Texte / Zitate

Mika & Edward

Zitat aus „Ich zeige dir was Leben ist“

 

»Weißt du, ich frage mich manchmal, warum fast jedes gesunde Zeug grün ist«, teile Mika ihm ihre Gedanken mit, bevor sie sich eine Gabel von ihrem Salat in den Mund schob.

»Es gibt bestimmt auch pinken Salat«, sagte er.

»Gibt es?«

»Warum nicht? Wir leben in einer modernen Welt. Die kleinste Idiotie eines Menschen wird in die Realität umgesetzt. Also wenn du als Weltverbesserin zu irgendeinem Konzern gehst und ihnen das Blaue vom Himmel flunkerst, dass ihr Geschäft bestimmt weltweit bekannt wird, dann würden sie für dich bestimmt farbigen Salat produzieren.«

Mika starrte ihn an.

»Für mich?«

»Ja. Ein Anderer würde es nicht schaffen.«

»Wieso nicht? Jeder kann doch Lügen.«

»Aber niemand hat dabei so viel Charme wie du.«

»Merkt man, wenn ich lüge?«

»Klar. Ich habe dir die Geschichte mit den singenden Pommes und dem LSD Pflaster auch nie abgekauft, obwohl das rein theoretisch wirklich passiert sein könnte.«

Mika lachte. Die Geschichte war wirklich eine Lüge gewesen. Mika erzählte viele erfundene Geschichten, die sich so aber wirklich hätten ereignen können. Das empfand sie nicht als verwerflich, ihre Lügen. Ihre Geschichten brachten Menschen häufig zum Lachen oder Staunen und das war, was zählte. Sie liebte es, Menschen lachen zu sehen.

»Meinst du, jeder weiß, dass ich Geschichten erzähle? Oder merkst das nur du, weil du so klug bist?«

»Ich denke, das merken viele. Aber das ist ihnen egal, weil du entzückend bist. Mika, du bist ein entzückendes, zartes Wesen.«

»Oh, Ed!« Mika grinste und nahm eine große Gabel von ihrem Essen in den Mund und dachte über die Idee mit dem bunten Salat nach.

 

„Brief von K.“

Wir kennen uns schon sehr lange. Ich weiß, wie du dich anfühlst, genauso wie du weißt, wie ich mich anfühle. Man könnte es fast so etwas wie eine Beziehung nennen. Eine ziemlich innige, ziemlich intime. Ich kenne alle deine Gedanken. Deine düstersten, dunkelsten, verruchtesten Geheimnisse.

Ich bin ein treuer Begleiter. Für eine gewisse Zeit. Aber das weißt du. Genauso wie dir klar ist, dass ich leicht zu  verlieren bin, so gibst du große Acht auf mich. Oder gerade deshalb. Du schenkst mir ein Zuhause. Ich kenne es schon eine Zeit lang. Vorher war es ein anderes. Ein ähnliches Gehäuse mit ähnlichen Artgenossen. Eine Klappe, die sich mit einem „sssrrr“ öffnet und ich mich gemütlich dazulegen und entspannen kann, bis du mich wieder holst. Das weiß ich zu schätzen.

So wie du zu schätzen weißt, dass ich ein ruhiger Geselle bin. Ich gebe kein Laut von mir. Nie. Bin mucksmäuschen still. Du brauchst nicht nach mir Ausschau zu halten, wenn du in mein Zuhause greifst. Du lässt die Finger über meine Artgenossen streifen. Die orangen Hungerhaken mit ihren bunten Köpfen lässt du durch deine Finger gleiten. Sie interessieren dich nicht, weil du mich willst. Viele Menschen wollen mich. Du ertastest meine Rundungen blind, weißt, wie du mich zu berühren hast. Du weißt, wie ich in deine Hand gehöre. Das macht uns zu besondere Verbündete.

Ich bin eine Zwischenstation deiner Gedanken.
Eine ziemlich Geniale, findest du nicht?
Ich weiß, ich bin dafür da, um dir zu dienen. Im Endeffekt nur eine schnelle Nummer, für Zwischendurch, wenn dir der Kopf zu voll wird und du diese lästigen Wortfetzen in deinem Kopf auf Blatt bringen möchtest. Sobald du leer im Kopf bist, bin ich nämlich nicht mehr wichtig. Du bestimmst über mich. Wenn ich Zuhause sein soll und wann ich zur dir gehöre.

