelernten Wissen, sondern von der Klugheit/Weisheit, die in ihrem Herzen steckt und in ihren Adern fließt wie Blut.

Sie fasziniert mich mit jedem ihrer Blicke, mit jedem ihrer Worte, mit jedem Lachen und jedem Lächeln. Ich liebe sie bedingungslos und seit einiger Zeit weiß ich, dass genau dieselben Gefühle auch von ihr kommen. Sie schenkte mir letzte Woche einen Text, der ihr hochkam. Er ist wunderschön, ich will ihn für mich behalten. Aber es gibt zwei Absätze, die mich sehr bewegten und die ich mit euch teilen möchte:

„(..)
Ich verliere mich
In den Tiefen deiner Seele
Sehe dich
Sehe mehr, als diese Welt.
(…)
Du faszinierst mich
Glücksmoment – ich bin entwaffnet.
Ein ewiger und doch zu vergänglicher Moment.“

Sie überrascht mich jedesmal in letzter Zeit. Ich merke, wie sie immer mehr aus ihrem Kopf herauskommt und ihrem Gefühl mehr Raum gibt – und das macht mich glücklich. Weil ihre lauten Gedanken mich so traurig machten. Die so laut waren, dass ich sie spüren und rattern hören konnte, dass sie mich mit-erdrückten, obwohl es IHRE waren.

Sie fängt an loszulassen. Sie fängt an kopflos zu sein, und das finde ich so schön, dass ich vor stummer Freude laut schreiend und hocheuphorisch in meinem Inneren durch irgendwelche illusionären Welten springen könnte.

Ich liebe sie.

Unser Puzzle setzt sich seitdem viel leichter, viel weicher und viel realer zusammen. Ich habe das Gefühl, dass wir einfach zusammenspielen, dass es endlich harmoniert, wie eine Musik, die ihre melodischen Oktaven gefunden hat.

Ich muss aufhören alles zu hinterfragen. Ich muss aufhören misstrauisch zu sein. Ich muss aufhören mich zu fragen, ob das wirklich sein kann. Ob es wirklich sein kann, dass meine (Wort wörtlich und im übertragenen Sinne) Traumfrau die selbe bedingungslose Harmonie in ihrem Herzen fühlt, wie ich in meinem, wenn ich sie ansehe.

Natürlich ist der Altersunterschied diesmal mit 15 Jahren dezent herausfordernd, aber dieses Problem besteht in ihrem Kopf, nicht in meinem. Ich darf mir die Schranken, die Grenzen, die in ihr liegen, nicht zu meinen machen, denn ich bin frei. In mir existieren momentan keine Grenzen, in mir ist alles offen, alles  frei und alles leicht.

Und sollte sie sich irgendwann wagen, sich fallen zu lassen, dann werde ich bereitstehen und ihr ein Meer aus Rosen aus meiner Hand pusten, die ihr den Fall erleichtern, die ihr den Fall abpolstern, duftend und streichelnd.

Und wenn nicht, dann ist das auch okay. Denn ich will einfach nur genießen. Ich werde diese Zeit genießen. Nein, nicht diese Zeit. Ich möchte jeden Augenblick mit diesem Gefühl genießen und leben. Um alles andere mache ich mir keine Gedanken.

Gesichts-orts-verbunden

Ist das nicht interessant, dass man einige Menschen manchmal nur dann (wiederer)kennt, wenn man sie immer an bestimmten Orten trifft? Das ist mir in letzter Zeit so häufig passiert, und ich glaube, das geht nicht nur mir so – oder geht es nur mir so? Ach, das wäre auch nichts Neues, dass die Synapsen in meinem Hirn anders schalten als die in anderen.

Zumindest geht es mir fast immer so. Mir fallen spontan 3 Personen ein, bei denen mir das schon passiert ist.

Auf den Gedanken bin ich gekommen, als ich überlegt habe, wann ich die Frau aus dem Bus wohl wieder sehe (ich habe ihr nämlich ein Dankeschön-Kärtchen geschrieben, ein Danke für ihr Lächeln, mit der Info, dass mir ihr Lächeln an diesem Tag besonders gut getan hat).

