Zu viel vom „Gehen“ in letzter Zeit.

Es ist eine andere Welt, die ich gerade versuche zu sehen. So, wie ich sie schon vorher gesehen habe, aber irgendwie machen es mir die Umstände sehr schwer. Kaum habe ich mich für den Weg entschieden, der mich aus dem Loch ziehen soll, klettere ich nach oben und irgendwas schubst mich wieder zurück.

In diesem Jahr sind ein Haufen Wesen in meinem Leben gestorben. Gestern das Vierte.

Ich habe mich nicht schlecht gefühlt. Ich war betrübt, habe sie aber alle gehen lassen. Meine Katze Polly, die ich vor 12 Jahren von meiner verstorbenen Tante geschenkt bekommen habe, die hat mir unglaublich viel bedeutet. Sie hat meine Tante quasi verkörpert. Sie war.. das Gefühl, das ich gebraucht habe. Ich dachte immer, solange sie lebt, ist meine Tante gar nicht wirklich tot. Und sie ist schon 2008 gestorben. Es ist also neun Jahre her, in denen ich es immer noch nicht glauben kann und glauben will und der erste und letzte Tod, der mich seelisch mitgerissen hat. Ziemlich tief.

Und ich weiß, dass das Quatsch ist. Natürlich lebt meine Tante nicht in der Katze weiter. Aber zumindest hatte ich eine Energie bei mir, die mich an sie erinnerte und mich mit einem Gefühl von ihr verband.

Als ich Polly das letzte Mal sah, das war im Januar, hatte ich schon im Gefühl, dass ich sie nicht mehr sehen werde. Dabei war klar, dass ich in einer Woche wieder meine Eltern besuchen gehe. Und ich wollte es nicht glauben. Ich wollte nicht daran glauben, dass sie es nicht schafft. Sie lag unter dem Tisch, als ich sie das letzte Mal sah. Ich sagte leise zu ihr: „Wir sehen uns nächste Woche. Bitte halte solange durch.“

Vier Tage später sagte mir meine Mutter, dass Polly schon einen Tag nachdem ich gegangen war gestorben sei. Und ich hatte mich nicht verabschiedet. Obwohl ich in der Tür stand und überlegt habe, nochmal zu ihr zu gehen, sie zu küssen und mich sicherheitshalber DOCH zu verabschieden… habe ich es nicht getan. Weil ich stur war. Und diese Sturheit ist mir zu meinem eigenen emotionalen Verhängnis geworden. Ich habe geweint, aber nur ein paar Minuten. Ich habe sie gehen lassen. Ich konnte sie gehen lassen. Ich hatte irgendwie so ein Gefühl das mir sagte: Es ist okay.

Vor einer Woche musste ich meine Ratte Buffy einschläfern lassen. Wir haben sehr um sie gekämpft. Es sind mittlerweile hunderte von Euros auf sie gegangen. Ich hätte auch noch viel mehr für sie gegeben. Ich wollte bloß, dass es ihr gut geht. Aber es wurde immer schlimmer. Und als ich das erste Mal zum TA ging, um sie einschläfern zu lassen, ist mir das Herz schon in Stücke zersprungen, weil ich es nicht ertrage über das Leben eines anderen Wesens zu bestimmen. Zumal sie noch so wirkte, als würde sie kämpfen, als würde sie leben WOLLEN. Der TA riet mir dann Gott sei Dank auch davon ab und meinte, er würde noch eine Woche behandeln, aber wenn es schlechter wird…

Und es wurde schlechter. Und meine Freundin hat sie für mich einschläfern lassen, denn ich war im Ausland (Arbeit) Und ich wollte sie keinen Tag länger leiden lassen. Ich habe meiner Freundin gesagt, dass ich ihr vertraue und wenn sie auch sagt, dass es ihr immer schlechter geht..

Buffy war also Nummer Zwei.

Und gestern musste Charlie gehen. Wir haben Charlie erst vor fünf Monaten aus schlechter Haltung zu uns geholt. Er war in einen Käfig gesperrt und bekam nur Körnerfutter. Da er nicht kastriert war, konnten wir ihn auch erst nicht mit unseren Kaninchen zusammensetzen (im Endeffekt ist ja dann eines ausgebrochen, das ja dann die Babys bekommen hat)… also musste er erst kastriert werden und alleine von den anderen getrennt bleiben. Nächste Woche wäre es so weit gewesen, ihn endlich vergesellschaften lassen zu können….

Aber das sollte er nicht mehr erleben… Charlie hieß eigentlich „Hasi“ aber er hatte immer so einen tieftraurigen Blick… Also nannten wir ihn Charlie, wegen dem Lied „Charlie, du siehst traurig aus“. Und vermutlich war er das auch. Die ganze Zeit, in der er bei uns war, habe ich mit ihm mit gelitten. Weil er einfach so einsam war…

Und… vor zwei Tagen fing es an ihm unendlich schlecht zu gehen. Erst waren wir beim Tierarzt, und gestern Abend dann in der Tierklinik. Er hatte Verstopfung und wir haben es zu spät bemerkt… sie wollten ihn noch stationär dabehalten, wie haben sie gebeten, alles zu tun, was sie können, Hauptsache es ginge ihm wieder gut………. er hat mich so…. entsetzlich… traurig angesehen. Aber diesmal… so richtig traurig… als sie ihn weggebracht haben… und es war das letzte Mal das wir ihn gesehen haben.