Aber das ist schon okay so. Ich weiß nämlich, dass ich dir viel bedeute und du mich immer wieder brauchst. Du könntest gar nicht ohne mich. Wenigstens eine kleine Genugtuung. Woher ich das weiß? Nun, ich sehe jedes Mal die Panik in deinem Gesicht, wenn du in meinem Zuhause nach mir suchst, aber mich nicht findest. Dann liege ich meistens dort, wo du mich vergessen hast und lache dich aus. Stumm, natürlich.
Und dann suchst du die Umgebung nach mir ab, erblickst mich und eine  große Erleichterung überkommt dich.

Aber ich muss dich vorwarnen: Ich bleibe nicht für immer.
Vielleicht liegt das an deiner Schusseligkeit, aber ich denke viel eher, dass ich entführt werde. Für mich wird das okay sein, weil ich zu meinem Entführer dieselbe, intime Bindung aufbauen werde, wie zu dir und den vielen anderen vor dir auch. Ich bin ein Wanderer. Von Hand zu Hand und von Gedanken zu Gedanken. Eigentlich sollte man denken, ich bin weise und gebildet, aber doch bin ich dumm. Ich habe kein Gehirn. Nicht mal einen Kopf. Nicht in deinem Sinne.
Aber du wirst wütend und traurig, ja, vielleicht sogar frustriert sein, wenn du merkst, dass ich verschwunden bin.

Aber auch das ist okay.
Denn auch du wirst dann demnächst, dann und wann, irgendwann, einfach den Nächsten entführen. Nach der orangen Familie, diesen Spargeltarzanen, wirst du nicht greifen. Sie sind keine gute Alternative. Familie Finliner – wie sie schon heißen, hör’s dir an! – wären ein beleidigender Ersatz.

Und mein Bruder wird dieselbe Beziehung zu dir aufbauen, wie ich zuvor. Es ist der Kreislauf einer lächerlichen Banalität.

In inniger Liebe,
dein Kugelschreiber.


Zitat aus „Schubladen im Kopf“
– Kate & Mira

10.03.16

„Okay. Aber was ist dann das Problem?“
„Dieser Typ, der da hinter mir hockte. Weißt du, ich habe keine Ahnung, wie er aussieht. Aber ich erinnere mich an seine Stimme.“
„Hat sie dich an ihn erinnert?“ Kate zog die Brauen zusammen. Sie zog völlig falsche Schlüsse. Es waren keine negativen Gefühle, die dieser Mann in mir geweckt hatte.
Wieder schüttelte ich den Kopf „Nein. Absolut nicht. Er klang so freundlich. Er hatte so eine warme, angenehme Stimme. Weißt du, was ich meine? Es ist wie…. wie ein warmes Meer, völlig menschenleer, dem du den Rücken zudrehen kannst, und dich einfach fallen lassen willst.“

15.03.16

„Hm. Gut. Das liegt wohl an deinen Erfahrungen. Dafür kann ich Inder nicht leiden. Die sind für mich auch alle gleich. Auch eine Erfahrung, die mich geprägt hat. Aber vielleicht ist das gut, dass er dich gefunden hat. Ich finde, jeder sollte die Chance bekommen, etwas an seinen Grundeinstellungen zu ändern. Es wäre ja langweilig, ein Leben lang mit den selben Ansichten zu leben.“
Kate hatte Recht. Kate hatte immer Recht. Sie war nicht nur unglaublich hübsch. Sie war auch intelligent.


 

Zitat aus „Rückblick“ 
– Jola & Jake

14.05.16

„Du machst mir Angst“, sagte sie leise und klammerte sich so an das Pfefferspray, als sei es das letzte Stück Leben, an dem sie hing. Sie beobachtete das Pochen an Jakes Kiefer.
„Manchmal ist es besser falsche Angst zu haben, als keine.“ Mit den Worten drängte er sich an ihr vorbei, schloss die Tür auf, sah noch einmal zu ihr zurück und ging. Jola hörte noch eine ganze Weile seine Schritte im Treppenhaus, während sie das Spray in ihrer Hand betrachtete, ohne es wirklich anzusehen. Bis ihr einfiel, dass die Tür hinter ihr offenstand, sie sich mit rasendem Herzen umdrehte, sie zuknallte und drei Mal den Schlüssel im Schloss umdrehte.

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