:Leichtes Universum:

Es ist ein Ozean. Aus Gefühlen. Einst zu Eis gefroren, dann zu einem Ozean geschmolzen. Ja, geschmolzen, so geschmolzen, wie es nur eine brennende Leidenschaft es zum Schmelzen bringen kann.

Also ein Ozean, ein tiefer, weiter Ozean aus Gefühlen, das durch brennende Leidenschaft entstanden ist. Eis, das fest und weiß, zu einem blau-türkisen Tief wandelte, um sich zu bewegen. Eine Bewegung also, der flüssigen und klaren Illusion, der wir uns alle gerne hingeben, denn Hingabe erleichtert unsere Leidenschaft, schubst uns in unsere verlockende Illusion, in unseren Ozean. Konfrontiert uns mit unseren dynamischsten Wahrheiten, streichelt unsere Gefühle als Wasser um  unsere Haut, die unsere Illusion sonst in Gefangenschaft hält, die wir eigentlich ja brauchen, damit sie sich bewegt – nicht bloß in uns, sondern auch über uns, unter uns und um uns herum, wie der klare, verlockende Ozean, den wir aus unserer brennenden Leidenschaft geschaffen haben.

Unsere Gefühle, die einst zu Eis gefroren, fest und weiß, zu einem blau-türkisen Tief geschmolzen.

Und warum fühlt sich das so gut an? Warum tut es so gut, obwohl es taub macht? Obwohl es – das Wasser – unsere Ohren füllt, wie Watte, und wir unser Herz matt in unserem Körper schlagen hören.

Ist das der Masochismus oder die Melancholie oder ist es beides in Einem, eine masochistische Melancholie oder ein melancholischer Masochismus? Und wenn ja, wo sind dann die Grenzen, wo ist der schmale Grat, bei dem das Eine in das Andere, und das Andere in das Eine übergeht? Und überhaupt – warum haben wir für alles Grenzen und Abgrenzungen, warum kann nicht das Eine das Andere, und gleichzeitig das Andere auch das Eine sein? Warum ist da kein Übergang, warum ist da kein Fluss, warum hauen wir, grob wie ein Fels, unsere eigenen Schranken ein und wundern uns, dass sich plötzlich nichts mehr bewegt; dass plötzlich nichts mehr weitergeht?

Warum können wir die Bewegung in uns nicht Eins werden lassen, wie das Wasser unsere Gefühle aus abermilliarden einsamen, individuellen Molekülen zu einem Ganzen werden lässt?

Warum schwächen wir uns als abgegrenzte Einheit, warum akzeptieren wir nicht unser inneres Universum, das nur durch selbstlose Verbundenheit funktioniert, in einem endlosen Nichts? Denn Nichts, das wären wir, wenn das, was in uns ist, nicht in uns wäre.

Und irgendwann, da zieht unser inneres Universum weiter, verlässt uns, lässt den Ozean verdunsten, lässt all die erkämpfte verbundene Einheit verschwinden, als hätte es sie nie gegeben. Und dann irren sie wieder umher, die einsamen, individuellen Moleküle; unsere Gefühle.

Die, die wir vielleicht Seelenteilchen nennen. Wenn das Universum sich dann ein neues Nichts aussucht und es mit seiner Leichtigkeit füllt, dann ist es ein vollkommener Ursprung, dem die Emotionen noch fehlen. Und dieses Geschöpf – ein Embryo? ein Baby? – das Wesen, das zarte Nichts, das nun mit dem Universum erfüllt ist, das wird sich auf die Suche nach den verdunsteten Gefühlen machen – auf seine Seelenteilchen – denn, obwohl es nicht weiß wonach es sucht, wonach wir unser Leben lang suchen, fühlen wir eine sanfte, vibrierende Leere in unserem Universum, über uns, unter uns, aber auch ums uns herum.

