der Mann, der einfach umkippte

Mittwoch um 12 Uhr war die Abschlussprüfung vorbei. Ich kann nichts dazu sagen. Es wäre nämlich peinlich, wenn ich sagen würde, es war sau einfach, und im Nachhinein dann doch durchfalle.

Heute waren wir noch mit der Klasse beim Lager von K & L Ruppert. War interessant und langweilig. Beides irgendwie. Zumindest habe ich mir im Lager gedacht, dass man hier echt verdammt gute Krimis oder Horrorgeschichten schreiben bzw. drehen könnte.

Der Mann der uns führte, war ein Wackelmann. Er wackelte die ganze Zeit. Wenn er die Hand in der Hosentasche hatte, wackelte sein Bein und seine Schulter. Wenn er mit der Hand den Stoff der Klamotten berührte, wackelten die Klamotten in seiner Hand. Er wackelte ständig. Ist nichts Neues für mich, so kleine Ticks, wenn man bedenkt, wo ich seit 5 Jahren arbeite.

Aber heute ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie anstrengend es ist, diese Menschen anzusehen, wenn sie reden. Er machte mich völlig unruhig. Deswegen stand ich irgendwann immer ganz hinten in der Gruppe.

Danach waren wir Essen. Zumindest die anderen. Ich hatte nicht mal Geld für ein kleines Tafelwasser. Meine Lehrerin wollte mir etwas ausgeben, aber ich wollte nicht. Ich hasse es, wenn andere mir Geld geben. Aber das ist ne andere Geschichte.

Als wir nach Hause gehen durften, lief ich nichts ahnend die Hauptstraße entlang, während ich mit Bay telefonierte und da traf mich plötzlich der Schock. Ich sah gerade noch so, wie ein älterer Mann, wie ein Baum, nach hinten die Straße entlang umkippte und mit dem Hinterkopf gegen das Heck eines Autos knallte, das gerade noch bremste.

Ich schlug mir die Hand vor den Mund und noch während ich Bay in die Warteschleife setzte, sagte ich ihr nur, dass ich kurz auflegen muss und rief die 112.

Irgendwie kam es mir ewig vor, bis die ganzen Leute reagierten. Ich war die Einzige, die loslief, während der Notruf wählte und erst als ich die ca. 10 Meter bis zu dem „toten“ Mann vorgelaufen war, fingen an die Leute aus den Autos zu springen. Ich zitterte am ganzen Körper und mir fiel in dem Moment noch nicht einmal diese verdammte stabile Seitenlage ein. Gott sei Dank griffen die Menschen gleich ein, während ich dem Notarzt erklärte was passiert war.
Der Typ atmete zwar, reagierte aber auf nichts, als sei er tot. Ich war so unter Schock, dass ich für nen Moment vergessen hatte, wo ich bin.

Ich sagte den Menschen, dass ich den Notarzt gerufen hatte und fragte, ob ich weitergehen dürfte oder ob mich der Notarzt brauchen würde. Die bedankten sich alle nur und meinte, ich könne ruhig gehen.

Ich ging ziemlich eilig weiter, während ich Bay aus der Warteschleife holte. Erst als ich ihr erzählte, was gerade passiert war, prasselte der Schock durch meinen Körper, weil ich erst jetzt spürte, wie mein Herz im Bauch klopfte und sogar meine Stimme zitterte.

Ich bin weiter gegangen, weil ich gesehen habe, dass sich ca. 6 Leute um den Mann gekümmert haben. Sonst wäre ich natürlich geblieben. Aber ich habe echt noch gute 20 Minuten gebraucht, um mich von dem Schock zu erholen.

Spätestens als ich am Zug war und ein einjähriger Knirps auf mich zugelaufen kam und mir zuwinkte, war der Schock vergessen.

 

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