Und dann überlegte ich, ob ich sie überhaupt wiedererkennen würde, wenn sie mir auf der Straße über den Weg laufen würde und meine verschwommene Antwort war nein, weil:

Ich ihr Gesicht nur dann in meinem Kopf als Bild in Erinnerung (wow, was für ein grammatikalisch exzellenter Satz………………) sehe, wenn ich sie mit dem Bus kombiniere, aber mir bleibt ihr Gesicht leer, wie die einer gesichtslosen Marionette, wenn ich sie in Vorstellungen irgendwo auf der Straße sehe.

Und so ging es mir eben schon häufiger.

Einmal zum Beispiel, da war ich in der Verwaltung unterwegs und lief gerade die Treppen herunter, als urplötzlich eine blonde, junge Frau (so etwa um die 35) ganz erfreut rief: „Ja, hallo Frau Ve*!!! Das ist ja eine Überraschung!“

Ich muss ungefähr so blöd dreingeschaut haben, wie das Sams an einem Montag, denn sie fing erst das Lachen an und meinte, ob ich mich denn etwa nicht erinnere. Und tatsächlich: Nein. Kein blasser Dunst, wer diese Frau da vor mir war und mich augenscheinlich sehr gut kannte, denn sie plapperte drauflos, wie gut ich denn aussähe und wie es in meiner Ausbildung läuft und ob ich denn jetzt nicht im 2. Lehrjahr schon wäre…

Irgendwann, nach ein paar Tagen, erinnerte ich mich, dass diese Frau damals eine Sozialberaterin in der Schule war, die mich eine kurze Zeit lang begleitet hatte, was aber ja noch gar nicht soo lange her ist.

Letzte Woche war ich zum Beispiel auch im Müller und als ich um die Ecke bog, strahlte wieder eine blonde, sehr attraktive und mir extrem sympathische Frau und rief völlig begeistert: „Ja, guten Abend, so sieht man sich wieder!“ Und sie legte sogar lachend eine Hand auf meine Schulter und fragte, wie es mir ginge.

Ich wusste, ich kannte sie, sie war mir sehr vertraut, aber ich hatte keine Ahnung, wer sie war! Gott, sie muss die Rädchen förmlich über meinem Kopf arbeiten gesehen haben! Ich sagte ganz ehrlich: „Oh Gott, ich kenne Sie! Aber woher?“

Sie lachte und meinte, darüber könne ich ja jetzt nachdenken, solange sie sich ein Parfüm aussucht und kicherte dann noch amüsiert in sich hinein.  Ich musterte sie verzweifelt und dann leuchtete es mir ein!

„Ach!!! *Marie! Du bist es!“ Ich rief es so laut, dass sich einige zu uns umdrehten und sie musste wieder lachen. Marie ist diese tolle Frau, die ihr veganes kleines Café in einer Seitenstraße hat, die ich bis zum Umfallen liebe, weil sie so nostalgisch wirkt (ich muss Fotos machen!). Ich bin da immer mal wieder, mal sehr häufig, mal seltener und ich plaudere sogar oft mit ihr, wenn ich dort bin!

Es gibt aber auch eine sehr junge Frau, die ich in München zum Beispiel immer wieder im Müller (Bäckerei – ha, was für eine Ironie, fällt mir gerade auf) sitzen sehe, die ich zu 100% kenne; nein, nein, nein: zu 1000%! Aber ich weiß bis heute nicht, woher. Ich verbinde ihr Gesicht mit einem weißen T-Shirt… evtl. aus einer Arztpraxis? Aber wann bin ich in München schon beim Arzt? Ich bin da ja nur, wenn ich meine Eltern besuche oder wenn ich Urlaub mache.