Irgendwann, wenn wir es sehen, wenn wir die Augen aufschlagen, wenn wir uns öffnen, irgendwann, nach vielen, vielen Jahren – oder vielleicht auch mehreren Leben – ja, vielleicht finden dann all unsere Moleküle wieder zu uns, um sich zu verbinden. Um wieder Eins zu werden. Um die Vollkommenheit noch vollkommener zu machen. Vielleicht schaffen sie es, vielleicht schaffen wir es, bevor unser von leichtem Universum gefülltes Nichts mit angelernten Idealen, mit in Täuschung getränkter, vermeintlicher Wahrheit geblendet wird.

So sehr, dass wir ein Leben lang davon ausgehen, dass das, was wir leben, die Wahrheit ist und die eigentlich Realität als Illusion verteufeln. Obwohl doch diese Illusion, von der wir alle ausgehen, dass sie uns täuschen will, unser Ursprung war! Das Universum…

Das, was wir irgendwann, mit der Zeit – wenn die Zeit schneller ist als unsere Seelenteilchen – anfangen zu leugnen oder, im schlimmsten Fall, gar nicht einmal mehr sehen. Und die Zeit ist schnell.

Die Zeit ist in unserer vermeintlichen Realität der größte Gegner für unsere eigentliche Wahrheit. Aber vielleicht, ja, vielleicht sind ja eines Tages unsere Moleküle – unsere Seelenteilchen – schneller als die Zeit.

Und dann werden wir alle irgendwann alles verstehen … nur um zu erkennen, dass wir eigentlich nie hätten etwas verstehen müssen – um zu erkennen, dass uns die trügerische Realität eine lange, vergeudete Zeit nach etwas Belanglosem hat suchen lassen. Denn eigentlich ging es all die Zeit, all die Jahre oder vielleicht auch all die vielen Leben, nur um das Erwachen.

Es drehte sich immer alles nur um das Erwachen.

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:Hirsch: Krafttier

Am Wochenende hatte ich Besuch von Carmen. Es war ein sehr, sehr schönes Wochenende.

Am Samstag wollte ich wieder meditieren. Komischerweise mache ich das alleine sehr selten. Meistens nur mit Carmen zusammen. Ich weiß nicht warum.

Ich glaube, wenn meine Freunde und Familie wüssten, dass ich meditiere, würden sie mich nicht mehr für ganz voll halten.

Egal, mir tut es gut, ich liebe es, weil ich das Gefühl habe… ach, es gehört mir. Es gehört einfach mir. Keiner kann es sehen, keiner kann es fühlen und vermutlich kann es auch keiner verstehen und das stört mich nicht, weil es mich so glücklich macht.

Am Samstag meditierte ich also mit ihr. Ich bat sie darum. Ich wollte es in dem Moment unbedingt tun.

Also zündeten wir uns eine Kerze an, setzten uns gegenüber und ich schloss die Augen.

Ich war SO schnell weg!!!

Das habe ich noch nie erlebt.

Erst war ich in einer Dunkelheit gestanden, wie immer zu Beginn… aber schon sehr bald erkannte ich Meridians Haare, die im Wind wehten. Ganz dich vor mir. Dann erkannte ich den hellbraunen Mantel und die riesige Kapuze, die sie über den Kopf gezogen hatte. Sie drehte sich leicht zu mir um und lächelte.

Schon da musste ich weinen – dummes, dummes Sensibelchen. Aber ich musste weinen, weil ich so glücklich war sie zu sehen!

Dann weitete sich erst ein Bild vor meinen Augen. Ich spürte den Schnee unter meinen Füßen. Das knirschende Geräusch verleitete mich dazu zu meinen Füßen zu sehen. Der Schnee war hoch. Er ging mir ungefähr bis zu den Knöcheln.

Ich folgte Meridian, sie lief einfach geradeaus und ich folgte ihr. Die Landschaft war weit. Sehr weit und frei. Nur rechts und links erstreckten sich Wälder. Es schneite. Es schneite dichten, weichen Schnee und verzauberte die ganze Landschaft. Der Himmel war eisblau, wie auch sonst ziemlich alles in diesem eisblau schimmerte. So hell, dass es fast weiß war.