Denn wir fuhren Heim… Und nur zwei Stunden später kam ein Anruf von der Tierklinik, dass er es nicht geschafft hat.

Ich konnte gar nicht glauben, was sie da gesagt hat und diese Nachricht hat so furchtbar wehgetan. Weil natürlich als erstes die Gedanken kamen: „Wenn ich es früher gesehen hätte, dann….“ Und ich mache mir Vorwürfe und Vorwürfe und Vorwürfe…. und komme nicht aus der Trauer heraus und das finde ich so seltsam, denn Buffy und Polly konnte ich so leicht gehen lassen. Obwohl Charlie erst seit wenigen Monaten bei uns war.

Aber vielleicht… tut es mir deshalb so weh, weil ich weiß, dass er kein besonders schönes Leben hatte. Und… oh Gott, ich muss schon wieder weinen, weil es mir so leid tut. Ich habe mich schon so sehr auf die Zeit gefreut, in der er endlich zu unserer Gruppe kann und nicht mehr so isoliert von den anderen … aber er durfte es nicht erleben. Er kannte das Leben vermutlich bloß… als Schmerzen und Trauer… keine Ahnung. Aber irgendwie…. tut mir das so weh und ich komme nicht los. Ich kann einfach nicht loslassen, weil ich … ihm so gerne gezeigt hätte, wie schön das Leben sein kann…… und jetzt ist er auch noch gestorben, nachdem er so gelitten hat… ich … fühle mich richtig schlecht…. Und ich komme einfach aus dieser verdammten Trauer nicht raus.

Ich möchte ihn in Liebe gehen lassen, und hoffen dass er jetzt als irgendwas anderes wiedergeboren wird, wo er das Schöne im Leben kennen lernt…….. aber für mich selbst… kann ich nicht abschließen…. in mir ist so ein großer Schmerz…. weil ich das alles einfach so unfair finde……….

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Sonnenmenschen

Es schließt sich eine Tür, und es öffnet sich eine andere. Alles ist in Bewegung und egal wie sehr man sich etwas wünscht, wenn nicht die Zeit dafür ist, dann wird es nicht geschehen. Vieles nehme ich viel schwerer als es ist, mache mir Angst, Gedanken, Sorgen. Und dann treten sie in mein Leben, stehen an dieser anderen Tür, halten sie mir auf, heißen mich willkommen – ihre Augen, ihr Lächeln, ihre Herzen. Sie sind Lichter in den dunkelsten Zeiten. Begleiter, Begleiterinnen, Freunde, Freundinnen. Sie sind Augen, die mich ansehen und mich mit einer Liebe überfluten, die ich kaum aushalte, die mich so tief, und so stark und so intensiv trifft, dass mir das Herz wächst und wächst, bis es sich anfühlt, als wäre es zu groß für meinen Körper.

Und dann steht unter all diesen Lichtern, all diesen Lächeln, Augen und Herzen und Begleitern, Freunden – Sie. Da steht sie, mit ihrem tiefblauen Ozean und ich spüre sie und habe das Gefühl zu fliegen, wenn ich sie spüre.

Ich mache gerade eine seltsame Zeit durch. Als würde meine Welt auf dem Kopf stehen. Es geht alles schief, was schief gehen kann. Voll mit Unsicherheit, Sorge und Risiko. Und ich weiß, ich spüre, dass das alles durch mich hindurch läuft, dass ich der Kanal bin, durch das diese ganze Situation ausgelöst wird, aber ich kann nicht erkennen, wodurch es ausgelöst wird. Was ich ändern muss.

Ich sperrte mich ein, mich selbst. Sperrte andere weg. Alle. Und ich musste wieder lernen zu atmen, zu schlafen, zu träumen, zu lachen und mich zu bewegen. Es war in Eis gefroren, fest und unerbittlich. Und ich wusste immer, dass es da  ist, dass es irgendwo in mir ist, dass dieses Zeug im Eis  ICH bin, dass diese kleinen Teilchen, die mir aus den Händen flogen, meine Persönlichkeit waren, die ich irgendwie nicht mehr erkennen konnte.

Und dann am ein Arschtritt. Meinerseits. Ich ging wieder zu ihnen, zu meinen Lichtern, meinen Herzmenschen… Sonnenmenschen. Und mein Herz ist wieder aufgegangen, wie die Sonne nach einer erstickten Nacht.

Ich denke, ich verändere mich gerade. Ich weiß noch nicht in welche Richtung, aber es passiert.

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