Und dann dachte ich mir, ob ich diese Frau aus dem Bus jemals wieder sehen werde und wie peinlich es denn wäre, wenn mir auf der Straße eine Frau mit Ähnlichkeit über den Weg läuft, ich mir einbilde, dass sie das ist, und dann einer Fremden die Dankeschön-Karte in die Hand drücke und sie sich dann beim Lesen fragt, aus welcher Irrenanstalt ich wohl ausgebrochen bin……………………………

Ich hoffe, sie steigt bald wieder in den Bus!

Ihr Lächeln hat mir an diesem Tag besonders gut getan

Am Montag, wo es mir so beschissen ging, weil ich so frustriert war – da habe ich ja dann auch noch den scheiß Anschluss-Bus verpasst und durfte dann eine halbe Stunde in der Arschkälte warten. Egal. Ich war in der Bücherei (Idiotin) und habe mir ein Buch gekauft (Vollidiotin), obwohl ich noch 14 ungelesene Bücher in meinem Schrank stehen haben (unübertreffliche Supervollidiotin!).

Aber ich liebe das Buch. Es heißt: Monsieur Blake und der Zauber der Liebe.

Egal, darum gehts ja gar nicht. Naja, vielleicht ein bisschen um den Zauber der Liebe. Oder den Zauber der Menschen.

Menschen sind großartig.

An dem Montag im Bus stieg mir eine etwas bekannte Frau ein. Sie war schon ein paar Mal im Bus. Vielleicht so um die Ende Dreißig oder Anfang Vierzig.

Nun, sie sah mich, lächelte mich offen an- sehr offen, anders offen – und setzte sich.

Als ich ausstieg, stand ich wieder vor ihr und wir lächelten uns so breit an, dass wir beide fast lachen mussten und mit einem Lächeln auf den Lippen an der selben Haltestelle den Bus verließen.

Ihr Lächeln tat mir an diesem Tag besonders gut, weil ich ja wegen dem Reiten so frustriert war.

Gestern habe ich übrigens Frau Fauré bei uns im Gebäude bei einer Schulung getroffen und bin ihr ganz „aufgelöst“ (theatralisch) um den Hals gefallen und habe sie verzweifelt gefragt, wann sie wieder da ist und ihr erzählt, was am Montag so scheiße war. Sie hat ihm den Vogel gezeigt und meinte, sie rettet mich: Das nächste Mal ist sie wieder da und wir reiten wie WIR reiten. Punkt. Dann haben wir gelacht und ich war erleichtert.

Gestern Abend kamen Bay und ich auf eine ausgefallene Idee: Was würden die Menschen tun, wenn sie einen Anruf von jemandem bekommen, den sie nicht kennen, der aber reden möchte? Einfach so.

Wir probierten es aus. Wir riefen bei irgendwelchen Nummern in der Umgebung an (also mit der Vorwahl und einer erfundenen Nummer) und ich sagte, wenn sich jemand meldete, dass es vielleicht komisch sei, weil sie mich nicht kennt, aber ich gerade gerne einfach mit jemandem plaudern würde.

4 von 5 Leuten haben entweder aufgelegt oder gemeint, sie haben keine Zeit und eine war sogar dabei, die meinte ganz barsch, sie rede nicht einfach mit irgendwelchen Leuten am Telefon. Ich kann’s ja irgendwie verstehen, ein bisschen dubios finden sie es vermutlich.

Da war aber eine dabei, die haben Bay und ich nach dem Telefonat ordentlich „gefeiert“. Sie muss eine ältere Frau gewesen sein. Von der Stimme schätzte ich sie auf um die Mitte Vierzig, aber da sie erzählte, dass sie einen Sohn hat, der deutlich älter sei als ich, dürfte sie auch schon so um die 50 oder 55 sein. Wir plauderten wirklich lange, lachten viel und am Ende gab ich ihr sogar meine E-Mail Adresse, weil sie mir ein Rezept einer vegetarischen Spaghetti Bolognese zuschicken wollte. Und der nächste Hammer ist: Sie wohnt quasi um die Ecke!