Und dann erkannte ich zu meiner Rechten Schatten im dichten, fallenden Schnee. Erst als wir näher kamen, erkannte ich dass es Rehe waren, die mich ansahen. Ich holte tief Luft, weil mich das Gefühl der Überwältigung so atemlos werden ließ, dass ich dachte ich ersticke. Als ich Luft holte, wurde mir erst bewusst, wie klar und sauber die Luft hier überhaupt war. Es ging so kalt und belebend durch mich durch, als würde ich das erste Mal in meinem Leben atmen!

Und als wir diesen Schatten näher kamen erkannte ich einen Hirsch. Er stand da und sah mich an. Er sah mir mitten in das Gesicht und in dem Moment, in dem ich ihn sah, musste ich wieder weinen. Und zwar in der Realität! Ich habe richtig gespürt, wie mir die Tränen aus den Augen gelaufen sind!

Meridian ist stehen geblieben, ich bin weiter auf den Hirsch zu gegangen, der seelenruhig stehen blieb und mich weiter aus seinen weisen, ehrlichen Augen ansah. Ganz dicht vor ihm blieb ich stehen und sah ihn einfach nur an. Er sah mich auch an, bewegte sich nicht.

Ich trat noch einen Schritt auf ihn zu und legte meine Hand etwas über seine Nase. Er atmete aus. Sein Atem verdunstete in der Kälte und ich sah ihn lange an und genoss dieses unbeschreibliche Gefühl. Mein Herz flatterte richtig und ich war bedingungslos glücklich!!!

Zwischenzeitlich verließ ich mal kurz den Ort, kehrte dann aber wieder zurück zu dem Hirsch. Er kniete sich auf die Vorderbeine, senkte leicht den Kopf und wartete, bis ich verstand, dass ich mich auf seinen Rücken setzen sollte. Ich zögerte, setzte dann aber den ersten Schritt, den zweiten, und traute mich schließlich wirklich, mich auf seinen Rücken zu setzen.

In dem Moment, in dem er sich mit mir auf dem Rücken wieder erhob, kam von hinten ein kleiner, weißer Schmetterling angeflogen. Er setzte sich auf das rechte Geweih des Hirsches. Und dann musste ich wieder weinen.

Ich kam aus meiner Meditation wieder heraus und weinte immer noch – so sehr! Carmen saß vor mir und ich dachte für eine kurze Sekunde wieder darüber nach, wie schön sie aussieht (sie hatte die Augen noch geschlossen). Gleich darauf überwältigte mich aber wieder dieses Gefühl des Glücklichseins und die Tränen liefen und liefen und liefen und ich strahlte über das ganze Gesicht und mein Herz flatterte und flatterte und flatterte und ich zitterte.

Irgendwann „erwachte“ auch Carmen und sie sah mich erst nur lange an. Ziemlich unergründlich. Klar, ich saß immerhin strahlend glücklich aber heulend vor ihr. Das muss absurd ausgesehen haben. Ich konnte auch nicht reden, weil irgendwie alles in mir so schwammig war. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich meinen Körper nicht spüre… ich war wohl noch nicht richtig „da“.. also irgendwie noch in der Meditation drinnen. Vermutlich bin ich zu früh aufgewacht, aber irgendwie habe ich mich nicht richtig „gelöst“ von der Meditation und war deshalb so „weich“ – also mein Körper. Ich konnte ihn wirklich nicht spüren, habe gezittert, war glücklich, fast euphorisch und habe gleichzeitig gelacht und geweint.

Carmen half mir vom Boden und sagte mir, ich solle mich einfach bewegen und schütteln und sonstwas tun, um meinen Körper aufzuwecken. Ich versuchte es. Ich kam mir zwar echt blöd dabei vor, aber hey, es klappte wirklich.

