[Sie] Viel mehr Schicksal als Zufall

Nachdem ich damals wirklich viel Zeit an der Triangel verbrachte, machte ich noch eine interessante Entdeckung. Huch, noch viel interessanter finde ich, was mir jetzt gerade einfällt!

Vor ein paar Wochen war ich mit Bay bei meinen Eltern in München und habe aus Langeweile mein altes Kinderzimmer durchgesucht und bin dabei auf einen Zettel gestoßen, der mich extrem in die Vergangenheit zurück geschleudert hat.

Es war ein Zettel mit einer Liste von Kinder- und Jugendpsychologinnen. Ich erinnere mich nur vage daran, wie ich mit Anfang oder Mitte 13 Jahren bei meinem Kinderarzt war und nach solch einer Liste gebeten habe – ohne, dass meine Eltern es mitbekamen.

Ich weiß nicht einmal woher ich damals schon wusste, was Psychologen überhaupt sind. Vermutlich aus dem Fernsehen.

Auf diesem Zettel fand ich eine Therapeutin (Frau Nils, von der ich zu Anfang meines Blogs schon oft erzählt habe), die relativ in meiner Nähe hätte sein müssen, aber als ich die Straße ausfindig machte, war da keine Psychologin sondern eine Thai-Massage.

Ich ließ mein Vorhaben, eine Psychologin zu finden, wieder fallen.

In dieser Zeit aber, in der ich in der Triangel so oft spazieren war, da lief ich ständig an einem Gebäude vorbei an dem außen mehrere Schilder standen, die ich zuvor nie beachtet hatte. Ich weiß nicht, was an diesem Tag anders war als an den anderen, dass ich stehen blieb um diese Schilder zu lesen.

Und dann stand dort wirklich ihr Namen: Kinder- und Jugendpsychologin Frau Dr. D. Nils. Ich konnte meinen Augen nicht trauen! Was war das denn bitte für ein Zufall?

Oh, glaubt mir, diese Zeit war VOLL mit solchen schicksalhaften Ereignissen. Wenn ihr die Geschichte von Ria und mir kennt, dann werdet ihr verstehen, warum ich schon lange nicht mehr an Zufälle glaube.

Nun, ich erinnere mich nicht mehr, was ich mir in dem Moment gedacht habe, ich weiß nur, wie mir irgendwie das Herz in die Hose gerutscht ist, aber was ich damit anfangen sollte, wusste ich nicht. Irgendwie traute ich mich nicht, mich bei der Psychologin zu melden.

Die nächsten Zeit fing ja dann die Spanne an, in der ich so schlimm gemobbt wurde. Ich denke, das war nur wenige Monate bevor mir der Zirkel durch die Hand gejagt wurde. Also die Zeit, in der ich anfing Schülern und vor allem Schülergruppen aus dem Weg zu gehen. Das mache ich bis heute noch, was echt lächerlich ist. Denn ich weiß, dass ich mittlerweile 20 bin und ich den ganzen Jugendlichen locker die Stirn bieten könnte, aber sobald ich auch nur daran denke in einen Bus mit Schülern steigen zu müssen, oder in einem Zug zu fahren, der zu den Zeiten fährt, in denen Schulende oder Schulbeginn ist, da packt mich das blanke Entsetzen und ich habe Todesangst. Ist das nicht zum Schießen? Ich, die Menschen doch so sehr liebt, kriegt Panikattacken in einer Menge von Jugendlichen… Ich meine, ich weiß durch Gespräche, dass vielen Menschen jugendliche Gruppen unangenehm sind, eben weil sie gerne Pöbeln etc. Aber es wäre eine Sache, wenn sie mir bloß unangenehm wären.  Eine andere ist aber die, dass ich das Gefühl habe vor Angst zu ersticken oder in Ohnmacht zu fallen, wenn ich nur daran denke…

Nun, zumindest fing da die Zeit an, in der ich schon um 5 Uhr aufstand. Dazu muss ich sagen, dass meine Schule zu Fuß bloß eine halbe Stunde entfernt war. Mit dem Bus ca. genauso lang. Aber daran dachte ich schon gar nicht mehr. Mit dem Bus fuhr ich schon lange, lange nicht mehr. Ich ging um 6:30 Uhr los, um ja keinem Schüler über den Weg zu laufen.

Denn irgendwie fing das Mobben seltsamerweise total unabhängig von meiner Schule an. Meine erste Erfahrung machte ich, als ich am Gymnasium vorbei ging. Auf dem Weg zu meiner Schule lagen drei weitere Schulen. Und an einem Tag, der „erste Tag“, da stand eine Gruppe von Schülern an der Bushaltestelle und fing an mir zuzurufen, mich anzupöbeln und zu beleidigen. Weil ich nicht reagierte, fingen sie an mich mit Steinen zu beschmeißen und ich beschleunigte mein Tempo.

Das waren also eigentlich Schüler, die ich nicht kannte und die mich nicht kannten. Trotzdem hatten sie irgendeinen Grund, mich zu beleidigen und mit Steinen zu bewerfen. Deshalb habe ich auch nie darüber nachgedacht, woran es liegen könnte, dass ich gemobbt wurde. Wäre es „nur“ auf meiner Schule gewesen, hätte ich es vielleicht nachvollziehen können, aber da es auch noch externe Schüler waren, habe ich es einfach mit der Begründung akzeptiert: „Okay, wenn alle so zu mir sind, dann bin ich wohl wirklich so scheiße.“ Und damit hat sich das erledigt. Ich habe es nicht hinterfragt. Ich denke, das Schlimmste an der Sache war, dass ich mich selbst nicht in Schutz genommen habe. Ich habe mir eingeredet es verdient zu haben, so behandelt zu werden.

Ist das nicht schrecklich? Wenn ich die Möglichkeit hätte, dieses Mädchen von damals noch einmal zu treffen, dann würde ich ihr rechts und links so eine knallen, dass sie vergisst wer sie ist und anfängt neu zu leben.

Na ja, zu spät.

Jedenfalls lief ich in dieser Zeit dann immer um 6:30 Uhr los zur Schule durch einen stockdunklen Stadtpark. Wieder – wie ironisch. In meinem Traum flüchtete ich im Dunkeln aus diesem Stadtpark. In der Realität lief ich nun immer an diesem Haus von Frau Nils vorbei, durch die Triangel, IN den Stadtpark hinein.

In einer Woche passierte es, dass ich Ria am Abend beim Gassigehen und ein paar Mal in der Früh auf dem Schulweg über den Weg lief. Und an einem Tag, da bekam ich mit, wie sie genau DAS Gebäude verließ, auf dem die Kinder- und Jugendpsychologin ausgeschildert war…

 

 

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