Sie war total begeistert und als ich meinte, ich finde es so toll, dass sie sich wirklich Zeit nimmt zum Plaudern, obwohl sie mich nicht kennt, da lachte sie und meinte: „Na klar! Das ist doch mal etwas Anderes und eine nette Idee.“

Ich bin ja gespannt, ob ich wirklich eine E-Mail von ihr bekomme – und selbst wenn nicht, wäre das nicht schlimm. Es ging mir rein ums Prinzip. Ein kleines Projekt der Engstirnigkeit. Unter 5 Leuten war Eine dabei, mit der ich tatsächlich 48 Minuten lang geplaudert habe.

Es war so cool, dass ich fast in der Versuchung bin, das noch einmal zu machen. (Obwohl ich ja eigentlich meine Zeit lieber für die Prüfungen investieren sollte… ich bin ja so unvernünftig!)

Montagserkenntnisse

Montagnachmittag war mein Tag übrigens scheiße.

Seit ich umgezogen bin kann ich mir ja die Reitbeteligung nicht mehr leisten und gehe seit einem halben Jahr nur noch Montags zur Reittherapie, wo wir jetzt eine neue Therapeutin haben, Frau *Fauré, mit der ich seit etwas über einem halben Jahr die Stunde mache. Ich liebe diese Frau und die Reitstunden mit ihr. Das Pferd ist auch toll. Ti ist ein Lipizzaner, aber ein sehr hübscher (der hat nicht so einen -sorry- hässlichen Buckelschädel). Ich mag Lippis eigentlich nicht, also vom Aussehen her, aber ich liebe diesen sanftmütigen Trottel einfach sehr! Er ist sehr menschenbezogen, lässt aber manchmal den Schisser raushängen.

Wenn man z.B. 5 Mal mit ihm problemlos über eine Plane läuft, kann er sich aus heiterem Himmel beim 6. Mal so in die Hose kacken, dass er gefühlte 10 Meter quietschend in die Höhe springt und davon rast. Und dann hebt er die Beine und den Kopf und trabt davon wie ein möchtegern Araber, als würde er sagen: „Pah! Ich habe mich nicht erschrocken. Das war bloß Show.“ Jaja…

Zum Reiten ist er auch super. Er hat unglaublich geschmeidige und weiche Gänge. Und jedesmal wenn ich montags zur Reithalle hochgehe, freut sich Frau Fauré auch wie ein Schnitzel, mich zu sehen. Wenn der Chef nicht da ist, dann umarmen und duzen wir uns und ich finde es wunderbar, dass sie da ist.

Aber er.. er ist zwar ein netter Kerl, aber es geht mir tierisch auf den Keks, dass er mich bei den ganzen neuen Therapeuten die sich momentan bewerben, als Vorzeigeobjekt hernimmt und mich dann einfach volle Kanne blamieren lässt, weil er UNBEDINGT will, dass ich so reite, wie ER reitet. Das ist weder Western, noch Englisch, noch sonstwas. Ich meine, ich habe jetzt keine spezielle Reitdingsbums gelernt.. Ich reite so, wie ich das Gefühl habe, dass es für das Pferd am besten ist und mit dem ich auch gut umgehen kann.

Aber er? Wenn ich nach rechts will, soll ich den linken Zügel heben (hochheben! Hääää?) am besten so wenig wie möglich mit den Beinen arbeiten weil Ti ja sooooooo empfindlich ist und das überhaupt nicht mag – was ich völligen Schwachsinn finde, weil Ti eben sehr sensibel ist und gerade DAS ist ja gut, wenn man mit Schenkeldruck  arbeitet. Ich bin mit Ti ja mittlerweile sogar so weit, dass ich nicht einmal mehr die Zügel brauche, um ihn zu „lenken“. Aber auf der Art von dem Chef kriege ich es nicht einmal nach 1 1/2 Stunden geschissen, ihn außen zu halten, und das hat mich so frustriert, dass irgendwie mein ganzer Nachmittag gelaufen war. Es war, als wäre ich das erste Mal in meinem Leben auf einem Pferd gesessen, so blöd habe ich mich angestellt! Ich war tierisch wütend auf ihn, weil ich es einfach scheiße finde, wie er mich vor anderen Menschen bloßstellt, nur weil UNBEDINGT SEINE Reitweise geritten werden SOLL. Und ich verstehe nicht, warum er mich nicht einfach so reiten lässt, wie ich es kann und auch bei Frau Fauré es mache.