Dann erzählte ich ihr davon, was ich gesehen hatte. Und sie lächelte und meinte nur: „Tja… das war dann wohl dein Krafttier.“

Ich muss ehrlich sagen, ich habe keine Ahnung, was Krafttiere so wirklich sind, ich weiß nur, dass sie im Spirituellen oft vorkommen, aber was genau das sein soll oder was die bringen sollen; keine Ahnung.

Ich habe auch noch keine Lust gehabt es zu googlen, aber dafür habe ich gegoogelt, was der Hirsch als „Geistwesen“ (so steht es im Internte) für eine Bedeutung hat:

Die Macht der Tiergeister: Das Krafttier Hirsch und seine Bedeutung

  • Selbstachtung
  • Unabhängigkeit
  • Charisma

 

 

Das sind die drei Schlüsselwörter, die am besten die Qualität von Krafttier Hirsch versinnbildlichen. Der elegante und zugleich königliche Hirsch zeigt uns, wie wir mit aufrechter Haltung durchs Leben gehen können – gerade auch dann, wenn die Zeiten einmal etwas schwieriger sind. Dabei geht es um echte Autorität, innere Stärke und die Erkenntnis, dass in der Ruhe oft die wahre Kraft liegt. Der Hirsch schreitet frei und unabhängig durch sein Territorium: Wenn er uns als Krafttier erscheint, sind wir daher dazu aufgefordert, mit der gleichen Beharrlichkeit unsere Ziele anzustreben – und letzten Endes unseren eigenen Weg zu gehen.

Krafttier Hirsch und seine Botschaften

Wenn der Hirsch als Geistwesen zu uns kommt, können wir diese wertvollen und spirituellen Erkenntnisse von ihm lernen:

  • Das Geweih als Symbol für Waffe, verbunden mit der Aufforderung, unsere Kräfte richtig einzusetzen.
  • Ein Geweih ist, obwohl von knöcherner Substanz, ein erstaunlich flexibles Material: Überprüfen, wo wir zu starr geworden sind.
  • Das Abwerfen des Geweihs als Symbol dafür, neue Wege zu beschreiten.
  • Das Geweih als reine Zierde und Symbol für Imponiergehabe.

Als mächtigstem Tier des Waldes kommt dem Krafttier Hirsch zweifelsohne eine ganz besondere Bedeutung zu. Er zeigt uns, auf welche Weise wir uns für unsere Ziele einsetzen sollten, ob unser Selbstbewusstsein echt oder nur Fassade ist. Krafttier Hirsch zeigt uns aber auch, wann es Zeit für einen Neuanfang ist und wir, so wie der Hirsch sein Geweih abwirft, von alten Mustern ablassen sollten.

Außerdem habe ich gestern noch angefangen zu versuchen das alles aufzumalen, was ich so sehe, wenn ich meditiere. Also habe ich einen Körper gezeichnet und da eben die ganzen „Räume“, die ich bisher in meinen Meditationen gesehen habe. Die waren nicht von Anfang an so, wie sie mittlerweile sind. Es musste sich viel entwickeln (vor allem der rote Raum, ganz unten). Das war vorher ein schwarzer Raum mit einem Käfig, in dem ein schrecklich unheimliches Wesen herumtigerte. Aber das ist ne andere Geschichte.

chakra
Der Kopf passt von den Farben her nicht so ganz. Eigentlich sieht es wirklich aus wie eine Abenddämmerung (lila-dunkelblau mit Sternen)

 

Ich glaube, ich werde hier eine Kategorie namens „Nebenwelten“ eröffnen, in der ich dann all dieses Zeug hier schreiben werde.

Nun… zumindest muss ich zu dieser Geschichte dann noch etwas erzählen, weil sie mit zwei Leuten zusammenhängt, die ich vor Weihnachten mal bei einer Weihnachtsfeier kennen gelernt habe. Es geht um eine Mutter und ihre Tochter.

 

 


 

 

 

 

:Weltengestalter: || :Erste Hypnose:

Welten zu gestalten ist ja relativ einfach. Finde ich. Und zudem auch noch eines meiner Lieblingsbeschäftigungen – ist das nicht cool? Ich meine, stellt euch mal vor! Ihr schließt die Augen (oder auch nicht) und entspannt euch und atmet tief aus und ein und PLUMS – ist man plötzlich in einer anderen Welt.

Das erste Mal, da war ich an einem Ufer aus Sand. Es dämmerte. Der Himmel war orange-lila-dunkelblau und die Sterne die waren schon überall zu sehen – so klar, dass man sogar die Milchstraße erkannte. Es war fast Vollmond und wie ich so am Ufer im weichen Sand stand und das Rauschen der niedrigen Wellen hörte, sah ich geradeaus und entdeckte etwas weiter vor mir einen Felsen.

Dieser Ort, der existiert in meinem Kopf.

Dann gibt es noch den Sonnenraum. Der ist so strahlend gelb, als hätte man die Sonne eingesaugt und festgehalten. In diesem Raum, da gibt es eine Hängematte. Ansonsten ist er leer. Ein kleines Kind tanzt da manchmal herum. Dieses Kind hat kein Gesicht und kein Aussehen. Es ist einfach nur … wie aus Licht gezaubert. Eher wie der Umriss eines Kindes.

Dieser Raum, der existiert in meiner Brust.

Und dann wäre da der Ort, den ich zuletzt entdeckt habe. Er ist rot-orange, aber eher rot. Strahlend rot. Es ist eine riesige Wiese, voll und übervoll mit blühenden, satten Mohnblumen. So viele, dass es aussieht wie ein rotes Meer! Hinter dieser Kulisse geht gerade die Sonne auf. Ein gold-orange-rotes Licht, das die Farbe der Mohnblumenwiese nur verstärkt und alles zum Glühen und Brennen und Leben bringt. Leidenschaft. In der Mitte dieser Mohnblumenwiese steht ein kleines, hölzernes Boot.

Diese Wiese existiert in meinem Unterleib.

Keine Ahnung, wie ich auf all das kam. Der Strand bei Abenddämmerung, der kam mir, als ich die Augen geschlossen hatte und einfach nur entspannte.

Den Sonnenraum und die Mohnblumenwiese sah ich erst vor zwei Wochen bei meinem Hypnose-Termin. Ich sah ihn mit offenen Augen!

Ja, ich war bei einer Hypnosetherapie.

Und obwohl ich während der Sitzung (2 Stunden), *Jellas Stimme bloß als sehr, sehr leises Rauschen/Summen vernahm, konnte ich irgendwie jedes ihrer Worte verstehen – ohne sie zu hören! Ist das nicht Wahnsinn?

Und ich war einfach weg! Weg, weg, weg! Ich hatte die Augen offen und ich wusste, dass ich auf diesem Sessel sitze… aber… ich war irgendwie WEG! Und das war so… wow! Ich hatte das Gefühl, mit meinem Körper nicht mehr verbunden zu sein! Und mit offenen Augen sah ich all diese Dinge!

Na ja… später, als ich davon erzählte, meinte jemand mit einem Lächeln zu mir: „Willkommen. Du bist jetzt ein Weltengestalter.“

Ich mag es! Ich liebe es! Es gibt sooo viele Welten. Sie sind zwar nur in meinem Kopf, aber ich kann sie sehen und fühlen und das macht sie für mich existent.

 

|Ein neuer Teil in mir| – Meridian –

Es ist die Farbe meiner Dämmerung. Es ist die Farbe des Himmels. Der Verlauf von Orange in Rosa -> Lila -> Violett -> Blau, bis ins tiefste Schwarz, in dem die Sterne das Lachen beginnen.

Es ist ihr Horizont, auf den sie blickte, als sie auf dem Felsen saß, ein Licht ihres Selbst…. es ist der Horizont, der sich in dem leise rauschenden Meer vor ihr spiegelte. Es ist die Farbe, die ihr den Wind entgegen blies, die ihr die Haare um das ebene Gesicht tanzen ließ.