Naja, egal… ich hoffe einfach, dass sie nächste Woche wieder da ist……weil so macht mir das Reiten einfach überhaupt keinen Spaß…

 

Abgesehen davon weiß ich jetzt, woher meine Essstörung kommt. Gestern ist es in mich eingeschlagen, wie der Blitz, während ich mit jemandem telefoniert habe. Und es ist so absurd.

Weil man sagt ja, dass eine ES immer tiefere, psychische Gründe hat… ich dachte aber all die Jahre: Hä? Ne! Mir geht es gut. Also WIRKLICH gut, also ist es nur eine extremere Art des Abnehmens oder so…

Aber das ist es nicht. Gestern ist es mir klar geworden: Es sind meine Gefühle, die ich mit der ES unterdrücke.

Ich habe ja Angst vor dieser einen großen tiefen Verzweiflung, von diesem inneren Schmerz, dieser klaffenden Leere, bei der man das Gefühl hat in ein endloses Loch zu fallen und keinen Halt zu finden.

Nun und gestern ging es mir auch nicht gut (Bay hat ausnahmsweise Mal Zuhause geschlafen) und ich hatte demnach auch keine Ablenkung, als aus heiterem Himmel wieder die Trauer aufkam. Es gibt wirklich nie irgendeinen Grund für meine plötzlichen Trauerzustände und gerade deshalb hasse ich sie noch mehr! Und ich habe wirklich Angst vor ihnen!

Und als ich dann mit dieser Frau telefoniert habe, meinte sie, was ich denn sonst gemacht habe, um mich abzulenken, wenn ja jetzt keine Freundin da ist. Und in dem Moment hatte ich den Geistesblitz. Klar.

Das Essen, die Kontrolle, der Sport. Ich habe Sport gemacht, bin joggen gegangen… damit war ich beschäftigt…Aber das sind ja alles Sachen, die ich nicht machen kann zur Zeit, weil ich ja noch krank bin. Also habe ich keine Ablenkung. Gar keine!

Und bis dato war mir ja nicht bewusst, dass mich dieser Sport und die Kontrolle betäubt, dass es den Platz für meine traurigen Gefühle nahm.

Tja… und gestern fiel es mir auf. GOTT und das alles ergibt Sinn! Jetzt wird mir auch so EINIGES klar! Natürlich! Theoretisch könnte ich mich jetzt vernünftig und erwachsen verhalten und mit dieser Erkenntnis (nach sage und schreibe 8 Jahren) zu meiner Therapeutin gehen, so hätte sie wenigstens endlich einmal einen Ansatz. Aber das KANN ich nicht. Denn wenn mir eins klar ist, und das schon lange, dann das, dass ich es absolut und unwiderrufflich HASSE, über meine Gefühle zu reden. Und das Schlimme ist, dieser Hass verwandelt sich in diesen Momenten dann in eine große Abneigung zu der Person, mit der ich über sie reden „muss“. Egal, wie sehr ich die Person liebe oder mag oder gut mit ihr befreundet bin.

Tja…

Und was mache ich Trottel, anstatt mit dieser Information nun konstruktiv umzugehen und sie zu „bearbeiten“? Natürlich. Ich denke mir: HA, ich weiß, was mich abgelenkt hat. Also scheiß ich auf meine Krankheit und mache ein Workout. Hey, es tat mir immerhin wirklich gut (und ich fühle mich auch nicht kränker als gestern)….

Na ja.. mal sehen, was ich jetzt mit dieser Erkenntnis anfange. Mit Frau K* (meiner jetzigen Thera) kann ich nicht darüber reden. Ich finde sie sehr nett, ich mag sie, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie mir wirklich weiterhelfen könnte.