Es ist die Farbe, die sie dazu verleitete, mich anzusehen. Die Farbe, unter der ich das erste Mal ihr Lächeln sah und die Farbe, die mir den Weg eröffnete, ihr die Hand zu reichen und meinen Weg mit ihr zu gehen.

Das zweite Mal, da lief ich in der Dunkelheit. Ich lief in der Nacht, meine Füße in weichem Sand. Der Himmel war dunkelblau, es war kurz nach der Dämmerung. 

Die Sterne lachten mich an.

Rechts von mir schäumte das Meer über das unberührte Ufer.

Links wogen die schwarzen Grashalme auf einer Erhöhung im leisen Wind. Es blies mir einzelne Strähnen über die Lippen, kitzelte sie. Ich strich sie nicht aus meinem Gesicht. 

Du liefst vor mir. Ein kleiner Schatten, ohne Gesicht. Du hast vor mir getanzt, führtest mir den Weg zu dem schwarzen Baum. Alles schwarz, wie aus Pappe.

Was du mir gezeigt hast, war tief. 

Du hast dich vor diese Linde gestellt. Die, mit ihrem dicken, alten Stamm. Du stelltest dich vor sie und legtest eine flache Hand auf ihr kaltes Holz. Du sahst in die Krone empor, dann zu mir. Du strecktest mir die Hand entgegen.

Ich zögerte, du flüstertest mir zu: „Komm“ und ich bewegte mich. Wie immer ertönte deine tonlose Stimme in meinem Kopf. Es war wie der Wind, ohne Nuance, ohne Gesang, ohne Oktave. Es war einfach nur ein stummes Flüstern, das ich hörte. Es war wie lesen. Eine Stimme ohne Besitzer.

Ich folgte deinen Worten. Ich kam zu dir. Und ich tat, was du mir zu fühlen schenktest. 

Du tratst von dem Baum weg, gabst mir den Platz frei. Meine Hand legte sich auf die Stelle, auf der deine war. Und sie sog mich ein. 

Die Linde sog mich auf. Umarmte meinen Körper, atmete mich ein, in ihr innerstes, bis ich mit ihr verbunden war. Ein goldenes Licht durchzog wie eine Explosion das Innere der Linde – und mich. 

Ein Erwachen.

„Siehst du?“, flüsterte deine Stimme in meinem Kopf, „Wir sind mit allem verbunden. Wir sind Eins mit dem ganzen Universum. Egal was du siehst, egal was du berührst, egal was du hörst. Alles bist du.“

Und ich spürte es. Ich spürte die Fassungslosigkeit. Ich spürte die Wahrheit. Ich spürte die Realität. Ich spürte, wie ich mich von der Linde in den Erdboden bewegte und die Welt als Ganzes sah. Ich sah mich selbst auf diesem Erdboden gehen, spürte meine Füße, die den Beton oder die Erde betraten und es fühlte sich an, wie eine sanfte Berührung in meinem Herz. Das Schmatzen eines klebenden, leckeren Bonbons, wenn sich die Füße meines Ichs von dem Boden hoben. Als liefe es auf Matsch, aber es lief auf mir selbst.

Während ich all das sah und all das spürte und all das verstand, ja, währenddessen saßt du wieder auf deinem Felsen und beobachtetest mich. Ein unsichtbares Lächeln auf deinem ebenen Gesicht. Und als ich mich aus der Linde löste und wieder in der singenden Nacht erwachte, sah ich in deine existenzlosen Augen und du verrietest mir deinen Namen.

Meridian. 

Ein Name, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte, aber der sich für mich stimmig anfühlte.

Meridian ist also der Name des gesichtlosen Mädchens, das mir Dinge der wirklichen Wirklichkeit zeigt, wenn ich die Augen schließe. Es ist der Name von dem Mädchen, das mir zeigte, dass die Realität – und wir alle mit ihr – eine große Illusion sind und die Wahrheit in uns drinnen steckt. Irgendwo zwischen Raum und Zeit………………… Irgendwo, wo das Nichts Alles ist.