Jetzt habe ich schon überlegt, ob ich mir (mal wieder – boah, bei dem Gedanken muss ich schon wieder stöhnen!!) eine neue Therapie suche…… aber ja, ich glaube, das mache ich……….

:Frühlingsauge:

 

Irgendwann, da kommt dieser Augenblick, da bleiben wir stehen. Weil wir die Sonne auf unserem Rücken spüren. Weil wir uns auf einem Feld bewegen, einer großen Wiese, auf Gras, mit unseren nackten Füßen, die wir sonst nicht spüren (außer vielleicht Menschen, die jeden Tag laufen und sie schänden). Irgendwann, da greift die Sonne mit ihren UV-Armen nach unseren Schultern und zieht uns zurück, erzwingt sich eine Verbindung zu unserem Nacken, in unseren Kopf, in unser Hirn und dann macht es: AHHH. Ein Seufzen, ein Keuchen, ein Stöhnen, keine Ahnung, istjaauchegal. Ein AH halt, das erlösend und frisch und gut klingt.

 

Der Frühling, weil er intensiv ist, nach den Monaten der Kälte, des Monotonen, des Weißen. Ein intensives Lebenserwachen, ein großartiges Blühen nach dem Zauber des Winters. Denn der Winter ist ein Zauber. Der Himmel, der uns das magische, atemberaubende Weiße schenkt. Der Schnee, der vom Himmel kommt und auf unserer Erde bleibt – für eine lange Zeit. Eine lange Zeit, in der der Erdboden mit dem Himmel verbunden ist. Was trägt der Himmel eigentlich von uns und wieso muss ich gerade an den Wasserkreislauf denken, den wir in der Grundschule mit einer Zeichnung grafisch festgehalten haben? Ääääääh…….

 

Die Sonne. Die Sonne ist das Frühlingsauge. Es öffnet sich, sieht uns, belebt uns, atmet uns ein und atmet uns aus und wir spüren die Finger auf unsere Haut, weil sie sanft-intensiv sind uns wir sie stärker spüren als im Sommer. Im Sommer ist die Sonne das Sommerherz. Die Tage, in denen die Verliebtheit der Wärme zu einer wiegenden, geborgenen und bekannten Hitze wird, die wir bedingungslos lieben und der wir uns hingeben. Zumindest viele von uns. Also die, die den Sommer lieben. Ich liebe ihn nicht, aber ich liebe den Gedanken an das Sommerherz und an das Frühlingsauge und außerdem liebe ich das Herbstseufzen, in dem wir Erinnerungen an das Sommerherz sacken lassen und wehmütig zurückblicken, um diese Bilder der Erinnerungen in eine kleine Höhle zu betten, sie einzudecken, wie ein kleines Eichhörnchen, das nun seinen Winterschlaf nimmt. Und was ist der Winter? Der Winterkopf-Hinterkopf. Öffnung, Frische, Neuerung, Säuberung, keineAhnungundohGotthörtsichdasscheißean. Zauber. Zauber, weil die Sonne im Winter der Winterkopf ist und in unserem Winterkopf im Hinterkopf sich Türen öffnen oder schließen – so wie eigentlich in jeder Jahreszeit, jeden Tag, jede Sekunde. Jede Millisekunde, oh, ich habe die Minuten und Stunden vergessen. Egal.

 

Aber jetzt stehen wir erst auf diesem großen, weiten, freien Feld, in der Frühlingszeit, in der das Zwitschern der Vögel melodischer klingt, in der das Erwachen der Sonne intensiver ist, in der die Düfte der Natur eine Sehnsucht wecken und uns Schritt für Schritt nach vorne schubsen, in den Sommer hinein, in die Zeit des Anderenlichts. Also des Lichts, das anders ist als im Winter. Oder im Frühling oder im Herbst.

 

Und weil jetzt 16:16 Uhr (und eigentlich kein Grund) ist, höre ich auf.